Corona: Auswirkungen auf Camping- und Wohnmobil-Branche
Corona und die Wohnmobil-Branche
Maren und Ralph in Marokko Maren Huber und Ralf Hokenmaier

Corona-Krise: Rückreiseverkehr nach Deutschland

Corona: Rückreiseverkehr nach Deutschland Camper in Marokko können per Fähre ausreisen

In den letzten Tagen häufen sich die Meldungen, dass Urlauber aus Marokko nicht nach Deutschland zurückreisen können. Ist es trotz geschlossener Grenzen noch möglich, aus dem Ausland nach Hause zurückzukehren? Alle Infos.

+++ UPDATE 1.4.2020: Fähre nach Europa für gestrandete Camper in Marokko. Kein Aprilscherz!!! Das Schiff legt am Donnerstag, 2. April um 18 Uhr ab Tanger Med ab und fährt den Hafen von Sète in Frankreich an. Das verkündet die Deutsche Botschaft in Rabat via Facebook und auf ihrer Website. Nach Angaben der Botschaft können etwa 170 Campingfahrzeuge damit aufs Europäische Festland transportiert werden. Die verbleibenden Tickets können online reserviert weden via Baleria.com/en/service-speciale-ferry-tanger-sete oder per Telefon: 00212-539 934 463 bzw. 0539 934 463.

Fähre zur Ausreise
Screenshot: Facebook
Auf diese Ankündigung haben viele in Marokko festsitzende Camper gewartet: Es gibt eine spezielle Fähre für Campingfahrzeuge nach Europa.

Alle Camper mit europäischer Staatsbürgerschaft können Tickets für die Fähre kaufen. Die Botschaft schreibt: "Es gilt: First come, first serve." Auf der Fähre werden nur Campingfahrzeuge transportiert. Wohnmobile, Caravan-Gespanne und Campingbusse, die eine Reservierungsbestätigung mitführen, dürfen in Marokko trotz dortigem Reiseverbot zum Hafen nach Tanger Med fahren. Darauf ist beispielsweise auch das Nummernschild und der Fahrzeugtyp vermerkt. Wer keine Reservierung bekommt, sollte nicht versuchen nach Tanger oder an einen anderen Ort in Marokko zu reisen. Die Preise für die Buchung starten je nach Fahrzeug und Personenanzahl bei 1200 Euro. Mehr Infos auf der Website der Botschaft rabat.diplo.de/ma-de und auf ihrer offiziellen Facebook-Seite. UPDATE 2.4.: Auch der Transport von Pkw ist erlaubt. +++

Im Zuge der Corona-Krise haben viele Staaten in Europa die europäischen Binnengrenzen geschlossen. Dennoch ist weiterhin gewährleistet, dass alle Bürger nach Hause zurückreisen können (siehe unten). Die EU hat ihre Grenzen allerdings auch nach außen geschlossen, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. EU-Bürger und alle Menschen mit einer Aufenthaltsberechtigung dürfen zwar einreisen, und Grenzen dürfen grundsätzlich passiert werden, um an den Heimatort zu gelangen. Doch an den Grenzen Marokkos gibt es Probleme.

Die Grenzen sind dicht

Einige Urlauber, die zu Beginn der Krise noch unterwegs waren, scheinen nun in Marokko festzustecken. Ein beliebtes Land für alle mobil Reisenden, die gerne im Winter in südlichere und warme Gefilde flüchten. So sollen derzeit einige hundert deutsche Reisemobilisten an der Grenze von Marokko zur spanischen Enklave Ceuta feststecken. Die Süddeutsche Zeitung berichtet davon in ihrem Artikel "Ausreise unmöglich" vom 24.03.20 und auch der Spiegel vermeldet es unter dem Artikel "Reisechaos wegen Corona" am selben Tag.

Was steckt dahinter? Ein Blick auf die Website des Auswärtigen Amtes zu den Reise- und Sicherheitshinweisen für Marokko (Stand: 25.03.20) bestätigt:

"Die spanischen Behörden haben am 22. März 2020, Mitternacht, die Grenzübergänge in Ceuta und Melilla im Rahmen des Kampfes gegen das Coronavirus geschlossen."

Das heißt: Nichts geht mehr! Die EU-Grenzen auf dem afrikanischen Kontinent sind dicht und niemand darf hier mehr passieren. Von Ceuta und Melilla nehmen Touristen und Reisemobilisten normalerweise die Fähre aufs europäische Festland. Dies ist derzeit nicht möglich.

Stecken Touristen nun in Marokko fest?

Der Facebook-Aufruf von Bloggern wie Maren Huber und Ralf Hokenmaier ("Maren und Ralf unterwegs") sagt ganz eindeutig: Ja! Sie sind selbst seit Januar in Marokko unterwegs und teilen auf Ihrer Facebook-Fanpage einen Hilferuf der Reisemobilisten, die derzeit an der Grenze gestrandet sind. Sie halten sich derzeit im Süden des Landes auf. Obwohl seit mehreren Tagen in Marokko eine Ausgangssperre gilt, sei es erlaubt, an die Grenze nach Norden zu fahren, um nach Hause zurückzukehren. Sie haben sich dagegen entschieden, weil dort "die Hölle los ist" sagt Maren in einem Interview mit promobil. Sie beobachten seit mehreren Tagen in Facebook-Gruppen und durch Erzählungen von Reisebekanntschaften, wie andere Reisemobilisten vergeblich versuchen, die Grenze zu passieren.

Maren und Ralph in Marokko
Maren Huber und Ralf Hokenmaier
Auf diesem Platz im Süden Marokkos warten die Blogger Maren und Ralph derzeit darauf, dass sich die Lage ändert.

Auch weitere Zeitungsberichte aus den vergangenen Tagen greifen auf, wie Reisemobilisten die Grenze nicht passieren dürfen. Dazu gehört beispielsweise ein Ehepaar aus Wörth an der marokkanischen Grenze, das nicht weiter kommt, oder ein Paar aus Aichach, dass am Grenzübergang festsitzt. Mittlerweile ist von hunderten Reisemobilisten, die vor den Grenzen verharren, die Rede.

Was sagt das Auswärtige Amt?

Auf promobil-Anfrage beim Auswärtigen Amt antwortet die Pressestelle schriftlich: "Wir beobachten die Lage an der marokkanisch-spanischen Grenze genau. Unsere Botschaften in Madrid und Rabat stehen in engem Kontakt mit den EU-Partnern vor Ort und den spanischen sowie marokkanischen Behörden, um eine Lösung zu finden. Unsere Botschaft in Rabat steht darüber hinaus bereit, Deutschen in einer – beispielsweise medizinischen – Notlage konsularische Hilfe und Unterstützung zu leisten."

Auf die Nachfrage, ob es Rückholaktionen wie in anderen Ländern gibt, erhielten wir keine Antwort. Was können Wohnmobilisten in Marokko nun also tun? Das Auswärtige Amt schreibt: "Nach unserer Kenntnis haben die marokkanischen Behörden für die Campingfahrzeuge den Parkplatz in Tanger Med geöffnet, wo diese sich geordnet sammeln und Vorräte auffrischen können." Viele Reisemobilisten weigern sich allerdings wegzufahren, erzählt Maren, die in engem Kontakt mit der Community der Marokko-Reisemobilisten steht. "Zwar ging die Grenze in den letzten Tagen wohl immer mal wieder auf und man ließ ein paar Leute rein, danach ging sie aber wieder zu. Und seit Längerem wurde diese nicht mehr geöffnet. Ich glaube, es ist nicht der richtige Weg, an den Grenzen zu verharren und dort Druck aufzubauen. Da sollte man lieber auf die Ausweich-Parkplätze fahren oder sich einen Campingplatz suchen und dort warten."

Die große Frage ist: Wann wird Spanien die Grenze seiner afrikanischen Enklaven zu Marokko wieder öffnen? Dazu schreibt das Auswärtige Amt: "Zur Frage des spanischen Grenzregimes verweisen wir an die spanischen Behörden." Die Kollegen von der Süddeutschen Zeitung haben das spanische Innenministerium bereits dazu befragt. Gegenüber ihnen hat es gesagt, dass es keine Angaben über den Zeitraum der Grenzschließung gibt. Nur: "Die allgemeinen Regeln würden bis zu 30 Tage gelten."

Ich kann das Land nicht verlassen – was tun?

Für alle deutschen Urlauber gibt es vom Auswärtigen Amt einen Krisenpool, der telefonisch erreichbar ist von 7.00 bis 22.00 Uhr MEZ unter 030/50003000. Auf der Website des Auswärtigen Amts kann man sich hier für eine Rückholaktion registrieren. Ausführliche Infos dazu finden Sie hier.

Die Deutsche Botschaft in Marokko rät allen Deutschen, die sich noch in Marokko aufhalten, eine E-Mail mit Angaben über Name, Telefonnummer, E-Mailadresse und Aufenthaltsort in Marokko an folgende Adresse zu schicken: info@rabat.diplo.de - Mehr Infos zur aktuellen Lage in Marokko finden Sie auf den Internetseiten der Deutschen Botschaft in Rabat.

Der ADAC empfiehlt Reisenden, die mit ihrem eigenen Fahrzeug nach Marokko gereist sind, aber Deutschland zurückkehren wollen, eine Unterstellmöglichkeit für das Fahrzeug zu finden. Dazu behilflich sind Unterkünfte, Campingplatz-Betreiber und das Honorarkonsulat in Tanger. Daraufhin soll man umgehend Kontakt mit den Zollbehörden am Ausreiseflughafen aufnehmen, um alle Formalitäten zu klären, die man für eine Ausreise ohne Fahrzeug benötigt.

Derweil haben sich Maren und Ralf entschlossen, im Süden Marokkos auszuharren. Maren: "Wir haben es hier gut. Wir stehen in einer Palmenoase, zwei Kilometer vor dem Ort auf einem Parkplatz. Täglich oder spätestens alle zwei Tage kommt ein Lkw, der Wasser verkauft. Wir dürfen mit einem Dokument der Polizei zu Fuß in die Stadt, um uns dort mit Lebensmitteln einzudecken – es ist auch noch alles da." Spätestens bis Juni, so hofft Maren, hat sich die Lage entschärft. Bis dahin wollen sie spätestens heimkehren. Ihr Sohn wird im Juni in Deutschland heiraten.

Aktuelle Reiseinfos innerhalb Europas: Rückreiseverkehr nach Deutschland

Sollte man als Reisemobil-Fahrer derzeit noch im EU-Ausland unterwegs sein und ins Heimatland zurückkehren wollen, sollte das an sich kein Problem sein. Allerdings sind an manchen deutschen Grenzen nur noch ausgewählte Grenzübergänge geöffnet. Welche das sind, kann man hier auf den Seiten des Bundesinnenministeriums aktuell nachlesen.

Außerdem gibt der ADAC aktuell folgende Tipps zur Rückreise (Stand: 25.03.20):

  • Rückkehr aus Frankreich: Unbedingt über direktem Weg (nicht über Italien oder die Schweiz) reisen und die Autobahn nutzen, keine Land- oder Schleichwege, da viele Grenzübergänge gesperrt sind. Tankstellen sind geöffnet.
  • Rückkehr aus Spanien: Die Rückreise über Frankreich ist möglich. Unterwegs muss man damit rechnen, dass die spanische Polizei den Grund der Fahrt kontrolliert. Tankstellen sind geöffnet.
  • Rückkehr aus Italien[Link auf https://www.adac.de/news/corona-formular-italien/]: Wer hier unterwegs ist, benötigt unbedingt eine "Selbsterklärung über die Notwendigkeit der Reise". Hier gibt es mehr Infos.
  • Rückkehr aus Kroatien: Urlauber können über Österreich oder Slowenien nach Deutschland reisen.
  • Rückkehr aus Griechenland: Es ist unklar, ob Deutsche im eigenen Fahrzeug über Bulgarien, Rumänien und Ungarn zurückkehren können. Die Grenzen zu Serbien, Nordmazedonien und Albanien sind geschlossen. Mehr Infos hier.

Fazit

Egal, wo im Ausland Sie sich aufhalten: Sollten Sie Probleme mit der Rückreise mit dem Wohnmobil haben, wenden Sie sich an das Auswärtige Amt. Vor allem, wenn eine Rückkehr nach Deutschland medizinisch notwendig ist, findet man dort sicherlich eine Lösung. Vielleicht müssen Sie Ihr Fahrzeug stehen lassen.

Sollten Sie sich entscheiden, an Ort und Stelle zu verweilen: Halten Sie sich an die örtlichen Ausgangs- und Kontaktsperren, waschen Sie häufig ihre Hände und vor allem – bleiben Sie gesund!

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