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Ivecos AEBS und ACC im Concorde Liner Concorde

Assistenzsystem verhindert Wohnmobil-Unfälle

Concorde / Iveco Assistenzsysteme im Test (2018) Foto: Concorde/Iveco 12 Bilder

Aktive Sicherheit: Als erster Hersteller bietet Concorde zwei Systeme für seine Liner an, die bisher bei aufgebauten Reisemobilen nicht zu finden waren: den Notbremsassistent AEBS und den Abstandsregeltempomat ACC.

08.09.2017 Dirk Vincken

Es gibt Momente, da muss man sich auf die Technik blind verlassen können. Im Flugzeug, auf der Achterbahn, im ICE. Gut, es gibt Ausnahmen, aber in der Regel funktionieren diese hochkomplexen technischen Gebilde so gut, dass wir nicht mehr darüber nachdenken, ob und wie sie funktionieren, wir haben einfach Vertrauen. Heute aber denke ich nach. Ich sitze hoch oben auf dem Beifahrersitz eines stattlichen Luxusintegrierten, einem Concorde Liner Centurion. Gut zehn Tonnen rasen da gerade mit Tempo 80 auf ein Hindernis zu, direkt vor uns auf der Fahrspur. Das ist ein Pkw-Dummy, eine Attrappe, gezogen mit zwölf km/h von einem Lkw. Der Fahrer neben mir verringert das Tempo nicht: Wenn der so weiter macht, wird es gleich krachen. Unweigerlich.

Assistenzsysteme AEBS und ACC für Reisemobile

Nichts kracht. Schnell hintereinander passiert Folgendes: Ein kleines, leuchtendes Dreieck im Cockpit blinkt, und es piepst laut von vorne. Gleichzeitig bremst der schwere Liner auf Iveco-Eurocargo-Basis von selbst. Nicht besonders stark. Der Bremsweg? Reicht so nimmer, der Fahrer unternimmt immer noch nichts! Sekundenbruchteile später aber geht die Post ab, der Concorde wirft den Rettungsanker: Mit aller Macht steigt der Brummer in die ABS-geregelten Eisen, kurz vor dem Crash geht alles gut, nur wenige Schritte trennen die beiden Kontrahenten. Glück gehabt.

Concorde / Iveco Assistenzsysteme im Test (2018)
Concorde Assistenzsysteme für Luxusliner 4:07 Min.

Glück? Keineswegs. Das war kalte Berechnung, nichts wurde dem Zufall überlassen. Wir haben uns selbst von der Wirkweise von Notbremsassistent AEBS und Abstandsregeltempomat ACC überzeugen können. Einen wahrlichen „Wow“-Effekt hatten wir, als wir uns hinters Steuer eines Concorde Centurion auf Iveco-Basis setzten.

In der Front des Riesen-Reisemobils sitzt unscheinbar ein schwarzer Deckel, dahinter verbirgt sich ein Radarsensor. Dessen unsicht- und unhörbare Strahlen erfassen durch blitzschnelle Reflexion alles, was sich vor der Fahrzeugfront befindet, wie schnell, in welche Richtung. Er meldet alle Daten an den AEBS-Rechner. AEBS – das heißt „Automatic Emergency Brake System“ oder kurz Notbrems-Automat.

Assistenzsysteme wie AEBS/ACC wären auch bei Reisemobilen segensreich. Foto: Hersteller
An der Fahrzeugfront sitzt die Technik, die Auffahrunfälle verhindert.

Das System erkennt augenblicklich, ob eine Gefahrensituation vorliegt. Ob sich der Fahrer etwa auf Kollisionskurs befindet, weil er zu schnell an das vorausfahrende oder -stehende Fahrzeug heranfährt. Aus Unachtsamkeit, aus Übermüdung. Die Black Box errechnet aus der sich verkürzenden Distanz und der eigenen Geschwindigkeit sowie der des Fremdobjekts, ob der Fahrer die Fuhre noch sicher beherrscht, ob der Restweg für eine Bremsung ohne Kollision reicht.

Tut der Fahrer nichts, übernimmt das System entschlossen und bestens mit der bordeigenen Bremstechnik vernetzt die Kontrolle. Das hört sich nach Machtverlust, nach Entmündigung an. Doch wenn der Fahrer nichts tut oder, warum auch immer, nicht mehr reagieren kann, stoppt das Gefährt sicher und unfallfrei. Der Mensch lenkt, die Maschine denkt. Woanders ein abschreckender Gedanke, hier maximal sinnvoll; machen wir uns nichts vor.

Zur Beruhigung: Der Fahrer kann den Vorgang jederzeit unterbrechen. Sobald er blinkt, lenkt, bremst oder Gas gibt, weiß das System: Der Boss da oben hat’s geschnallt, ich halte mich zurück.

Das AEBS löst eine rettende Vollbremsung aus, wenn der  Fahrer versagt oder die Gefahr nicht erkennt. Foto: Hersteller
Warnphase, Teilbremsung, zweite Warnphase, Notbremsung – das AEBS löst eine rettende Vollbremsung aus, wenn der Fahrer versagt oder die Gefahr nicht erkennt.

Der Rechner erkennt auch, dass ein nach dem Überholen knapp vor dem Bug einscherendes Fahrzeug keine Gefahr darstellt. Eine Notbremsung wäre jetzt nicht nur unsinnig, sondern fatal. Auch Gegenverkehr verleitet das System nicht zu falschen Reaktionen. Auf über 7,5 Millionen Testkilometern haben die Iveco-Entwickler dem System alle denkbaren Situationen antrainiert – die gefährlichen und die weniger relevanten. Das elektronische Auge erkennt Dinge, die der Mensch manchmal übersieht. Weil er ein Mensch ist.

Unser Fazit vorab: Böse Auffahrunfälle dürften damit viel seltener werden.

Wie funktioniert der Notbremsassistent AEBS?

Das AEBS löst eine rettende Vollbremsung aus, wenn der  Fahrer versagt oder die Gefahr nicht erkennt. Foto: Hersteller
Das AEBS löst eine rettende Vollbremsung aus, wenn der Fahrer versagt oder die Gefahr nicht erkennt.

AEBS – wieder mal so ein Kürzel, dessen Bedeutung man erahnt, aber nicht genau einschätzen kann. Es klingt wie ABS, ist aber doch etwas anderes. Vereinfacht ausgedrückt ist es ein automatischer Notanker, ein Notbrems-Assistent. Neben dem – seit über zwanzig Jahren bekannten – elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) hilft der Notbremsassistent (AEBS = Advanced Emergency Braking System) Kollisionen zu mildern oder ganz zu vermeiden, immer dann, wenn der Fahrer abgelenkt, übermüdet oder von der Situation überfordert ist.

Die Elektronik erkennt eine Kollisionsgefahr voraus und versucht diese zu vermeiden. Es fragt sich selbst: Kann der Fahrer jetzt noch bremsen? Kann er noch ausweichen? Danach warnt das AEBS den Fahrer durch ein Pieps- und Blinksignal. Wenn der Fahrer die Gefahrensituation immer noch nicht erkennt oder ignoriert, leitet das System die Notbremsung ein.

Doch was ist mit dem Nachfolgeverkehr? Kann dieser nun seinerseits ebenfalls rechtzeitig bremsen? Der „Trick“: Lange vor der eigentlichen Vollbremsung mit aller Kraft bremst das Fahrzeug erst einmal zaghafter, warnt den Hinterherfahrenden somit durch das Aufleuchten der Bremslichter und das nicht übertrieben erscheinende Abbremsen. Erst danach, wenn’s vorne brenzlig wird, greifen die automatischen Bremsen mit voller Gewalt.

ACC – Der „Bleib-mir-vom-Leib“-Assistent

Als bisher einziger Hersteller stattet Concorde seine Modelle Cruiser und Liner auf Iveco Eurocargo ab sofort serienmäßig mit AEBS und ACC aus. Foto: Hersteller
Als bisher einziger Hersteller stattet Concorde seine Modelle Cruiser und Liner auf Iveco Eurocargo ab sofort serienmäßig mit AEBS und ACC aus – eine Nachrüstung ist nicht möglich.

Der Abstandsregeltempomat (ACC = Adaptive Cruise Control) ganz automatisch die Geschwindigkeit an das vorausfahrende Fahrzeug an und hält damit immer den erforderlichen Sicherheitsabstand ein. Möglich macht dies ein Radarsensor des Herstellers Wabco in der Frontschürze, der permanent den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug erfasst und diese Daten an den Rechner überträgt. Dieser Fahrzeugcomputer kann exakt bestimmen, ob und ab wann der Abstand zwischen den beiden Fahrzeugen zu gering wird und reduziert die Geschwindigkeit oder bremst sogar ab, notfalls sogar mit voller Bremsleistung.

Wann ist ein vorausfahrendes Fahrzeug denn nun „gefährlich“?

Die Entwickler des ACC unterscheiden zwischen einem langsameren, einem deutlich langsameren, einem stark bremsenden und einem stehenden Fahrzeug vor dem eigenen Gefährt. Es ist also die Geschwindigkeit des Voran-Fahrenden (oder gar -Stehenden), der die Abstandsregelung unmittelbar beeinflusst.

Ein- oder ausgeschaltet wird das System mit einem separaten Schalter  im Armaturenbrett. Dabei kann der Abstand in fünf Stufen voreingestellt werden: „Standard“ nach dem Einschalten der Zündung ist die mittlerer Stufe. Sie entspricht dem, was der gesetzlichen Mindestabstand fordert.

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