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Schnelle Hilfe in der Wohnmobil-Werkstatt

Wie gut sind die Fachwerkstätten?

News: Report, Werkstatt und Service, Buerstner Viseo Foto: U. Kohstall, I. Wagner, Andres Rodriguez/Fotolia 10 Bilder

Die Beziehung zwischen Wohnmobilfahrern und Fachwerkstätten ist nicht immer leicht, aber richtig wichtig. Wer die mobile Freizeit genießen will, ist auf gute Servicequalität angewiesen.

21.11.2014

Sie gehören zum Redaktionsalltag wie das Mittagessen in der Verlagskantine: Leserbriefe zu Händler- und Werkstatterfahrungen landen mit großer Regelmäßigkeit auf den promobil-Schreibtischen. Mitunter geht es um großes Lob, meist aber um weniger erfreuliche Erfahrungen. Grund genug, die Probleme genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Rahmen der Leserwahl 2014 fragte promobil auch nach Einschätzungen der Wohnmobilbesitzer zur Fachwerkstatt.

Überraschendes Ergebnis

Anders, als es zahlreiche Zuschriften nahelegen, überwiegen die positiven Urteile unserer Leser. Zu einem sehr großen Teil begegnen die Servicebetriebe ihren Kunden freundlich, liefern eine qualitativ gute Arbeit ab und halten sich an vereinbarte Termine. Also alles kein Problem? Das wäre zu einfach, denn am unteren Ende des Diagramms machen sich auch rote Balken breit, die für eine eher negative Einschätzung stehen.

Woran liegt’s? Und muss das wirklich so sein? Wir befragten zu den drei Hauptkritikpunkten den Präsidenten des DCHV (Deutscher Caravaning Handels-Verband): Kai Dhonau ist nicht nur Verbandsvorsitzender, sondern auch ein erfahrener Praktiker. Er leitet einen großen Handelsbetrieb an der sogenannten Caravanmeile B1 in Mülheim/Ruhr.

Kritipunkt 1: Termine in der Werkstatt - lange Wartezeiten

Mit deutlichem Abstand führt ein Punkt die Negativhitliste der Umfrage an: Kurzfristige Terminvereinbarungen in der Werkstatt beurteilen fast die Hälfte der Befragten als "eher schlecht". Dabei brauchen Wohnmobilfahrer immer wieder schnellen Service. Wenn plötzlich die Wasserpumpe streikt, steht womöglich die ganze Urlaubstour auf der Kippe. Was zunächst nach einer Kleinigkeit für die Werkstatt aussieht, stellt sich in der Praxis als ein Grundproblem für den Freizeitfahrzeughandel dar.

DCHV-Präsident Kai Dhonau verweist auf unternehmerische Zwänge: "Der Werkstattbereich ist ein starkes Saisongeschäft, ich muss die Leute aber zwölf Monate im Jahr beschäftigen. Das stellt den Handel vor gigantische Herausforderungen. Wir brauchen in der Fachwerkstatt hochqualifizierte Mitarbeiter. Durch Leiharbeiter lässt sich das nicht auffangen." An schneller Hilfe soll es dennoch nicht fehlen: "Wir helfen unseren Kunden, das gehört zum Service. Auch Kunden auf der Durchreise wird gerne geholfen." Kai Dhonau stellt aber auch klar: "Wer sonst wo kauft, aber später den Service vor Ort sucht, muss Verständnis haben, dass im Frühjahr keine kurzfristigen Termine möglich sind."

Langfristig planen müssen wohl alle Wohnmobilbesitzer, wenn es nicht um Nothilfe vor dem Urlaub geht. Dhonau: "Für Standardarbeiten vergeben wir Termine in vier bis fünf Wochen." Dabei sieht er den Freizeitfahrzeughandel in guter Gesellschaft: "In der Pkw-Werkstatt bekommt man oft auch erst in zwei bis drei Wochen einen Termin." Und das, obwohl Dhonau die Autowerkstätten bei den eigentlichen Reparaturzeiten klar im Vorteil sieht: "Unsere Planung ist viel komplexer als beim Pkw, wo es deutlich mehr Standards gibt. Der Austausch eines defekten Waschbeckens funktioniert bei zehn Wohnmobilgrundrissen zehnmal anders."

Schnelle Besserung bei der Terminlage ist jedenfalls nicht in Sicht. Zwar haben viele Händler in jüngster Zeit ihre Werkstattkapazitäten deutlich erweitert, doch wurden diese Fortschritte durch drei Faktoren wieder aufgezehrt: Einige Betriebe verschwanden in den vergangenen Jahren insolvenzbedingt. Gleichzeitig wachsen die Vermietflotten, die gerade im Frühjahr zusätzliche Werkstattkapazität beanspruchen. Zudem steigt auch der Bedarf der Wohnmobilbesitzer. Kai Dhonau: "Heute gibt es mehr Werkstattreparaturen durch die lange Garantiezeit, aber auch durch aufwendige Nachrüstungen von Sat- oder Solaranlagen, Luftfedern oder Hubstützenanlagen."

Durch Verlegung aufwendiger Arbeiten in den Winter versuchen Händler die Situation zu entspannen. Kann der Kunde etwas dazu beitragen, um Terminschwierigkeiten zu vermeiden? Kai Dhonau empfiehlt, regelmäßige Werkstattaufenthalte wie Dichtigkeitsprüfungen und In­spektionen frühzeitig zu planen. Darüber hinaus hilft ein guter Draht zum nächsten Händler. Und der entsteht wohl nur dadurch, dass man sein Fahrzeug dort kauft, wo man später Service erwartet, und nicht am anderen Ende der Republik, wo es vielleicht ein paar Euro billiger angeboten wird.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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