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Offroad-Fahrschule mit promobil

Matsch-Ballett mit einem Allrad-Wohnmobil

Offroad Fahrschule Foto: Ingolf Pompe 17 Bilder

Wie man ein 4x4-Wohnmobil sicher durch unwegsames Gelände fährt, war das Ziel der Leser-Offroad-Fahrschule. Wichtigste Erkenntnis: Es geht vor allem um überlegtes Handeln, Kontrolle und Gefühl.

27.01.2017 Jürgen Bartosch

Wer die Geländefahrschule mit einem Rallye-Training verwechselt hatte, war vielleicht zunächst ein wenig enttäuscht. Nirgendwo qualmte, quietschte oder spritzte es – der Praxisteil begann mit einer unspektakulären Fahrt durch einen Pylonenparcours. Was vorwärts als leichte Übung erschien, entpuppte sich im Rückwärtsgang als unerwartet tückenreich. Sich ohne Bordsteinkante in den Rückspiegeln nur an den kleinen Hütchen zu orientieren, ist gar nicht so einfach – die erste Lektion lautete: Orientieren im Gelände, Strecke lesen und einprägen.

Die fünf Leser, die unter rund 60 Bewerbern (Aufruf in promobil Ausgabe 9/2016) ausgewählt wurden, begannen zu begreifen, dass es Instruktor Volker Müller von der Geländefahrschule Markom nicht um das möglichst schnelle, sondern vor allem sichere und materialschonende Fahren im Gelände ging. Voraussetzung dafür ist zu wissen, wo die Möglichkeiten und Grenzen der eingesetzten Fahrzeugtechnik liegen.

Offroad-Fahrschule mit promobil 2:15 Min.

Mit dem Wohnmobil durch den Offroad-Parcours

Der Theorieteil am Vorabend legte dafür die Grundlage. Untersetzungsgetriebe, Böschungswinkel, Differenzialsperre – während manchem erwachsenen Teilnehmer bald der Kopf rauchte, zeigte der 10-jährige Aaron Müksch mit klugen Rückfragen, warum er für die Leser-Aktion ausgewählt wurde. Den praktischen Teil musste er – mangels Führerschein – freilich noch seinem Vater überlassen.

Die nächste Übung führte einen ausgewaschenen Schotterweg bergauf. Obwohl gar nicht so steil, ließ sich auf dem unebenen Untergrund gut erfahren, wie trotz Allradantrieb an bestimmten Stellen einzelne Räder begannen durchzudrehen. Durch gezielten Einsatz der Differenzialsperren im Zusammenspiel mit der Untersetzung lernten die Teilnehmer die Bergstrecke – aufwärts wie abwärts – kontrolliert und ohne Ausbrechen zu meistern.

Diese Übungsfahrzeuge begleiteten die Offroad-Fahrschüler

Drei Teilintegrierte aus der ML-T- und Van-S-Baureihe mit permanentem Iglhaut-Allradantrieb vom Hymer-Center Sulzemoos beeindruckten die Offroad-Fahrschüler immer mehr. "Ich hätte nicht gedacht, dass man mit einem ansonsten ganz normalen Wohnmobil solche Offroad-Strecken fahren kann", äußerte sich Wilfried Schairer aus Balingen anerkennend, der als Hobby-Holzfäller oft mit einem hochgeländegängigen Unimog unterwegs ist.

Auch im Hinblick auf das nächste Lernmodul, einen dammartigen Hügel mit tiefen Spurrillen und steiler Auf- und Abfahrt. Schnell wurde deutlich, welchen Einfluss der Radstand und Hecküberhang der drei unterschiedlich langen Hymer-Modelle in kniffeligen Passagen hat – und wie man dennoch weiterkommen kann, etwa durch spurversetztes Fahren oder Unterbauen der Räder mit Steinen.

Noch mulmiger wurde es den Fahrern bei der anschließenden Schrägfahrstrecke, wo das Fahrzeug bei bis zu 25 Grad Schräglage scheinbar umzukippen drohte. Auch dafür galt es ein Gefühl zu entwickeln und geeignete Fahrweisen und Hilfsmaßnahmen wie selektives Absenken des Reifendrucks kennenzulernen.

Fast schon tänzerische Leichtigkeit entwickelten die immer mutiger und sicherer werdenden Teilnehmer beim finalen Abschnitt, der Verschränkungsstrecke. Durch den anspruchsvollen Parcours mit wechselseitigen spitzen Buckeln und tiefen Kuhlen lotsten sie die Iglhaut-Hymer mit gezieltem Gas- und Bremseinsatz – wobei das abwechselnde Heben der Beinchen zunehmend an Ballett erinnerte.

"Neben dem Spaß, den es machte, hilft mir das Training vor allem auch besser einschätzen zu können, was welche Allradtechnik bringt und was ich mir für mein nächstes Reisemobil wünsche" zieht auch Jörg Detering aus Rhede ein positives Fazit der Aktion.

In der Bildergalerie finden Sie weitere Lesermeinungen.

Acht Tipps zum Wohnmobil-Fahren im Gelände

Offroad-Fahren lernen gelingt am besten im praktischen Training unter Anleitung eines Instruktors. Denn neben aller Theorie gilt es, auch ein Gefühl für das Geländefahren zu entwickeln. Doch ein paar hilfreiche Hinweise und Tricks können nie schaden und auch in kniffligen Situationen mit einem "normalen" Wohnmobil weiterhelfen.

  1. Auch beim Offroad-Fahren ist die richtige Sitzposition sehr wichtig: Sitz und Lenkrad so einstellen, dass man die Pedale durchtreten kann und die Ellenbogen fast einen 90-Grad-Winkel bilden, wenn man das Lenkrad in Drei-Uhr-neun-Uhr-Stellung greift.
  2. Um die Hinterräder besser im Auge behalten zu können, sollte man die Spiegel so einstellen, dass die untere Sichtkante vor der Hinterachse beginnt. Auf der Straße wieder zurückstellen!
  3. Die gezielte Verteilung und Sicherung des Gepäcks ist auch beim Offroad-Fahren relevant. Ein hoher Schwerpunkt und vagabundierendes Ladegut erhöhen die Gefahr des seitlichen Umkippens.
  4. Das richtige Einschätzen einer schwierigen Strecke ist essentiell. Deshalb besser vorher zu Fuß abgehen, kritische Stellen genau anschauen, Fahrtaktik überlegen und markante Punkte merken.
  5. Langer Radstand und Hecküberhang sind meist die limitierenden Faktoren beim Offroad-Fahren mit Wohnmobilen. Bei tiefen Fahrrinnen hilft spurversetztes Fahren, bei Kuppen oder Kuhlen auch diagonales Anfahren oder Unterbauen mit Steinen oder Holz.
  6. Offroad-Technik des Fahrzeugs gezielt einsetzen und nicht gleich das "ganze Pulver verschießen". Allrad, Untersetzung und Mittensperre sind eine gute Grundeinstellung auf losem Untergrund. Hinterachssperre nur bei Bedarf, Vorderachssperre als Nothilfe.
  7. Droht das Fahrzeug ins Rutschen zu geraten, nur noch ganz behutsam bremsen. Räder, die blockieren, lassen sich nicht lenken. Bergab kleinsten Gang einlegen und aufs Lenken konzentrieren.
  8. Generell gilt: Langsam und kontrolliert fahren. In kritischen Passagen aber nie die Bewegung verlieren und am Gas bleiben.

Geländeschule Markom

Das Fahren abseits der Straße stellt besondere Herausforderungen an die Fahrzeugtechnik – aber auch an den Fahrer. Den Umgang mit der Allradtechnik, aber auch viele allgemeine Tricks und Kniffe zum Fahren im Gelände lernt der Offroad-Neuling am besten bei einem speziellen Fahrtraining, wie es etwa von der Geländefahrschule Markom angeboten wird. Besonderheit hier: Es gibt nicht nur Trainings für Geländewagen, sondern auch gezielt zusammengestellte Kurse für 4x4-Lkw und auch für Allrad-Wohnmobile sowie Workshops mit weiterführenden Themen, wie etwa dem Bergen eines festgefahrenen Fahrzeugs. Weitere Infos: www.gelaendefahrschule.de

Fahrzeugtechnik von Hymer und Iglhaut

Hymer und Iglhaut – eine Verbindung, die passt. Mit dem Start der ML-T-Baureihe auf Basis Mercedes Sprinter vor rund zwei Jahren startete Hymer auch damit, den zuschaltbaren Werksallrad anzubieten. Der taugt gut für Schlechtwegestrecken, stößt aber in schwererem Gelände an seine Grenzen und ist zudem nur für manche Sprinter-Konfigurationen verfügbar. Das brachte den renommierten Offroad-Ausrüster Iglhaut ins Spiel. Dessen permanentes Allradsystem hat bereits serienmäßig eine Untersetzung, kann mit bis zu drei Differenzialsperren ausgerüstet werden und wird kombiniert mit einer Höherlegung um 120 mm. Das System lässt sich mit allen Radständen und auch mit der komfortablen Siebengang-Automatik des Sprinter kombinieren. Weiteres Offroad-Zubehör wie Geländebereifung, Luftansaugschnorchel und Unterbodenschutzplatten sind hier aus einer Hand verfügbar. Mit dieser Technik lassen sich alle Hymer-Teilintegrierten der ML-T- und Van-S-Baureihe ausrüsten, ebenso die ML-I-Integrierten und auch der neue Hymer-Car Grand Canyon S – der erste Hymer-Campingbus auf Sprinter-Basis. Während der Werksallrad für rund 10 000 bis 15 000 Euro erhältlich ist, muss man für die deutlich aufwendigere Iglhaut-Technik gut das Doppelte anlegen. Zentraler Ansprechpartner für die Hymer-Iglhaut-Kombination ist das Hymer-Center in Sulzemoos.

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