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Manfred Lang im Porträt

Wie wird man Luxusmobil-Designer?

Seit 30 Jahren gestaltet Manfred Lang Reisemobile. Pünktlich zum Jubiläum feierte das wohl edelste Fahrzeug Messepremiere, dessen Außendesign aus seiner Feder stammt: der Concorde Centurion Liner. Foto: Uli Regenscheit, Hersteller 11 Bilder

Seit 30 Jahren gestaltet Manfred Lang Reisemobile. Pünktlich zum Jubiläum feierte das wohl edelste Fahrzeug Messepremiere, dessen Außendesign aus seiner Feder stammt: der Concorde Centurion Liner.

01.11.2017 Ulrich Kohstall 1 Kommentar

Wenn sich gutes Design am Publikumszuspruch bemessen lässt, dann hat der Concorde Centurion an diesem Caravan-Salon-Tag eine Bewährungsprobe bestanden. Messebesucher bleiben in Gruppen vor dem Liner stehen, blicken fast ehrfurchtsvoll auf den mächtigen Bug.

Was ist es, was die Menschen fasziniert und wofür einige gerne eine dreiviertel Million Euro ausgeben wollen? Wir treffen uns mit dem neuen Designer von Concorde, der gleichzeitig als wohl erfahrenster und erfolgreichster Reisemobilgestalter gelten kann.

Seit eineinhalb Jahren beschäftigt sich Manfred Lang mit den Modellen der Luxusmarke. Der Centurion Liner ist das erste sicht- und fühlbare Ergebnis. Nach mehr als 70 Baureihen, die Lang in drei Jahrzehnten für unterschiedliche Hersteller formte, erscheint das Top-Modell von Concorde nun wie ein Meisterstück. Schon wegen des XXL-Formats mangelt es dem Centurion Liner nicht an optischer Präsenz. Manfred Lang: „Die Frontpartie haben wir bewusst maskulin gestaltet.“ Was Eleganz nicht ausschließt. Eine Chromspange verbindet die Original-Scheinwerfer des Basisfahrzeugs Mercedes Actros. Zierelemente umschließen die Seitenscheiben des Fahrerhauses wie der Buchstabe C. Damit sollten auch aus seitlicher Perspektive jegliche Verwechslungen ausgeschlossen sein.

Um den Wänden in der Dimension eines Einfamilienhauses Dynamik einzuhauchen, waren zusätzliche Kunstgriffe nötig. Etwa die angeschrägten Radläufe und die gleichfalls aufsteigende Fensterlinie. Sie lenkt den Blick ganz am Ende nach oben und verweist dort auf den kecken Heckspoiler.

Concorde Centurion 1060 G13 Highlights im Luxusmobil

So entsteht ein Luxus-Reisemobil

Mit Stift und Papier beginnt Manfred Lang bis heute seine Entwürfe, doch sieht er sich nicht unbedingt als Schöngeist. Beim Gespräch über das Centurion-Design geht es schnell um Ergonomie, Materialien und Verarbeitung. Nicht alles liegt in der Hand des Gestalters, doch in Langs Designbüro Pro Industria hat man von vorneherein die technische Umsetzung im Blick. Die Form bestimmt schließlich das Wischerfeld eines Integrierten oder die Sichtwinkel des Fahrers. Mit einem achtköpfigen Team werden Ideen zu einem aufwendigen 3D-Datensatz nach Standards der Automobilindustrie.

Bei Pro Industria hat man Erfahrung mit konstruktiven Details. Im Büro nahe Köln erhalten auch Alltagsgegenstände – vom Füller über Staubsauger bis zum Kaminofen – ihre Gestalt. Doch lässt Manfred Lang keine Zweifel daran, wofür sein Herz schlägt: „Reisemobildesign hat mir immer besonderen Spaß gemacht.“

Am Anfang stand nur eine Rückwand. Für den Traveller, das erste Reisemobil der Marke Knaus, zeichnet Lang ein markantes Heck mit integrierter Leiter: „Das sah nach Abenteuer aus und passte perfekt zum Zeitgeist.“ Es wird zum Beginn einer langen Partnerschaft, die über den ersten Integrierten bis zu einem durchgängigen Erscheinungsbild der Knaus-Flotte führt. Für Lang eine „prägnante Produktfamilie“.

Erst als im Hause Knaus immer mehr Menschen mitreden, nur wirtschaftliche Argumente zählen und Designideen immer wieder umgekrempelt werden, wird die Beziehung auf eine harte Probe gestellt. Lang: „Ich habe darüber nachgedacht mit den Reisemobilen ganz aufzuhören.“ Da erreicht ihn der Ruf aus der Hymer-Gruppe.

Manfred Langs erste Erfahrungen mit Luxusmobilen

Erstmals geht es um echte Luxusmobile. 2004 stellt die Hymer-Tochter Niesmann + Bischoff einen viel beachteten Clou Liner vor, dessen strenge Linien von Manfred Lang stammen. In der Folge richtet er die ganze Modellpalette danach aus.

Als 2006 mit dem Fiat-Ducato-Modellwechsel die wohl umfangreichsten optischen Änderungen in der Reisemobilwelt anstehen, nimmt sich Lang der Muttermarke Hymer an. Für die neuen Integrierten werden erstmals eigene Scheinwerfer entwickelt. Viele damals entstandene Designideen prägen das Hymer-Erscheinungsbild bis heute.

Außerdem formt Lang die Reisemobile der Tochtermarke Bürstner neu, zunächst nur die Integrierten. „Eine gute Zeit“, wie er erzählt: mit kurzen Entscheidungswegen und schneller Umsetzung. Sein „Lieblingsprojekt“ wird der Grand Panorama. Ein Bürstner mit einmalig großer Frontscheibe, die sich bis ins Fahrerhausdach zieht. Lang schwärmt von der perfekten Integration des Hubbetts in die Decke. Dann herrscht bei Bürstner Wechselstimmung. Der Grand Panorama wird eingestellt statt konsequent weiterentwickelt.

Inspirationen aus der Pkw-Branche für Concorde

Heute kann Manfred Lang seine Vorstellungen von Luxusmobilen bei Concorde einbringen. Woher stammt die Inspiration? Nicht unbedingt von Caravan-Messen. Lang: „Ich sehe mich gerne auf dem Genfer Salon um.“ Auf der Pkw-Messe sind traditionell die Kleinserienhersteller groß vertreten. „Hier kann man sehen, wie man mit geringen Mitteln, aber viel Know-how und Erfahrung auch bei kleinen Stückzahlen eine hohe Wertigkeit erreicht.“

Menschen und MobileDesigner Manfred Lang

Und der persönliche Geschmack? Da ist der Liebhaber opulenter Limousinen doch zu sehr Profi: „Gutes Design muss zielgruppengerecht sein, aber wer sich für einen Centurion Liner interessiert, kennt auch Bentley und Aston Martin.“

Wenn man beobachtet hat, wie Lang das Reisemobilprogramm großer Marken beeinflusst hat, kann man sich ausmalen, dass der Centurion bei Concorde nur ein erster Schritt ist. Auch das neu geschaffene Concorde-Markenzeichen wird nicht allein dem Top-Modell vorbehalten bleiben. Vielleicht steckt in dem Diamantenemblem sogar aktuelle Symbolik: eine Luxusmarke als Juwel, die vom Designer gerade einen neuen Schliff bekommt.

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Vielleicht könnte man aber auch differenzierter an Hintergründe herangehen.

Wer Pro Industria kennt, weiss aber auch um den Umstand (für JEDEN frei recherchierbar), dass das kleine Büro von Herrn Lang nicht einfach nur als Trendsetter einer seit Jahrzehnten durchgängigen Designarbeit dargestellt werden kann.

Neben einiger Entwürfe von Bekanntheitsgrad hat das Büro aber auch einen Großteil der Zeit nichts am Markt begleitet. Das Portfolio ist bemerkenswert klein.

Und Hymer wollte das eigene 'Gesicht' aus der Feder lang - wie man erfahren durfte - mühsam loswerden.

Und fachliche Schlüsse, wer sich preislich in Regionen eines Concorde bewege, der bräuchte als erkennungsgebendes Logosignal einen stilisierten Diamanten, scheinen endgültig veraltet.

In Discountern wie Lidl und Co. versucht man zwar noch durch Begriffe wie 'Goldkrone' etc. auf ultimativen Premiumanspruch hinzuweisen, was in sich schon grotesk für den Gegensatz zu wahren Premiumprodukten anmutet.

Aber einem Concorde einen derart überzogenen 3D Diamanten im 80er Jahre Design zu verpassen, halte ich für ähnlich sinnvoll wie das Projektziel Goldkrone.

Ein Paar erbt Haus mit Grundstück und SCHWUPPS ist das Interesse am Concorde da. Kein Mensch hat da automatisch Berührung mit einem Aston Martin.

Was für eine Darstellung.

Manchmal muss die Kirche aber schnell wieder zurück ins Dorf.

Diana van Heide 2. November 2017, 10:53 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
promobil Heft 10/2017
Heft 10 / 2017 20. September 2017 178 Seiten Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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