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  1. #1
    Moderator   Avatar von Waldbauer
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    Standard Nun ade, du schöner Wald....

    Hallo zusammen,
    die meisten von euch wissen ja das ich ein kleines Wäldchen besitze. Ich habe es gehegt und gepflegt, Unkraut gemäht, Bäume gefällt, Bäume gepflanzt, Wertastung durchgeführt, Brennholz gewonnen, meine Nachbarschaft zu Weihnachten mit Tannenzweigen versorgt, das Wild und die Vögel beobachtet.
    Und ich musste zusehen wie der Borkenkäfer inzwischen die Hälfte meines Fichtenbestandes vernichtet hat. Ein Ende dieser Kalamität ist nicht abzusehen, die Fichte ist wegen des Klimawandels zum Aussterben verurteilt. Der Borkenkäfer geht nur in reife Bäume, ca. 85 Jahre sind bei mir die Betroffenen alt, junge Bäume ersticken die Käfer sofort mit Harzfluß, die alten schaffen das nicht mehr wegen der Trockenheit.
    Ich werde die restlichen Fichten die der Käfer getötet hat noch aufarbeiten wenn ich wieder gesund bin, per Lohnunternehmer könnte ich diese Arbeit auch machen lassen, das würde jedoch ein Minusgeschäft denn der Verkaufserlös deckt gerade mal die Arbeitskosten. Ca. 25 kaputte Fichten sind noch aufzuarbeiten, 10 davon liegen schon flach.
    Dann kommt im Dezember ein Lohnunternehmer mit seinem Harvester und wird den größten Teil des Bestandes an gesunden Fichten fällen und aufarbeiten, die Vermarktung der Bäume übernimmt die Waldbesitzervereinigung der ich angehöre. Diese Maßnahme ist sinnvoll weil sonst diese Bäume in den nächsten Jahren dem Borkenkäfer oder dem Sturm zum Opfer fallen würden. Für gesundes Frischholz gibts noch ein bisserl Geld, für Käferholz gibts noch ein Almosen.
    Ab dem 1. Januar 2020 übergebe ich meinen gesamten Grundbesitz meinen Söhnen. Sie werden auf absehbare Zeit aus dem Wald keinen Gewinn erwirtschaften können deshalb überlasse ich ihnen den Verkaufserlös der Fällaktion. Es können nicht mal die laufenden Pflegekosten gedeckt werden.
    Es muß dann Zug um Zug die gerodete Fläche wieder aufgeforstet werden, dazu kaufen wir in der Baumschule Douglasien, Esskastanien, Zedern, Flatterulmen,Baumhasel und Winterlinden (für die Bienen). Vor ein paar Jahren habe ich schon Erlen, Lärchen, Robinien, Roteiche, Stieleiche, Bergahorn und Spitzahorn untergepflanzt, das gedeiht alles sehr gut. Die Erlen und Robinien werfen bereits Samen ab, es kommen gute Jungpflanzen aus der Erde. Diese müssen jedoch geschützt werden damit sie nicht von den Rehen gefressen werden. Vor gut 2 Jahren habe ich mehrere Eimer voll Eicheln gesammelt und teilweise verstreut oder in den Boden gesteckt. Inzwischen sind daraus schon viele kleine Bäume entstanden. Einen Eimer voll habe ich vom Eichelhäher pflanzen lassen, der macht das hervorragend und sogar kostenlos. Er sammelt Eicheln und vergräbt sie im Wald, als Wintervorrat, er findet bei weitem nicht alle wieder, diese keinem dann und es wachsen kleine Bäume.
    Es gibt in meinem Wald eine hervorragende Naturverjüngung an Fichten, Weisstannen, Eichen, Ahorn, Birken, Eberesche, Wildkirsche, mit den zugekauften Pflanzen wird das Sortiment um widerstandsfähige Baumsorten erweitert so dass für die nachfolgenden Generationen ein gesunder und stabiler Mischwald entsteht. Ein paar Exoten werde ich auch versuchen, z.B. Mammutbaum, evtl. Pinien.Die Fichtenverjüngung lasse ich natürlich wachsen in der Hoffnung dass diese in dem herrschenden und zu erwartendem Klima widerstandsfähiger sind. Das Holz des Mammutbaumes ist quasi wertlos, aber so ein Mammutbaum wird irgendwann zum Naturdenkmal. Wenn er denn wächst...
    Früher war Waldbesitz die "Sparkasse" für den Bauern, mussten Investitionen getätigt werden die der laufende Betrieb nicht hergab wurden Bäume gefällt und verkauft.
    Inzwischen ist der Besitz eines kleinen Waldes ein Hobby das Geld kostet. Verwahrlosen lassen kommt nämlich für uns nicht in Frage.
    Vom Staat wird sogar relativ viel Geld für Aufforstungsmaßnahmen ausgelobt. Die meisten meiner Waldnachbarn und auch ich verzichten auf dieses Geld denn es sind damit Auflagen verbunden die nicht mit vernünftigem Waldbau in Einklang zu bringen sind. Unser Bürokratiemonster wird richtig peinlich, es muß ein Wildschutzzaun gebaut werden, es werden die Baumsorten vorgeschrieben, es wird der Pflanzabstand vorgeschrieben. Die Revierförster sind gehalten den Waldbauern die Zuschüsse schmackhaft zu machen, unser Förster arbeitet jedoch auch nicht gegen seine Überzeugung.

    Eines drückt mich noch:
    Ich überlege wie ich möglichst viele grüne Spinner in Kenntnis setzen könnte wann der Harvester kommt, damit sie sich so richtig aufregen können in ihrer Ahnungslosigkeit. Schließlich wird da ja richtig gerodet. Mir macht das wirklich auch keinen Spaß, ich werde mit Tränen in den Augen zusehen, es ist aber die einzige Möglichkeit den Wald wieder zu dem zu machen was er eigentlich ist. Nicht so wie der staatlich beamtete Kerl der vor über 15 Jahren den größten Teil des bayerischen Waldes vor die Hunde gehen ließ und darauf auch noch stolz ist. Natürlich wachsen da jetzt von selber Bäume, aber zu 80% wieder Fichten, keine Spur von Mischwald. Und für so viel Dummheit muß man studieren und promovieren.
    Gruß aus Oberbayern
    Franz

    Unterwegs mit einem Eura Mobil Profila RS 660 HB

    Weise ist der Mensch, der nicht den Dingen nachtrauert, die er nicht besitzt, sondern sich der Dinge erfreut, die er hat.
    Epiktet, um 50-138 n.Chr. , griechischer Stoiker und Philosoph

  2. #2
    Stammgast   Avatar von golfinius
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    Standard AW: Nun ade, du schöner Wald....

    Franz,
    mein herzliches Beileid.
    Auch ich bin jedes mal tief traurig, wenn ich durch den ehemals schönen Harz fahre. Das ist einfach nur schrecklich.
    Schöne Grüße aus
    Niedersachsen
    von Hans-Heinrich
    oder unterwegs mit Hymer B DL 678

  3. #3
    Stammgast   Avatar von Alaska
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    Standard AW: Nun ade, du schöner Wald....

    Hallo, Franz

    Kann mir gut vorstellen das es Dir sehr schwer fällt,muß aber sein.Bei uns werden gefällte Bäume jetzt Stapelweise in Plastikfolie unter Vakuum verpackt um sie so lange lagern zu können bis es wieder etwas mehr Geld für das Holz gibt.Wenigstens der Absatz von Buchenholz läuft ganz gut,ich sehe immer wieder das auf dem Parkplatz den ich als Rastplatz nutze Buchenholz in form von Stammholz in Container verladen wird,ein Mitarbeiter des Forstamtes hat mir gesagt das die Stämme nach China gehen.


    Gruß Arno
    Und ist der Berg auch noch so steil,bisserl was geht alleweil

    Bekennender SP und Wackenverweigerer

  4. #4
    Kennt sich schon aus  
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    Standard AW: Nun ade, du schöner Wald....

    Moin,
    bei uns an der Küste bekommt man davon nicht so viel mit, gibt hier kaum Wald sondern nur Knicks.
    Aber letzte Woche im Harz war ich über den Zustand des Waldes entsetzt. Sieht teilweise aus wie in einem Horrorfilm.
    Gruß
    Ferres

  5. #5
    Lernt noch alles kennen  
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    Standard AW: Nun ade, du schöner Wald....

    Franz, ein sehr anschauliches Posting zum Zustand unseres Waldes und den Auswirkungen des Klimawandels. Mir gefriert es in den Adern, wenn ich durch die abgerodetet Flächen wandere, die dem Borkenkäfer oder Stürmen zum Opfer gefallen sind. Die Flächen sind gigantisch und mir blutet es jedes Mal das Herz, bin ich doch noch als KInd an gleicher Stelle durch einen satten, grünen dichtem Wald gegangen. Regelrecht sprachlos macht es mich immer wieder, wenn ich durch den Harz fahre. Über 90% des Fichtenbestandes Tod und das soweit das Auge reicht. Andererseits hat jedes Ende auch einen Anfang. Nun wird mit neuen Sorten aufgerodet. Sorten die sich in wärmen Regionen bewährt haben. Dir alles Gute..

  6. #6
    Stammgast   Avatar von Sellabah1
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    Standard AW: Nun ade, du schöner Wald....

    Franz. Sei nicht traurig. Denn Du bist fachkundig und hast viele Jahre etwas gemacht und planst nun mit deinen Söhnen die Zukunft dieser Waldfläche.
    Damit tust und hast Du schon mehr als manch anderer getan, der für die Umwelt nur sein Kreuzchen bei den Grünen macht.

    Ob gesunde Bäume aus Vorraussicht fallen müssen, weiß ich nicht. Aber mir tut es schon weh, wenn ich irgendwo vorbei komme, wo ein Baum gefällt wird.
    Für mich sind es lebende Wesen wie Mensch und Tier.

    Dazu tun Bäume Gutes. Sie spenden nicht nur Schatten sondern wirken wie eine natürliche Klimaanlage, weil sie viel Wasser speichern und dieses bei Wärme kühlend abgeben. Ich denke auch, dass in Schulen oder Medien überhaupt viel zu wenig über Bäume aufgeklärt wird. Die meisten Städter wollen sie wegen der Arbeit aus ihrer Nähe wissen.

    Hoffentlich ändert sich die Lobby für Baumbestand auf der Welt mal wieder, bevor wir auf einem Backofen leben.
    Denn dann kauft auch keiner mehr Holzmöbel.

    LG
    SVen

  7. #7
    Stammgast   Avatar von Cheldon
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    Standard Nun ade, du schöner Wald....

    Etwas habe ich in den letzten Jahren auch getan, im Herbst 2018 und 2019 je eine "alte" Apfelsorte bei der Gärtnerei Kiener in Brixen gekauft, gute Beratung, beide sind angegangen und jeder hat leckere Früchte getragen.
    Kirschlorbeer ausgegraben und drei Bienenbäume und eine Felsenbirne gepflanzt. Viel mehr ist bei unserem Grundstück kaum machbar...
    Jetzt darf ich sicher auch bald wieder mit dem Reisemobil ....

    Mit freundlichen Grüßen
    Rolf
    Mit freundlichem Gruß
    Rolf

  8. #8
    Ist öfter hier  
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    Standard AW: Nun ade, du schöner Wald....

    Die Sünden der Vergangenheit rächen sich heute. Und alle schieben es auf's Klima... Borkenkäferplagen gab es früher auch schon. Ich kann mich erinnern, zusammen mit meinem Vater Fußballplatz-große Käfernester gefällt zu haben. Aufgeforstet wurden die vor 40 Jahren natürlich wieder mit Fichten-Monokultur.
    Den Weg, den du gehst, ist definitiv der Richtige und hätte schon vor Jahrzehnten beschritten werden sollen. Verjüngung nicht nur mit Fichtensetzlingen, sondern Umbau hin zum Mischwald mit heimischen und passenden exotischen Arten um einen widerstandsfähigen Gesamtbestand zu erhalten. Auch damit lässt sich gutes Geld verdienen (Robinie bringt richtig Geld!). Nur wachsen diese eben nicht so schnell wie Fichte und sind daher für die pflanzende Generation keine lohnende Investition. Aber die Fichte ist nunmal im Großteil der angebauten Fläche gar nicht heimisch und der so angepflanzte Wald eigentlich kein Wald sondern eher eine Nutzholzplantage mit allen Nachteilen einer künstlichen Monokultur.
    Deine Kinder und Enkel werden sich freuen, einen so weitsichtigen Vater/Opa zu haben und die Waldwirtschaft hoffentlich in ähnlicher Weise für ihre Kinder und Enkel weiter führen.

  9. #9
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    Standard AW: Nun ade, du schöner Wald....

    Zitat Zitat von Sellabah1 Beitrag anzeigen
    Denn dann kauft auch keiner mehr Holzmöbel.
    Eigentlich sind Holzmöbel und generell verbautes Holz das Beste, das man fürs Klima machen kann. Das CO2 ist auf längere Zeit gespeichert und dem Kreislauf entzogen.

  10. #10
    Stammgast   Avatar von raidy
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    Standard AW: Nun ade, du schöner Wald....

    Franz, du machst es richtig. Du baust einen neuen Mischwald mit vielerlei Baumsorten auf. Das ist gut, macht den Wald robust, freut Natur und Tiere und ist vor allem eine vorausschauende Planung. Die Fichte ist vom Ursprung her ein Gebirgsbaum welcher in größeren Höhen wächst, das immer heißer werdende Klima verkraftet sie auf Dauer nicht. Insofern ist es schon richtig, wenn man nun andere Baumarten bevorzugt und einen schönen Mischwald macht.
    Ich denke die "grünen" (nicht im Sinne der Partei) kannst du nicht so einfach in einen Topf werfen. Viele sind praktisch veranlagt und würden dich verstehen und es richtig finden, andere sind ewige Tagträumer und werden es auch bleiben. Die reale Wahrheit "schwebt" immer irgendwo in der Mitte. Und das mit den Fördergelder kannst du fast immer knicken, die Auflagen und der Papierkram rechtfertigen die paar Euro nicht.
    Und ja, der Harvester dürfte für dich Gefühle von "Faszination Technik" und Tränen in den Augen ob der schönen Bäume bedeuten.
    P.S.: Ich liebe Esskastanien, mühsam geschält, in Milch und Honig gekocht, in Butter angebraten!

    Gruß Georg
    Geändert von raidy (03.12.2019 um 14:47 Uhr)
    Die Mehrheit der Affen bezweifelt, dass der Mensch von ihnen abstammt.

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