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Schallschutz im Kastenwagen

Windgeräusche minimieren im Campingbus

Dachfenster sind häufig verantwortlich für lautes Rauschen und Pfeifen vor allem bei Kastenwagen. Foto: Karl-Heinz Augustin, Benjamin Köbler-Linsner 19 Bilder

Dachfenster sind häufig verantwortlich für lautes Rauschen und Pfeifen vor allem bei Kastenwagen. Der promobil Test zeigt, welche Spoiler und Dämmsysteme wirklich gegen Windgeräusche helfen.

06.09.2016 Benjamin Köbler-Linsner

Wer mit dem Kastenwagen auf der Autobahn fährt, nutzt auch gerne mal die höheren Geschwindigkeiten, die damit möglich sind. Doch viele Besitzer großer Campingbusse kennen auch die unangenehmen Geräusche, die oft aus Richtung des Dachfensters ans Ohr dringen. Damit hatte auch die promobil-Redaktion zu kämpfen, wie im Zwischenbericht unseres Dauertesters Globecar Revolution zu lesen war.

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pro 08/2016 Test Dachspoiler
Promobil 08/2016
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Schon ab etwa 100 km/h drückt der Wind immer lauter durch das Seitz Midi-Heki, einem bei vielen Reisemobilen üblichen Dachfenster. Fahrer und Beifahrer müssen sich bei schneller Fahrt anschreien oder die Unterhaltung sein lassen. Messungen ergaben: Bei 130 km/h beträgt der Schalldruck auf Höhe der Ohren von Fahrer und Beifahrer bereits 75 dB – das entspricht in etwa der Lautstärke eines Staubsaugers. Noch lauter nehmen die Passagiere im Wohnbereich die Windgeräusche wahr. Auf Höhe der hinteren Sitzbank pendelt das Schallpegelmessgerät zwischen 76 und 77 dB. Diese Erfahrung veranlasste uns dazu, verschiedene Dämmsysteme für das Dachfenster zu testen. 

Die optimierte Originaldichtung verbleibt bei der Montage der Aufbaudichtung XL von Functional Design im Fenster. Foto: Karl-Heinz Augustin, Benjamin Köbler-Linsner
Die Aufbaudichtung XL von Functional Design wird in den Fensterrahmen "gelegt".

Allen voran die Dachspoiler von Dometic und Fiamma, welche fachmännisch von Caravanmechaniker Ralf Müller montiert wurden. Wie sich schon bei der Montage zeigte, ist der Universal-Spoiler von Fiamma für Kastenwagen mit meist unebenem Dach eher ungeeignet. Auf dem besonders hohen H3-Dach unseres Testwagens auf Basis Fiat Ducato wollte das großflächige Kunststoffprofil nicht lückenlos abschließen. Selbst eine ausgiebige Menge Dekalin-Dichtmasse konnte die Spalte am Spoilerende nur unzureichend verschließen. Trotzdem reduziert der Fiamma-Spoiler die Geräusche ein Stück weit. Zumindest bis zu der für das Heki-Fenster empfohlenen Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Darüber hinaus entwickelt der Spoiler offenbar eine eigene Sogwirkung, die das Dachfenster nach außen zieht. Bei mehreren Fahrversuchen löste sich ab etwa Tempo 140 einer der Schließhaken und das Fenster drohte ganz aufzuspringen. 

Mit dem Dachspoiler von Dometic bleibt das Fenster bis zum maximalen Testtempo von 150 km/h geschlossen. Über den kompletten getesteten Geschwindigkeitsbereich kann der kleine Spoiler eine Geräuschreduktion für sich verbuchen. Außerdem punktet der Dometic-Spoiler bei der Montage: Die leichte und flache Kunststoffschale lässt sich ohne Schwierigkeiten befestigen. Da sich der flexible Spoiler mit etwas Druck biegen lässt, schmiegt er sich lückenlos an die Konturen des Dachs an. 

Als Alternative zu den Spoilern testeten wir auch Dämmsysteme, welche direkt am Fenster angebracht werden. Dometic bietet hierfür eine optimierte Dichtung mit leicht erhöhtem Profil an. Diese ersetzt die ursprünglich eingesetzte Dichtung, vermindert die Geräuschentwicklung im Schnitt jedoch nur um 0,8 dB. Um die Geräuschentwicklung bewerten zu können, dürfen jedoch nicht nur dB-Werte berücksichtigt werden. Neben einem Rauschen nehmen die Tester auch ein Pfeifen wahr. Und diese hohen Töne sind für das menschliche Ohr besonders störend.

Manfred Seidlers SD-Schutz wird in die Führungsschiene des Verdunkelungsrollos eingesetzt. Foto: Karl-Heinz Augustin, Benjamin Köbler-Linsner
Manfred Seidlers SD-Schutz wird in die Führungsschiene des Verdunkelungsrollos eingesetzt.

Functional Design begegnet dem Lärm mit einem Gummiband. Die Montage der Aufbaudichtung XL kann komplett ohne die Hilfe eines Fachmanns durchgeführt werden. Dazu wird der Gummi auf die vorhandene Originaldichtung aufgelegt und verklebt. Das Band lässt die störenden Geräusche zuverlässig verstummen. Weiterhin gibt es von Functional Design noch einen Dichtgummi, der im Bereich der Scharniere unter die Originaldichtung gelegt wird. Dieser wird jedoch nur in Kombination mit dem Spoiler-Montageset angeboten. Schade, denn bei der Kombination beider Gummis verringert sich der Geräuschpegel um enorme 1,5 dB. Vorgeformte Ecken sorgen dafür, dass die Dichtung korrekt aufliegt. Als Ergänzung wird auch eine Bügelklammer angeboten. Diese verhindert, dass sich die Haube während der Fahrt öffnet. Für die Dachhöhe H2 empfiehlt Functional Design zwar einen Spoiler, rät Besitzern eines Kastenwagens mit H3-Dach aber zur Verwendung der Aufbaudichtung. 

Eine andere Herangehensweise verfolgt der Schall- und Dämmschutz (SD-Schutz) von Manfred Seidler. Dieser besteht aus einer Kunststoffplatte, welche einfach in die Führungsschiene des Verdunkelungsrollos eingesetzt wird. Möchte man das Fenster öffnen, muss die Platte allerdings abgenommen werden. Um fast zwei Dezibel sinkt der Geräuschpegel mit dem SD-Schutz im Schnitt. 

Im Vergleich aller Dämmsysteme sind die Aufbaudichtung XL von Functional-Designund der Spoiler von Dometiceine klare Empfehlung. Eine gute Ergänzung bietet der SD-Schutz von Manfred Seidler. Damit werden Störgeräusche sämtlicher Tonlagen und Frequenzen noch stärker reduziert werden.

Fazit des Tests

  • Der Spoiler von Fiamma ist für Kastenwagen mit H3-Dach nicht geeignet. Das zeigten unsere Fahrversuche. Nur mit Mühe ließ sich der Spoiler überhaupt erst montieren. Während der Fahrt wird die Sogwirkung auf das Fenster so stark, dass sich die Dachhaube öffnet. Da hilft auch die Tatsache nicht viel, dass eine Geräuschminderung stattfindet.
  • Dometic hat seinen Dachspoiler verhältnismäßig flach konstruiert, weshalb der Spoiler auf dem Fahrzeug kaum auffällt. Das wirkt sich jedoch keines Falls negativ auf seine Funktion aus. Der Geräuschpegel wird angenehmer. Hinsichtlich Optik und Lärmreduktion zeigt sich der Kandidat von Dometic als klarer Favorit unter den Spoilern.
  • Der Schall- und Dämmschutz von Manfred Seidler ist eine einfache, aber wirksame Lösung. Windgeräusche werden mit dem Fenstereinsatz hörbar gedämmt. Die Kunststoffplatte ist in der ständigen Anwendung aber ziemlich umständlich, weshalb wir Punkte abziehen. Die geringwertige Verarbeitung schmälert den Gesamteindruck noch etwas mehr.
  • Einfache Montage und effektive Lärmverminderung zeichnen die Aufbaudichtung XL von Functional Design aus. Das Gummiband ist mit rund 20 Euro das günstigste Produkt im Test und ein klarer Kauftipp. Selbst bei Geschwindigkeiten oberhalb der empfohlenen 130 km/h vermindert die Aufbaudichtung XL den Geräuschpegel hörbar.1) UVP des Herstellers
Während der Messfahrten wurde die Geräuschentwicklung akribisch dokumentiert. Foto: Karl-Heinz Augustin, Benjamin Köbler-Linsner

Hilfe vom Spezialisten 

Die Montage eines Spoilers erfordert durchaus etwas handwerkliches Geschick. Für den ordnungsgemäßen Anbau bei unserem Test hat der Schorndorfer Ralf Müller gesorgt, ein ausgebildeter Kfz-Mechaniker und Schreiner sowie Experte im Bereich Caravantechnik. Statt einer Werkstatt bietet er einen mobilen Reisemobil- und Caravanservice im Raum Stuttgart an. Auf Wunsch montiert er Spoiler und anderes vor der Haustür. Kontakt: www.camping-service-mueller.de; Tel. 0172/7312461. 

So testet promobil

Eine Geräuschmessung sagt aus, wie effektiv ein Spoiler oder Dämmschutz wirkt. Dazu führt promobil mehrere Testfahrten durch und bildet aus den notierten Ergebnissen Durchschnittswerte, um Störgeräusche von Verkehr, Bodenbelag und Wind auszugleichen. Während der Messfahrt zeichnen wir die Geräuschentwicklung von jedem Spoiler und Schallschutz sowohl auf Höhe der vorderen Sitze als auch im Bereich der hinteren Sitzbank auf. Dabei wird zwischen 100 und 150 km/h gemessen, jeweils in Schritten von 10 km/h. promobil achtet darauf, dass der Motor mit gleichmäßigen Umdrehungen im sechsten Gang läuft. Da Dometic für seine Dachfenster nur Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h empfiehlt, fließen vorwiegend die Ergebnisse bis zu dieser Maximalgeschwindigkeit in die Bewertung ein. Neben den Werten des Schallpegelmessgeräts berücksichtigen die Tester auch die subjektive Geräuschwahrnehmung von hohen und tiefen Tönen. Diese fließt ins Gesamtergebnis ebenso ein wie die Beurteilung von Verarbeitung und Montage.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
promobil Heft 08/2016
Heft 08 / 2016 6. Juli 2016 Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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