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Wohnmobil-Tour Apulien

5 gute Gründe für eine Reise nach Süditalien

Naturpark Porto Selvaggio Foto: Thomas Cernak 16 Bilder

Apulien, das Land, wo die Zitronen blühn, verzaubert Reisende durch sein reiches Kulturerbe und die heitere Lebensart der Bewohner: Ein Top-Ziel für regsame Mobilfahrer, bei dem Träume wahr werden.

28.04.2017 Thomas Cernak

1) Der Naturpark Porto Selvaggio

Mit kristallklaren blauen Buchten und grünen Wäldern aus Akazien, Tamarisken und Steineichen wartet die Küste von Nardò auf. Die fast unberührte Natur im Abschnitt zwischen Porto Cesareo und Gallipoli in der Region Lecce verdankt ihre Existenz im Wesentlichen zwei Umständen: Zum einen wurden die Ortschaften hier aufgrund zahlreicher Piratenüberfälle bereits im Mittelalter aufgegeben, zum anderen war die Gegend, die reich an Karstquellen ist, bis zur teilweisen Trockenlegung in den 1930er Jahren sehr sumpfig. Wie es bis dahin dort überall aussah, kann man in der Schutzzone Palude del Capitano bewundern, wo viele Zugvögel Rast machen und seltene Pflanzen überlebt haben, darunter die Dornige Bibernelle (Sarcopoterium spinosum).

Südlich davon schließt sich zwischen zwei alten Wehrtürmen der Naturpark Porto Selvaggio an. Herrliche Wanderwege führen durch das 424 Hektar große Gebiet. Den Strand säumen bizarre Felsformationen. Das Wasser ist an manchen Stellen sehr kalt, da einige der besagten Quellen aus dem Gestein heraus unter Wasser ins Meer münden.

Badebuchten Apulien Foto: Thomas Cernak
Apulien ist für seine Badebuchten bekannt. Es gibt allerdings noch viele weitere Gründe für eine Reise dorthin.

2) Die geschichtsträchtigen Städte

Bari ist das pulsierende Herz Apuliens, bereits in römischer Zeit war Barium ein wichtiger Hafen. Der einstige Reichtum der Stadt gründete im Orienthandel, der nach der Überführung der Gebeine des heiligen Nikolaus von Myra (1087) noch zunahm. Ströme von Kreuzfahrern und Pilgern folgten. Die lauschigen Gässchen in der Altstadt laden zu schönen Streifzügen ein, unter anderem zur Piazza San Nicola mit gleichnamiger Basilika. Diese zeigt morgen- und abendländische Stilelemente und gilt prägend für die romanisch-apulische Architektur.

Kreuzfahrer und Pilger waren damals auch im nördlich gelegenen Barletta die treibende Kraft hinter der rasch voranschreitenden Stadtentwicklung. Unter ihnen war auch Friedrich II., der das Castello bauen ließ. Es birgt heute das Museo Civico mit Gemäldeausstellung, von dessen Dach man einen prächtigen Blick über die Dächer genießt. Der Duomo Santa Maria Maggiore ist im romanischen Stil erbaut; er erhielt später ein Renaissance-Portal.

In Brindisi richtete das Erdbeben von 1456 schwere Schäden an, weshalb der Dom aus dem 11. Jahrhundert heute mit einer Barockfassade glänzt. Mit einem der schönsten Barockensembles überhaupt wartet indes Lecce auf: Es besteht aus Kathedrale, Glockenturm, Bischofspalast und Priesterseminar. Der riesige Platz davor ist abends ein beliebter Treffpunkt.

3) Der Gargano – Sporn des Stiefels

Bezaubernde Buchten, steile Klippen und lange Feinsandstrände zeichnen den Gargano aus. Lage und Form führen dazu, dass man die Adria-Halbinsel auch den Stiefelsporn nennt. Wassersportler und Wanderer lieben die Region sehr, ebenso Familien mit Kindern. Viele kommen seit Jahren immer wieder hierher. Nur die „heißen“ Wochen im Hochsommer sollte man möglichst meiden. Versierte Mobillenker genießen in der Nebensaison die schmalen, kurvenreichen Sträßchen an der Küste wie auch im gebirgigen Innern oder schwingen sich, wenn es zu eng wird, aufs Rad. Außerdem gilt es, etliche kulturelle Kleinodien zu entdecken.

Die Auswahl an Campingplätzen vor allem rund um Peschici und Vieste ist groß, die Zahl der Wohnmobilstellplätze wächst Jahr für Jahr. Steile Treppengassen durchziehen die verwinkelten Orte, die weiß leuchtend hoch über dem blauen Meer kleben. Zu ihren Füßen ragen seltsam anmutende Konstruktionen auf Holzstegen und mit Netzen bestückt ins Wasser hinein, Trabucchi genannt. Die alten Fischfangvorrichtungen sind ein Wahrzeichen dieses reizenden Küstenabschnitts.

Castel del Monte Foto: Thomas Cernak
Castel del Monte

4) Das rätselhafte Castel del Monte

Wer war jener berühmte Friedrich II.? Nach dem Tod seiner Eltern, Konstanze von Altavilla und Kaiser Heinrich VI., wurde der kleine Prinz 1197, kaum dass er laufen konnte, in Palermo zum König von Sizilien gekrönt. Seine Ausbildung dort übernahmen Gelehrte verschiedener Herkunft. Das Stauferkind sprach Deutsch, Latein und Arabisch – die Grundlage für seine späteren diplomatischen Erfolge, darunter den zehnjährigen Friedensvertrag mit dem Sultan von Kairo. Mit 14 Jahren begann der Jüngling zu regieren, mit 17 folgten die Krönung zum Deutschen König und 23-jährig die Krönung zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs.

Danach weilte Friedrich oft im Süden, wo er bevorzugt in Apulien über 200 Schlösser und Festungen errichten ließ. Berühmtester Bau ist das prächtige Castel del Monte – auch weil niemand weiß, wozu es diente. Zum Schutz wohl kaum, denn Einrichtungen wie Schlossgraben fehlen. Die Zahl Acht taucht wiederholt auf, etwa im Grundriss. Sie steht für Unendlichkeit oder Gleichgewicht. War das Kastell nur ein Machtsymbol? Warum liegt es exakt hier: in der geografischen Mitte zwischen der Cheops-Pyramide und der Kathedrale von Chartres? Dazu ist unbekannt, ob Friedrich sich je darin aufhielt.

5) Die liebevoll handgemachte Pasta

Sie gelten als die Letzten ihrer Zunft: die Nudelmacherinnen in den Altstadtgassen von Bari, etwa in der Arco Basso in der Nähe des Kastells. Ungefähr ein Dutzend Frauen pflegen dort, vor ihren Häusern sitzend, mit unermüdlicher Hingabe die alte Tradition, den Teig mit dem Daumen zu „Öhrchen“ (orecchiette) zu formen. Sie fertigen sowohl für den Familienbedarf als auch für die Gastronomie, oft unterstützt von Töchtern und Enkelinnen.

Pasta ist in der italienischen Küche die Bezeichnung für alle Arten von Teigwaren aus Hartweizengrieß, Kochsalz und Wasser. Als Erster beschrieb der Geograf Al-Idrisi im Mittelalter, dass man auf Sizilien Fäden aus Weizen kocht, welche die Menschen in allen Kulturen gerne essen.

Wanderweg Senterio Porto Selvaggio Foto: Thomas Cernak
Wanderweg Senterio Porto Selvaggio

Der besondere Tipp

Ein dichtes Wegenetz durchzieht den geschützten Küstenbereich. Ein besonders schöner Wanderweg beginnt am Parkplatz an der SP 286, zwei Kilometer nördlich von Santa Catarina. Die mit „Senterio Porto Selvaggio“ beschilderte Strecke verläuft zunächst breit und baumlos; später folgen Trampelpfade und Treppenwege am Meer entlang durch den Wald (Foto). Nicht vergessen: genügend Trinkwasser und gutes Schuhwerk!

Apulien im Überblick

Anreise: Ab Brenner über die A 22/E 45 und A 14/E 55 (gebührenpflichtig) via Verona, Ancona und Pescara. Die Entfernung München–Bari beträgt rund 1.230 Kilometer.

Sehenswertes:
Alberobello:
Mehr als 1.000 Trulli zählt man in der Hauptstadt des Itra-Tals. Es gibt dort sogar ganze Komplexe dieser schneeweiß gekalkten Trockenbauten, darunter die Casa Pezzola aus rund 20 Häuschen, umgestaltet zu einem Heimat- und Bauernmuseum. www.alberobellocultura.it
Grotte di Castellana: Die bizarren Tropfsteinhöhlen sind auf einer Länge von etwa 1.600 Metern begehbar – und damit die größten zugänglichen in Italien. Sie entführen die Besucher in eine Märchenwelt aus großen Gewölben mit wundersamen Formationen, die fantasieanregende Namen tragen, wie etwa „Tempelschiff“. www.grottedicastellana.it

Auskunft:
Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Geschäftsstelle, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt, Telefon 0 69/23 74 34, www.enit.de, www.viaggiareinpuglia.it

Stellplatz-Tipps in Apulien/Süditalien

I-76011 Bisceglie: Agricampeggio Brezza tra gli Ulivi
Gebührenpflichtiger, campingplatzähnlicher Stellplatz bei einem Landgut am Meer für 40 Mobile. Ebene Plätze auf Schotterwiese mit alten Olivenbäumen. Bodeneinlass vorhanden. Pool, Grillplatz und Brötchenservice. Verkauf von hauseigenem Olivenöl. 18 Euro pro Nacht/Mobil, Erwachsene 9 Euro, Kinder 4,50 Euro, Strom 3,50 Euro. Saison: April bis Oktober.
Standort: Via Imbriani, 441, GPS 41°13'46„N, 16°32'12“O, Telefon 00 39/34 51 71 94 00, www.brezzatragliulivi.it

I-73100 Lecce: Sosta Camper Jennery Farm
Gebührenpflichtiger Stellplatz für 30 Mobile auf Kies bei einem Hof, umgeben von Pinien. Grill und Picknick-Zone. Käse-, Olivenöl- und Weinverkauf. 10–15 Euro pro Nacht und Mobil je nach Saison, Person ab 12 Jahren 5 Euro, inklusive Strom, Ver- und Entsorgung, Duschen und W-LAN. Ganzjährig.
Standort: Via G. Pergolesi, 20, GPS 40°21'42„N, 18°07'57“O, Telefon 00 39/32 02 75 51 77, www.jenneryfarm.it

I-75010 Lido di Metaponto: Camper Park Nettuno
Gebührenpflichtiger Stellplatz für 50 Mobile auf Schotterwiese direkt am Meer. Imbiss und Restaurant. 13–18 Euro pro Nacht und Mobil. Ganzjährig, außer November, Oktober bis März nur an Wochenenden.
Standort: Viale Magna Grecia, GPS 40°21'25„N, 16°49'57“O, Telefon 00 39/08 35 74 55 90, www.pianetanettuno.eu

I-73028 Otranto: Oasy ParkService
Gebührenpflichtiger Stellplatz für 50 Mobile. Angelegtes Areal auf dem Gelände eines Service- und Abstellbetriebs für Boote, Lkw und Busse, umgeben von Büschen und Bäumen. Teilweise Meerblick. Grillplatz und Getränkeautomat. 18 Euro pro Nacht und Mobil, 3 Euro pro Person (nur im August), inklusive Dusche, Strom, Ver- und Entsorgung. Ganzjährig nutzbar.
Standort: Via Renis, GPS 40°08'16„N, 18°29'21“O, Telefon 00 39/08 36 80 22 26, www.oasypark.com

I-71010 Pèschici: Camping Villaggio Bellariva und Sosta Camper Bellariva
Campinggelände direkt am Strand an einem Fluss am Fuß der Altstadt. Zum Teil kleine Grasparzellen, abgegrenzt durch Laubbäume. Für größere Fahrzeuge bestimmt ist daher ein weiterer, geschotterter Platzteil, der über eine Brücke erreichbar ist. Er wird auch von Strandbesuchern als Parkplatz genutzt. Dort 80 Stromanschlüsse und ein eigenes Sanitärgebäude. Saison: April bis Ende September.
Standort: Località Baia di Pèschici, GPS 41°56'41„N, 16°00'26“O, Telefon 00 39/08 84 96 34 23, www.villaggiobellariva.it

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
pro 04/2017
Heft 04 / 2017 15. März 2017 Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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