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Tipps für Camping-Globetrotter

7 Fragen an erfahrene Weltenbummler

Globetrottertreffen Foto: Luitpold Leeb 12 Bilder

Globetrotter sind echte Individualisten, die eines verbindet: Das Fernweh. Da ist es gut, wenn man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann. Wir haben ein Treffen besucht und einen erfahrenen Camping-Weltenbummler interviewt.

13.04.2018 Luitpold Leeb

Eines ist ganz schnell klar: Mit Massentourismus hat dieses Globetrotter-Treffen rein gar nichts zu tun. Hier sind reisefreudige Individualisten zusammengekommen, was man auch sofort an den bunten Fahrzeugen der Teilnehmer sehen kann. Keines der großen und kleinen Fernreisemobile sieht aus wie von der Stange, vielmehr sind es toll ausgebaute Wohnmobile, viele davon richtige Oldtimer. Bremach, Hanomag, MAN Kat oder Iveco 4x4 mögen im täglichen Straßenbild eher selten sein, hier sind sie zu Dutzenden zu bestaunen.

Globetrottertreffen Foto: Luitpold Leeb
Ausrangierte Armeelaster wie dieser Steyr sind erschwinglich und werden zu fantasievollen Fernreisemobilen umgebaut.

Sehr beliebt scheinen ausgemusterte Armeelaster wie etwa der Neun-Tonner-Steyr-4x4 zu sein, die für einen erschwinglichen Anschaffungspreis zu haben sind. Die geländegängige Basis wird dann in sorgfältiger Handarbeit nach den eigenen Wünschen zum Fernreisemobil umgebaut. Sogar ein echter Saurer-Lkw aus der Schweiz hat den Weg nach Grub zum größten Kamel-Hof in Deutschland gefunden.

Ebenso sind auf dem Gelände von Bayern-Kamele rund 30 Kilometer östlich von München auch Landrover und Landcruiser mit Dach- oder Hubzelten versammelt. Das Globetrotter-Community-Treffen bietet auch für die kleinsten Etwas: Speziell die jüngeren Besucher finden die Kamele hier klasse.

Die Camping-Abenteurer freuen sich, endlich ihre Erfahrungen mit vielen Gleichgesinnten austauschen zu können. Und natürlich gibt es auch Vorträge und Live-Musik zur Unterhaltung der Gäste. Das Globertrotter-Treffen Bayer hat eine besonders lange Tradition. Ins Leben geruen hat es einer der deutschen Pioniere der individuellen Fernreisen mit Wohnmobil und Geländerfahrzeug: Klaus Därr.

Camping-Abenteurer Klaus Därr

Globetrottertreffen Foto: Luitpold Leeb
Der Organisator Klaus Därr ist selbst ein begeisterter Globetrotter.

Der Organisator Klaus Därr ist selbst ein begeisterter Globetrotter, der jahrelang in München einen Laden für Expeditionsausrüstung betrieben hat. Er selbst hat bereits zahlreiche Reisen in über 100 Länder unternommen – darunter viele Ziele in Afrika.

Vor einigen Jahren verwirklichte der heute 70-jährige Reisefan zusammen mit seiner Frau Erika seinen Traum von einer Weltreise. Eigentlich sollte sie nur drei oder vier Jahre dauern, doch dann führte die Reise das Globetrotter-Paar mehr als fünf Jahre lang auf 210.000 Kilometern rund um den Globus.

Wie würdest du den Reiz einer Reise abseits jeglicher touristischen Infrastruktur beschreiben? Was motiviert Menschen, auf gewohnten Komfort zu verzichten?

Wie beim Bergsteigen möchte man bei Individualreisen oder gar Expeditionsreisen seine Möglichkeiten austesten, sich messen und neue Herausforderungen suchen.

Dabei hat man das Privileg gegenüber organisiert reisenden Touristen, dass man leichter Kontakte zur einheimischen Bevölkerung findet und eher als Individuum oder gar Gast wahrgenommen wird als ein in das Beuteschema passendes Subjekt, das es jetzt sofort gilt finanziell anzuzapfen. Den Verzicht auf Komfort kann man eingrenzen, indem man einmal oder zweimal pro Woche in einem Hotel übernachtet und sich dort verpflegt.

Braucht man für Fernreisen wirklich ein allradgetriebenes Expeditionsmobil für mehr als hunderttausend Euro?

Man braucht für Fernreisen nicht wirklich ein allradgetriebenes Fahrzeug, der Allradantrieb erweitert aber die Möglichkeiten, Nebenstrecken zu benutzen, Abkürzungen zu fahren und abgelegene Übernachtungsplätze zu finden, die von der Straße oder Piste aus nicht einsehbar sind.

Einen Sprinter – noch ohne Allrad – gibt es ab  etwa 140 000, den Daily ab 150 000 Euro. Neue Offroad-Wohnmobile 2018 5 spannende Allradler im Check

Die Expeditionsmobile für viele hunderttausend Euro, die regelmäßig nach Messeterminen durch die Presse geistern, sind nicht erforderlich und auf der großen Reise fast nie zu sehen. Ich nenne solche Fahrzeuge Selbstverwirklichungsmobile, weil zumeist ein einigermaßen reiseerfahrener Eigentümer dahintersteckt, der es sich gegen Ende seines Erwerbslebens bauen lässt, um damit später die Welt zu bereisen. Aber erstens kommt es bekanntlich meistens anders und zweitens als man denkt. Die jeweils aktuelle politische Situation lässt dann die erträumten Reisen nicht zu, oder die Lebenspartnerin ist nicht bereit, so lange zu verreisen.

Nach einer Reise nach Griechenland und einer zum Nordkap steht das Fahrzeug dann im Hof, bis man versucht, es zu verkaufen. Dann wird die Leidensfähigkeit des Eigentümers auf eine harte Probe gestellt, denn die vermuteten Interessentenkreise haben entweder nicht das nötige Kleingeld oder möchten sich auch selbst verwirklichen und lassen sich selbst ein sehr teures Fahrzeug bauen.

Was kann man potenziellen Einsteigern empfehlen? Welche Ziele bieten sich aus deiner Sicht für die erste große Fernreise an?

Sehr beliebt und geeignet sind dafür Marokko und Island, denn beide Länder stellen neue Herausforderungen an den Reisenden, sind aber gut versorgt und bieten im Notfall die nötige Infrastruktur, um Hilfe zu erlangen.

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Wenn du auf die Fernreiseszene der letzten Jahrzehnte zurückblickst – was hat sich verändert?

Einerseits sind Sahara-Touren und viele Afrika-Reisen wegen Verschlechterung der Sicherheitslage fast völlig zusammengebrochen, andererseits haben sich neue Reiseziele geöffnet.

Dazu zählen insbesondere Länder im Osten Europas oder gar in Asien wie beispielsweise Iran, Zentralasien, Kasachstan oder nicht ganz so weit entfernt Balkan mit Serbien, Rumänien, Bulgarien, Albanien und Montenegro. Jahrzehntelang war der Landweg mit dem Kfz nach Ostasien fast unmöglich, weil Myanmar (Burma) fest geschlossen war, und China ist bis heute nur unter restriktiven Bedingungen zu bereisen. Heute ist der Weg durch Myanmar nach Südostasien möglich, wer will, kann sogar über die Inselwelt Indonesiens von Ost-Timor bis nach Australien gelangen.

Organisatorisch gibt es insbesondere folgende Veränderungen im Sinne von Verbesserungen: Es gibt immer mehr aktuelle, praktisch orientierte Reiseführer über fast alle Länder der Erde. Die Kommunikation mittels Smartphone und Internet hält den Reisenden up to date und in Verbindung mit der Heimat. Man kann außerdem seine Reisekasse in fast allen Ländern, zumindest in den Hauptstädten, mit Hilfe seiner Master- oder Visa-Karte an ATMs, also Bankautomaten, auffrischen.

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Man hat den Eindruck, dass immer mehr Menschen zu Fernreisen aufbrechen. Wie individuell kann man überhaupt noch reisen?

Der Massentourismus findet im Kopf statt. Wer nur in die Länder und Regionen reist, über die er ständig in der Presse gelesen und Vorträge gehört hat, wird wieder auf viele andere Reisende treffen. Wer sich aufrafft, Strecken und Gegenden nur knapp daneben zu bereisen, der hat seine Ruhe und trifft auf Wohnbevölkerung, die den Touristen noch eher als Gast denn als pure Geldquelle betrachtet.

Du warst auf allen Kontinenten oft mit dem eigenen Geländemobil unterwegs. Was war dein ganz persönliches Highlight auf den vielen Expeditionsreisen?

Diese Frage wird mir verständlicherweise sehr häufig gestellt und ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn es kommt darauf an, ob man das zu bevorzugende Zielgebiet aus rein touristischer Sicht betrachtet, es primär auf die landschaftlichen Attraktionen ankommt oder ob man ein potenzielles Einwanderungsland bevorzugt.

Aus touristischer Sicht ist Marokko ein relativ nahe gelegenes, exotisches, gut versorgtes, vielfältiges, preiswertes Land mit freundlicher Bevölkerung, das wir fast jährlich bereisen. Darf es deutlich weiter entfernt sein, so wäre das südliche Afrika zu nennen mit Südafrika, Botswana, Zimbabwe, Namibia, Mozambik, Lesotho, Swasiland.

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Geht es um landschaftliche Extreme, so ist das vulkanische Grenzgebiet von Nordwest-Argentinien, im Norden Chile oder im Südwesten Boliviens besonders attraktiv. Die dünn besiedelten Hochgebirgsregionen der Anden bieten sehr viel Abwechslung und in Europa unbekannte Eindrücke.

Geht es darum, ein potenzielles Einwanderungsland zu finden, so stehen für mich Australien und Kanada im Vordergrund. Diese beiden Länder bieten Rechtssicherheit und politische Stabilität und gleichzeitig noch enormes Entwicklungspotenzial, sowohl für den Einwanderer selbst als auch für das ganze Land.

Gab es auf deinen Reisen auch manchmal Tiefpunkte?

Enttäuschungen und unerwartete Probleme können sich überall einstellen. Darauf muss man gefasst sein und sich darin beweisen, sie zu bewältigen.

Was ist der wichtigste Tipp, damit eine Fernreise am Ende zu einem positiven Erlebnis wird?

Sich genügend Zeit nehmen, Informationen über das Zielgebiet und den Weg dorthin sammeln, aber sich nicht auf eine feste Route oder starren Zeitplan festlegen. Ich wünsche gesunde Heimkehr von abenteuerlicher Reise.

Pläne für die Zukunft gibt es auch, denn auch 2018 will Klaus Därr wieder ein Globetrotter-Treffen bei den Bayern- Kamelen organisieren. Der Termin steht schon fest: 20. bis 22. Juli.

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