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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vorsicht bei Online-Bestellungen "Dynamic Pricing"



raidy
14.05.2016, 18:52
Ich schreibe euch jetzt mal was und ihr dürft entrüstet sagen: "Georg, das stimmt nicht"

Behauptungen:
1) Wer direkt im Shop angemeldet einkauft zahlt oft mehr, als wenn er anonym über einen Link zu dem Artikels des Shops geht.
2) Wer anonym (alle Cookies gelöscht, kein Login) einkauft, zahlt beim ersten mal nachschauen meist weniger als beim 2ten mal nachschauen.
3) Wer um 6 Uhr morgens einkauft, zahlt vermutlich weniger wie um 12:30 Uhr
4) Applenutzer zahlen mehr (Boah, freche Behauptung)

"Georg, das ist Quatsch", werdet ihr zu Recht sagen.
Nein, das ist bei sehr vielen Onlineportalen schon Normalität.

Hier mal ein ganz konkretes Beispiel von gerade eben, also gleiche Uhrzeit:

Beispiel 1:
Als Benutzer im Shop eingeloggt und bei Artikel "DC-S1" eingegeben:
19076


und nun "DC-S1" in google eingeben und den Shopping-Link zu dieser Seite angeklickt:
19077

Grund: Nur der "Anonyme" sieht überhaupt diesen Tagespreis. Er soll als Neukunde gewonnen, während man Bestandskunden diesen "Tagespreis" ausblendet.

Na, wenn das mal keine Ersparnis ist. :wink:

Und nun seid ihr dran:

Beispiel 1:
Schaut mal bei irgend einem großen Urlaubsportal ( eine Woche Urlaub in Mallorca). Sucht euch einen bestimmten Termin aus und merkt euch den Preis. Macht nicht zu lange herum, sondern findet schnell ein Hotel. Surft nun ein paar andere Urlaubsziele dort ab und nennt den gleichen Termin. Nach 1 Stunde sucht ihr nun wieder euer erstes Hotel. Was, teurer geworden? Huch, wie kann das denn sein?
Grund: Wer zweimal sucht, der will wirklich buchen.

Beispiel 2:
Geht auf amazon, jetzt am Samstag Abend. Sucht ein bestimmtes Smartphone und merkt euch den Preis.
Schaut morgen früh um 6 Uhr nochmals nach dem gleichen Smartphone und günstigen Preis. Was, anderer Preis? Na, dann schaut abends ab 18:00 Uhr nochmals, da kostet es wieder mehr.
Grund: Zu den Haupt-Einkaufszeiten werden die Preise "angepasst".


Doch nun da dickste Ei: Apple-Benutzer zahlen mehr.
Ich habe für den Nachbarn eine Einkaufsliste ausgedruckt von 12 Artikeln in amazon. Meine Summe 1820€.
Er wollte auf seinem Apple bestellen: 1960€. Dann kam er zu mir. Ich dachte mir "vermutlich teurer geworden" in den letzten Stunden und tippe alles nochmals ein. Summe 1820€. Er hat sie dann auf meinem Windows-Rechner bestellt.

Grund: Und weil mir das sowieso keiner glaubt hier ein Pressebericht (http://www.chip.de/news/Fieser-Preistrick-bei-Amazon-Apple-Nutzer-zahlen-mehr-aus-Gruenden_84837549.html)dazu.

Durch de Bestellung meines Nachbarn bin ich hellhörig geworden und habe heute 2 Stunden lang diese Tests gemacht.
Die Frechheit hat übrigens einen Namen und heißt "Dynamic Pricing". (https://de.wikipedia.org/wiki/Dynamic_Pricing)
Ich habe auch schon davon gehört, aber dass es derart krass ist konnte selbst ich nicht glauben.


Na, was sagt ihr jetzt?

Gruß Georg

seeli1
14.05.2016, 19:01
Hallo Georg

ja, ist so, das ist aber nicht neu ( trotzdem natürlich
eine Frechheit )
Ich kenne das auch aus meinem Job....

willy13
14.05.2016, 19:08
Was ist daran eine Frechheit, es sind nur Angebote und wir haben eine freie Marktwirtschaft.

Ich finde es korrekt das so was zulässig ist.

seeli1
14.05.2016, 19:16
Das macht dann Einkaufen zur Glücksache...
Aber anscheinend ist in der sog. "freien"
Marktwirtschaft ja mittlerweile alles erlaubt

MobilLoewe
14.05.2016, 19:16
Solche Praktiken sind mir aus Veröffentlichungen auch bekannt. So werden die Menschen vereimmert... :intrig: Was kann man dagegen tun? Sollte man mit unterschiedlichen Geräten suchen? Einen kleinen Vorteil habe ich, ich habe keine Apple Geräte.

Wir kaufen so wenig wie möglich im Internet, wenn, dann bei seriösen (hoffe ich zumindest) bekannten Anbietern, wie z.B. Otto.de, Deutschlands zweitgrößter Onlinehändler. Bei größeren Anschaffungen werden immer die örtlichen Händler gefragt, oft kommt man damit klar. Nicht immer ist der Preis allein entscheidend. Bei Amazon fast nichts mehr, bei ebay nur Kleinigkeiten, wenn der Preis logisch erscheint.

Wolle_M
14.05.2016, 19:46
Danke für Deine Berichterstattung Georg!
Willy, freie Merktwirtschaft und getarnter Beschiss ist ein Unterschied!

Capricorn-CH
14.05.2016, 19:55
Hallo Georg

Kann ich auch bestätigen - hab mir mal meinen eigenen Flugpreis selber in die Höhe "gefragt" - am Ende hätte ich rd. 30 % mehr bezahlen sollen......
Bin dann auf einen anderen Tag umgestiegen von einem anderen Gerät und hatte wieder fast den Ursprungspreis.....

Tja - die heutigen Systeme haben nicht nur Vorteile.......

raidy
14.05.2016, 19:56
Was ist daran eine Frechheit, es sind nur Angebote und wir haben eine freie Marktwirtschaft. Ich finde es korrekt das so was zulässig ist.
1) Ja, es ist erlaubt und freie Marktwirtschaft.
2) Ich finde es eine Kundenverarschung. Zwar legal aber unmoralisch. Im Besonderen der "apple"-Trick.
Soll jeder Shop machen wie er will. Ich kann entscheiden ob ich dort jemals wieder einen Euro liegen lasse oder nicht. Auch das ist freie Marktwirtschaft.

Gruß Georg

willy13
14.05.2016, 20:23
In wie weit das Beschiss ist sehe ich nicht, jeder Bürger sollte soweit mündig sein und sich seine Kaufleute aussuchen, mir macht das Spaß die schwarzen Schafe aus zu sortieren

auf-reisen
14.05.2016, 20:30
Das mit dem Apple wusste ich nicht,......Wahnsinn. Mit dem Handy wusste ich ......


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Driving-office
15.05.2016, 11:43
Das gibt es im stationären Handel aber auch schon länger: Metro (Deshalb die Preiseschilder am Regal auf LCD). Hier wird auch nach Uhrzeit/Wochentag angepasst.
Aktuell experimentieren die mit "Personal pricing": Durch mein Handy werde (Bluetooth) werde ich erkannt und bekomme "meine" Preise angezeigt ...
Zur Metro gehört Real, Medamarkt/Saturn, sodass es mit Sicherheit auch irgendwann im Einzelhandel ankommt.

Rombert
15.05.2016, 14:42
Meine Erfahrung: Man sollte über Vergleichsportale kaufen!

Gerade getestet: Nikon Coolpix s9900 in schwarz bei Amazon 259 €. Bei geizhals.at gibt es einen Link zu Amazon, dann kostet die Kamera nur noch 239 €.

Gruß
Rombert

dojojo
16.05.2016, 20:22
Moin,

was nützt ein mündiger Bürger, wenn der Händler nicht mit offenen Karten spielt.

mefor
17.05.2016, 08:13
Das mit der dynamischen Preisanpassung ist ja ein alter Hut.
Gerne genutzt wird das auch bei Fährlinien;)

caravan
19.05.2016, 00:05
Und die Cola auf dem Bahnsteig kostet 2 Euro, während sie im Supermarkt um die Ecke nur einen kostet. Und der Diesel kostet auf der Autobahn auch immer mehr als an der Supermarkttanke. Und das Fischbrötchen auf Sylt kostet ein Vielfaches des Fischbrötchens irgendwo mitten in Meck-Pom. Irgendwie verbinde ich genau das mit dem Begriffen Marktwirtschaft und Angebot vs. Nachfrage.
Aber da Dynamic Pricing ja jetzt so schön Denglish klingt, kann der Michel wieder Zeter und Mordio rufen. Pöses Internet, möge das Zentralkommittee endlich einschreiten ;-)


Gesendet von iPad mit Tapatalk

rundefan
19.05.2016, 12:21
Hallo caravan!
Also, ich es lieber ein überteuertes Fischbrötchen auf Sylt als eines in Mecklenburg-Vorpommern ( immer unter der Annahme, Du meinst damit nicht eine Küstenort dort, schließt es ja selbst mit der Formulierung "mtten in.." aus ). Meine Begründung, lieber fangfrisches Produkt als solches, was sschon einige Tage Reise im Kühllaster hinter sich hat.
Ansonsten geb ich Dir recht!

brainless
19.05.2016, 13:07
Ist ärgerlich, aber überhaupt nicht neu.

Meine Ausbildung in einem großen Warenhauskonzern begann ich 1972. Während meines Praktikums in der Abteilung für Orientteppiche hatte ich das Glück, einen "in der Wolle gefärbten" Fachmann und Verkäufer kennenzulernen.
Wenn ein Interessent sich beim ersten Mal nicht entscheiden konnte und wenige Tage später wiederkam, war jeglicher Versuch von ihm, den Preis runter zu handeln, vergeblich.
Der Leitsatz des Verkäufers für mich war: "Merk dir die Interessenten. Erkenne sie wieder und tue den Teufel, auch nur eine Mark Rabatt zu geben. Würden sie nicht kaufen wollen, wären sie nicht wiedergekommen."
Neue Interessenten, die auch weitere Umsätze versprachen, wurden mit einem saftigen "Neukundenrabatt" oder kostenlosen Zugaben/Dienstleistungen ans Haus gebunden.
Vielleicht nicht so effektiv wie die IT-gestützten System heute, aber mit dem gleichen Ziel: Umsatz und Gewinn steigern!



Volker ;-)

yogi1
19.05.2016, 20:10
Bei den Kunden heisst es "Geiz ist geil", die Antwort der Verkäufer "Dynamic pricing". Alles klar?

Gruss
yogi

MobilLoewe
19.05.2016, 20:33
Supi, ist doch ganz klar eine Win-Win-Situation... [emoji56]

Ludo
12.06.2016, 22:54
Nicht nur "Online" gibt es seltsame Erscheinungen :

War diese Woche 2x im MM

1, Einkauf : Gerät ausgepreist mit 35€..............an der Kasse 35,49€................ok, Pfennigbeträge...............
2. Einkauf : auf der MM-Homepage 75,99€, an der Kasse 79,99€

wie heißt es so schön : Augen auf im Strassenverkehr...............und bei MM ander Kasse ;)

3. Einkauf wurde dann über Amazon gemacht : 59,90€ statt 84€

tschüß

Ludo

dodo66
12.06.2016, 23:02
Drum lass Dich nicht verarschen, vor allem nicht beim Preis. Daher grundsätzlich immer Preissuchmaschine laufen lassen
lg
olly

clouliner1
13.06.2016, 00:40
[QUOTE=Ludo;442151]
3. Einkauf wurde dann über Amazon gemacht : 59,90€ statt 84€

[/QUOTE
ein realistischer Warenwert liegt hier ev. bei 17,13€. Interessiert aber keinen Kunden wirklich, denn er wurde ja mit 59,90€ schon glücklich gemacht!

Das Problem an dieser Preisspielerei ist, dass es immer Gewinner und Verlierer geben wird und man kann nur wünschen, dass es einen nie selber trifft, weil zufällig sein eigener Arbeitsplatz davon betroffen ist.

Ist eigentlich jeder bescheuert, der heute einen neuen TV kauft, obwohl jeder weiss, der die Preissuchmaschine kennt, dass der nächste Honkongfrachter schon im Hafen drückt.....um seine Ladung löschen zu können, die noch günstiger ist als die vorige?

Ludo
13.06.2016, 06:05
Diese Produkte gibt es doch schon seit Jahrzehnten nicht mehr aus Deutscher Fertigung.

mein Arbeitsplatz ist wegen "sowas" schon 2x drauf gegangen :

bei Kuba Imperial ~1969
bei Walther Elektronic 1973

tschüß

Ludo

brainless
16.06.2016, 22:30
Arbeitsplätze gehen nicht

wegen "sowas" drauf, sondern weil die Pleitiers Produkte anboten, die wir alle ("Der Markt") nicht wollten und nicht kauften.
Die Ursachen sind sehr direkt im Beziehungsgeflecht zwischen Anbieter und potentiellem Abnehmer - nicht irgendwo in Asien und anderswo auf der Welt,



Volker ;-)

Ludo
16.06.2016, 22:47
Ja Volker............Du hast es mal wieder ganz Toll erfasst.

Als Kuba-Imperial geschlossen wurde produzierte der Betrieb in 18 Wochenschichten Farbfernseher, hauptsächlich für die Versandhäuser.

Wurde von Telefunken aufgekauft (der Chef hatte keine Nachkommen ), daraufhin wurde der "Kunkurrent" schnellstmöglich geschlossen.

Walther hat zum Zeitpunkt der Schliessung eine ausgelastete Elektronikfertigung gehabt, aber insgesamt viel zu viele Mitarbeiter auf der Lohnliste, für die mechanischen Rechner benötigte man ca 20x mehr Personal.

Der Sozialplan tat dann das Übrige.................

Also : selbst gute Produkte und Verkauf können zum Tode führen.................

Mein 3. Einbruch kam dann in der Wirtschaftskrise 1994, der Mutterkonzern konnte "meinen" Zweigbetrieb in Schweinfurt nicht mehr halten (auch wegen dem drohendem Wegfall der Zonenrandförderung), ich mußte meine 42 Mitarbeiter entlassen, Gebäude/Grundstück verkaufen. Das Werk hatte 100% Auslastung...........


Ich hab mir erst mal einen Weinsberg Meteor Alkoven gekauft, und zwei Jahre Urlaub gemacht, dann wurde unsre Tochter "Schulpflichtig".

Seitdem bin ich Selbständig und nur noch für mich selbst und meiner Familie verantwortlich.

tschüß

Ludo