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Bürstner Delfin (2006) im Gebrauchtcheck

Der Wohnraum des Exoten punktet

Bürstner Delfin im Gebrauchtcheck Foto: Ulrich Kohstall 10 Bilder

Der Teilintegrierte von Bürstner machte den Renault Master einst als Basisfahrzeug populär. Heute zählen gebrauchte Delfin eher zu den Exoten. Was erwartet die Käufer des etwas anderen T-Modells?

Eine besondere Konstellation führt oft auch zu besonderen Reisemobilen. Vor 16 Jahren fürchteten die Hersteller den anstehenden Modellwechsel des Fiat Ducato; Renault hatte seinen Master gerade frisch überarbeitet, und Bürstner arbeitete eng mit dem Designzentrum Hymer IDC zusammen, das vor neuen Ideen nur so sprudelte. Also versuchte Bürstner erstmals mit dem Renault sein Glück und entwickelte mit dem Hymer IDC einen extrovertierten Teilintegrierten – der Delfin war geboren. Bei seiner Messepremiere im Sommer 2003 fiel die Resonanz rundum positiv aus, was sich sofort in Kaufverträgen niederschlug.

Kein Wunder, dass der Renault kurze Zeit später in immer mehr Herstellerprogrammen auftauchte. Doch kurz nachdem der Fiat-Modellwechsel gut überstanden war, kehrte Bürstner dem Renault den Rücken. Bereits 2007 verschwand der Delfin ebenso überraschend, wie er gekommen war.

Was bleibt, sind heute einige Gebrauchte, die deutlich jünger wirken, als sie es tatsächlich sind. Durch seine frischen Formen und Farben erscheint der Delfin immer noch zeitgemäß. Ist er es wirklich noch? Wir haben Besitzer nach ihren Erfahrungen gefragt.

Auf- und Ausbau

Das avantgardistische Dreifarben-Design, das dem Delfin viel Sympathie einbringt, war in technischer Hinsicht wohl noch nicht ganz ausgereift. Die Blautöne an der Unterkante zeigen sich heute teilweise verfärbt; die silberfarbene Lackierung auf dem Fahrerhausdach löst sich bei einigen Exemplaren. Gut für Gebrauchtwagenkäufer, wenn das Fahrzeug bereits während der Garantiezeit nachlackiert wurde.

Bürstner Delfin im Gebrauchtcheck Foto: Ulrich Kohstall
Die Handschrift der Designer setzt sich bis zum Heck fort. Harte Kanten werden vermieden, sodass der Name Delfin gut zu diesem T-Modell passt.

Eine fortschrittliche Idee bringt die Bordtechnik mit: Im Delfin baute Bürstner die erste Generation der E-Control vom Zulieferer Reich ein. Mit einem Dreh-drück-Knopf lassen sich über ein Display bequem sämtliche Füllstände checken, das Licht einschalten oder die Temperatur ablesen.

Offenbar fehlte auch in diesem Fall die nötige Reife. Besitzer berichten fast ausnahmslos von größeren oder kleineren Problemen mit dem System. Falsche Anzeigewerte, sinnfreie Fehlermeldungen oder Totalausfälle strapazierten die Nerven vieler Delfin-Fahrer. Wichtig zu wissen für heutige Käufer: Trotz vielfachem Austausch der E-Control und Reparaturen konnten nicht immer alle Mängel behoben werden.Für die bemerkenswert hohe Schadensquote beim Thema Elektrik ist aber auch die E-Box, das dazu passende Ladegerät, mit vielen Ausfällen mitverantwortlich.

Bei anderen Defekten hebt sich der Delfin nicht besonders aus der Masse hervor. Auch hier kann der Aufbau undicht werden, bevorzugt im Dachbereich oder noch öfter im Doppelboden der gehobenen Performance-Ausführung. Die Aufbautür verzieht sich manchmal und leidet in Einzelfällen unter Alufraß, was einen kompletten Austausch erfordert.

Der Delfin wird ebenso wenig von Rissen in Kunststoffteilen im Bad wie etwa an der Duschwanne verschont. Recht oft müssen auch defekte Wasserhähne gewechselt werden. Manchmal spinnt zudem die Elektronik des Kühlschranks – das alles kennt man auch von anderen Teilintegrierten dieser Baujahre und Preisklasse.

Delfin-typisch ist da eher eine angeschmorte Matratze: Bei einigen Grundrissen war die Heizung zu nah unter dem Bett montiert, ein Mangel, der durch eine Service-Aktion inzwischen behoben sein sollte.

Für die Ersatzteilversorgung vergeben die Delfin-Besitzer insgesamt gute Noten. Nur selten kommt es hier zu Engpässen. Überhaupt beurteilen die Befragten ihren Delfin äußerst positiv. 79 Prozent von ihnen würden sich wieder ein Fahrzeug dieser Baureihe kaufen – ein toller Wert für ein Modell, das man schon lange nicht mehr als Neuwagen bekommt.

Basisfahrzeug

Bürstner Delfin im Gebrauchtcheck Foto: Ulrich Kohstall
Typisch Renault Master ist die Handbremse rechts neben dem Fahrersitz, typisch Bürstner die heimelige Innenausstattung mit netten Designideen.

Die besten Noten der Besitzer bekommt der Wohnraum des Delfin, doch fast gleichauf folgt an zweiter Stelle der Bewertungspunkt Fahreigenschaften.

Eine Erklärung dafür liefert der kraftvolle 3,0-Liter-Motor, den sich die meisten befragten Käufer gegönnt haben. Nur sehr selten wählten sie das automatisierte Getriebe namens Quickshift. Kein Fehler, da es in Sachen Zuverlässigkeit manchmal zu wünschen übrig lässt. Doch auch die manuelle Variante kann Ärger bereiten. Sollte der von Nissan zugelieferte 3,0-Liter-Diesel etwa zu kräftig für die Renault-Mechanik sein? Auffällig oft berichten Delfin-Fahrer von Kupplungsschäden, seltener von Getriebeproblemen, die meist mit der Synchronisierung zusammenhängen. Sonst kann man dem Renault Master ein gutes Zeugnis ausstellen. Die Motoren erweisen sich als standfest. An Fahrerhaus und Chassis ist Rost bislang kein Thema. Auch der Verschleiß am Fahrwerk hält sich im üblichen Rahmen.

Marktlage

Bedingt durch die kurze Produktionszeit, tummeln sich nicht viele Delfin-Modelle auf dem Markt für Gebrauchtmobile. Hohe Preise durch Seltenheitswert müssen Käufer dennoch nicht befürchten. Im Vergleich zum extrovertierten Auftritt wirken die Preisschilder eher unauffällig. Ab etwa 30.000 Euro erhält man einen gebrauchten Delfin. Mit etwas Glück bekommt man ihn sogar günstiger als ein vergleichbares Modell mit Fiat-Ducato-Fahrgestell. Den weniger bekannten, aber nicht weniger zuverlässigen Renault haben viele Käufer offenbar nicht so recht im Blick. Auf die Preise drückt allerdings auch die Tatsache, dass die heute auf dem Markt gängigsten Delfin-Grundrisse heute nicht mehr die beliebtesten sind. Da sind vor allem die zahlreichen Längsbettmodelle zu nennen.

Performance-Modelle werden generell teurer gehandelt, was angesichts des Mehrwerts durch den doppelten Boden auch gerechtfertigt erscheint. Am oberen Ende der Preisskala: die 8,25 Meter langen Performance mit drei Achsen. Hier bewegen sich die Preise in Richtung 40.000 Euro. Doch auch das scheint nicht übertrieben für einen 4,5-Tonner, der alle Zuladungsprobleme hinter sich lässt, eine Sitzgruppe wie in einem Liner bietet und dazu trotz weitgehender Großserientechnik einen sympathischen Exotenstatus mitbringt.

Daten und Fakten

Baureihe: Bürstner Delfin

  • Basisfahrzeug: Renault Master (Performance mit Alko-Fahrgestell)
  • Bauweise: Teilintegrierter mit Alu-Außenhaut, EPS-Isolierung
  • Sitz-/Schlafplätze: 4/2–4

Vorgestelltes Modell: Bürstner Delfin 695 (136 PS)

  • Erstzulassung: 9/2006
  • Kilometerstand laut Händler: 79.750
  • Preis: 32.900 Euro
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg
  • Gesehen bei: Freizeitfahrzeuge Singhof, 65555 Limburg
Bürstner T im Gebrauchtmobil-Check
Wie gut sind gebrauchte Bürstner T-Modelle?

Darauf müssen Sie beim Bürstner Delfin achten!

  • Umweltplakette Wer auf eine grüne Plakette angewiesen ist, sollte gleich beim Kauf darauf achten. Ältere Modelle bekommen nur den gelben Sticker. Für einzelne Varianten sind keine Umrüstmöglichkeiten lieferbar.
  • Zuladung Viele Delfin messen sieben Meter und mehr in der Länge, sind aber als 3,5-Tonner zugelassen. Die Konsequenz sind geringe Zuladungswerte – speziell bei gut ausgestatteten Modellen. Im Zweifelsfall das Fahrzeug vor dem Kauf wiegen lassen.
  • Elektrik Das Kontrollpanel, das alle wichtigen Funktionen steuert, macht immer wieder Ärger. Also unbedingt probieren, ob sich Füllstände problemlos ablesen lassen und man beispielsweise auch die Wasserpumpe einschalten kann.
  • Lackierung Optische Besonderheiten tragen zum Reiz der Delfin-Modelle bei. Nicht alles hat sich über die Jahre gut gehalten. Da gibt es Farbunterschiede zwischen Aufklebern und Seitenschürzen oder schlecht lackierte Hauben über dem Fahrerhaus. Kein Drama, aber auch kein Fall für Perfektionisten.
  • Antrieb Während die Motoren des Renault Master robust sind, schwächeln Getriebe und Kupplung manchmal frühzeitig. Eine Probefahrt klärt, ob die Kupplung richtig zupackt und es bei der Synchronisierung der Gänge nicht hakt.

Ein kurzer Höhenflug

Zum Caravan-Salon 2003 präsentiert Bürstner den ersten Delfin, den es zunächst nur mit Längsdoppelbett als t 680 gibt. Nach dem erfolgreichen Start wird die Baureihe rasch erweitert. Ein Jahr später ist der Delfin außerdem als t 686 mit Längsbänken sowie als t 695 mit Querbett zu haben. Gleichzeitig kommt der Delfin Performance in drei Grundrissvarianten hinzu. Er basiert auf einem Alko-Tiefrahmen, hat einen doppelten Boden und einige optische Verfeinerungen. Mit dem Performance 700 erhält der Delfin erstmals Einzelbetten. Ab Sommer 2005 bekommt man für den Performance eine weitere Farbvariante mit orangeroten Seitenschürzen sowie ein Chassis mit Tandemachse für zwei über acht Meter lange Modelle – die Delfin-Baureihe hat damit ihren Höhepunkt erreicht. Mitte 2007 endet die Produktion des Delfin. Zu dieser Zeit taucht erstmals ein Ford-Chassis unter einem Bürstner-T-Modell auf.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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