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Basiswissen - Bordbatterien im Wohnmobil

Funktionsweisen verschiedener Akku-Typen

Zweite Batterie Foto: Fotos: Archiv 14 Bilder

Radio, Heizung, Kühlschrank, Licht wollen vor allem eines: Strom. Eine geeignete Bordbatterie ist für das Reisemobil essentiell. promobil erklärt die Funktionsweisen und erläutert Vor- und Nachteile der verschiedenen Akku-Typen.

14.12.2011 Jörn Ebberg

Die Batterie ist der Energiespeicher des Reisemobils, ohne sie gehen unterwegs die Lichter gar nicht erst an. Aber nicht jeder Akku-Typ eignet sich gleichermaßen als Bordbatterie. Reine Starterbatterien etwa taugen kaum; ihr Aufbau ist nicht für eine zyklische Belastung – also das regelmäßige Auf- und Entladen – ausgelegt. Der baldige Verlust der Speicherkapazität ist die Folge. Nur zyklenfeste Batterien versorgen das Bordnetz – wie gewünscht – auch dauerhaft mit Strom.

Nassbatterien

Der Klassiker ist die Nassbatterie, ihr Aufbau ähnelt dem einer Starterbatterie. Den Unterschied macht der innere Aufbau: Die Bleiplatten sind dicker, und damit verträgt dieser Batterietyp die zyklische Beanspruchung besser. Ältere oder einfache Nassbatterien müssen gewartet werden, was heißt: Man muss gelegentlich destilliertes Wasser nachfüllen. Dies hängt mit ihrer Ausgasung zusammen. Können die Gase, die übrigens hochexplosiv sind, nicht im Gehäuse kondensieren – wie das bei modernen, wartungsfreien Nassbatterien der Fall ist –, müssen sie über einen Schlauch nach draußen geführt werden.

Eine Nassbatterie ist die günstigste Art der Stromversorgung und kann kurzzeitig auch hohe Ströme bereitstellen. Sie sollte allerdings nicht zu tief entladen werden, da sie dann einem sehr hohen Verschleiß unterliegt. Dieser Akkutyp taugt vor allem für mäßige Belastungen, also zum Beispiel für Reisemobilisten, die meistens auf Landstrom zurückgreifen können.

hoher Verbrauch Foto: Fotos: Archiv
Geräte mit hohem Verbrauch kann man nicht an jede Bordbatterie anschließen.

Die Dicke der Platten und ihr Abstand zueinander wirken sich auf den Innenwiderstand aus. Bei einer Nassbatterie ist er relativ hoch, der Akku ist daher weniger leistungsfähig. Zudem steigt der Widerstand mit dem Alter weiter an. Batterien altern oder verschleißen, wenn sie zyklisch belastet werden. Je häufiger und tiefer ein Akku entladen wird, desto mehr altert er: Die Platten  beginnen zu bröckeln – auch Verschlammung genannt. Vor allem Nassbatterien leiden unter dieser Eigenschaft.

Entscheidenden Einfluss auf die Lebensdauer eines Akkus nimmt nicht nur der Entlade-, sondern auch der Ladevorgang. Bei der Energieentnahme bildet sich an den Platten Bleisulfat – Sulfatierung im Fachjargon. Beim Laden löst sich das Sulfat normalerweise auf – wenn der Akku richtig geladen wird. Deshalb ist es wichtig, eine Blei-Säure-Batterie nie entladen zu lagern. Sonst wachsen die Sulfatkristalle und lösen sich beim nächsten Laden nicht mehr auf. Folge: Die Akkukapazität sinkt..

Trotz dieser Nachteile haben Nassbatterien, wie sie praktisch alle namhaften Hersteller wie Banner, Bosch, Exide und Varta im Programm haben, ihre Berechtigung. Vorteil: Ihr Preis ist attraktiv. Und wer seinen Akku nur mit kleinen Verbrauchern belastet und ihn wieder rasch nachlädt, kommt mit einer Nassbatterie gut zurecht.


 Einfach zu laden
 Niedriger Preis
 Gutes Leistungsgewicht
 Selbstentladung
 Nicht auslaufsicher, Einbau nur in säurefester Wanne
 Gefahr des Gasens
 Niedrigere Lebensdauer

Gelbatterien

In Gelbatterien ist der Elektrolyt nicht flüssig wie bei Nassbatterien, sondern in Gel gebunden, daher benötigen sie keine Außenentlüftung und sind wartungsfrei. Bei einem Gehäusebruch kann zudem keine Säure austreten, sie müssen also auch nicht in einer säurefesten Wanne stehen. Gelakkus sind deutlich zyklenfester als Nassbatterien, sie haben sich seit Jahren bewährt und gelten als langlebige Allround-Stromspeicher für Reisemobile.

Bordbatterien, Ratgeber Foto: Hersteller/Archiv
Ein typischer Einbauort für Batterien auf Basis von Gel- oder AGM-Technik ist unter dem Beifahrersitz. Sie gasen fast nicht und sind auslaufsicher.

Gelbatterien sind dafür bekannt, eine sehr hohe Entladetiefe zu erreichen und keinen Schaden zu nehmen – wenn sie unmittelbar wieder aufgeladen werden. Achtung, wenn die Gelbatterie von Solarzellen gespeist wird: Aufgrund des hohen Innenwiderstands reichen die teils geringen Solarströme nicht für eine nennenswerte Ladung aus. Auch ihre Hochstromfähigkeit ist eingeschränkt. Schließt man etwa über einen Wechselrichter starke Verbraucher an wie zum Beispiel einen Föhn, dann fällt die Spannung sehr schnell ab.

Außerdem macht die Konsistenz des Elektrolyts eine Gel-Batterie robust gegen hohe Temperaturen. Andererseits sinkt die Leistungsfähigkeit bei Kälte, Stichwort: Wintercamping. Auch verhageln dicke Platten das Leistungsgewicht, sprich die Relation aus Amperestunden zu Gewicht.

 Höhere Tiefenentladung möglich als bei AGM- und Nass-Batterien
 Für geringe Stromentnahme über längeren Zeitraum gut geeignet
 Auslaufsicher
 Wartungsfrei
 Etwas zyklenfester als AGM-Batterie
 Preis
 Lange Ladezeit
 Leistungsgewicht
 Bei niedrigen Temperaturen begrenzte Leistung

AGM-Batterien

Bei AGM-Batterien sieht das anders aus. Aufgrund ihrer Bauart sind sie für höhere Strombelastungen gut geeignet. AGM bedeutet „Absorbent Glass Mat“, man spricht auch von Vlies-Batterien. Der Elektrolyt ist bei diesem Batterietyp komplett in einem hochporösen Mikroglasfasergewebe eingelagert. AGM-Batterien bieten bei gleicher Gehäusegröße mehr Raum für Bleiplatten, sie haben also eine höhere Kapazität. Zudem können sie im Vergleich zu Gelakkus wegen ihres geringeren Innenwiderstands schneller aufgeladen werden. Sie sind wartungsfrei, lageunabhängig und können auch bei tiefen Temperaturen sehr hohe Ströme aufnehmen und abgeben. Wintercamper und Anwender, die die Bordbatterie schnell wieder aufladen wollen, sind daher mit einem AGM-Akku gut bedient.

 Gut zu laden
 Für hohe Stromabgabe geeignet (Wechselrichtereinsatz)
 Wartungsfrei
 Auslaufsicher
 Unempfindlich gegenüber niedrigen Temperaturen
 Weniger für Tiefenentladung geeignet als Gel-Batterie
 Empfindlich bei hohen Temperaturen

Lithium-Ionen-Batterien


Die modernste Technologie tragen Lithium-Ionen-Batterien in sich. In Reisemobilen kommen ausschließlich Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LiFePo4) als Bordakkus zum Einsatz. Ein herausragendes Merkmal ist ihr sehr gutes Gewichts-Raum-Leistungs-Verhältnis. Dies verdanken sie ihrer sehr hohen Energiedichte, die dreimal höher liegt als bei den deutlich schwereren Bleibatterien.

Lithium-Ionen-Batterien können sehr tief entladen werden, das heißt, es steht fast die komplette gespeicherte Kapazität zur Verfügung. Diese ist nicht von der Umgebungstemperatur abhängig. Außerdem haben Lithium-Ionen-Batterien eine längere Lebensdauer, also mehr Zyklen. Bei einer Entladung von 70 Prozent spricht man hier von etwa 3000 Zyklen. Wie bei den Blei-Säure-Batterien steigt die Zyklenzahl, je niedriger die Entladung ist. Eine Selbstentladung findet kaum statt. Manko: der extrem hohe Anschaffungspreis.

Lithium gehört zwar zu den Metallen, ist aber weich wie Gelatine und brennbar. Mastervolt bannt die Gefahr durch die Kombination mit Eisenoxid. Anspruchsvoll ist daneben das integrierte, kapazitive Zellmanagement. Es sorgt für eine Ausgleichsladung der Zellen und damit für eine optimale Ausnutzung der Kapazität.

Der Kauf einer Bordbatterie  will also gut überlegt sein. Zu beachten ist dabei neben dem eigenen Reiseverhalten auch die individuelle Energiebilanz. Wer sich zuvor Gedanken zur Stromversorgung macht, kann sie hinterher umso sorgloser nutzen.

 Sehr gutes Leistungsgewicht
 Wartungsfrei
 Auslaufsicher
 Hohe Tiefenentladung möglich
 Hoher Wirkungsgrad
 Schnell zu laden
 Langlebigkeit
 Hoher Preis
 Modernste Ladetechnik erforderlich

Verbrauch Bilanzieren – so finden Sie die richtige Batterie

Am Anfang aller Überlegungen zur Auslegung der Stromversorgung in einem Wohnmobil steht die Bilanz des eigenen Verbrauchsverhaltens. Die Ermittlung des Strombedarfs ist Grundlage für die Planung von Umbauten. Ebenso lassen sich Einsparpotenziale aufspüren.

Kostenfaktor Netzstrom Stromspartipps fürs Wohnmobil Kostenfaktor Netzstrom

Kleines Beispiel: An der Sitzgruppe, wo das Licht meist am längsten brennt, wirkt sich der Umstieg von Halogen- auf sparsame LED-Technik am deutlichsten aus. Für Ihre persönliche Aufstellung sollten Sie die Leistungsaufnahmewerte der Geräte in Ihrem Fahrzeug auflisten und mit den typischen Einschaltzeiten multiplizieren. Fällt die Einschätzung hier schwer, ist es hilfreich, einfach über zwei, drei Tage hinweg das eigene Verbrauchsverhalten zu protokollieren. Wintercamper sollten zusätzlich eine separate Bilanz für die kalte Jahreszeit aufstellen, dann ist der Strombedarf deutlich höher. Zeigt sich ein Mangel an Batteriekapazität, sollte beim Einbau einer zweiten Batterie darauf geachtet werden, dass Typ, Kapazität und Alter möglichst identisch sind.

Batterie-Chinesisch: Auf dem Etikett der gängigen Bordbatterien finden sich oft eine ganze Reihe verschiedener Zahlenwerte und Angaben, die einiges über die Batterie aussagen. G 80 ist in diesem Fall der Modellname, der auf den Gel-Batterietyp und die Kapazität von 80 Ah hinweist.

Auf das richtige Laden kommt es an

Eine korrekte Ladung beeinflusst die Lebenszeit der Batterie. Bordakkus im Wohnmobil So laden Sie den Bordakku richtig

Ob Nass-, Gel-, AGM- oder Lithium-Ionen-Batterie: Vor- und Nachteile haben alle vier Stromspeichertechnologien. Was man ebenfalls bedenken sollte: Die beste Batterie nützt nichts, wenn das falsche Ladeverfahren angewendet wird. Bordbatterien erhalten ihre Energie von Lichtmaschine, Ladegerät, Solaranlage oder Brennstoffzelle. Dennoch sollten sie alle vier Wochen für zwölf Stunden ans 230-Volt-Netz angeschlossen werden. Beim Laden eines Blei-Säure-Akkus sollte ein Gerät mit geeigneter Kennlinie und am besten mit Temperaturfühler verwendet werden. Es gilt: Je höher die Temperatur, desto niedriger die Ladespannung.

Moderne Ladegeräte verfügen über eine IUoU-Kennlinie und lassen sich auf den Batterietyp umstellen. Wichtig ist, dass die Ladeschlussspannungen eingehalten werden. Für Nass- und Gel-Batterien liegt sie bei rund 14,4 Volt, für AGM-Batterien bei 14,8 Volt. Lithium-Batterien benötigen im Idealfall ein Ladegerät mit Bus-Technik, über die Zellen und Lader kommunizieren. Das erhält die Lebensdauer der Batterie. Als Faustformel gilt: Die Leistung eines Ladegeräts sollte mindestens zehn Prozent der Akkukapazität betragen. AGM- und Lithium-Batterien vertragen auch mehr.

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