Alles über VW Multivan
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Test: VW Multivan Comfortline 2.5 TDI

Der neue Alleskönner will Freizeit, Arbeit und Alltag unter ein Dach bringen. Erster Test.

Die wenigsten dürften an ihrem Schweizer Klappmesser schon alle Funktionen genutzt haben – aber man könnte, wenn man wollte. Das macht letztlich den Reiz aus. Der VW Multivan verfolgt seit jeher die gleiche Idee: Alles scheint möglich – und mit dem Modell-wechsel zum T5 noch ein wenig mehr. Als Comfortline mit zwei Schiebetüren ausgerüstet, fällt ihm der Shuttle-Service zur Schule leichter, ein zentraler Tisch vereinfacht Besprechungen, und ein 174 PS starker TDI verkürzt lange Strecken. Kaum ein Fahrzeug ist besser auf die Wechselfälle des Lebens vorbereitet. Oder bedeutet extreme Vielseitigkeit auch deutliche Kompromisse?
Der neue Multivan lässt so praktische Fragen kaum an sich heran. Wie ein edles Schweizer Messer versteht er es, Freude an einem zeitlos schön gestalteten Gegenstand zu wecken. Wohl dosierter Chrom am Bug und stämmige 17-Zoll-Räder (Aufpreis) deuten auf den wahren Wert der sonst ohne Spielereien gezeichneten Karosserie. Schließt man die gewichtige Fahrertür mit einem satten Plopp, bleiben keine Zweifel mehr, in einer über 40 000 Euro teuren Limousine zu sitzen. Zwischen fühlbar angenehmen Kunststoffen verteilte VW dezenten Silberschmuck. Dass auch Reiseutensilien bis hin zur Eineinhalb-Liter-Flasche Mineralwasser im Armaturenbrett Platz finden, glaubt man erst nach Entdeckung der zahlreichen Ablagemöglichkeiten. Die Verbindung von Oberklasselimousine und Freizeitvan ist geglückt.
Ebenso beim Fahren. Motorlärm und -vibrationen bleiben draußen. Der starke Fünfzylinder-TDI hält sich dezent im Hintergrund. Sobald man ihn fordert, schiebt er den Multivan kraftvoll und unspektakulär an. Nur sollte dafür die Drehzahl nicht deutlich unter 2000 Touren gefallen sein. Sonst spürt man doch, dass den stolzen 400 Nm auch ein happiges Leergewicht von 2,4 Tonnen gegenübersteht.

Eine gehörige Mitschuld am Eindruck der Behäbigkeit trägt die lange Übersetzung. Bei Reisetempo 160 auf der Autobahn liegen im sechsten Gang gerade einmal 3000 Touren an. Trotz einer Höchstgeschwindigkeit von knapp 190 km/h fällt es deshalb schwer, mit den meist vierzylindrigen TDI-Pkw mitzuhalten, die normalerweise die linke Spur beherrschen. Andererseits bereitet das oft nötige Zurückschalten Vergnügen: Präzise wie die Werkzeuge eines hochwertigen Klappmessers rasten die Gänge ein. Wer beim Schlendern auf Landstraßen niedrige Drehzahlen ausnutzt, wird mit Verbrauchswerten unterhalb der Zehn-Liter-Marke belohnt. Zügige Autobahnfahrt steigert den Wert auf akzeptable zwölf Liter auf 100 Kilometer, Dauervollgas kostet 15 Liter. Passagiere freuen sich auf langen Strecken über den niedrigen Lärmpegel, der eine gepflegte Konversation gestattet. Lautäußerungen des Motors treten bei Autobahntempo völlig hinter ebenfalls dezenten Windgeräuschen zurück. Lediglich geflickte Straßenbeläge können den Komfort auf den hinteren Plätzen empfindlich stören. Speziell auf der hinteren Bank, direkt über der Achse, werden Unebenheiten als trockene Stöße weiter gereicht.

Aus Fahrersicht kann man dagegen der straffen Federung einiges abgewinnen. Wer häufig hinter dem Lenkrad moderner Oberklasse-Pkw sitzt, mag es selbstverständlich finden, dass auch ein Multivan mit hohem Tempo auf welligen Kurvenstrecken exakt dem eingeschlagenen Kurs folgt, dass er vom Fahrer dabei keinerlei besondere Kräfte verlangt, um das Lenkrad in Position oder sich selber aufrecht auf dem Sitz zu halten. Und dass er im Extremfall auf ein ESP als Schleuderschutz vertrauen darf. Für Fahrer von Freizeitfahrzeugen – inklusive des in dieser Hinsicht gewiss unproblematischen T4 – ist der Sportsgeist des neuen Multivan eine kleine Sensation. Mehr Pkw denn je ist der neue Multivan aber auch im Bereich hinter den Fahrersitzen – was nicht ausschließlich Vorteile mit sich bringt. Von der ursprünglichen Multivan-Ausstattung mit weitläufiger Liegewiese, Vorhängen, Kühlfach, großem Tisch und viel Freiraum blieb im aktuellen Comfortline nur ein bescheidener Rest. Die unebene Schlafstatt kann nicht einmal mit zweitklassigen Gästesofas mithalten. Immerhin fällt der Umbau leicht: Nach Abnehmen der Gepäckraumabdeckung muss lediglich die Banklehne nach hinten geklappt werden. Für die nötige Länge steuern die Mittelsitze ihre harte Lehnenrückseite als Fußauflage bei. Etwas mehr Liegekomfort gibt’s demnächst als Originalzubehör: eine Bettverlängerung ähnlich dem früheren Multivan und eine Schlafunterlage, die Unebenheiten ausgleichen soll. Über das Zubehörprogramm gelangt man dann auch an Vorhänge oder eine Kühlbox, die an die vorhandenen Zwölf-Volt-Steckdosen angeschlossen werden kann. Gleich ab Werk baut VW Standheizungen ein, darunter eine Strom sparende Variante, die nur die Luft und nicht das Kühlwasser erwärmt. Fordert man ihn heraus, ist der Multivan multifunktionaler denn je. Bank, Tisch und Stühle können nach Belieben verschoben und ausgebaut werden; die Sitzplätze sind dank integrierter Gurte nicht an bestimmte Positionen gebunden. Allerdings gilt es Kollisionen zwischen Drehsitzen und Tisch zu vermeiden. Auch die richtigen Hebel in der richtigen Reihenfolge zu bedienen be-darf entsprechender Routine. Wer ahnt schon, dass die Rückbank erst dann verschoben werden kann, wenn die Lehne flach liegt? Ebenso wenig erledigt man den Ausbau der 39-Kilo-Sitze ganz nebenbei. Gut, dass die großzügigen Raumverhältnisse des Multivan nur selten große Umbauten verlangen – am aufwendigen Schweizer Taschenmesser wird meist auch nur der Flaschenöffner benötigt.

Technische Daten (Stand: Juli 2003)
Hersteller: Volkswagen
Modell: Multivan Comfortline 2.5 TDI
Basisfahrzeug: VW T5
Typ: Campingbus
Preis: ab 36117 EUR
Zul. Gesamtgewicht: 2390 kg
Länge: 4890 mm
Basismotor: Diesel
KW: 128
PS: 174
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Autor

Datum

25. Juli 2003
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