Ich habe überlegt ob ich den Text auch hier im Forum poste und wenn ja, ob ich mich an eine der stets laufenden Diskussionen anhänge. Da es aber viel Text ist und unsere Ausgangslage anders als die von z.B. Jan, setze ich das hier mal extra auf.

Hallo zusammen,

zum Thema zGG und dessen Einhaltung bei 3,5t wurde und wird ja viel geschrieben. Mit meinem Beitrag möchte ich nun nicht den Finger in die eine oder andere Richtung heben, sondern lediglich berichten wie das Thema bei uns (bisher) abgelaufen ist. An manchen Stellen hole ich ein bisschen weiter aus, vielleicht ist der ein oder andere der das liest ja in einer ähnlichen Situation und tut sich dann leichter die Lage für sich zu beurteilen.

Es ging los in 2017, da hatten wir zum ersten mal überhaupt Kontakt mit einem Wohnmobil. In diesem Falle hatten wir eines für zwei Wochen gemietet – in Schottland. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir keine Ahnung von all den Dingen die man zum Thema Gewicht beachten kann/soll/muss. Für uns war klar, dass uns der Vermieter (grosse Kette) schon informieren würde wenns da was zu wissen gäbe. Beim Auto macht man ja den Kofferraum auch bis Anschlag voll und schnallt sich ggf. sogar noch eine Dachbox drauf. Und im Wohnmobil gäbe es ja sooooo viel Platz/Stauraum… Da wir per Flugzeug ankamen war unser Gepäck tatsächlich auf das Nötigste reduziert und die Hunde waren auch nicht dabei, also kein Problem (nachträglich betrachtet).

Der Urlaub und die Reiseform gefiel uns allen in der Familie so gut, dass wir zwei Monate später selbst ein gebrauchtes Wohnmobil kauften. Zwei Monate klingt kurz, aber da ich vom Typ „ganz oder gar nicht“ bin, habe ich mich sehr sehr umfassend informiert worauf man achten muss, was man braucht usw. Tja und da war es nun: das Thema Gewicht. Meine Frau sah das von Anfang an etwas entspannter als ich. Wir haben beide noch den alten Führerschein, das hatte also keinen Einfluss auf die Entscheidung < oder > 3,5t. Durchaus zu berücksichtigen galt es aber, dass wir mit zwei Kindern und zwei großen Hunden unterwegs sein werden! Dafür war klar dass wir keine Radlerfamilie sind, die können also daheim bleiben. Da wir wegen der Kinder (keinesfalls in einem Bett, ohne Umbau also Stockbetten) und der Hunde (sichere und halbwegs bequeme Unterbringung) sehr spezielle Grundrissanforderungen hatten, stach schnell ein bestimmtes Alkovenmodell von Carado ins Auge – wir wollten nämlich auch nicht unbedingt über 7m Fzg-Länge kommen. Dabei sind die Carados ja auch noch sehr leicht im Vergleich zu anderen Anbietern. Damit hatten wir dann letztlich beschlossen: jetzt probieren wir das mit den 3,5t halt mal aus und schauen dann weiter. Beim Kauf unserer Ausrüstung hatte ich auch immer einen Blick auf die Gewichtsangabe der Ware, was uns bei der Auswahl aber letztlich nicht wirklich eingeschränkt hatte und teurer wurde es dadurch auch nicht.

Das erste was ich nach dem Kauf des gebrauchten Womos machte, war den Fahrradträger abzubauen. Obwohl der Stauraum insgesamt durch den Grundriss und die Nutzungsart im Vergleich zu anderen Womos sehr limitiert ist, haben wir eigentlich immer noch den ein oder anderen Hängeschrank frei und auch in die Garage passte immer noch was rein. Tatsächlich war es dann so, dass wir „in vollem Gerödel“ (allerdings mit nur wenig Wasser) auf die Waage sind: mit 3.560kg waren wir im für mich noch vertretbaren Bereich. Dummerweise hatte ich die Achsen nicht einzeln gewogen – auch hier ist meine Einschätzung jedoch, dass wir das Gewicht ungewöhnlich weit vorne haben im Vergleich zu anderen. Damit sollten wir gut dastehen, idR ist ja die Hinterachse das Problem.

Natürlich nutzen wir unser Womo so oft es geht. Beim Packen achten wir (also letztlich ich) sehr auf das Gewicht, bislang hat uns auf der Reise aber letztlich noch nie irgendwas gefehlt, das wir aus Gewichtsgründen nicht dabei gehabt hätten. Dennoch, die (bis heute regelmäßige) Diskussion mit meiner Frau dazu verläuft bei fast jeder Beladung idR ungefähr so:
Ich: Nein Schatz, das brauchen wir nicht, das Gewicht können wir uns sparen.
Sie: Aber es könnte ja sein dass wir es vielleicht doch brauchen. Jetzt tu halt nicht wegen jedem Gramm rum, fast alle anderen fahren ja auch auf 3,5t und sparen bestimmt nicht beim Einladen.
Ich: Und wenn alle anderen aus dem Fenster springen, tun wir das auch? (Ich glaube diesen abgedroschenen Spruch kennt wohl jeder)
Letztlich werden wir uns aber immer einig. Und was ich auch sonst sage: wenn ich alles wie daheim haben will, dann kann ich ja gleich dort bleiben.

Zuletzt nervten mich diese Gespräche aber immer mehr und ich hatte auch keine Lust mehr über jede Flasche Bier im Kühlschrank eine gedankliche Wiegebescheinigung zu erstellen. Darüber hinaus habe ich mich für die Zukunft in ein Modell verguckt, das etwas „luxuriöser“ ist – gleichzeitig natürlich auch schwerer. Darüber hinaus informiere ich mich über vieles zwar gerne ausführlich, mache dann aber auch meine eigenen Schlüsse bzw. Erfahrungen. Also habe ich mich bezüglich der für uns zu erwartenden Einschränkungen vertraut gemacht die uns erwarten wenn wir über 3,5t gehen würden.

Zunächst einmal ging es darum, wie wir auf welches zGG bei unserem Carado kommen und was dafür zu tun ist. Wie bei den meisten („nicht ganz so alten“) Ducatos auf light-Fahrwerk (welches ja leider meist üblich ist), ist eine Auflastung bei uns auf 3,85t mit einer „Herstellerbescheinigung“ ohne technischer Änderung möglich. Darüber hinaus benötigt an Eingriffe am Fahrwerk etc, das schied für uns dadurch schonmal aus. Ferner die Idee, dass wir ja wenns uns nicht taugt leicht wieder ablasten können bzw. fahren wir das Wohnmobil absehbar eh nicht bis zur Rente.

Gleichzeitig habe ich mir auch mal angeschaut, was die Auflastung ansonsten für Folgen hat und habe das für mich/uns individuell bewertet:

  • an der Hinterachse gewinnt man nicht wirklich Gewichtsreserven = für uns ok, im Zweifel (wie oben beschrieben sind wir eh ungewöhnlich „frontlastig“) zahlen wir ggf. etwas Bußgeld, können aber nach vorne umladen.
  • Autobahn DE 100km/h = stört mich nicht, bisher Tempomat bei Tacho 115, künftig bei Tacho 109
  • Landstraße DE 80km/h = stört mich auch nicht, da zwei meiner Mitfahrer schnell einen sensiblen Magen bekommen, bin ich mit dem Schiff eh nicht so flott wenn hier und da eine Kurve auftaucht. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Landstraßen wird mMn dadurch kaum geringer.
  • Autobahn für uns relevantes Ausland meist 80km/h = DAS wird spannend, da habe ich durchaus Sorge dass mir die Füße einschlafen.
  • Warnlampe mitführen = stört mich nicht, kann man auch so ggf. mal brauchen
  • Ab dem 7. Jahr (bei uns der Fall) jährlich TÜV/HU = stört mich bedingt. Nur teilweise wegen dem Geld, sondern vielmehr weil es jedes Jahr aufs Neue organisatorischen Aufwand bedeutet
  • Überholverbot = wer dem >3,5t-Thema nicht in irgendeiner Form im täglichen Leben ausgesetzt ist, der wird (als PKW-Fahrer) die Überholverbotsschilder auf Autobahnen nicht so wahrnehmen. Ich habe mal darauf geachtet, davon gibt’s doch ziemlich viel. Das kann also ggf. mancherorts störend werden in Deutschland, ist aber auch eine Frage wie man damit umgeht. Abgesehen ist die Geschwindigkeitsbeschränkung im Ausland eh auf Lkw-Niveau, daher erübrigt sich das im fließenden Verkehr weitestgehend.
  • Durch- und Zufahrtsverbote = bis zuletzt hätte ich ja behauptet dass es sowas kaum gibt, bzw. nur für „echte“ Lkw, also > 7,5t. Tatsächlich habe ich beim letzten Österreichtrip aber einige Straßen gesehen, die für >3,5t nicht zugelassen waren. Natürlich fragt sich wie oft man solch einer Einschränkung begegnet bzw. gehe ich davon aus dass es dafür dann in der Praxis auch eine Lösung gibt.


Das für uns wesentlichste Thema ist die Maut. In Deutschland fällt ja auch aufgelastet keine an, allerdings benötigt man beispielsweise in Österreich und Slowenien ja entsprechende Boxen und wird bemautet. Da wir südlich von München wohnen, ist der Preis durch Österreich für uns dadurch um ein Vielfaches teurer. Wenn wir innerhalb Österreichs Urlaub machen, zählt die Strecke natürlich schon zur Freizeit und Landstraße sowie gelegentliche Autobahn sind kein Thema. Im Juni fahren wir aber z.B. für eine Woche nach Kroatien. Da wir Arbeitnehmer mit bedingtem Urlaubsanspruch sind, können wir leider nicht ganz so entspannt über Tage anreisen, sondern ziehen den Weg auf einen Rutsch durch. Auch zusätzliche Stunden sind schon zu viel, das wollen wir Kindern und Hunden nicht antun. Also geht’s auf der Autobahn durch. Da wird’s dann schon happig. Die nächsten Ziele liegen aber in Schweden und Deutschland, von daher verteilt sich der Mehraufwand dann aufs Jahr gesehen.

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