Alternative Antriebe fürs Wohnmobil Fahrbericht - Das erste vollelektrische Reisemobil

Fast unbemerkt fand auf dem Caravan-Salon 2015 eine besondere Premiere statt. Zooom, Spezialist für Minimobile, zeigte das erste rein elektrisch angetriebene Reisemobil, das man auf dem deutschen Markt wirklich kaufen kann. Wie fährt sich der Stadtindianer genannte Campingbus?

Als Grundlage dient der Nissan e-NV200 in der einfachen Kombiausführung. Wer zum ersten Mal hinter dem Lenkrad des Nissan Platz nimmt, wird überrascht. Erst einmal erstaunen die guten Platzverhältnisse, obwohl der e-NV200 nur 4,56 Meter lang und 1,75 Meter breit ist. Statt einen Zündschlüssel zu drehen, drückt man den großen Einschaltknopf. Dann kommt Leben in die zahlreichen Displays; der Motor bleibt still. Zum Anfahren bringt man wie bei Automatikautos den zentralen Wählhebel in die Position D. Jetzt einfach "Gas" geben, und das Elektroerlebnis beginnt. Verblüffend kraftvoll und ruckfrei nimmt der Nissan Fahrt auf. Auf Gangstufen können Elektromotoren wegen ihres breiten nutzbaren Drehzahlbands verzichten.

Spontaner Eindruck: Der Nissan vermittelt Fahrspaß der anderen Art

Durch die einfache Bedienung und den leisen, vibrationsfreien Schub des E-Motors fährt man im e-NV200 entspannter und komfortabler als in Kleintransportern üblich. Fast spielerisch wuselt der Stadtindianer durch die City und über kleine Landstraßen. Erst wenn Tempo gefragt ist, stößt der 109-PS-Motor an Grenzen. Ab etwa 100 km/h geht es nur noch sehr zäh vorwärts. Nissan gibt die Höchstgeschwindigkeit mit 120 km/h an.

Das Ausreizen der Kraftreserven hat noch einen weiteren Effekt: Die angezeigte Reichweite geht rapide zurück. Meldet das Display mit voll geladener Batterie Werte um 150 Kilometer, landet man nach kurzer, flotter Fahrt sofort im zweistelligen Bereich – erst recht, wenn Klimaanlage oder Heizung eingeschaltet werden. Beim technisch eng verwandten Elektro-Pkw Leaf verspricht Nissan mit verbesserter Batterietechnik aktuell eine Reichweite von 200 Kilometern. Das wäre für den e-NV200 wohl auch das Minimum, um als Reisefahrzeug ernst genommen zu werden.

Der Ausbau von Zooom schafft jedenfalls passende Voraussetzungen dafür. Im ersten elektrischen Stadtindianer realisierte der bayerische Ausbaubetrieb eine Minimaleinrichtung mit Sitz-Liegebank, drehbaren Vordersitzen und Aufstelldach mit Bett. In dieser Form kostet das Elektromobil 39 504 Euro zuzüglich Batteriemiete. Ganz nach Kundenwunsch liefert Zooom aber auch einen Vollausbau mit Küche.

Übersicht: Alternative Antriebe für Wohnmobile
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