Corona: Auswirkungen auf Camping- und Wohnmobil-Branche
Corona und die Wohnmobil-Branche
Caravan Salon Impression 2019 Messe Düsseldorf

Caravan Salon Düsseldorf verlegt Termin auf September

„Sicherheit und Gesundheit haben Priorität“

Update

Messe trotz Corona: Da der Caravan Salon genau in den Zeitraum des Großveranstaltungsverbots fällt, verschiebt sich der Beginn um eine Woche. Es gibt ein umfassendes Sicherheits- und Hygiene-Konzept, so Messedirektor Stefan Koschke.

Der eigentliche Termin des Caravan Salon in Düsseldorf 2020 war bis vor kurzem noch die letzte August-Woche, vom 28.08 bis 06.09. 2020. Dieser Termin ist aufgrund des Verbots von Großveranstaltungen bis zum 31. August 2020 nicht haltbar. Daher hat die Messeleitung beschlossen, die weltgrößte Caravaning-Messe zu verschieben. Das neue Datum für die Veranstaltung ist der 5. bis 13. September 2020.

Jedoch gilt auch dieses Datum nur unter dem Vorbehalt, dass die Pandemie in Deutschland weiterhin glimpflich verläuft. So räumen die Veranstalter ein: "Die Entscheidung erfolgt nach derzeitigem Kenntnisstand und kann aufgrund der Corona-Pandemie und der Maßnahmen von Bund und Ländern zu deren Bekämpfung angepasst werden."

Regionalmessen 2019/2020
Caravan Salon
Nicht nur Wohnmobile und Wohnwagen werden auf Messen ausgestellt, auch Reiseziele und Destinationen stellen sich vor. Wie Camping-Messen 2020 noch aussehen werden, bleibt abzuwarten.

Um den Caravan Salon (fast) wie gewohnt stattfinden zu lassen, haben die Messebetreiber ein umfangreiches Hygiene- und Sicherheitskonzept entwickelt. Mehr dazu lesen Sie im folgenden Interview.

"Sicherheit und Gesundheit haben Priorität"
- Interview mit Stefan Koschke

promobil hat den Director der Messe Düsseldorf zur Veranstaltung 2020 befragt. Alles über das Sicherheitskonzept der Messe, mit wie vielen Besuchern die Messe rechnet und ob die neue Halle 1 bespielt wird.

Stefan Koschke, Director Caravan Salon Düsseldorf
Ralph Binder
Stefan Koschke, Director Caravan Salon Düsseldorf

Der Caravan Salon 2020 soll eine Woche nach dem ursprünglichen Termin stattfinden. Welche Hürden waren auf dem Weg bis zu dieser Entscheidung zu meistern?

Die Geschäftsführung der Messe Düsseldorf hat die Entscheidung zusammen mit den Verantwortlichen des Caravaning Industrie Verbandes getroffen. Grundlage war die Vorgabe des Bundes und der Länder vom 15. April 2020, Großveranstaltungen bis zum 31. August grundsätzlich zu untersagen. Solche weitreichenden Entscheidungen bedürfen einer intensiven Prüfung und benötigen entsprechend Zeit. Gleichzeitig müssen wir als Messegesellschaft sicherstellen, dass die bereits bestehenden, hohen Sicherheits- und Hygienestandards auf dem Düsseldorfer Messegelände laufend an die aktuellen Erkenntnisse angepasst werden – das ist sicher eine der größten Herausforderungen, aber wir sind sicher, diese meistern zu werden.

Andere Messen wie zum Beispiel die IAA Nutzfahrzeug wurden 2020 auf Grund der Corona-Pandemie abgesagt. Was hat Sie dazu bewogen, den Caravan Salon in diesem Jahr trotzdem zu veranstalten?

Die Messe Düsseldorf und der CIVD sind fest davon überzeugt, dass der Caravan Salon für die gesamte Caravaning- und Tourismusindustrie einen wichtigen Impuls setzen kann und es für den Neustart der Wirtschaft notwendig ist, den Unternehmen wieder eine Bühne für ihre Neuheiten, Innovationen und Trends zu bieten. Uns erreichen viele zustimmende Stellungnahmen von Endverbrauchern, die auf dieser Messe die neuen Produkte sehen, miteinander vergleichen und auch kaufen möchten. Denn das ist eine der wichtigsten Besonderheiten des Caravan Salon in Düsseldorf. Alles natürlich unter Einhaltung hoher Sicherheits- und Hygienestandards.

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel sitzt im Aufsichtsrat der Messe Düsseldorf, mit Armin Laschet hat NRW einen Ministerpräsidenten, der in den letzten Wochen sehr für Lockerungen des Lockdown eingetreten ist. Wie steht die lokale und die Landespolitik zu der Entscheidung?

Wir arbeiten in enger Kooperation mit den Behörden der Stadt sowie den Gesundheits- und Wirtschaftsministerien der Landesregierung an einem tragfähigen Gesundheitskonzept im Sinne aller Beteiligten. In Nordrhein-Westfalen sind Fachmessen und Kongresse ab Ende Mai wieder erlaubt. Damit ermöglicht die Landesregierung der Messewirtschaft einen Neustart des Business unter angepassten Rahmenbedingungen.

Was macht Sie sicher, dass der Caravan Salon zum kommunizierten Alternativtermin vom 5. bis 13. September tatsächlich stattfinden kann?

Unsere Planungen erfolgen nach heutigem Kenntnisstand. Es kann natürlich niemand voraussagen, ob bei der Corona-Pandemie mit einer "zweiten Welle" eine neue Dynamik eintritt. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Messe zum geplanten Termin durchführen können.

Ein entscheidender Faktor wird das Sicherheitskonzept sein. Mit welchen Maßnahmen soll die Sicherheit der Besucher gewährleistet werden?

Wir setzen im Moment alles daran, in engem Austausch mit allen Kunden den Caravan Salon im September zu einer erfolgreichen Veranstaltung zu machen. Dazu gehört auch ein behördlich abgestimmtes Gesundheitskonzept, das alle Notwendigkeiten erfüllt. Wir orientieren uns bei den Maßnahmen an der aktuellen Corona-Schutz-Verordnung, die für die Menschen schon heute Alltag sind.

Daher sind wir auch der Überzeugung, dass gemeinsam mit allen beteiligten Partnern (Aussteller, ideeller Träger, Standbauer, Servicepartner und Besucher) durch Einhaltung der in diesem Konzept genannten Vorgaben, Empfehlungen und Erwartungen ein verantwortungsvoller und erfolgreicher Messebetrieb möglich ist. Um nur ein paar der wichtigsten Eckpunkte nennen: Wir schaffen durch Anpassung der Planung in allen Bereichen des Messegeländes die Möglichkeit, den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten zu können. Alle hygienischen Maßnahmen werden verstärkt, unter anderem stehen an allen Halleneingängen und Ständen Handdesinfektionsmittel für Standpersonal und Besucher zur Verfügung. In einem Fahrzeug dürfen sich Personen gemeinsam aufhalten, für die keine Kontaktbeschränkungen gelten, z. B. Personen eines Haushaltes. Außerdem wird die Verwendung eines Mund-Nasen-Schutzes empfohlen. Wie Sie sehen, sind das alles Maßnahmen, die in Zeiten wie diesen, von weiten Teilen der Bevölkerung akzeptiert werden.

Werden Sie die Anzahl der Besucher – insgesamt und je Halle – einschränken (müssen)? Wie viele Besucher sollen insgesamt zugelassen werden? Rechnen Sie insgesamt mit weniger Besuchern?

Natürlich ist das Konzept so angelegt, dass alle geforderten Abstands- und Hygieneregeln auf unserem Gelände und in den Hallen eingehalten werden können. Die Verteilung der Personen in den Hallen und die Einhaltung des Mindestabstands wird mit vorhandenen Videosystemen sowie verstärktem Personaleinsatz sichergestellt. Für den Caravan Salon 2020 freuen wir uns, 20.000 Besucher pro Tag begrüßen zu können. Diese Vorgabe stellen wir sicher, indem ausschließlich Online-Tickets über den Vorverkauf für einen bestimmten Besuchstag erworben werden können. Dadurch wäre auch eine namentliche Registrierung möglich.

Wie soll das Standpersonal an den Infotheken und in der Beratung geschützt werden?

Wie schon beschrieben, werden an den Ständen hohe Hygiene- und Infektionsschutzstandards umgesetzt. Bei Kontakt eines Verkäufers mit Kunden ist die Mund-Nasen-Maske die sinnvollste Schutzmaßnahme. Wir orientieren uns dabei an den schon heute praktizierten Regelungen beispielsweise im öffentlichen Bereich oder im Einzelhandel.

Einige Hersteller stehen der Austragung des Caravan Salons angesichts der aktuellen Situation auch kritisch gegenüber. Welche Firmen oder Gruppen haben im CIVD die treibende Rolle gespielt bei der Entscheidung pro CSD?

In einem Verband von über 160 Unternehmen gibt es naturgemäß oftmals unterschiedliche Ansichten und Meinungen, Entscheidungen werden daher immer auch kontrovers diskutiert. Das gilt umso mehr in einer nie dagewesenen Situation wie der jetzigen. Der CIVD-Vorstand ist in dieser komplexen Interessen- und Gemengelage und nach intensiver Beratung und Abwägung aller Argumente und Aspekte gemeinschaftlich mit der Messe Düsseldorf zum Entschluss gekommen, den Caravan Salon unter den gebotenen Vorkehrungen durchzuführen. Es freut uns, allen interessierten Ausstellern mit dem Caravan Salon auch im Krisen-Jahr 2020 eine professionelle Präsentationsplattform für ihre Produkte und Dienstleistungen bieten zu können.

Mit der Erwin Hymer Group hat eine der wichtigsten und größten Ausstellergruppen die Teilnahme am CSD abgesagt. Welchen Einfluss hat das Ihrer Meinung nach auf die Attraktivität der Messe? Gibt es weitere Absagen? Werden ansonsten alle Aussteller der vorangegangenen Jahre vertreten sein?

Wir bedauern die Entscheidung einzelner Unternehmen, in diesem Jahr nicht am Caravan Salon teilnehmen zu wollen. Das ist selbstverständlich eine jeweils individuelle Entscheidung. Wir können in unseren Hallen trotz der Absagen noch immer eine große Produktvielfalt hinweg durch alle Kategorien anbieten. Sie können sicher sein, dass wir alles dafür tun werden, den Caravan Salon 2020 für Kunden, Besucher und Aussteller erneut zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.

Wie sieht es 2020 auf dem P1 aus? Werden Besucher und Aussteller hier wieder übernachten dürfen? Werden gemeinsam genutzte sanitäre Einrichtungen geöffnet sein? Wird es wie in den vergangenen Jahren einen Festzelt-Betrieb geben?

In NRW sind Camping- und Reisemobilstellplätze bereits wieder geöffnet. Bei den P1-Planungen orientieren wir uns an den Richtlinien, die dafür erstellt worden sind.

Die Parkfläche zur Übernachtung auf P1 können wie in den Vorjahren genutzt werden. Alle Personen werden aufgefordert, die Abstands- und Hygieneregeln eigenverantwortlich einzuhalten. Wichtig ist es uns, noch einmal zu betonen, dass die Sicherheit und Gesundheit unserer Besucher, Aussteller und Mitarbeiter stets höchste Priorität hat. Das heißt: Hygiene- und Sicherheitsanforderungen werden wir in allen Bereichen, auch auf dem Freigelände und auf P1, umfassend und verantwortungsvoll umsetzen.

Was gibt es Neues zum neuen Schmuckstück der Messe Düsseldorf, der Halle 1? Wie wird sie 2020 erstmals bespielt?

Wir befinden uns derzeit in der Aufplanung und prüfen, ob wir die neue Halle 1 für den diesjährigen CARAVAN SALON nutzen. Klar ist, dass wir den neuen repräsentativen Eingang Süd erstmals öffnen werden.

Diese Marken sind dabei: Knaus, Morelo

Die Knaus-Tabbert-Gruppe wird auf dem Caravan Salon 2020 auf jeden Fall mit dabei sein. Laut Presseinfo vom 7. Mai 2020 begrüßt der Konzern mit den Marken Knaus, Tabbert, T@b, Weinsberg und Morelo die Messe und will wie gewohnt in den Hallen 4 und 15 ihre Neuheiten ausstellen. Das Unternehmen aus Niederbayern "ist überzeugt, dass die Veranstalter ein umfangreiches Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet haben und eine sichere Messe gewährleisten können."

In einem Video-Statement von Ende Mai 2020 verkündet Geschäftsführer Reinhard Löhner von Morelo, dass das Unternehmen beschlossen hat, seine Fahrzeuge am Caravan Salon auszustellen und bei der Fachmesse dabei sind wird: "Wir von Morelo sind der Meinung, dass die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen, die Abstandsregeln, Desinfektions- und Maskenpflicht – viele Möglichkeiten bieten, um in 15 Wochen an einer Messe teilzunehmen".

Absagen von Herstellern: Hymer, Concorde, Pössl

Alle Marken der Erwin-Hymer-Gruppe werden weder auf dem Caravan Salon noch auf anderen Messen bis zum Ende des Jahres 2020 teilnehmen. Das bedeutet, dass Folgende Marken auf der Messe im September nicht anzutreffen sind: Bürstner, Carado, Crosscamp, Dethleffs, Eriba, Etrusco, Hymer, Niesmann+Bischoff, Laika, LMC und Sunlight. Für den Hymer-Konzern sind Auftritte auf Messen im Hinblick auf die nötigen Hygienemaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus nicht sinnvoll durchzuführen. Martin Brandt, CEO der EHG: "In der Corona-Krise mit ihren speziellen Anforderungen an Abstand und Hygiene ist eine ungezwungene Atmosphäre bei Information, Beratung und Kauf nicht mehr gegeben."

Ähnlicher Meinung ist Luxusmobil-Produzent Concorde. Die Fima sagt ihre Teilnahme ab mit der Begründung "zum gesundheitlichen Schutz seiner Mitarbeiter/innen und allen Kunden" darauf zu verzichten. Sie sehen zu große Probleme beim Infektionsschutz bei Fahrzeugbesichtigungen, Abstandsregeln, Catering und der großen Zahl an Hoch-Risiko-Kunden: "Es ist kaum auszudenken, wenn in Düsseldorf durch die Zusammenkunft so vieler Risiko-behafteter Menschen eine zweite Pandemie-Welle losgetreten werden würde."

Am 12. Mai 2020 zog auch der Kastenwagen-Spezialist Pössl seine Beteiligung an der Messe zurück. Via Facebook verkündete der Campingbus-Ausbauer: "Wir können uns nicht vorstellen, wie die geltenden Hygieneregeln – v.a. hinsichtlich Abstand und Schutz – eine atmosphärisch ansprechende, informative und für alle erfolgreiche Messe zulassen."

Der nationale Dachverband und die Interessensvertretung der Wohnmobil-Fahrer, die Reisemobil Union, wird ihren Stand am auf der Messe im Jahr 2020 nicht beziehen. Sie möchten ihre freiwilligen Helfer nicht gefährden, denn "auch wenn der RU-Stand zu den kleineren auf der Messe gehört, so besteht doch eine erhöhte Ansteckungsgefahr."

Auch der EMCH, der Euro Motorhome Club, sagt die Messe ab. Die Begründugn von EMHC-Vizepräsidentin Michaela Kirchhoff lautet: "Eine Messe kann sich sehr leicht zu einem Hotspot zur weiteren Verbreitung des Corona-Virus entwickeln. Daran wollen wir nicht mitwirken."

Als erster Zubehör-Hersteller sagt Frankana in einer Pressemitteilung vom 26. Mai 2020 seiner Teilnahme vom diesjährigen Salon ab.

Weitere Absagen (laut EMCH): Alphatronic, Brunner, Caratec, Citroën, Concorde,Dopfer Reisemobile, GOK, Globecar, Goldschmitt, Heosolution, Lippert Components, Maxxview, McRent, Movera, Peugeot, Polyplastic, Reich, Rent easy, Thitronik.

Fazit

Messen ab dem 1. September 2020 sind von dem Verbot der Großveranstaltungen, Stand heute, nicht betroffen. Allerdings sind feste Voraussagen tatsächlich schwierig: Ob und unter welchen Bedingungen ab diesem Zeitpunkt Messen erlaubt sind, steht und fällt mit der weiteren Entwicklung der Lage.

Wird der Caravan Salon kurz vorher abgesagt, bleiben die Aussteller im schlimmsten Fall auf ihren hohen Kosten sitzen. Insofern ist die Zurückhaltung so mancher Hersteller verständlich.

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