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Praxis-Test VW Caddy mit Erdgas-Antrieb

Diesel-Alternative fürs Mini-Wohnmobil?

Unterwegs im Erdgas-Caddy Foto: Heiko P. Wacker 14 Bilder

„Mit Gas fährst Du für die Hälfte!“ Der Slogan verfängt – und führt zur Frage, ob man die andere Hälfte nicht sinnvoll anlegen könnte. Für Rotwein, Weißbrot und Käse vielleicht? Probieren wir es aus!

Der VW Caddy bleibt sich treu, auch die vierte Generation wird als Erdgas-Variante angeboten. Das schont die Umwelt – tankt man Bio-Erdgas, dann fährt man quasi CO2-neutral – und den Geldbeutel. Außerdem gibt es den Caddy als „Gas on the Beach“: ein Mini-Wohnmobil mit Erdgas-Antrieb, das schreit nach einem Praxistest. Probefahrt? Zu anspruchslos. Wir machen uns auf die Reise. Es zieht uns auf die andere Rheinseite. Können wir vom Ersparten leben wie Gott in Frankreich?

Praxis-Test Gas statt Diesel: Guten Gewissens ins Grüne

Die erste Etappe von rund 450 Kilometer bis zum Weingut Clos Saint Louis in Fixin spult der VW Caddy im Schlaf ab. Zum Glück konnten wir uns eine Dachbox leihen, sodass ein Teil des Gepäcks oben mitfährt. Philippe Bernard strahlt, redet er von seinen Burgundern, einige Reben wachsen direkt neben dem Keller.

Unterwegs im Erdgas-Caddy Foto: Heiko P. Wacker
Ladeversuche vor dem Weingut Clos Saint Louis im Burgund: Monsieur Bernard staunt, was alles im Caddy unters Klappbett passt.

Wie viel könnten wir zuladen? Hm, da setzt wohl eher das Portemonnaie die Grenze: 600 Kilo – obwohl der Erdgas-Antrieb schwerer ist als Diesel oder Benziner. Nahebei erwartet uns Dijon, das Herz des Burgund. Der fünf Meter lange VW findet leicht einen Platz, damit wäre auch diese Disziplin gemeistert. Zur Belohnung darf er ein bisschen parken, während wir die Stadt der Herzöge erkunden. Die Eule, das Stadtsignet, lotst uns durch die Gassen, später rollen wir auf den Camping du Lac Kir – flüsterleise!

Mit Erdgas auf Reisen: So fährt sich der Gas-Caddy

Wo in der Regel ein Diesel nagelt, säuselt der 110 PS starke TGI – der tut sich dafür beim Durchzug schwerer, wir merken das gerade an fiesen Steigungen: Zwar stehen die 200 Newtonmeter im gesamten Bereich zwischen 1500 und 3500 Touren an, aber sportlich ist anders. Überholmanöver wollen strategisch angegangen sein.

Ähnlich verhält es sich mit dem Tanken: Klar, wir haben eine Benzinreserve von 13 Litern, die entsprechende Uhr hat sich noch keinen Millimeter bewegt. Und doch wollen wir ja wissen, wie alltags- und reisetauglich der Erdgas-Caddy ist. Was indes stark von der Tankstellensituation abhängt. Die französische ist, nun ja, sagen wir mal – verbesserungsfähig, die Grande Nation tut sich mit CNG schwer.

Wo kann man in Frankreich Gas tanken?

In Frankreich gibt es rund 30 Tankstellen – bei uns knapp 1000 –, an denen man meist mit Karte zahlen kann. Man sollte sich indes nicht drauf verlassen, sondern jede erreichbare Säule ansteuern. Gas und Glück beginnen mit „G“: C’est la vie! Die Zapftechnik entspricht jener in Deutschland, im Schnitt zahlt man aber mit 1,25 Euro je Kilo ein Viertel mehr als bei uns. Infos unter: www.gaz-mobilite.fr

Unterwegs im Erdgas-Caddy Foto: Heiko P. Wacker
Daumen runter! Die Station in St. Etienne war schwer zu finden – und schon lang „en panne“.

Den Vogel schießt St. Etienne ab, hier schaut die Gas-Zapfsäule aus, als sei sie vor einer ganzen Weile vom Laster gefallen. Der Zettel „en panne“ ist schon arg verblichen. Da wird man schon etwas nervös. Insgesamt bekommen wir an drei von fünf Stationen Gas, doch gibt es zum Glück auch positive Ausreißer wie Le Puy-en-Velay: Mitten in der Stadt und nicht im schnöden Industrieareal erwartet uns eine nagelneue Anlage.

Selbst die Zahlung per Karte gelingt ohne Probleme – und so verweilen wir in der alten Pilgerstadt, die auch bekannt ist für das Fest des Vogelkönigs. Direkt unter Saint-Michel findet sich ein innerstädtischer und trotzdem idyllischer Übernachtungsplatz: Camping de Bouthezard. Das Bild links wurde von der Einfahrt aus aufgenommen. Noch Fragen?

Der Abschied aus Le Puy fällt schwer – nicht nur wegen der wunderschönen Region, sondern auch wegen der tollen Gas-Tankstelle, die zur Erkundung der Auvergne verlockt. Denn längst legen wir die Route nach der Verteilung der entsprechenden Zapfsäulen.

In Frankreich sind Gas-Tankstellen noch selten

Schöne Dörfer finden sich in Frankreich leichter als Gastankstellen – denken wir beim Anblick von Charroux: Es gehört zu den schönsten in Frankreich und bietet regionale Produkte wie den leckeren, mit einer gewaltigen Steinwalze hergestellten Senf. Doch auch die Domaine des Bérioles ein Stück weiter versteht sich aufs Pressen – von Trauben nämlich, aus denen rund um Saint-Pourçain-sur-Sioule der berühmte Saint-Pourçain wird.

Wir ziehen weiter nach Norden und in Moulins schließlich auch Bilanz, die „Ville d’Art et d’Histoire“ scheint uns ideal dafür. Das Fazit fällt positiv aus, alleine wegen der Alltagstauglichkeit und Flexibilität des Caddy, der zudem überraschend viele Campingqualitäten auf so wenig Platz vereint und dazu ein unerwartet bequemes Klappbett bietet.

Gasantrieb im Wohnmobil
Kochen, Kühlen, Fahren mit Gas

Bilanz: Wie viel Gas verbraucht der VW Caddy auf Reisen?

Unterwegs im Erdgas-Caddy Foto: Heiko P. Wacker
Reinstecken, verriegeln, tanken: Gas zapft sich easy.

Im Schnitt 5,2 kg Gas pro 100 km brauchte der Caddy auf unserer 2000-km-Runde: In Deutschland hätten wir – CNG liegt bei rund 1,00 Euro/kg –104 Euro für Kraftstoff ausgegeben. In Frankreich ist Gas ein Viertel teurer, also sind es dort 130 Euro. Gegenüber einem Diesel-Caddy – Praxisverbrauch ca. 6 L/100 km – hätten wir bei französischen Dieselpreisen von 1,25 Euro/L etwa 20 Euro gespart. Immerhin, das reicht für eine gute Flasche Rotwein, Weißbrot und einen Käse.

Aber nix mit „Tanken für die Hälfte“? Doch – dann nämlich, wenn man zum Vergleich denBenziner heranzieht, der dem TGI technisch näher liegt. Beim aktuellen Spritpreis hierzulande von 1,40 Euro/L und einem Verbrauch von 7,5 L/100 km kosten 2000 km 210 Euro. Also das Doppelte! Und dazu- ist der Erdgasantrieb klimafreundlicher.

Infos & Preise: Testfahrzeug VW Caddy TGI

Mit dem neuen VW Caddy kam der Name TGI für den Antrieb mit CNG, komprimiertem Erdgas. Das hat mit Autogas/LPG nichts zu tun – es ist deutlich höher verdichtet und verbrennt sauberer, sauberer sogar als Benzin. Gewinnt man das Gas zudem aus Gülle oder Grünschnitt, Stichwort „Bio-Erdgas“, dann fährt man CO2-neutral – auch ohne Elektromotor. Es wir nur soviel CO2 ausgestoßen, wie während des Pflanzenwachstums aus der Atmosphäre entzogen wurde.

Der VW Caddy Maxi Beach kostet 1600 Euro mehr als der 102-PS-Diesel und 2700 mehr als der vergleichbare Benziner. Indes subventionieren manche Gas-Versorger den Kauf, eine Anfrage kann lohnen. Nimmt man noch die günstigen Unterhaltskosten und den hohen Alltags-nutzen – die Gepäckfächer sind flugs aus den Fensternischen genommen und das Klappbett ausgebaut –, hat man ein echtes Multitalent in der Garage. TGI könnte darum auch für „total gute Idee“ stehen.

Volkswagen Caddy Maxi Beach TGI

Testwagenpreis: 30.368 Euro
Motor: 1,4-Liter-TGI mit 110 PS, 6-Gang-DGS
Tankinhalt Erdgas: 26 kg
Tankinhalt Benzin: 13 Liter
L/B/H: 4,50/2,07/1,85 Meter
Camping-Paket (Heckzelt, Kühlbox und Sitzgruppe): 1184 Euro

Baureihe: Den VW Caddy gibt es als Benziner (TSI) mit 84-150 PS, oder als Diesel TGI BlueMotion mit 110-150 PS. Für den Van kann man zwischen verschiedene Ausstattungslinien wählen, der Beach ist die günstigste. Weitere nennen sich: Comfortline, Alltrack, Highline

Fazit

Eignen sich Gas-Fahrzeuge für Camping-Touren ins Ausland? Auch für lange Trips ist der VW Caddy zu haben. Mit unserem Trip nach Frankreich bleiben wir kostenmäßig im Rahmen, auch wenn Gas hier mit 1,25 Euro das Kilo fast ein Viertel teurer ist als bei uns. Nach 2000 Kilometern würden wir – einen französischen Dieselpreis von aktuell rund 1,25 Euro angenommen – gut 20 Euro gespart haben. Wenn wir also den Vergleich „TGI gegen Diesel“ wählen, können wir uns nach 2000 Kilometern eine ganz vernünftige Flasche Wein gönnen. Immerhin ...

Vergleichen wir den Erdgas-Caddy jedoch mit einem Benzin-Antrieb, der naturgemäß mehr verbraucht, dann schaut die Sache nochmal anders aus. In dem Fall bleiben nämlich rund 80 Euro mehr in der Reisekasse. Und das reicht zumindest für einen kleineren Geschenkkorb von Laureen, ihr charmantes Lächeln gibt’s gratis dazu. Na also – geht doch!

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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