Die zunächst handwerkliche Bauweise wird schon bald auf Fließbandfertigung umgestellt. Hobby-Archiv
Als Studie für den Caravan-Salon entsteht ein Wohnwagen mit großer Dachterrasse.
Schon früh entwickelt sich der 460 De Luxe zum Bestseller im Angebot.
Mit einer wohnlichen Einrichtung spricht Hobby gezielt die weibliche Kundschaft an, hier im Modell 520 T.
In den 1970er Jahren werden deutsche Wohnzimmer rustikal möbliert – ebenso die Caravans von Hobby. 32 Bilder

Hobby Firmenhistorie: Eine Erfolgsgeschichte

Hobby Firmenhistorie Eine Erfolgsgeschichte

In einem halben Jahrhundert gelingt der Marke Hobby ein rasanter Aufstieg. Aus den Anfängen in einer Garage geht der Caravan-Marktführer und Reisemobilhersteller hervor.

Als Harald Striewski 1967 die Marke Hobby gründet, erlebt der Wohnwagenmarkt gerade seinen ersten großen Boom. Der Caravan-Salon feiert in jenem Jahr schon seinen fünften Geburtstag und das Angebot wächst. Große und kleine Hersteller decken nahezu alle Bedürfnisse des zunehmend reisefreudigen Publikums ab. Die Welt der Freizeitfahrzeuge wartet nicht unbedingt auf einen weiteren Anbieter. Es gehört schon eine Portion Mut dazu, sich selbständig zu machen, um sich in den Wettbewerb zu stürzen.

So beginnt die Erfolgs-Story

Schon früh entwickelt sich der 460 De Luxe zum Bestseller im Angebot.
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Harald Striewski hat zwar weder eine Wohnwagenfabrik noch Geldgeber im Hintergrund, aber Erfahrungen, die ihm eine fast hellseherische Zuversicht geben: Der erste Caravan, den er für seine Familie selbst gebaut hatte, fand spontan einen Käufer, und auch die nächsten in einer Garage handgefertigten Exemplare mussten nicht lange auf Abnehmer warten. Warum sollte daraus nicht ein richtiges Modellprogramm werden?

Der Name Hobby ist wegen der Eingängigkeit und leichten Aussprache schnell beschlossen – eine Marke wird geboren. In der Saison 1968 stößt Hobby in das wichtigste Marktsegment vor. Man verzeichnet fünf Modelle vom Hobby 330 bis zum 480, wobei die Bezeichnungen der Aufbaulänge in Zentimetern entsprechen. Sitzgruppen in Bug und Heck sowie eine Küche und Stauschränke in der Mitte bieten genau das, was Wohnwagenkäufer in diesen Jahren wünschen. Nicht revolutionär, aber eben genau dem Zeitgeschmack entsprechend, kleiden sich die Hobby-Caravans mit weißen Außenwänden aus Polyester. Typisch für die 60er Jahre sind ebenso die rechtwinkligen Resopal-Möbel. Durch elegante Oberflächen im Rüster-Dekor repräsentieren sie jedoch gehobene Wohnkultur.

Mehr und mehr Aufträge geben der Hobby-Linie Recht

Schon bald platzt die Garage aus allen Nähten, und noch 1968 wird ein eigenes Grundstück in Fockbek bei Rendsburg gekauft. In der dort errichteten Halle können vier Mitarbeiter beschäftigt werden. Sie wird zur Keimzelle des späteren Wohnwagenwerks. Das selbst gesteckte Ziel: An jedem Tag soll ein fertiger und selbstverständlich auch verkaufter Wohnwagen aus der Halle rollen. Ein Jahr später ist diese Vorgabe schon erreicht, so dass die Tagesproduktion 1970 auf sechs Stück gesteigert wird. Die Belegschaft wächst ebenfalls stetig. Sind es 1970 42 Mitarbeiter, zählt man ein Jahr später 132, und so kann 1972 der 5000. Wohnwagen vom Fließband laufen.

Was für ein Schock trifft den jungen Hersteller, als im Mai 1974 ein Feuer auf dem Werksgelände ausbricht und das Verwaltungsgebäude in Schutt und Asche legt. Die Produktion kann es nicht stoppen. Im Gegenteil: In kürzester Zeit entstehen neue Räumlichkeiten, die weiteres Wachstum erlauben. Auf dem Caravan-Salon 1974 verkauft man Wohnwagen im Wert von einer Million DM. Für die Saison 1974/75 peilt Hobby rund 6000 Stück an, was das erneuerte Werk in Fockbek zu einer der größten Caravan-Fabriken macht.

Bei der Entwicklung der Wohnwagen gibt es ebenso wenig eine Pause. Die Polyester-Außenhaut wird durch Aluminium ersetzt, wobei auch das Dach aus einer verklebten Sandwich-Platte besteht.

Die 70er-Jahre

Statt schlichtem Weiß schmückt Anfang der 70er Jahre ein umlaufender dunkler Streifen in Höhe der Radläufe alle Modelle. Zierleisten lockern das Seitenblech auf. Die Einrichtung unterliegt ohnehin einem regelmäßigen Wandel, gilt es doch, den Zeitgeschmack punktgenau zu treffen. Anfang der 1970er Jahre weicht das Resopal Echtholzoberflächen im Bauernhausstil. Richtig gemütlich wird es dann mit Holzdecken und verbleiten Butzenscheiben an den Hängeschränken. Auch die Modellbezeichnungen zeigen neues Selbstbewusstsein: Je nach Ausstattung heißen die Wohnwagen erstmals De Luxe oder Prestige.

Es sind bewusst eingesetzte Details, die Hobby-Modelle von der breiten Masse der Wohnwagen abheben. Da gibt es beispielsweise die mit Stoff bezogenen Sitzsockel, die Damenstrümpfe schonen, oder praktische Details wie Thermometer und Eieruhr in der Küche. Vorzüge, die man auch in anderen europäischen Ländern zu schätzen weiß: Mit zunehmendem Erfolg exportiert Hobby nach Frankreich, Italien, Benelux, Skandinavien und in die Alpenländer.

Mit einer wohnlichen Einrichtung spricht Hobby gezielt die weibliche Kundschaft an, hier im Modell 520 T.
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In Ausgabe 10/1975 liefert CARAVANING Antworten auf die Frage, was Hobby so beliebt macht: „Den fast kometengleichen Aufstieg, den ihm kaum einer streitig machen kann, verdankt Harald Striewski einer immer ankommenden Optik im Interieur, die vor allem Frauenträume vorauszuahnen scheint. Mehrmarkenhändler bestätigen, dass es immer wieder die Damen sind, die den Ausschlag für einen Hobby geben. Dazu kommt eine äußerst scharfe Kalkulation, so dass man von Jahr zu Jahr sich stets schwerer tut, hübschere zum gleichen Preis oder gleich schöne billigere zu finden.“

1976 nimmt man bei Hobby eine zweite Montagehalle in Betrieb, um die Produktion auf über 50 Exemplare pro Tag zu steigern. In diesem Jahr läuft der 25 000. Wohnwagen vom Band.

Bestseller ist der 460 De Luxe. Seine Auswahl an Möbeldekoren, die große Rundsitzgruppe und eine Küche, die wie eine angedeutete Theke auch als Raumteiler dient, tragen zum gewissen Etwas bei. Im Prospekt ist von einer „Partyküche“ die Rede. Aufsehen erregt Hobby außerdem durch spektakuläre Messefahrzeuge wie einen Tandemachs-Caravan mit Dachterrasse.

Als Hobby 1977 den zehnten Geburtstag feiert, belegt die Marke Platz fünf in der Zulassungsstatistik für Caravans, erreicht aber bei den Zuwachsraten bereits den zweiten Platz. Der Umsatz nähert sich der 100-Millionen-DM-Marke, und eine fünfstellige Zahl in der jährlichen Caravan-Produktion kommt in Reichweite, wovon fast die Hälfte exportiert wird. Gleichzeitig vergrößert sich das Programm. Es erstreckt sich vom vier Meter langen Reisewagen für weniger als 7000 DM bis zum Top-Modell mit 7,50 Meter Aufbaulänge und Tandemachse, das mit rund 19.000 DM in der Preisliste steht.

1983: Hobby wird Marktführer

Eine entscheidende Zielmarke wird 1983 erreicht: Hobby erringt die Marktführerschaft in Deutschland, ein Jahr später auch in Europa. Alle neun Minuten rollt ein Caravan aus dem Werk, so dass im Februar 1985 der 100 000. Wohnwagen in Fockbek entsteht.

Neben optischen Vorzügen setzt Hobby zunehmend auf technische Innovationen. Als erster Hersteller kann man ein feuerverzinktes und damit rostfreies Fahrgestell liefern. Man führt ebenso die Rückfahrautomatik ein, die zusätzliche Handgriffe beim Zurücksetzen erspart. Andere Ausstattungen, die man heute als selbstverständlich empfindet, tauchen zuerst bei Hobby auf, darunter die Bordtoilette oder Kombirollos an den Fenstern. Hinzu kommt eine Ausstattung über dem üblichen Niveau: Echtholzmöbel aus massiver Eiche, Velourspolster, Teppichboden oder TV-Schrank sind in den 1980er Jahren bei Hobby serienmäßig.

Das erste Reisemobil von Hobby ist ein Teilintegrierter.
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Die Marktführerschaft bei den Caravans gibt Rückenwind für den nächsten Schritt: das erste Reisemobil von Hobby. Zwar ist dieser Markt zu Beginn der 1980er Jahre noch klein, aber wachsend. Hobby-Gründer Striewski will auch hier Zeichen setzen. Also entsteht kein weißes, kastenförmiges Alkovenmobil, sondern ein Teilintegrierter mit gewölbten Wänden, asymmetrischen Fenstern und Metalliclackierung.

Der Hobby 600 ist ebenso vom Automobil- wie vom Yachtbau inspiriert. Auf dem Caravan-Salon 1984 macht der Prototyp Furore. Sein Preis ist mit 42 980 DM durchaus selbstbewusst kalkuliert, dennoch unterschreiben noch auf der Messe mehr als 80 begeisterte Käufer. In promobil-Ausgabe 1/1985 ist zu lesen: „Harald Striewski hat es geschafft, im immer enger werdenden Reisemobilmarkt eine neue Klasse zu etablieren und dort auch gleich Maßstäbe zu setzen. Nachahmer wird es bald geben, aber ob sie diese Qualität und pfiffige Raumaufteilung hinkriegen, bleibt fraglich.“ Der 600er wird Kult – und zum Grundstein für viele weitere Hobby-Reisemobile.

Auch in den 90er-Jahren hält Hobby seinen Kurs

Das Auf und Ab der Zulassungszahlen in den 1990er Jahren macht vielen Herstellern zu schaffen, bei Hobby hält man den Kurs. Als man 1992 das 25-jährige Firmenjubiläum feiert, laufen teilweise mehr als 110 Fahrzeuge pro Tag vom Band. 1993 wird das Werk abermals erweitert. Die Stückzahlen steigern sich in diesem Jahr auf 16 900 Caravans und Reisemobile. Wohnwagen-Marktanteil: stolze 21,4 Prozent.

1994 stehen bei allen Reisemobilen große Änderungen an. Fiat präsentiert die nächste Generation des Ducato. Mit diesem Schritt bekommt auch der Hobby 600 eine neue Form. Das Caravan-Programm wird um die Oberklasse-Modelle Excellent und Elegance erweitert. Außerdem weiht Hobby ein Kundenservice-Center in Fockbek ein.

Nicht zu oft, aber regelmäßig wird das Design der Wohnwagen komplett erneuert. 1996 ist es wieder an der Zeit für einen großen Schritt. Alle Baureihen erhalten ein einheitliches modernes Erscheinungsbild. Hinzu kommt eine Vollausstattung. CARAVANING titelt in Ausgabe 8/1996: „Hobby gibt Gas. Mehr Ausstattung zum Kampfpreis.“ Im Rahmen der Vorstellung des De Luxe 595 UK liest man: „Die Hobby-Devise für das Jahr 1997 lautet: Alles inklusive. Von dieser Richtungskorrektur profitiert vor allem die Baureihe De Luxe. Die Einsteiger-Caravans zeigen in der neuen Saison ein völlig anderes Gesicht. Wo vorher fast biedere Bravheit herrschte, sticht jetzt durch helle Möbel in Apfelholzdekor mit blauen Holzleisten und Ablageklappen in derselben Farbe fast die reine Extravaganz ins Auge. (…) Trotz einem dicken Zuschlag aus der Ausstattungsliste blieben die Preise der De-Luxe-Reihe nahezu unberührt. Mit diesem Schachzug hat Hobby den erfolgreichen Mitbewerbern eine Aufgabe gestellt, die sicher nicht einfach zu lösen ist.“

Mit Investitionen in die Zukunft

Selbstbewusst: neues Gebäude nach dem Brand.
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Durch den Neubau des Reisemobilwerks mit einem repräsentativen Verwaltungstrakt im mediterranen Stil geht es 2003 am Standort voran. In CARAVANING 9/2004 kann man über weitere große Schritte lesen: „Es ist beinahe typisch für Hobby, dass jüngst eine Fabel-Marke erreicht wurde, aber niemand großes Aufsehen darum machte: Vor wenigen Tagen lief in Fockbek der 400 000. Wohnwagen vom Band – ein absoluter Weltrekord. (...) Die Reisemobilproduktion stieg nach der Inbetriebnahme der neuen Fertigung von 400 im Jahr 2003 auf 1000 in dieser Saison an. (...) Zwei bemerkenswerte Daten wurden immerhin in Fockbek gewürdigt: Fast auf den Tag genau 20 Jahre, nachdem Europas größter Wohnwagenproduzent sein erstes Reisemobil vorstellte, lief das 10 000. Hobby-Mobil vom Band.“

Auch die wenige Jahre später folgende Krise der Freizeitfahrzeugbranche geht am stabil aufgestellten Unternehmen ohne nennenswerte Spuren vorüber. Zum 50. Geburtstag kann man sich sicher sein: Während die meisten Mitbewerber der frühen Caravan-Jahre längst vergessen sind, hat sich Hobby einen festen Platz in den Geschichtsbüchern der Branche gesichert.

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