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Diagnose und Pflege des Diesel-Motors

Motorstreik? – Der Diesel-Experte weiß Rat

Panne Foto: Andreas Becker 13 Bilder

Der Diesel-Motor ist das Herz jedes Wohnmobils. Doch was tun, wenn das mal streikt? Urlaub abbrechen? Sofort in die Werkstatt? Auf eigener Achse nach Hause? Wir fragen den Experten.

22.01.2017 Franz Güntner

Welcher Wohnmobilfahrer hatte nicht schon mal diesen Traum: Man fährt auf der Brenner-Autobahn, plötzlich leuchtet die Motorkontrolllampe und das Mobil zuckelt nur mehr mit wenigen PS dahin. Wohl dem, der jetzt schweißgebadet aus seinem Heckbett aufschrecken darf. In der Realität folgen bei den meisten Fahrern quälende Minuten der Entscheidungsfindung: Schaffe ich noch die letzten 400 Kilometer heim? Soll ich selbst in die nächste Werkstatt fahren? Oder das Mobil doch abschleppen lassen?

Auf diese Fragen weiß Diesel-Experte Georg Hauser Rat: Seit 30 Jahren repariert er Diesel-Motoren (weitere Infos am Ende des Artikels). Seine positive Nachricht: Auch für Laien gibt es bei Motorproblemen Anhaltspunkte, die eine Entscheidung erleichtern. Dennoch gilt: Wer sich unsicher ist, wählt lieber einmal mehr die Nummer des Pannendienstes – und hängt das Wohnmobil an den Abschlepphaken.

Mechanische und elektronische Probleme können auftreten

Zunächst unterscheidet Georg Hauser zwischen mechanischen und elektronischen Problemen: "Leuchtet die Motorkontrollleuchte auf, deutet das auf ein Problem mit der Elektronik hin. In der Regel kann man damit noch langsam bis zur nächsten Werkstatt fahren." Ein etwaiger Leistungsverlust des Fahrzeugs muss noch nicht auf einen schwerwiegenden Defekt hinweisen: "Oft schaltet das Wohnmobil in eine Art Notprogramm, um bei der weiteren Fahrt den Motor zu schonen."

Schwieriger wird die Diagnose bei mechanischen Problemen: Man erkennt sie in der Regel nur an einem abnormalen Verhalten des Motors. Kfz-Experte Hauser teilt diese Störungen in drei Kategorien ein: seltsame Motorgeräusche, fehlerhaftes Anlassverhalten und Rauch aus dem Auspuffrohr. "Ist ein Kriterium erfüllt, sollten Sie auf eine lange Heimreise verzichten und das Problem vor Ort klären lassen."

Das gilt insbesondere für Motorgeräusche. Man muss jedoch nicht Mozart heißen, um ein Klopfen von einem Rasseln oder Pfeifen unterscheiden zu können: "Jedes unnatürliche Geräusch sollten Sie von der nächsten Werkstatt untersuchen lassen", rät Hauser.

Ähnlich verhält es sich bei Start-Problemen: "Springt Ihr Wohnmobil nicht an und haben Sie das Gefühl, dass sich der Motor beim Anlassen kurz etwas dreht, aber dann sofort anfängt zu blockieren, sollten Sie von weiteren Anlassversuchen absehen und das Auto an den Automobilclub übergeben."

Rauch kann mehrere Ursachen haben

Einen größeren Entscheidungsspielraum lässt Rauch aus dem Auspuff zu. Allerdings: "Ist der Rauch sehr dunkel oder brennt in den Augen, sollte man das Fahrzeug auf jeden Fall abschleppen lassen", rät Hauser. "Qualmt es hingegen nur bei Beschleunigung grau und verschwindet der Rauch bei gleichbleibender Gasstellung wieder, kann man den Urlaub üblicherweise noch getrost in Ruhe beenden." Gleiches trifft auf blauweißen Rauch zu, der sich verflüchtigt, sobald der Motor warm ist.

Für alle Rauchbilder gilt allerdings: "Zunächst anhalten, Motoröl und Kühlwasser auf Menge, Farbe und Konsistenz überprüfen und beim Motor auf laute Geräusche achten. Ist hier etwas nicht in Ordnung, muss das Wohnmobil an den Haken", so Hauser.

Neben den drei Kriterien gibt es noch zwei häufige Sonderfälle in der Welt der Wohnmobile: Leistungsverlust (zum Beispiel nach einem Marderbiss) und ein unkontrollierter Anstieg der Motortemperatur. Der Leistungsverlust ist für den Motor zunächst weniger kritisch, als es die Symptome vermuten lassen. Hauser: "Sie können noch vorsichtig zur Werkstatt fahren – sofern es nicht irgendwo tropft, der Motor nicht heiß wird und weder laute Geräusche noch Qualm verursacht."

Wer einen ungewöhnlichen Temperaturanstieg im Motorraum bemerkt, sollte ebenfalls Richtung Werkstatt fahren, rät Hauser, und weiter: "Kontrollieren Sie aber zuerst die Kühlflüssigkeit. Kann man noch einen Rest im Ausgleichsbehälter sehen, ist der Motor noch gefüllt." Der nächste Blick gilt dem Motorraum und dem Boden: Tropft es irgendwo?

Auch das Öl muss überprüft werden: "Hat es sich verfärbt, sollten Sie nicht mehr starten." Motorenöl und Kühlflüssigkeit sollte man auf der Fahrt zur nächsten Werkstatt alle 50 Kilometer kontrollieren. "Achten Sie auch darauf, dass die Motortemperaturkontrolle vor dem roten Bereich bleibt, sonst hilft nur noch der Anruf bei der nächsten Pannen-Hotline."

Diesel-Motoren richtig pflegen

Winterdiesel, Additive, Serviceintervalle oder der eigene Fahrstil – moderne Common-Rail-Diesel wollen gut gepflegt und behandelt werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Herzstück des Fahrzeugs haben wir für Sie zusammengestellt.

Wo liegt der Unterschied zwischen Sommer- und Winterdiesel?

Diesel besteht unter anderem aus Paraffinen und bis zu acht Prozent Wasser. Wird es kalt, neigen die Paraffine zum Ausflocken, und das Wasser gefriert. Die Folge können defekte Kraftstofffilter und Einspritzanlagen sein. Damit das nicht passiert, werden dem Diesel in Deutschland zwischen dem 01. Oktober und 14. April Additive hinzugefügt, die den Kraftstoff "wintertauglich" machen. Zwischen Anfang Oktober und Mitte November hält der Diesel Temperaturen bis minus 10 Grad stand, danach ist er frostsicher bis minus 22 Grad.

Wird Diesel schlecht?

Normaler Dieselkraftstoff enthält bis zu zehn Prozent Biodieselanteile. Diese sind nicht so haltbar wie die mineralischen Bestandteile und können im Lauf der Zeit tatsächlich regelrecht "zerfallen". Das kann gerade für Wohnmobile mit langen Standzeiten problematisch sein. Ein weiteres Problem ist die Kondenswasserbildung im Tank, die auch das Einspritzsystem schädigen kann. Darum sollte der Motor nach spätestens sechs Monaten gefahren werden, damit sich der Diesel bewegt und verbrannt wird.

Was bringen Additive für den Wohnmobil-Motor?

Es gibt unterschiedliche Additive. Manche sollen die organischen Bestandteile haltbarer machen. Manche sollen den Kraftstoff fließfähiger und damit winterfester machen. Andere sollen die Schmiereigenschaften des Kraftstoffs verbessern und das Einspritzsystem von eventuellen Verbrennungsrückständen befreien. Tatsächlich sind Additive zündwilliger: Sie steigern die Verbrennungstemperatur, und Rückstände im Einspritzsystem und an den Ventilen werden abgebaut. Aber: Additive helfen nur im Brennraum und der Einspritzanlage. Im Ansaugkanal oder in der Abgasanlage zeigen sie keine Wirkung.

Welche Additive sollte man einsetzen?

Eine klare Empfehlung ist schwierig. "Wir haben in der Werkstatt gute Erfahrungen mit den hochwertigen Dieselsorten namhafter Kraftstoffmarken gemacht", erklärt Hauser. Eine Tankladung dieser mit Additiven versetzten Kraftstoffe bringe oft mehr als separate Zusätze. "Ein Kunde hatte zum Beispiel regelmäßig Probleme mit einer verklebten Einspritzanlage. Nach dem Tanken dieser Kraftstoffsorten waren die Störungen verschwunden." Ältere Fahrzeuge (gebaut vor 2000) bräuchten gar keine Zusätze: "Ihre Einspritzanlagen sind robuster und weniger anspruchsvoll als die neueren mit Common-Rail-Technologie."

Was gilt es beim Einwintern zu beachten?

Diesel-Fachmann Georg Hauser empfiehlt, den Tank weitgehend leer zu fahren und ihn dann bis zum Rand mit wintertauglichem Diesel zu füllen. So kann sich nur wenig Kondenswasser an der Tankinnenseite bilden. Steht noch kein Winterdiesel zur Verfügung, wenn das Fahrzeug in die Winterpause geht, sollte man auf die Premiumdieselsorten zurückgreifen, denn diese sind ganzjährig winterfest, oder ein Additiv zusetzen, das das Versulzen verhindert.

Stellt ein Dieselpartikelfilter besondere Ansprüche an die Fahrweise?

Der Dieselpartikelfilter fischt Rußpartikel aus den Abgasen. Um aber selbst nicht durch die Ablagerungen zu verstopfen, muss der Filter diese nach einer gewissen Zeit zu Asche verbrennen. Am besten gelingt das bei einem entsprechenden Fahrstil. "Wohnmobilisten hängen sich gerne mit 90 km/h hinter Lkw und fahren ihr Fahrzeug oft mit zu niedrigen Drehzahlen", weiß Hauser. Durch diese Fahrweise werden Motor und Abgasanlage nicht heiß genug. Der Partikelfilter kann sich nicht ordentlich regenerieren – und verstopft irgendwann. Als Faustregel rät der Experte: "Fahren Sie auf Reisen Ihr Mobil immer mal wieder für etwa 40 Kilometer mit 2500 bis 3000 Umdrehungen." Wer sein Mobil auch im Alltag einsetze, sollte nach zehn Kurzstreckenfahrten (unter 30 Kilometern) auf die Autobahn und 40 Kilometer lang mit entsprechend höherer Drehzahl fahren.

Manche Fahrer lassen das Mobil bei der Ankunft noch nachlaufen. Wieso?

Gerade Passfahrten belasten den Motor: Bergauf kommt das Fahrzeug an den Rand seiner Leistung, gleichzeitig wird der Motor kaum von Fahrtwind gekühlt. Oben angekommen, parkt man und steigt aus dem Fahrzeug. "Der Motor glüht aber noch nach. Durch den abgeschalteten Kühlkreislauf entsteht ein Wärmestau unter der Motorhaube. Das ist extrem schädlich für den Turbolader", mahnt Georg Hauser. Besser sei es, den Motor im Stand noch ein paar Minuten laufen zu lassen. So wird ein Teil seiner Wärmelast abgeführt.

Gelten für Mobile mit geringer Laufleistung andere Serviceintervalle?

Wer sein Wohnmobil vor allem im Urlaub benutzt, hat oft eine geringe jährliche Laufleistung. Serviceintervalle erreicht man später als vom Hersteller vorgesehen. Das spart auf den ersten Blick Geld, ist aber nicht ratsam: Zwar wissen viele Fahrzeughalter, dass sie zum Beispiel den Zahnriemen alle x-tausend Kilometer wechseln lassen müssen. Aber nicht jeder denkt daran, dass dieses Bauteil unabhängig von der Nutzung auch eine zeitlich begrenzte Lebensdauer besitzt. Auch der Kraftstofffilter werde oft viel zu spät getauscht. Er sitzt vor der Einspritzanlage und soll Schmutz und Kondenswasser aus dem Gemisch filtern. Wenn der Wasseranteil im Filter aber zu groß wird, kann er das Wasser nicht mehr zurückhalten. Alle zwei Jahre sollte man den Filter tauschen. "Am besten vor dem Winter, wenn kein altes Wasser mehr im Filter ist, das frieren kann."

Und der Zahnriemen?

"Den sollten Sie allerspätestens nach sieben Jahren wechseln – auch wenn er noch nicht die vorgegebene Laufleistung erreicht hat." Manche Hersteller geben auch ein noch kürzeres Intervall vor.

Alle Tipps zum Diesel-Motor im Wohnmobil im Überblick

Motorpflege

  • Fahrzeuge mit Dieselpartikelfilter hin und wieder für mehrere Kilometer über 2500 Umdrehungen fahren.
  • Nach Passfahrten das Auto nicht gleich abstellen, sondern erst fünf Minuten im Leerlauf abkühlen lassen.
  • Bei Wohnmobilen mit geringer jährlicher Laufleistung den Kraftstofffilter nach zwei Jahren, den Zahnriemen nach spätestens sieben Jahren oder nach Herstellerangabe wechseln lassen.
  • Motoren, die nach dem Jahr 2000 gebaut wurden, sollten Sie öfter mal eine Tankfüllung mit Premium-Diesel gönnen. Das kommt der Lebensdauer der Einspritzanlage zugute.
  • Auch Motoren vor Baujahr 2000 freuen sich gelegentlich über einen hochwertigen Kraftstoff.
  • Regelmäßig den Ölstand kontrollieren und das Öl wechseln lassen.

Das Basisfahrzeug einwintern

  • Den Tank mit dem Kraftstoff vom Sommer möglichst leer fahren.
  • Winterdiesel randvoll tanken. Das verhindert Ausflockungen und schützt vor Kondenswasserbildung. Winterdiesel gibt es immer ab dem 16.11.
  • Steht noch kein Winterdiesel zur Verfügung, kann man auch den sogenannten Premium-Diesel tanken. Er ist ebenfalls winterfest.
  • Einen Kraftstofffilter, der älter als zwei Jahre ist, sollte man vor der Winterpause noch tauschen. Das verhindert, dass Wasser im Filter gefriert.
  • Diesel im Zusatzkanister regelmäßig verbrauchen. Er sollte in jedem Fall alle sechs Monate gewechselt werden.

Der Diesel-Experte: Georg Hauser

Seit 30 Jahren beschäftigt sich der gelernte Landmaschinenmechaniker-Meister Georg Hauser (51) mit Diesel-Motoren und -Einspritzanlagen. In seinem Bosch-Diesel-Center nahe München-Riem reparieren und pflegen er und seine 20 Mitarbeiter nicht nur die Motoren von Pkw und Transportern, sondern kümmern sich auch um Wohnmobile. Die Werkstatt ist zudem spezialisiert auf die Fehlersuche und Instandsetzung von Diesel-Einspritzanlagen und -Motoren.

Info: 0 89/9 44 98 20; www.diesel-hauser.de

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Heft 10/2016
Heft 01 / 2017 7. Dezember 2016 Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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