Oldie Bedford Dormobile Bernd Thissen
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Oldie Bedford Dormobile 13 Bilder

Oldie Bedford Dormobile: Camping mit Dorie

Oldie Bedford Dormobile Camping mit Dorie

Ihr Sechzigster liegt schon hinter ihr, doch die englische Lady ist noch ziemlich rüstig. Jenseits des Kanals ist das Bedford Dormobile eine Legende, und auch hierzulande sonnt es sich in Aufmerksamkeit, wo immer es auftaucht.

Eigentlich sollte es ein Bulli werden. Jörg Eggebrecht und seine Lebensgefährtin Annelie Herrmann campen gern, und wie das mit zunehmendem Alter so ist, rückt die Bequemlichkeit nach und nach stärker in den Vordergrund. Also sollte das Zelt irgendwann einem Wohnmobil weichen, und da Jörg zwar vorwiegend Fahrrad, Bus und Bahn fährt, skurrilen Fahrzeugen mit Patina aber keineswegs abgeneigt ist – wie sein Lotus Super Seven zweifelsfrei belegt – und Annelie den Bulli schon immer schnuckelig fand, konzentrierte sich ihre Suche zunächst auf einen T2.

Doch schon 2015, als sie anfingen, die Tiefen des Netzes zu durchstöbern, war der fast nicht mehr zu bezahlen. Und kaum war Jörgs Blick eines Tages auf dieses Dormobile gefallen, hatte ihn die skurrile englische Lady auch schon am Haken. Dabei fand er sie nicht mal schön, sondern sogar "irgendwie hässlich", erinnert er sich.

Basis von Dorie, wie Annelie und Jörg ihr Dormobile liebevoll nennen, ist der Bedford CA, den Vauxhall mit der Technik seines Pkw-Modells Wyvern 1952 präsentierte. Ursprünglich als anspruchsloser Lastesel für britische Handwerker gedacht, eröffnete ihm die Kooperation von Vauxhall mit der schon 1773 als Manufaktur für Pferdegeschirr gegründeten und seit Beginn des Motorisierungszeitalters zum Karosseriebauer für die Autoindustrie avancierten Martin Walter Ltd. eine strahlende Zukunft.

Die Blechdengler aus Folkestone sprühten offensichtlich vor Elan und Kreativität und bauten auf dem CA einen kunterbunten Strauß von Nutzfahrzeugen, vom Utilabus mit hohem Dach über den Workabus-12-Sitzer bis hin zum mobilen Shop auf Rädern und schließlich zum Campervan, dem Dormobile. Als das Designteam an einer Lösung für HandwerkerInnen und Handlungsreisende zu tüfteln begann – während der Woche auf Achse wollten die in ihrem Bus nämlich auch gerne nächtigen –, ahnte noch keiner, wie sehr das finale Resultat die britische Campingwelt prägen sollte.

Aufklappbares Dach für Stehhöhe

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Bernd Thissen

Am Anfang der Konversion stand die Idee von Sitzen, die durch Umklappen zu Bettflächen werden. Bald schon kam ein Kocher hinzu. Der Durchbruch aber gelang schließlich buchstäblich mit einem großen Loch im Blech der Dachhaut, auf das ein aufklappbares Dach gesetzt wurde. Das ermöglichte es fortan, im Fahrzeug zu stehen. Damit war das "echte" Dormobile erfunden und ab 1957 als voll ausgestatteter Campervan zu haben.

Innerhalb kurzer Zeit führte der Bedford die Verkaufscharts im Segment an, machte er das "Motorcaravaning" doch beinah für jedermann erschwinglich. Der Erfolg war so groß, dass die Firma ab den Sechzigern unter dem Namen Dormobile auch auf vielen anderen Basisfahrzeugen Campervans baute. Auf Basis des Bedford CA wurde das Dormobile bis 1969 gebaut. Anfang der Achtziger war bei Martin Walter Ltd. dann Schluss mit Campern, billige Pauschalreisen hatten die Stückzahlen in den Sinkflug gezwungen. Bis 1994 rettete man sich mit der Produktion von Minibussen über die Runden, dann gingen in Folkestone endgültig die Lichter aus.

Mit Baujahr 1958 gehört Dorie heute zu den gefragtesten Dormobilen auf Bedford-CA-Basis und war eine der letzten ihrer Art. Seine Beliebtheit verdankt dieses Modell der geteilten Windschutzscheibe und den "lovely portholes", den wunderbaren Bullaugenfenstern seitlich am Heck. Diese Eigenarten nämlich waren ab 1959 schon wieder passé.

Restaurierte Dorie

Annelie und Jörg kauften ihre Dorie in London beim Vorbesitzer, der sie hatte restaurieren lassen, und holten sie auch gleich auf Achse ab. Mit seinen 53 PS – höher verdichtet gab es den CA auch mit 55,6 PS – ist der 1508-ccm-Vierzylinder definitiv kein Reifenfresser.

Maximal 70 Meilen pro Stunde, also rund 110 km/h, rennt Dorie – auf Autobahnen wird man so fast zum Hindernis. Das Dreiganggetriebe – vier Gänge gab es als aufpreispflichtiges Extra – hält die Drehzahl entsprechend hoch. Direkt unter einer aufklappbaren Blechverkleidung ragt der Motor zwischen den Beinen von Fahrer und Beifahrer in den Innenraum und macht bei Speed auch ordentlich Radau. "Einmal sind wir fast 30 Kilometer mit offenem Dach gefahren, ohne dass es uns besonders laut vorkam", erinnert sich Jörg schmunzelnd.

Noch ein weiteres Mal wagte sich das Paar mit Dorie in ihre Heimat, ansonsten aber beschränken sie sich im Großen und Ganzen auf den Besuch diverser deutscher Oldtimertreffen, bei denen sie dann auch im Fahrzeug nächtigen. Besonders die Veranstaltungen der Camping-Oldieszene hat Annelie lieben gelernt. "Da wird nicht ständig nur über Benzin geredet und wir Frauen gelten nicht als Fremdkörper."

Mit der Zeit hat das Paar auch eine Vorliebe für 50er- und 60er-Jahre-Accessoires entwickelt. So viel hat sich davon mittlerweile angesammelt, dass sich im und ums Fahrzeug herum ein zeitgenössisches Setting aufbaut, in das man sich auch als Nicht-Nostalgiker gern einladen lässt. Zu erzählen gibt es mehr als genug...

Oldie Bedford Dormobile
Bernd Thissen
Ob Schiebetüren und Klappdach nun auf sind oder zu: Laut ist es während der Fahrt so oder so.

Dories Daten

Modell: Bedford CA Dormobile, gebaut von 1957 bis 1969. Baujahr des hier gezeigten Modells: 1958.
Technik: Technische Basis des Bedford CA ist der Vauxhall-Pkw Wyvern. Vierzylinder-Viertakt-Motor, 1508 ccm, Leistung 53 PS bei 4.000/min, Drehmoment 110 Nm bei 2.400/min, Dreigang-Schaltgetriebe, Höchstgeschwindigkeit 70 Meilen pro Stunde (ca. 110 km/h). Gewicht ca. 1.200 kg.
Preise: Der Umbau des Bedford CA kostete damals 290 Pfund, was etwa 3.400 Mark entsprach. Ein Komplettmobil bot Martin Walter Ltd. für 735 Pfund (ca. 8.600 Mark) an. Jörg Eggebrecht bezahlte 2016 für seine Dorie 10.000 Pfund. Aufgrund der geringen Stückzahlen findet man heute kaum noch frühe Exemplare des Bedford Dormobile.

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