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Mit dem Wohnmobil ins Piemont/Hautes-Alpes

Grenzenloses Vergnügen am Monviso

Chianale im wasserreichen Varaita-Tal: uriges Dörfchen in wild-romantischer Hochgebirgslandschaft. Foto: Thomas Cernak 16 Bilder

Viele im Piemont nennen Monviso „König aus Stein“. Rund um den Berg entsteht ein attraktives Netz von Wanderwegen und Stellplätzen. Es bietet grenzenloses Vergnügen in Italien und Frankreich.

30.09.2015 Thomas Cernak

Reisemobilfahrer willkommen – wer neue Stellplätze anlegt, sendet dieses Signal aus. Dazu gleich mehr. Nur Kletterern sind die Cottischen Alpen hierzulande bislang gut bekannt. Die Gebirgskette erstreckt sich vom südostfranzösischen Departement Hautes-Alpes in südöstliche Richtung hinein nach Norditalien in die Provinz Cuneo im Piemont. Auf italienischem Gebiet wacht grenzübergreifend ihre höchste Erhebung: der Monte Viso (3841 Meter), kurz Monviso genannt. Sein kegelförmiger Gipfel fasziniert seit alters die Menschen. Die Römer tauften den Berg „Mons Vesulus“, Leonardo da Vinci soll erstmals den heutigen Namen verwendet haben. Seine Landsleute sprechen gerne vom „Re di Pietra“, dem „König aus Stein“. Da er alle umliegenden Höhen um fast 500 Meter überragt, ist er für viele der piemontesische Berg schlechthin.

Seit seiner Erstbesteigung im Jahr 1861 ist er ein begehrtes Ziel ambitionierter Gipfelstürmer. Weniger Geübte wählen den „Giro del Monviso“, eine Drei-Tage-Rundtour. Doch die Popularität des Bergs sicherte den Bewohnern der umliegenden Täler bisher nur eine eher bescheidene Lebensgrundlage. Übergeordnete Stellen haben jetzt umfangreiche Maßnahmen eingeleitet, die den Tourismus etwa im Po- und Varaita-Tal ankurbeln sollen. Die Investitionen bestehen unter anderem aus dem Bau von „normalen“ Wanderwegen und attraktiven Reisemobilstellplätzen.

Vom Erfolg felsenfest überzeugt ist zum Beispiel Walter Monge, umtriebiger Sportveranstalter und Touristiker, dazu seit Sommer stolzer Betreiber des Stellplatzes in Paesana. Viele hundert Gäste feierten fröhlich dessen Eröffnung mit Eselreiten für Kinder und vielem mehr. Monge bietet in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsbüro zahlreiche Aktivitäten rund um Paesana an, zum Beispiel eine zweistündige Wanderung zum Einstieg hinauf in den Ortsteil Fantoni.

Möglicher Ausgangspunkt für eine Mobil-Tour quer durch die Region ist der Col d’Izoard (2361 Meter) bei Briançon in den französischen Westalpen. Auf der Passhöhe mit schroffen Geröllhalden und bizarren Felsnadeln bläst fast das ganze Jahr über ein eisiger Wind, was angesichts der Nähe zum Mittelmeer (Luftlinie: 120 km) überrascht. Milder ist das Klima in den Tälern, die auf der Südseite den Queyras-Naturpark durchziehen. In den Dörfern dort hat das Holzhandwerk eine lange Tradition. Manche Möbelschreiner erlauben, dass man ihnen bei der Arbeit zusieht. Einer davon ist Pierre Grossan.

Wir verfolgen gespannt, wie der Meister einer Vitrine aus Zirbenkiefernholz den letzten Schliff gibt, indem er mit ruhiger Hand Rosetten in die Türen schnitzt. „Holz braucht Zeit“, lautet sein Motto, worin er das Wachstum und das Ablagern mit einschließt. Nur einmal im Jahr legt der 61-Jährige das Messer beiseite, dann betreibt er einen Campingplatz auf einer Wiese am Ortsrand. Abgesehen von einem Ganzjahresplatz in Abriès ist die Campingsaison im Queyras ziemlich kurz: Sie beschränkt sich auf den Hochsommer.

Bei Kaiserwetter geht es am nächsten Morgen zu Fuß weiter zum stillen Bergsee Blanchet. Start ist in Saint-Véran; es ist mit 2040 Metern das höchstgelegene Dorf Europas. Rustikale Holzhäuser auf Steinsockeln bestimmen das Bild. Fantasievolle Sonnenuhren schmücken die Fassaden. Der schöne Schein soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Leben hier früher extrem hart war. Das ethnografische Museum Soum erzählt davon. Drei Generationen samt Tier teilten sich die Stube. Ein Bett bekamen nur jene, die sterbenskrank waren oder Nachwuchs gebaren.

Karen Kloß ist geprüfte Natur- und Wanderführerin; die Deutsche mit Wohnsitz im Piemont führt uns zum See. Fast beiläufig vermittelt sie dabei ihr erstaunliches Wissen: Karen kennt alle der fast 1500 Pflanzenarten, die der rauen Gegend trotzen, darunter endemische, also solche, die ausschließlich hier vorkommen. Sie begleitet auch Mini-Gruppen und Einzelpersonen (deutsche Mobiltelefonnummer 01 76/77 39  67 60).

Geheimnisvoll wie das Land klingt die Musik auf der okzitanischen Drehleier, die aus einer Gaststube in Chianale heraus durch die steinernen Gassen hallt. Sie klingt uns noch lange im Ohr.

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Heft 09 / 2015 12. August 2015 Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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