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Der große Gepäck-Check fürs Reisemobil

Wie viel Zuladung muss ein Wohnmobil bieten?

Wie viel Zuladung braucht man wirklich? Foto: Ingolf Pompe, Archiv 21 Bilder

Einmal vollpacken bitte: Wie viel Zuladung braucht man tatsächlich? Wir machen die Probe aufs Exempel und wiegen jedes einzelne Gepäckstück. Ein Experiment mit ernüchterndem Ergebnis.

24.12.2016 Anne Mandel

Das Packen für den Wohnmobil-Urlaub gleicht oft den Vorbereitungen für einen Umzug. Da werden Kisten geschleppt, der Keller durchforstet – wo war nochmal der Sonnenschirm? – und Listen abgehakt. Während sich das Ladegut vor dem Mobil stapelt, man innen für alles ein Plätzchen sucht und fleißige Helfer immer noch mehr Gepäck aus dem Haus tragen, meldet sich eine leise Stimme zu Wort: "Denk an die Zuladung – muss das wirklich alles mit?" Ganz unberechtigt ist der leise Zweifel nicht, denn gerade in der 3,5-Tonnen-Klasse sind die Zuladungsreserven oft alles andere als üppig.

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promobil 12/2016 Wie viel Zuladung braucht ein Reisemobil?
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Überladungsgrenze: Kennen Sie ihre Maximalzuladung?

So ungefähr sollten die allermeisten Reisemobilbesitzer wissen, wie viel Kilo Gepäck ihr Fahrzeug verträgt. Aber Hand aufs Herz: Wer wiegt schon regelmäßig vor der Reise das fertig gepackte Reisemobil oder gar Teile des Gepäcks? Denn nur so kann man mit Sicherheit wissen, ob man überladen ist oder nicht. Beim Packen und der Ausstattung des Mobils muss man immer abwägen zwischen Komfort und der Begrenzung der Zuladung. Um einen realistischen, belastbaren Wert für den tatsächlichen Zuladungsbedarf zu schaffen, haben wir daher jedes Teil vom Auffahrkeil übers Fahrrad bis zum Zurrgurtgewogen.

Die Basis für die Wiegeaktion bildet die realistische Packliste. Sie ist exemplarisch auf ein Paar ausgerichtet, das im Sommer zwei Wochen Urlaub macht. Mit Blick auf eine möglicherweise knappe Zuladung haben wir die Mengen eher zurückhaltend geschätzt. Dennoch: Es kommt wirklich ein Haufen Gepäck zusammen, was auf dem Bild links unschwer zu erkennen ist.

Repräsentativität ist ein großes Wort in diesem Zusammenhang. Natürlich wird es auf den persönlichen Packlisten Abweichungen geben, zum Beispiel wird nicht jeder mit drei Paar Schuhen pro Person auskommen und auch Haustiere und das für sie anfallende Gepäck haben wir nicht berücksichtigt. Doch all das lässt sich individuell ohne großen Aufwand ermitteln und der Rechnung hinzufügen.

Auch die Dauer einer Reise schlägt sich auf der Waage nieder. Je länger man wegfährt, umso mehr Gepäck hat man üblicherweise dabei.

Wie viel Zuladung muss ein Reisemobil mindestens mitbringen?

Die Antwort auf diese Frage versucht eine Europäische Norm zu geben. Die EN 1646-2 hat zwei Funktionen. Zum einen stellt sie für die Reisemobil-Hersteller eine Richtlinie dar, an die sie sich bei der Konstruktion ihrer Fahrzeuge halten müssen. Zum anderen ist sie für den Fahrzeugkäufer eine Faustformel, nach der er die Zuladung eines Fahrzeugs bewerten kann.

Nach EN 1646-2 braucht es je Person 75 Kilogramm Körpergewicht plus zehn Kilo persönliches Gepäck plus zehn Kilo je Meter Fahrzeuglänge. Geht man von einem durchschnittlich großen Reisemobil mit einer Länge von sieben Meter aus, das für vier Personen zugelassen ist, so ergibt sich daraus eine geforderte Zuladung von 4 x 75 kg + 4 x 10 kg + 7 x 10 kg = 410 kg.

Die Masse eines Reisemobils im fahrbereiten Zustand definiert die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) folgendermaßen: Das Leergewicht ist das Gewicht des betriebsfertigen Fahrzeugs mit zu 90 Prozent gefüllten eingebauten Kraftstoffbehältern und zu 100 Prozent gefüllten Systemen für andere Betriebsstoffe zuzüglich 75 Kilogramm Fahrergewicht. Zieht man das Leergewicht des Fahrzeugs von der zulässigen Gesamtmasse ab, so müssen in unserer Beispielrechnung also mindestens 410 kg – 75 kg = 335 kg übrig bleiben, ansonsten wird die Norm verfehlt. Die 75 kg (Körpergewicht des Fahrers) werden abgezogen, da das Fahrergewicht bereits im Leergewicht nach StVZO enthalten ist.

Die oben ermittelte empfohlene Mindestzuladung klingt erst mal gar nicht schlecht. Doch Obacht: Von diesem Wert geht noch alles Zubehör weg, was nicht zum Serienzustand des Reisemobils gehört, sich also entweder in Paketen versteckt oder zusätzlich nachgerüstet wurde. Typische Beispiele dafür sind die Markise, TV- und Sat-Anlage oder auch eine Fahrerhausklimaanlage. Je mehr Zubehör nachgerüstet wird, umso mehr wird das Zuladungskonto belastet.

promobil prüft, wie viel das Reisegepäck tatsächlich wiegt

Bei so viel zusätzlichem, teilweise verstecktem Gewicht darf man dann doch die Gretchenfrage stellen: Wie gut bildet die Norm die Realität ab? Um das zu beurteilen, muss man einen Blick auf den tatsächlichen Zuladungsbedarf pro Person werfen. Dieser ergibt sich, indem man das von uns gewogene Gewicht des kompletten Gepäcks ermittelt.

Für zwei Personen kommen wir bei zurückhaltend gestalteter Packliste auf 184 Kilogramm Gepäck. Dazu kommen 149 Kilo für fest eingebautes Zubehör. Auf eine Person heruntergerechnet ergibt das 166,5 Kilogramm Zuladungsbedarf plus das eigene Körpergewicht, für das wir 75 Kilogramm veranschlagen. Insgesamt also 241,5 Kilogramm. Zieht man die Norm zu Rate, so empfiehlt sie für vier Personen eine Mindestzuladung von 410 Kilo. In unserer Rechnung brauchen aber bereits zwei Personen 483 Kilo Zuladung.

Nun hat freilich nicht jedes Reisemobil einen Strom-Generator an Bord und auch eine Solaranlage und Luftfedern nennt nicht jeder sein eigen. Aber selbst wenn man diese schweren Extras aus der Rechnung streicht, kommen zwei Personen gerade so mit der Zuladungsempfehlung für vier Personen zu Rande.

Der Schluss ist naheliegend: Die Norm erfasst nicht im Mindesten die realen Bedingungen. Glücklicherweise haben viele Reisemobile mehr Zuladung, als die Norm mindestens vorsieht. Zwei Personen können darum meistens mit den Zuladungsreserven auskommen. Aber bei einer Vierer-Besatzung wird die Luft in der 3,5-Tonnen-Klasse häufig unangenehm dünn.

Welche Reisemobile stehen in dieser Hinsicht gut da?

Die Antwort gibt die Tabelle auf Seite 11. Sie zeigt die drei Modelle mit der höchsten Zuladung des jeweiligen Herstellers. Grundlage ist der Serienzustand, mögliche Auflastungen wurden nicht berücksichtigt. Schaut man sich die Zahlen an, so wird deutlich, dass die Top-Zuladungen in der 3,5-Tonnen-Klasse im Durchschnitt oft bei 600 bis 700 Kilogramm liegen. Für eine vierköpfige Familie wird das schon knapp, vor allem wenn noch fest eingebautes Zubehör aus der Liste oben dazukommt.

Unser Wiegeversuch macht transparent, wo beim Gepäck die Kilos lauern. Wer vor einem Neukauf steht, kann anhand dieser Werte deutlich realitätsnaher entscheiden, ob ihm die Zuladung seines Wunschfahrzeugs reichen wird, als das die knapp bemessene Norm vermag. Wer aktuell Probleme mit der Zuladung hat, kann mithilfe der Aufstellung Sparpotenziale auf seiner eigenen Packliste identifizieren. Als letzter Ausweg bleibt immer noch eine Auflastung, dann muss man allerdings auch mit den Konsequenzen leben, die ein Gewicht von mehr als 3,5 Tonnen mit sich bringt.

So kann man Gewicht sparen

Überflüssige Kilos sind weder auf der Hüfte noch im Reisemobil besonders schön. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Diät purzeln die Pfunde. Im Reisemobil bedeutet das, das Campingzubehör genau in Augenschein zu nehmen. Dabei kommt es nicht darauf an, Einsparungen im Grammbereich zu erzielen, sondern die dicken Brocken anzupacken.

Abspecken kann man zum Beispiel beim Sanitärzusatz. Anstatt eine große und schwere Flasche einzupacken, reicht auch eine kleine Gebindegröße. Alternative: die kleinen und leichten Beutelchen, die von Thetford oder Dometic angeboten werden. Ersparnis: etwa 1,5 Kilogramm.

Auch die Küche birgt viel Gewichtspar-Potenzial. Geschirr aus Melamin ist nicht nur bruchsicher, sondern auch viel leichter und daher Porzellangeschirr vorzuziehen. Bei einem 16-teiligen Set kann man so etwa 3,5 Kilo sparen. Töpfe aus Aluminium laufen in Sachen Gewicht ihren Verwandten aus Stahl den Rang ab.

Dasselbe gilt für Gasflaschen: Zwei 11-Kilo-Flaschen aus Alu wiegen rund 9 Kilo weniger als zwei Stahlflaschen. Richtig viel Gewicht, nämlich gut 32 Kilo, spart man sich, wenn man statt eines Reserverads das Fiat-Reparaturset mit auf Tour nimmt. Die Campingmöbel bieten auch Sparpotenzial. Das macht sich vor allem bei der Wahl der Stühle bemerkbar. Statt der schweren Liegestühle tun es im Zweifelsfall auch leichte Klappsessel. Bei einer Vier-Personen-Crew spart man so etwa 13 Kilogramm.

Neben den Gewichtseinsparungen durch leichtes Zubehör hat man noch eine andere Möglichkeit, ein mageres Zuladungskonto aufzufüttern. Denn wer bereits frühzeitig die Waage im Blick hat, kann durch die umsichtige Wahl von fest eingebauter Ausrüstung Punkte gutmachen. So können beispielsweise Lattenroste durch Abstandsgewirke ersetzt werden. Bei vier Betten liegt die mögliche Ersparnis bei etwa 25 Kilogramm. Eine Kassettenmarkise wiegt etwa 40 Kilogramm – ganz schön viel im Vergleich zu einer Rollmarkise, die mit nur 10 Kilo zu Buche schlägt. Wer statt einer automatischen Sat-Anlage eine manuelle wählt, hat zwar kleine Einbußen bei der Bequemlichkeit, lässt aber auch rund neun Kilo links liegen. Etwa 40 weitere Kilogramm kann sparen, wer statt einer Dachklimaanlage eine Ventilator-Dachhaube wählt.

Je mehr dieser Spartipps man berücksichtigt, umso weniger muss man sich um die Zuladungskapazitäten des Reisemobils sorgen. Letztendlich liegt es natürlich im Ermessen jedes Einzelnen, an welchen Ecken er zugunsten einer guten Gewichtsbilanz sparen möchte.

Ein gewichtiges Problem

Viele Reisemobilbesatzungen kommen mit der Zuladung ihres Fahrzeugs nicht aus, das ist kein Geheimnis. Schaut man sich die Europäische Norm 1646-2 an, wundert einen das nicht. Wie unser Wiegeversuch gezeigt hat, ist sie viel zu knapp bemessen. Vor allem Familien mit vier oder mehr Personen schauen in die Röhre. Eine Anpassung der Norm wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber natürlich noch nicht die Lösung des Problems. Denn die kann nur von den Herstellern kommen, die bei der Konstruktion ihrer Fahrzeuge die Zuladungsproblematik im Auge behalten müssen. Weiterentwicklungen in Sachen Leichtbau sind daher mehr als wünschenswert.

Packliste: Das muss alles mit

Kleidung & Schuhe 24 kg

  • Kleidung für 2 Wochen
  • Bikini/Badehose
  • Sonnenhut
  • Halstuch
  • Handtasche
  • Wanderschuhe
  • Badeschuhe
  • 3 weitere Paar Schuhe pro Person
  • 2 leichte Rucksäcke
  • 5 Kleiderbügel

Essen & Trinken 37,2 kg

  • Sixpack Sprudel
  • 3 Liter Saft
  • 3 Liter Milch
  • 2 Flaschen Rotwein
  • Sixpack Dosenbier
  • Kaffeepulver
  • Salz
  • Zucker
  • Gewürze
  • Öl und Essig
  • Gemüsebrühe
  • Bratfett
  • Zwiebeln
  • Knoblauch
  • 4 x Dosentomaten
  • Pesto
  • Butter
  • Honig
  • Nutella
  • Müsli
  • Brot
  • 3 x 500 g Pasta
  • Wurst
  • Käse
  • Eier
  • Schokolade
  • Chips
  • Joghurt
  • Obst
  • Tomaten

Küche 14,1 kg

  • Küchenrolle
  • Müllbeutel
  • Nudelsieb
  • Besteck
  • Geschirr
  • Kochlöffel
  • Bratpfannenwender
  • scharfe Messer
  • Dosenöffner
  • Korkenzieher
  • 2 Schneidebretter
  • Töpfe/Pfanne
  • Kaffeekocher
  • Spülmittel
  • Feuerzeug
  • Abtrockentücher
  • Tupperdose
  • Knoblauchpresse
  • Bürste, Schwamm und Tuch
  • Eiswürfelform oder -beutel
  • 2 Wein- oder Longdrinkgläser
  • Röhrchen
  • Salatschüssel
  • Thermobecher
  • Thermosflasche
  • Spülschüssel

Spiel, Spaß & Gedrucktes 40,7 kg

  • 2 Bücher pro Person
  • Schnorchel und Taucherbrille
  • 2 Fahrräder
  • 2 Helme
  • Fahrradpumpe und -flickzeug
  • 5 CDs
  • Brettspiel, Kartenspiel
  • Wörterbuch
  • 2 Reiseführer
  • Tablet
  • Handys, Ladekabel
  • Zeitschriften
  • Tischtennisschläger, Bälle
  • Notizblock und Kuli
  • Landkarte

Campingausstattung 27,6 kg

  • 2 Campingstühle und Tisch, Hocker für Füße
  • Auffahrkeile
  • Kabeltrommel + Adapter
  • Gießkanne/Schlauch
  • Campinglampe
  • Warntafel für Heckträger
  • Zurrgurte
  • Wäscheklammern und Leine
  • Arbeitshandschuhe
  • Schnur
  • Akkuschrauber

Bad 10,6 kg

  • Shampoo + Duschgel
  • Gesichts- und Handcreme
  • Sonnencreme
  • Fön
  • Haarbürste, Kamm, Haargummis
  • Parfüm + Make-up
  • Nagelset
  • Handseife
  • 3 Handtücher pro Person
  • Flip-Flops für Sanitäranlagen
  • persönliche Medikamente
  • Erste-Hilfe-Set mit Pflaster, Verband, Wundsalbe, Mückenschutzmittel etc.
  • Zahnbürste, Zahnpaste, Zahnseide
  • Klopapier
  • Reisewaschmittel
  • Sagrotan-Spray
  • Allzweckreiniger
  • Sanitär-Zusatz
  • Ohrstöpsel
  • 2 Päckchen Papiertaschentücher

Sonstiges 30,2 kg

  • Sonnenschirm
  • Strandmatten
  • Bettbezug
  • 2 Decken und Kissen
  • Picknickdecke
  • Brille, Sonnenbrille
  • Taschenmesser
  • Taschenlampe
  • Kehrgarnitur
  • Panzertape
  • Lappen
  • Navi
  • Kamera
  • Gas-Grill, Stahlschwamm für Grill
  • Grillzange
  • Regenschirm
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Heft 10/2016
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