Alles über Westfalia West-Van
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Westfalia West Van im Test: Auf West-Kurs

Mit dem knuffigen West-Van beschreitet Westfalia neue Wege. Ob sie eher holprig oder bequem ausfallen, klärt der Supercheck.

Eigenständigkeit – so könnte man die Himmelsrichtung nennen, nach der sich die Nadel der markentypischen Westfalia-Kompassrose in den letzten Jahre ausgerichtet hat.

Die Entwicklung eigener Produkte, die finanzielle Entflechtung von Mercedes, der Aufbau eines eigenen Vertriebsnetzes – bis hin zum jüngsten Schritt: der Übernahme der vollen Produkt-Verantwortung für den Klassiker James Cook. Eine der Wegmarken dabei war die Vorstellung des West-Vans, des ersten aufgebauten Reisemobils der Ausbauspezialisten. Nun steht das erste Testmuster bereit und muss beweisen, wie weit Westfalia gekommen ist.

Der West-Van ist ein wichtiger und mutiger Schritt auf dem Weg zur Eigenstän­digkeit der Marke Westfalia. Die auch preislich vorgegebene Ansage eines Edel-Vans mit exklusivem Design und innovativen Lösungen kann er jedoch nicht in allen Punkten unter-mauern, etwa bei der heterogenen Aufbau-technik. Der maximal aufgerüstete Transit darunter macht zwar eine gute Figur, zum Edel-image würde aber auch ein Mercedes Sprinter, VW Crafter oder T5 gut passen – vielleicht der nächste Schritt à la Big Nugget und Sven Hedin.

Die Produktions­partnerschaft mit Ford für den Nugget hat lange Tradition, zudem ist der Transit im Van-Bereich, also bei den schlanken Teilintegrierten, bereits gut eingeführt, was seine Wahl für den West-Van leicht erklärlich macht. Doch er soll kein Allerweltsprodukt sein und setzt mit der heckgetriebenen, zwillingsbereiften Chassisvariante gleich eigene Akzente.

Die Produktions­partnerschaft mit Ford für den Nugget hat lange Tradition, zudem ist der Transit im Van-Bereich, also bei den schlanken Teilintegrierten, bereits gut eingeführt, was seine Wahl für den West-Van leicht erklärlich macht. Doch er soll kein Allerweltsprodukt sein und setzt mit der heckgetriebenen, zwillingsbereiften Chassisvariante gleich eigene Akzente.

Mit Kanonen auf Spatzen geschossen oder sinnvolle Aufrüstung? Auf der Straße zeigt sich schnell, dass die massive Hinterachse in Sachen Traktion und Straßenlage auch bei einem Kompaktmobil ihre Vorteile, wenn auch nicht ganz so eindrücklich, ausspielen kann. Zur kompromisslosen Chassisauslegung gehört auch die komplette Sicherheitsausstattung mit Airbags und ESP serienmäßig.

Zudem steckt Westfalia nahezu sämtliche Komfort-Extras der Transit-Aufpreisliste in die Grundausstattung oder in preisgünstige Pakete. So kann sich der West-Van-Fahrer über eher ungewöhnliche Gimmicks wie Regen- und Lichtsensor, beheiz­bare Frontscheibe und Audio­system mit Lenksäulenbedienung freuen. Erfreulich zeigt sich auch die Leistungsentfaltung des 140-PS-Motors, der mit dem Testwagen rundum wenig Mühe hat. Der Aufpreis zur 115-PS-Basisvariante scheint gut angelegt. Wohlgemerkt handelt es sich dabei um 2,4-Liter-Motoren, im Gegensatz zu den 2,2-Liter-Aggregaten der Fronttriebler, die ebenfalls bis zu 140 PS liefern. Trotz gleicher Leistung stemmt die 2,4-Liter-Version dabei aber immerhin 25 Newtonmeter mehr auf die Kurbelwelle. Wem das nicht reicht, kann überdies zum hubraumstarken Fünfzylinder mit 200 PS greifen. Doch nicht nur Mehrpreis und Mehrgewicht lassen am Sinn solcher Überlegungen für den kompakten Van zweifeln.

So oder so ist West-Van-Fah­ren aber eine der komfortabelsten Arten, sich mit einem Transit zu bewegen. Gewöhnungsbedürftig bleiben aber einmal mehr die Anfahrschwäche und die etwas hohe Sitzposition. Dabei stört nicht einmal eine Vorhangschiene oder ein Rahmen der Verdunkelung den Ausblick, denn als Sicht- und Kälteschutz legt Westfalia einstöpselbare Isoliermatten bei.

Das stämmige Chassis macht den West-Van auch nicht gerade zu den Leichtgewichten. Die Achslasten sind dabei kein Thema, aber die Reserven bis zur 3,5-Tonnen-Grenze fallen nicht so üppig aus wie bei der frontgetriebenen Konkurrenz. Dafür ist eine Auflastung leicht möglich und die zulässige Anhängelast doppelt so hoch.

Der Aufbau: dynamisch und aufwendig

Die aufgesetzten Kunststoffteile an Fenstern und Aufbaukanten verleihen dem West-Van eine eigenständige Note.

Eigene Wege geht Westfalia auch bei der Aufbautechnik. Aufwendige GfK-Formteile als Kapuze, Dach und Heckwand gestalten eine dynamische Linie. Die seitlichen Fender und Schürzen, ebenfalls aus GfK geformt, unterstützen das schnittige Design. Besonders prägnant sind zudem die dunklen, aufgesetzten Kunststoffteile an Fenstern und Aufbaukanten, die dem West-Van eine eigenständige Note verleihen.

Auf den zweiten Blick werden aber auch einfachere Baugruppen erkennbar. Die Seitenwände folgen der traditionellen Alu-Styropor-Konstruktionsweise mit Holzverstärkungen, Ähnliches gilt für den Boden. Die Fenster sind vom vorgehängten Typus, Garagen- und Aufbautüre eher schlichterer Machart. Überzeugen kann die Verarbeitungsqualität des Aufbaus. Die wenigen sichtbaren Dichtfugen sind sauber ausgeführt, die Schürzen passgenau und meist verdeckt montiert.

Moderner, hochwertiger Ausbau

Wohnliches Ambiente mit Bicolor-Möbeln und großflächigen, mikrofaserbezo­genen Stoffblenden. Solide Machart kann ebenso dem Möbelbau bescheinigt werden. Schließlich ist es nicht selbstverständlich, dass sich das Mobiliar beim Überfahren von Querrippen eben nicht lautstark zu Wort meldet. Ungewöhnlich erscheint dabei die Kombination der soliden, aber mit den Gummikedern ringsum und den sichtbaren Scharnieren eher rustikal wirkenden, vorgehängten, typischen Westfalia-Türen und -Klappen in Cremeweiß mit den Möbelkorpussen in dunklem Holzdekor.

Der Ausbau putzt sich aber nicht nur mit den Bicolor-Möbeln heraus, sondern auch mit großflächigen, mikrofaserbezo­genen Stoffblenden rings um die Fenster sowie am Bett und Seitensitz. Nackte Papierfolie findet sich eigentlich nur neben der Querbank. Hier fragt man sich, warum die Fensterblende nicht gleich auf die ganze Fläche ausgedehnt wurde. Auch die Decke ist mit schaumkaschiertem Stoff angenehm verkleidet, was sich nicht nur in
Sachen Haptik und Strahlungskälte, sondern auch auf die Raumakustik positiv auswirkt.

Die Sitzgruppe ist weitgehend ohne Fehl und Tadel in puncto Sicherheit, Komfort und Funktionalität. Mit der Verlängerungsplatte lassen sich auch Beifahrer- und Seitensitz an den Tisch holen. Die Platte aus dem Kleiderschrank zu fummeln ist aber etwas mühsam. Mit ein paar Zusatzteilen verwandelt sich die Sitzgruppe auch in eine brauchbare Gästeliege. Erste Wahl ist aber das Heckbett, das mit großzügiger Liegefläche und Kaltschaummatratzen lockt. Von den Dachbetten der eigenen Campingbusse abgeschaut hat man offenbar die eher un­gewöhnliche Schiebekonstruktion. Die vordere Bettfläche lässt sich über die hintere schieben und schafft damit eine, für diesen Grundriss einzigartige Bewegungsfreiheit.

So wird auch der Kleiderschrank und die Tür zur Heckgarage zugänglich. Zusammen mit den Hängeschränken an der Sitzgruppe und teils offenen, teils netzgesicherten Ablagebords am Heckbett bietet der West-Van angemessenen Stauraum. Ein bis zwei Fahrräder kommen in der sauber eingerichteten Heckgarage unter. Vier Zurrösen gibt es an der Heckwand. Die abgesenkte Bodenwanne ist aus stabilen Siebdruckplatten gebaut, allerdings ohne Isolationsschicht.

Kühlschrank in edlem Schwarz: Die Küche

Die Pantry präsentiert sich kompakt und komplett, jedoch ohne Dunstabzugshaube oder Dachlüfter. Kompakt und komplett präsentiert sich die Pantry mit bauchigem Kühlschrank in edlem Schwarz. Drei Schubladen mit soliden Vollauszügen und zwei Hängeschränke erschließen den nicht allzu üppigen Stauraum. In die zylindrische Spüle passen übliche Pfannen und Töpfe locker hinein. Dem Mangel an Abstellfläche auf dem Küchenblock lässt sich durch Zurückschieben des Bettes sehr großzügig abhelfen.

Der Kocher muss ohne Zündhilfe auskommen, Dunstabzug oder Ventilatordachhaube sind – selbst gegen Aufpreis – ebenso wenig vorgesehen: un­verständlich, besonders wegen des textilen Deckenbezugs.

Gute Raumausnutzung im Sanitärraum

Mit Schwenkwaschbecken und Faltvorhang lässt sich schnell eine großzügige Dusche zaubern. Liebe zum Detail beweist die Westfalia-Kompassrose im Türfenster. Dies bleibt jedoch die letzte Markenerinnerung, bevor sich der Insider in einem Bürstner-Bad wiederfindet. Dieser Bereich zeigt die enge Verwandtschaft zum Prismo am deutlichsten, der gemeinsam mit dem West-Van vom Band läuft.

Das kratzt zwar ein wenig an der Exklusivität, muss funktional aber kein Nachteil sein. Besonders in puncto Raumausnutzung kann das Bad überzeugen. Dank großem Schwenkwaschbecken und praktischem Faltvorhang lässt sich mit wenigen Handgriffen eine relativ großzügige Dusche zaubern. Die Kunststoffmöbel aus Tiefziehteilen wirken zwar weniger edel, aber relativ robust.

Stromsparende Bordtechnik mit LED Leuchten

Ob Leselicht oder Stimmungs-Beleuchtung, die Lichtquellen im West-Van schaffen Ambiente. Besonderheit der Elektroausstattung ist die LED-Beleuchtung. Ob weißes Leselicht oder Stimmungsbeleuchtung in Honiggelb, fast alle Lichtquellen im West-Van setzen auf die moderne Technik. Besonders an der Küche dürfte die Helligkeit aber zulegen.

Der West-Van kann sich mit zwei Fünf-Kilo-Gasflaschen begnügen, weil er serienmäßig auf die Truma-Combi-D-Dieselheizung setzt. Dieses, der gängigen Gasversion zum Verwechseln ähnliche Aggregat bedient sich eines Eberspächer-Brenners. Erst wenn der Ofen heizt, verrät er sich durch das Ticken der Dieselpumpe. Brenner- und Gebläsegeräusche liegen etwas über dem Niveau der Gasversion und können die nahen Schläferohren schon mal stören.

Neue Wege müssen eben meist erst noch ein wenig ausgetreten werden – das sollte Westfalia aber nicht davon abhalten, sie weiter zu gehen.

Gleichteile-Prinzip für Kostensenkung

Der West-Van setzt sich durch aufgesetzte Kunststoff-Formteile von seinem Halbbruder Bürstner Prismo ab. Gleich und doch nicht gleich – so präsentiert sich der Halbbruder Bürstner Prismo T 626, mit dem der West-Van in Kehl gemeinsam vom Band läuft. Äußerlich unterscheiden sie sich vor allem durch die aufgesetzten Kunststoff-Formteile, die dem West-Van vorbehalten bleiben. Basis und Aufbautechnik sind ansonsten identisch.

Ebenso gleichen sich die Sitzgruppen, Küchen und Bäder in funktioneller Hinsicht, während der Ausbaustil mit eigenen Möbelfronten und Dekors verschiedene Geschmäcker bedient. Der größte Unterschied im Wohnraum betrifft das Heckbett, das im Prismo fest eingebaut ist.

Der gut 6000 Euro teurere West-Van bietet also exklusive Besonderheiten und etwas mehr Grundausstattung. Ob das den Mehr­preis rechtfertigt, bleibt eine persönliche Entscheidung.

Preis: 60.000 bis 70.000 €
Typ: Teilintegrierte
Schlafplätze: 3
promobil Logo

Autor

Foto

Foto: Tschovikov, Jürgen Bartosch

Datum

26. Februar 2009
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