Alles über VW Multivan
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Test: VW T5 Multivan

Starke Motoren, dezente Optik, feine Details: Der neue T5 entspricht der aktuellen VW-Linie.

Gesucht wie ein vierblättriges Kleeblatt, rar wie die blaue Mauritius: Nur wenige Autos haben das Zeug zum Klassiker. Der VW T4 gehört dazu, reiht sich ein in die illustre Riege seiner Vorgänger. Doch auch Klassiker sehen irgendwann gegen den Nachwuchs alt aus. Zwölfeinhalb Jahre hat der Seniorchef der Transporter auf dem Buckel, nun ist es allmählich Zeit für den Nachfolger T5.
Vorreiter ist der T5 Multivan. Er soll eine noch bedeutendere Rolle spielen als bisher – der Alleskönner ersetzt in einem Aufwasch auch die Busvariante namens Caravelle.
Hinschauen lohnt sich: Der T5 Multivan sieht einerseits aus wie der Alte und ist doch ein Neuer. Gekonnt verschmelzen Merkmale des Vorgängers mit den Eigenschaften des Nachfolgers – man kennt das vom zweiten VW-Klassiker, dem Golf. So nimmt die Linienführung bekannte T4-Elemente auf, die kerzengerade Gürtellinie oder die Sicke zwischen Scheinwerfern und Heck. Beim T5 ist sie messerscharf gearbeitet wie eine präzise Bügelfalte; dezent verbirgt sich die Führung der Schiebetür. Andererseits zeigt die Frontpartie des T5 verblüffende Ähnlichkeit zu einem anderen neuen VW: Der T5 ist dem Geländewagen Touareg wie aus dem Gesicht geschnitten. Kein Zufall, zeichneten doch die Nutzfahrzeug-Entwickler verantwortlich auch für den VW-Part des Doppels von Porsche und Volkswagen.
Touareg und T5 eint die maskulin modellierte Motorhaube, deren zwei Längsfalten vorn im Chrom-umrandeten VW-Smilie münden, ebenso die schrägen Klarglas-Scheinwerfer. Hier wie dort ist das VW-Signet gefasst wie ein Schmuckstück, ragt beim T5 vorwitzig in die Haube.
Der zweite Kühlergrill des T4 wiederum rutschte beim T5 nach unten in den voluminösen Stoßfänger. Der nimmt ebenfalls formschlüssig die Waschdüsen der Scheinwerfer auf. Sie saßen bisher wie Warzen unter den Scheinwerfern.
Der Bug des Neuen wirkt insgesamt glatt und aus einem Guss, was auch an den verborgenen Einlässen der Lüftung und nahezu verdeckten Scheibenwischern liegt. Die Frontscheibe geht flächenbündig in die A-Säule über; dies – wie auch neu geformte Außenspiegel und glattflächig aufgeklebte Seitenscheiben mit neuem Schiebefenstereinsatz – reduziert lästige Windgeräusche.

Der gesamte Auftritt des T5 ist kraftvoll, unterstrichen von handfesten Türgriffen, breiten Schultern dank weniger stark eingezogenen Seitenwänden, markanten Seitenschürzen, der Seitenschutzleiste auf halber Höhe sowie dynamisch ausgearbeiteten Radläufen. Manche Innovation versteckt sich: Anstelle des klassischen Unterbodenschutzes verfügt der T5 über einen geschlossenen Unterboden aus Kunststoff. Das Material verhütet Beschädigungen, ist leicht zu verarbeiten und zu verwerten, schafft bei Reparaturen einen sauberen Arbeitsplatz. So sportlich wie die Hülle des neuen VW, so muskulös ist sein Kern. Zwar spendierten die Entwickler keinen gewaltigen V10-Turbodiesel à la Touareg, aber eine Zylinderbank dieser Maschine darf’s schon sein. Macht wie bisher 2,5 Liter Hubraum, jedoch im Maximum 174 PS und gewaltige 400 Nm Drehmoment, die jede Autobahnsteigung mühelos einebnen. Auch die anderen Motoren zeigen Bestform: 130 PS und 340 Nm für einen milderen 2,5-Liter sind ein ordentliches Pfund. Basisdiesel ist der Vier-zylinder aus dem Pkw mit 1,9 Liter Hubvolumen und 104 PS – beileibe kein Schwächling. Alle Triebwerke verfügen über Direkteinspritzung mit Pumpe-Düse; die Fünfzylinder basieren auf einem Aluminiumblock. Sie verfügen außerdem über ein Sechsgang-Schaltgetriebe. Sechs Stufen zeichnen auch die wahlweise lieferbare Vollautomatik aus. Angetrieben wird die Vorderachse, Allrad folgt; zwei Benziner komplettieren das Programm. Ein neues Fahrwerk sichert die hohen Fahrleistungen ab: vorne Mc-Pherson-Federbeine statt Drehstabfedern, hinten Schräglenker und Schraubenfedern. Hinzu kommen lastabhängige Gasdruckdämpfer und zwei Stabis. Die Räder messen je nach Motorisierung 16 oder 17 Zoll; üppig dimensionierte Scheibenbremsen versprechen gute Verzögerung. ABS, elektronische Differenzialsperre und ASR zügeln den T5, wahlweise hält ihn ESP auf Kurs. Für den Fall des Falles gibt es neben Airbags für Fahrer und Beifahrer erstmals Seitenairbags für alle Außenplätze. Die modernen und bärenstarken Motoren stehen sowohl für sparsamen Umgang mit dem teuren Kraftstoff als auch für Fahrleistungen auf hohem Niveau. Trotzdem müssen die vielen Pferde kräftig ziehen: Der Multivan hat zugenommen, das Gesamtgewicht erreicht je nach Variante bis drei Tonnen. Dafür verantwortlich sind unter anderem stolze Abmessungen: Mit 1,94 Meter Höhe passt der VW zwar in die Garage, mit 1,91 Meter Breite und 4,89 Meter Länge wird’s darin jedoch eng.

Den Innenraum des T5 hat VW gründlich aufgeräumt. Das beginnt mit dem Platz sparenden Joystick-Schalthebel im Armaturenbrett und führt über ein richtiges Handschuhfach sowie ein weiteres großes Fach im Armaturenbrett schließlich zu einem System aus vier Schienen im Boden, Basis für bisher ungekannte Variabilität. Ob Klappsitzbank im Heck und Einzelsitz in der Mitte, ob vier Einzelsitze oder Bank und Sitze in Verbindung mit Einbauten – nichts ist unmöglich, alles schieb- und klappbar. Sämtliche Plätze verfügen über integrierte Dreipunktgurte. VW gliedert den Multivan in die drei Ausstattungslinien Basis, Comfortline und Highline, der Ausrüstungsstandard entspricht etwa den bisherigen Modellen, abgeschmeckt mit einer serienmäßigen Klimaanlage. Die aufpreispflichtige Climatronic erlaubt eine separate Temperaturregelung für Fahrer und Beifahrer, kühlt sogar das Handschuhfach. Verstellbare Luftdüsen im Fond erlauben eine weitgehend zugfreie Belüftung. Der Klapptisch gehört wie bisher zur Grundausstattung, ebenso diverse Ablagen in den Seitenverkleidungen. Ab Comfortline zählt die zweite Schiebetür zum Standard, dann gibt es einen falt- und verschiebbaren runden Tisch mit eingearbeiteten Ablagen mittig vorn. Zwar liegen die Innengeräu-sche des T5 Multivan niedriger als beim kernigen T4, doch damit ist nicht genug: Weltpremiere hat das Digital Voice Enhancement (DVE). Dahinter verbergen sich Mikrofone im Dachhimmel, angeschlossen an die Lautsprecher der Radioanlage. Fahrer und Fahrgäste können sich damit bei jedem Tempo in normaler Lautstärke miteinander verständigen. Verständnis müssen auch Käufer aufbringen: Der neue Multivan wird frühestens Ende des ersten Quartals 2003 zu haben sein. Der California feiert seine Premiere nach der Trennung von Westfalia frühestens auf dem Caravan-Salon. Zur Art des Hauses passen auch die Preise: Ausstattungsbereinigt wird der T5 Multivan auf dem Niveau des Vorgängers liegen. Der Alte kostet mit dem 102 PS starken TDI 32 250 Euro – und ist als Klassiker keine Fehlinvestition.

Technische Daten (Stand: Februar 2003)
Hersteller: Volkswagen
Modell: Multivan
Basisfahrzeug: VW T5
Typ: Campingbus
Preis: ab 34191 EUR
Sitze mit Gurt: 6
Schlafplätze: 2
Zul. Gesamtgewicht: 3000 kg
Länge: 4890 mm
Breite: 1904 mm
Höhe: 1940 mm
Basismotor: Diesel
KW: 63-128
PS: 104-174
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Datum

15. Februar 2003
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