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Unterwegs mit Dieter Goldschmitt

Der Ruhestand muss noch warten

Unterwegs mit…: Goldschmitt, Flugzeug Foto: Frank Eppler 10 Bilder

Mit Fahrwerkskomponenten für Reisemobile ist Dieter Goldschmitt erfolgreich geworden. Ende 2013 hat er seine Firma an Hymer verkauft. Doch der Ruhestand muss warten. Denn auch bei Hymer gibt es Arbeit.

01.10.2014 Jörn Ebberg

Leben, Beruf. Beruf, Leben. Dazwischen hat es für Dieter Goldschmitt nie eine richtige Trennung gegeben. Nicht mehr zumindest, seit er im April 1980 mit seiner Frau Gisela in Höpfingen im Odenwald ein Unternehmen gegründet hat. Erst als Ausbauer ausgedienter Postfahrzeuge, später als Hersteller eines eigenen Alkovenmobils unter dem Namen Geocar. Und schließlich als Entwickler von Fahrwerkskomponenten für Reisemobile, womit der große Durchbruch gelang. "Wir haben immer für das Unternehmen gelebt, uns immer gefragt, wie bringen wir die Firma nach vorne", erklärt der heute 61-Jährige.

Nachfolger für ein Lebenswerk

Diese Firma hat Dieter Goldschmitt nun nach 34 Jahren verkauft. Eigene Kinder und damit potenzielle Nachfolger sind ihm und seiner Frau verwehrt geblieben. "Dann ist es tragisch, mit 61 festzustellen, dass niemand da ist, der dein Lebenswerk fortführt", so das Höpfinger Urgestein.

Kaufinteressenten habe es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. Darunter vor allem Finanzinvestoren, denen es um alles gegangen wäre, nur nicht um ein gesundes Unternehmen und hochwertige Arbeitsplätze. "Ich hätte mich hier nicht mehr in den Supermarkt getraut, wenn es dazu gekommen wäre", sagt Dieter Goldschmitt. Er winkt dankend ab.

Goldschmitt wird Teil der Erwin Hymer Group

Durch Zufall ergeben sich auf dem Caravan-Salon 2012 lockere Gespräche mit Hymer. Interesse ist vorhanden – beiderseits. Es kommt zu Verhandlungen und schließlich zur Einigung. Seit Anfang 2014 ist Goldschmitt ein Teil und eine Marke der Erwin Hymer Group, geführt von den beiden neuen Geschäftsführern Gunnar Edler und Markus Mairon, der früher schon als Entwicklungschef mitverantwortlich war. Doch auch Dieter und Gisela Goldschmitt bleiben an Bord und sind für die kommenden fünf Jahre vertraglich an den Hymer-Konzern gebunden. Gisela Goldschmitt kümmert sich als kaufmännische Leiterin unter anderem um die Verzahnung der Buchhaltung mit dem Konzern, Dieter Goldschmitt soll als Markenbotschafter den Bekanntheitsgrad und das Image von Goldschmitt weiter ausbauen.

Wer den großen Odenwälder kennt, weiß, dass ihm die Aufgabe wie auf den Leib geschneidert ist. Mit seiner unkomplizierten Art und beliebten Veranstaltungen wie den Airdays, der Reisemobil-Wallfahrt und etlichen Clubtreffen hat er es schon immer verstanden, aus Kunden Freunde zu machen. "Goldschmitt ist eine Marke, mit der man Service, Qualität, aber auch Zuhören verbindet", erklärt Dieter Goldschmitt. Der Kunde dürfe nie das Gefühl haben, mit Problemen allein zu sein.

Der Alltag eines Markenbotschafters

Einen Großteil seiner Arbeit erledigt der studierte Sonderschulpädagoge inzwischen über das Internet, ist in sozialen Netzwerken als technischer Berater und in Foren aktiv. Unterm Strich ist sein Arbeitspensum heute zeitlich nicht viel geringer als sonst. "Ich hatte und habe aber das große Glück, die Arbeit in der Reisemobilbranche nicht als Arbeit zu empfinden", gesteht Dieter Goldschmitt. Deshalb stört es ihn auch wenig, dass sein Arbeitstag noch immer morgens um acht beginnt und selten vor drei Uhr nachts endet.

Viel Zeit für seine Hobbys bleibt da nicht. Dieter Gold­schmitt ist begeisterter Kunstflieger und Musiker mit eigener Band. Immerhin: "Jetzt, da ich nicht mehr die ganz große Verantwortung besitze, habe ich kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich anderen Dingen nachgehe", freut sich Goldschmitt.

Engagement für die Gemeinde

Zu diesen anderen Dingen zählt seit Neuestem die Lokalpolitik. Mit Beginn der nächsten Legislaturperiode sitzt Dieter Goldschmitt für die Freien Wähler im Höpfinger Gemeinderat, um, wie er sagt, "etwas mehr unternehmerisches Denken reinzubringen".

Die Odenwald-Region ist nicht unbedingt strukturstark. Goldschmitt zählt hier mit seinen aktuell etwas über 100 Mitarbeitern zu den größten Arbeitgebern und Gewerbesteuerzahlern. Dass das so bleibt, dafür will Goldschmitt auch auf politischer Ebene kämpfen: "Mein Wunsch ist es, Hymer dauerhaft in der Region zu verankern." Höpfingen und Walldürn sollen die Technik­standorte innerhalb der Gruppe werden, mit eigener Teststrecke für Fahrversuche mit Reisemobilen, so wie sie derzeit in Höpfingen entsteht.

Reisemobil-Sicherheit als Herausforderung

Wie gut Dieter Goldschmitt sein ehemaliges Unternehmen im Hymer-Konzern aufgehoben sieht, wird deutlich, wenn er über die Zukunft spricht. Da sieht der 61-Jährige die Reisemobilbranche vor allem in den Bereichen Leichtbau, Insassenschutz und Nutzwert gefordert. "In einem erschwinglichen 3,5-Tonner mit sechs Personen sicher unterwegs zu sein, das alles unter einen Hut zu bringen, wird eine der großen Herausforderungen werden", meint Dieter Goldschmitt. In die Richtung zu forschen und zu entwickeln, damit wäre das Unternehmen Goldschmitt allein wohl überfordert gewesen. "Aber innerhalb des Konzerns einen größeren Forschungsetat unterzubringen ist deutlich ein­facher."

Dabei beginnen die Vorteile aus der Allianz mit der Erwin Hymer Group schon viel früher. So werden die Produkte von Goldschmitt inzwischen über das internationale Vertriebsnetz von Hymer angeboten. Ausgewählte Premiumpartner installieren Hubstützenanlagen und führen sogar anspruchsvolle Fahrwerksoptimierungen vor Ort durch. Und dadurch, dass die EG-Typengenehmigung bereits in der Entwicklungsphase für Reisemobile und Caravans von Hymer und Eriba eingeholt wird, ist das Genehmigungsverfahren für neue Goldschmitt-Produkte einfacher, weil umständliche Einzelabnahmen entfallen.

Da kann selbst der sonst so besonnene Dieter Goldschmitt seine Freude und auch einen gewissen Stolz nicht verbergen: "Ich habe einfach den Anspruch, dass alles hier weitergeht." So wie es aussieht, sind die Weichen richtig gestellt.

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