Alternative Antriebe fürs Wohnmobil Ist Diesel auch in Zukunft die beste Wahl?

Ist Diesel auch in Zukunft die beste Wahl? promobil zeigt die Pro und Contra Argumente auf.

Pro Diesel: Kaum echte Alternativen

Ein Kommentar von Ulrich Kohstall

Ausgerechnet VW, Erfinder der kräftigen und sparsamen TDI-Motoren, hat der Dieseltechnik mit Abgasmanipulationen den größten Bärendienst erwiesen. Die viel zu hohen Stickoxid-Werte im tatsächlichen Einsatz sind Wasser auf die Mühlen all derer, die den Diesel schon immer als Dreckschleuder verteufelt haben. Zu Unrecht: Mit hohem technischen Aufwand haben die Entwickler in den vergangenen Jahren dem Selbstzünder das Rauchen abgewöhnt und die nicht sichtbaren Abgase drastisch reduziert.

Damit diese Fortschritte auch in der Praxis ankommen, muss der Gesetzgeber jetzt möglichst rasch für realitätsnahe Prüfverfahren und entsprechende Kontrolle sorgen. Für eine Abkehr vom Diesel ist es noch viel zu früh. Derzeit gibt es höchstens für Pkw brauchbare Alternativen – für Reisemobile noch lange nicht. In der hitzigen Diskussion um den VW-Abgasskandal geraten außerdem die sachlichen Argumente hier und da durcheinander.

Unzweifelhaft ist, dass der Dieselmotor im Reisemobil zur Zeit die klimafreundlichste Antriebsform darstellt. Maßgeblich dafür sind die CO₂-Emissionen, die wiederum direkt vom Kraftstoffverbrauch abhängen. Und in diesem Punkt ist ein Diesel in der 3,5-Tonnen-Klasse derzeit nicht zu schlagen. Kein kräftiger Benzin- oder Gasmotor würde im Reisemobil auf eine ähnlich gute CO₂-Bilanz kommen. Beim Elektromotor hinge die Klimaverträglichkeit von den Kraftwerken ab.

Auch Dieselmotoren sind noch verbesserungsfähig, keine Frage. Doch wenn ich mich heute in ein modernes Diesel-Reisemobil setze, habe ich kein schlechtes Gewissen, sondern vielmehr die Gewissheit, dass ich mit der aktuell bestmöglichen Technik unterwegs bin.

Contra Diesel: Weiter Denken

Ein Kommentar von Jürgen Bartosch

Der Diesel-Motor wird auf absehbare Zeit das Antriebskonzept Nummer eins für die Masse der Reisemobile bleiben – dafür bin ich Realist genug. Doch nicht erst seit dem VW-Skandal finde ich es wichtig, auch über den Status quo hinauszudenken. Reisemobile haben besondere Anforderungen, und da könnten andere Antriebsarten nicht nur aus Umweltsicht Vorteile bringen. Stichwort: ein Energieträger für alles. Kurzfristig erreichbar wäre das beim Thema Autogas. Wenn Fiat einen passenden Motor und die Politik finanzielle Hilfen anbieten würden, wäre das relativ schnell realisierbar. Zwei Probleme bleiben allerdings: Die Autogas-Motoren sind abgewandelte Benziner, die zwar genügend Leistung, aber weniger Drehmoment liefern, und das bei höherem Verbrauch. Das Autogas verbrennt dabei zwar ruß- und stickoxidärmer als Diesel, CO2 entsteht aber mehr.

Langfristig müssen also andere Antriebskonzepte her. Elektrisch zu fahren wäre für Reisemobile dabei echt reizvoll, denn Elektromotoren sind drehmomentstark, arbeiten leise und können platzsparend als Radnabenantrieb eingebaut werden. Das ermöglicht ganz neue Raumkonzepte. Ein Allradantrieb wäre so übrigens auch leicht realisierbar. Der Knackpunkt ist allerdings noch die Stromspeichertechnik. Die bisherigen Systeme sind zu uneffektiv und schwer. Doch daran wird mit Hochdruck geforscht und ebenso an effizienteren Energiequellen. Kürzlich wurde eine wasserstoffbetriebene Minibrennstoffzelle vorgestellt, die ein Smartphone eine Woche versorgt. Und neuartige Folien-Solarzellen könnten bald die ganze Aufbaufläche eines Reisemobils nutzen. In Kombination rücken damit praxisnahe Reichweiten – und Autarkiezeiten – in denkbare Nähe.

Übersicht: Alternative Antriebe für Wohnmobile
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