Alles über Westfalia Columbus
Westfalia Collumbus, Supercheck 26 Bilder Video Zoom

Westfalia Columbus im Test: Entdecker auf Tour

Der neue Columbus nutzt als erster der ausgebauten Kastenwagen von Westfalia den Fiat Ducato als Basis und beschreitet neue Wege mit ungewöhnlichem Ausbaudesign und innovativer Technik.

Entdeckungsreisen sind hochmodern: Geocaching heißt die aktuelle Form der Schnitzeljagd. Die Zahl der Fans wächst weltweit rasant, und auch die Zahl der „Caches“ wird täglich größer, versteckte „Schätze“, die man mit Positionsdaten und Outdoor-Navigationsgerät ausgerüstet aufspüren kann. Auf die Entdeckungsreise gehen kann man mit – aber auch im Columbus. Der Westfalia mit dem Namen des unfreiwilligen Amerika-Entdeckers reiht sich zwar vordergründig ein in die fast unüberschaubare Flotte an Campingbussen auf Fiat Ducato mit Original-Blechhochdach und Heckquerbett. Doch bei genauem Hinsehen finden sich darin wahre Schätze. Ein eigener Ausbaustil und viele besondere Lösungen, die im Supercheck des Columbus ihre Tauglichkeit beweisen müssen.

Sitzen & Schlafen

Ein Ausbau in Anmutung und Sicherheit nahe an Pkw-Standards gehört zu den Markenzeichen von Westfalia. Das gilt vor allem für die Sitzbank. Sie ist im Columbus komfortabel gepolstert und gut ausgeformt, empfiehlt sich daher auch für lange Strecken. Die Schlösser der Dreipunktgurte sind fixiert, können also nicht zwischen die Polstern rutschen. Wer in seinem Auto Kindersitze mit Isofix-Befestigung verwendet, bekommt glänzende Augen: Die Columbus-Bank verfügt über die passenden Ösen - einfacher gehts nicht. Die Entwickler haben auch an den Tisch gedacht: Er ist leicht und stabil, lässt sich unterwegs sicher im Fach über dem Fahrerhaus verstauen.

Für ein stimmiges Gesamtbild hüllt sich die Sitzbank des Columbus in die gleichen strapazierfähigen Stoffe wie die Cockpitsessel. Hätte man einen Wunsch frei, dann nach einer Neigungsverstellung für die Lehne.

Doch die Sitzbank ist schon ohne diese Mechanik wuchtig und schwer genug. Zwar klappt sie leicht per Federunterstützung nach vorn, doch dabei werden die massiven Stahlstreben des Unterbaus sichtbar. Platz für einen Frischwassertank bleibt da nicht, allenfalls für kleinere Gepäckstücke.

Das Umklappen dient deshalb vor allem dem Bettenbau, eine Option für 682 Euro Aufpreis. Dann entfaltet sich aus der Lehnenrückseite und einem angehängten Polsterteil eine Schlafstätte für einen Gast oder für Getrenntschläfer.
Auf der ebenen und mit Kaltschaummatratze gepolsterten Fläche liegt es sich zwar recht komfortabel, doch großen Reisenden fehlt es an Länge, während kleinere mit der großen Einstiegshöhe kämpfen. In die Federn zu hüpfen ist auch am Hauptbett hinten im Columbus nicht ganz einfach. Die Westfalia-Techniker sinnen bereits über eine geschickte Aufstiegshilfe nach.
Mit ihr wäre das Heckbett des Columbus wirklich rundum komfortabel. Denn die zwölf Zentimeter dicke Kaltschaummatratze auf punktelastischen Federelementen bettet den Schläfer wie auf Wolken. Die Seitenwände sind kuschelig mit schaumkaschiertem Stoff bezogen.

Kunststoff-Formteile verkleiden die Hecktüren des Columbus, mehrere Ablagen sowie Steckdosen sind integriert. Allerdings enden die Verkleidungen vor den offenen Schlössern oben an den Türen. Sie geben auch keinen Schutz entlang des häufig nicht ganz dichten Spalts der Doppelflügeltüren.

Die Entriegelung ist nach oben verlegt, somit vom Bett aus leicht erreichbar. Das Dachfenster und reichlich LED-Lampen als Extra locken zum Schmökern ins Schlafgemach. 


Bad & Küche

Elegante Rundungen, dazu die Kombination aus weißem Lack, Holzdekor und der schwarzglänzenden Glasarbeitsplatte - die Columbus-Kombüse macht mächtig Eindruck.
Man sieht auf der Glasplatte zwar jeden Schmutz, sie lässt sich jedoch auch leicht und hygienisch reinigen. Im Testwagen war von ihr indes nur wenig zu sehen, auf dem hinteren Teil ruhte der optionale Kleiderschrank.
In diesem Fall geizt die Küchenzeile mit Arbeits- und Abstellfläche. Für diese Zwecke müssen Kocherabdeckung oder der Tisch herhalten. Dagegen ist der Stauraum im Hängeschrank und in fünf Schubladen angemessen und leicht zugänglich. Hilfreich wäre noch ein Besteckeinsatz.

Auch die für Westfalia typische Kompressorkühlbox ist im Columbus als Auszug ausgeführt. Sie fährt vorn aus dem Küchenblock in den Einstiegsbereich und kann so ebenfalls von der Sitzgruppe und von draußen leicht erreicht werden. Ob Kühlschrank oder -box, das ist Ansichtssache. Die Box arbeitet sehr energieeffizient, präsentiert den Inhalt aber wenig übersichtlich.

Zum Stil der Küche passt der schicke Kocher. Mit Unterstützung durch zwei recht große Flammen und Elektrozündung gehts ans Werk. Die Edelstahlspüle kann sich ebenfalls sehen lassen. Mancher vermisst jedoch eine Abdeckung.
Gleiches gilt für die Bewegungsfreiheit - zwischen Bank und Küchenblock geht es eng zu. Anders im Sanitärraum, unter anderem ein Verdienst der Waschbeckenkonsole. Westfalia hat sie weniger ausladend gestaltet als im Prototyp.

Die Größe des Beckens blieb unverändert, sie reicht sogar fürs Haarewaschen. Dabei hilft die ausziehbare Duschbrause mit Wasserstopphebel. Zum Duschen wird sie an einer Saugnapfhalterung innen an der Dachhaubenscheibe angebracht, also an der höchsten Stelle des Raums - schlau. Die Möbel duschen zwangsläufig mit, sind jedoch wasserfest gebaut. Nachwischen am Spiegelschrank ist Pflicht. Wasser läuft durch zwei große Abläufe in der Duschwanne zügig ab. 

Aufbau & Bordtechnik

Überdies lässt sich die Bodenwanne im Bad des Columbus mit der optionalen Fußbodenheizung angenehm temperieren - ein bislang einzigartiges Komfortextra im Campingbus. Doch schon zum Grundpreis bietet der Columbus ungewohnten Heizungskomfort: Seine dieselbetriebene Warmwasserheizung ermöglicht eine getrennte thermostatische Wärmeregulierung im Bad und dem übrigen Ausbau. Für eine schnelle Aufheizung des Innenraums sind drei der Konvektoren zudem als Booster ausgeführt, also mit einem integriertem Ventilator.

Diese Gebläse werden zu Beginn der Heizphase automatisch zugeschaltet. Ein gewisser Geräuschpegel lässt sich dabei nicht ganz vermeiden, deshalb können die Reisenden die Gebläseleistung am Kontrollbord bei Bedarf gezielt auf 30 Prozent herunterregeln oder die Booster ganz ausschalten.

Am einfallsreichen Kontrollbord im Design eines Autoradios kann auch die Temperatur für beide Heizkreisläufe vorgegeben und zudem eine Uhrzeit für den Heizungsstart einprogrammiert werden.

Ebenfalls lässt sich hier der Wasserboiler zuschalten, der über einen kleinen Heizkreislauf mit erwärmt wird. Auch für die Fußbodenheizung findet sich hier ein Drehregler. So viel Heizungskomfort gab es in einem Campingbus noch nie.

Allerdings müssen Käufer des Columbus für einen isolierten und beheizten Abwassertank extra bezahlen. Zum Winterpaket gehören zudem Isolierungen im Fahrerhaus und an den Heck- und Schiebetüren sowie ein zusätzlicher Heizkonvektor im Heck. 

In die Tasche greifen müssen Käufer außerdem für die zweite Gel-Batterie und die LED-Leuchtbänder unten an den Hängeschränken und im Lichtpaneel am Bad. Aufpreispflichtig sind auch die Panorama-Dachfenster über Sitzgruppe und Heckbett - serienmäßig gibt es kleinere Exemplare.

Die Außenoptik des Columbus lässt sich mit Metallic-Lack und Leichtmetallrädern aufwerten. Wer das dunkle Klebedekor gegen schwarzglänzende Blenden aus Sicherheitsglas tauscht, bekommt einen todschicken Bus.

Ebenso können die S4-Rahmenfenster durch modernere S5-Exemplare ersetzt werden und die etwas fummeligen Isomatten durch praktischere, fest angebrachte Faltverdunkelungen im Fahrerhaus.


Stauraum & Zuladung 

Flexibel reagiert der Columbus  auf größere Transportaufgaben. Sein Querbett im Heck teilt sich in zwei Liegeflächen auf. Die hintere lässt sich senkrecht stellen. Mit diesem Trick entsteht quer im Heck ein relativ großer Ladebereich. Er kann ein bis zwei Fahrräder aufnehmen und darf sich daher fast schon Garage nennen. Der Umbau dürfte indes, von innen ausgeführt, gerne etwas leichter von der Hand gehen.

Verzurrösen im Boden und ein abnehmbares Netz sichern die Ladung im Heck des Columbus. Alternativ kann die ganze Bettkonstruktion ins Heck verschoben werden. Das schafft Bewegungsfreiheit im Gang und leichteren Zugang zu den Staufächern unter dem Bett und der 2,8-Kilogramm-Gasflasche. Lange Gepäckstücke wie etwa ein Surfbrett lassen sich im Gang bis ins Fahrerhaus durchschieben.

Die sechs Hängeschränke des Westfalia Columbus sind recht geräumig. Im Podest an der Sitzgruppe gibt es ein weiteres Fach. Eine größere Anzahl offener Ablagen findet sich über das ganze Fahrzeug verteilt.

Bei der Wahl des Kleiderschranks stehen Columbus-Käufer vor drei Möglichkeiten. Serienmäßig ist ein Schrank hinter der Klappsitzbank. Er muss jedoch weichen, ordert man das Zusatzbett. Alternativ gibt es einen Schrank auf dem Küchenblock, wie auch im Testwagen. Oder einen Kleidersack, der unter das Heckbett gehängt werden kann.

Für zwei bis drei Reisende sollte der Stauraum insgesamt reichen. Enger wird es in Sachen Zuladung - die aufwendigen Zutaten sind gewichtig. Mit optionalem Maxi-Fahrwerk sind Reifentragfähigkeit und Achslasten zwar unproblematisch, doch mit 3,5 Tonnen Gesamtgewicht wirds knapp. Für Fahrzeuge mit Vollausstattung empfiehlt sich deshalb schon die  Vier-Tonnen-Ausführung.


Fahren & Sicherheit 

Der Columbus unterschiedet sich im Fahrbetrieb nicht wesentlich von anderen Ducato-Campingbussen. Verbindlich arbeitet die Lenkung, stramm ist die Straßenlage, aber auch die Federung. Mit 130 PS wie im Testwagen ist man ordentlich motorisiert. Mit 148 PS steigt der Spaßfaktor. Auf das teure Dreiliter-Topaggregat dagegen sollte man aus Gewichtsgründen verzichten.

Von der Westfalia-Sicherheit rund um die Sitzbank war bereits die Rede, auch die Möbelkonstruktion entpuppt sich als solide und frei von gefährlichen Ecken und Kanten. Bei Netzanschluss vermeidet ein FI-Schutzschalter jegliche Gefährdung. Die Aufbaubatterien lassen sich über einen Hauptschalter vom Bordnetz trennen. Der Fahrer-Airbag ist serienmäßig. ESP und Beifahrerluftsack aber kosten Aufgeld, ebenso  Side- und Windowbags. 


Ausstattung & Preise 

Mit fast 48.000 Euro Grundpreis ist der Columbus nicht billig, nicht wenige der besonderen Ausstattungsdetails wie die Fußbodenheizung, kosten zusätzlich Geld. Mit diesen reizvollen Extras steigt der Preis fix um 10.000 Euro.

Aber schon im Serienumfang lockt der moderne Bus mit Besonderheiten, die anderswo nicht einmal optional zu haben sind. Deshalb fällt ein Preisvergleich nicht leicht. Die Extra-Kauflust bremst am Ende neben dem Preis aber auch die begrenzte Zuladung. Trotzdem gilt: Mit und am Columbus gibt es viel zu entdecken. Auf zur nächsten Reise.


Modellprogramm: Nugget & Co.

Preise: 35.500 - 77.900 Euro
Basis: Fiat Scudo & Ducato, Ford Transit, Mercedes Vito & Sprinter
Länge: 5,14–6,00 m
Gesamtgewicht: 2800 - 3500 kg
Modelle: Neben den Modellen für Autohersteller – vor allem Mercedes Marco Polo und Ford Nugget – forciert Westfalia die Erweiterung der eigenen Palette. Vom kompakten Michelangelo  bis zum Klassiker James Cook reicht das Angebot. Den Ducato nutzt bislang nur der Columbus, zunächst als Einzelmodell.

Lichtcheck

Der Columbus zeigt, dass auch LED-Licht recht hell sein kann.

  • Sitzgruppe: Mittelwert Tisch: 143 Lux, Lesespot bis zu 246 Lux.
  • Küche: Im Mittel 134 Lux treffen auf die Küchenarbeitsplatte. Hier dürfte es ruhig noch heller sein.
  • Sanitärbereich: Das Bad übertrifft den geforderten Wert von 300 Lux sogar – prima.
  • Bett: Auch die Lesespots am Heckbett liegen über 300 Lux. Im Stauraum darunter bleibt es dagegen finster.
Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Konstantin Tschovikov

Datum

7. März 2012
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