Alles über VW Crafter
VW Crafter (2017) 51 Bilder Zoom

Neuer VW Crafter (2017): Probefahrt mit dem großen VW Transporter

Erst war der neue Crafter eine Herausforderung für VW, jetzt ist er eine für die etablierten Basisfahrzeuge. Wir haben den großen Bulli unter die Lupe genommen und in Spanien eine Probefahrt gemacht.

Ambitionierte Ziele verfolgt VW mit dem neuen Crafter. Um 80 Prozent möchte der Hersteller die Stückzahlen steigern. Auch in der Wohnmobilbranche will VW wachsen, was realistisch ist, denn der Vorgänger spielt als Urlaubsauto bislang keine nennenswerte Rolle. Das dürfte sich mit dem Neuen ändern. Oder besser: Es sollte. Denn Crafter Nr. 2 ist ein famoses Auto geworden. Optisch gefällig, technisch ambitioniert, mit modernsten Assistenzsystemen und in einer Antriebsvielfalt, die ihresgleichen sucht.

promobil-Redakteur Thomas Gerhard fährt den neuen VW Crafter Probe.

VW Crafter: So fährt der neue große Transporter

Ab Sommer 2017 gibt es den Crafter mit Heckantrieb. Den Auftakt macht aber zunächst der neue Fronttriebler, von dem VW sich mehr Volumen verspricht und der auch für Wohnmobile erste Wahl sein dürfte. Er ist zwischen 150 und 300 Kilo leichter, gestattet also mehr Zuladung, und hat einen rund zehn Zentimeter niedrigeren Ladeboden, was für flachere Aufbauten wie Teilintegrierte von Vorteil ist und in Kastenwagen mehr Stehhöhe ermöglicht.

Mit 3,0 bis 4,0 Tonnen Gesamtgewicht deckt der Fronttriebler das Gros der Tonnageanforderungen bei Wohnmobilen ab. Davon abgeleitet ist schon zum Serienanlauf eine Allradversion verfügbar, die die Antriebskraft via Haldexkupplung frei elektronisch zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt.

VW Crafter: promobil auf Probefahrt in Südspanien

Unsere Erwartungen sind also hoch, als wir in Südspanien erstmals selbst das Ruder in die Hand nehmen. Ungewohnt für einen Transporter ist das Lenkrad unten abgeflacht. So kommt man gut rein ins Fahrerhaus und sitzt umgeben von einem Heer aus praktischen Ablagen prima integriert hinter dem steil stehenden, in Höhe und Weite verstellbaren Steuer. Der Schlüssel flutscht ins Zündschloss, akustisch zurückhaltend meldet sich der Zwei-Liter-Vierzylinder zum Dienst.

Schon die kleinste Leistungsstufe mit 102 PS gefällt mit munterem Antritt bei moderatem Tempo. Ab 80 km/h schwächt sich der Vortrieb jedoch merklich ab, ab 100 ist der letzte Rest Temperament aufgebraucht. Der richtige Motor für den Paketzusteller im Stadtverkehr, nicht für ein Wohnmobil auf großer Fahrt.

Wir steigen um in die mittlere Leistungsklasse. Mit 140 PS schnürt der Crafter unternehmungslustig los. Auch bergauf bleibt man gern im höheren Gang. Die halbe Tonne Testbeladung im Heck ist vergessen. 340 Newtonmeter aus zwei Liter Hubraum sind eine Ansage: Alles ist gut. Überraschenderweise nur wenig energischer tritt der stärkste Motor an. Formal ein echter Bulle mit 177 PS und 410 Nm, fehlt uns hier der erwartete Biturbo-Punch. Laufkultur geht vor Sportlichkeit, bei abgeregelten 165 km/h wäre sowieso Schluss.

Optional sortiert die neue 8-Gang-Wandlerautomatik die Fahrstufen. Flink hangelt sie sich durch die Gänge, schaltet vielleicht einen Tick später hoch als nötig, ist aber mit ihren butterweichen Schaltvorgängen eine andere Nummer als die manuelle 6-Gang-Box. Wandlerschlupf? Kein Thema. Zugkraft steht jederzeit ausreichend zur Verfügung.

Den neuen großen Kastenwagen gibt es in drei Karosserielängen (5,98, 6,83 und 7,39 Meter) und drei Höhen.
Alle drei Motorvarianten laufen kultiviert und leise

Das Geräuschniveau ist insgesamt niedrig. So niedrig, dass die Windgeräusche ab 90 km/h umso mehr auffallen. Die Federung ist straff, aber komfortabel gedämpft. Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse machen den Crafter ausgesprochen wankstabil. Souverän und sicher wieseln wir durch die karge andalusische Landschaft um Almeria. Ein bisschen Spaß muss sein, zumal bei einem künftigen Wohnmobil.

Großen Anteil an der Agilität hat die Lenkung, die direkt ausgelegt ist und Richtungsbefehle präzise umsetzt. Die Servounterstützung ist geschwindigkeitsabhängig; im Stand lässt sich das Steuer mit einem Finger drehen. Straff aber keineswegs unkomfortabel geben sich Fahrwerk und Federung.

So viel moderne Technik steckt im Crafter

Erstmals in dieser Klasse arbeitet beim neuen Crafter die Lenkung elektromechanisch. Ihr größter Vorteil neben der Verbrauchsreduktion: Sie ist die Basis vieler Assistenzsysteme, etwa des aktiven Fahrspurassistenten (Lane Assist). Beim unbeabsichtigten Verlassen der Spur führt die Lenkung den Wagen automatisch wieder zurück. Die Multikollisionsbremse verhindert Schlimmeres, falls es doch mal kracht. Ganz neu: Die elektromechanische Lenkung kann erstmals auch aktiv ins Geschehen eingreifen. Zum Beispiel dann, wenn der Fahrer auf der Autobahn zum Überholen ansetzt, und von hinten ein Fahrzeug angerauscht kommt. Auch Einparken kann der Crafter allein (Park Assist).

Die City-Notbremsfunktion geht in die Eisen, wenn der Pilot zu spät auf eine unfallträchtige Situation reagiert. Trailer Control macht das Fahren mit Anhänger stabiler. Daneben machen der serienmäßige Seitenwindassistent, der optionale Abstandstempomat, Rundumüberwachung den Crafter zum modernsten und potenziell sichersten Kastenwagen der Klasse.

Weiter aufrüsten lässt sich der neue VW Crafter mit LED-Scheinwerfern, einem Abbiegelicht und dem Fernlichtassistenten, der bei Gegenverkehr oder in Ortschaften automatisch von Fern- auf Abblendlicht umstellt. Welche Systeme künftig auch für aufgebaute Mobile zu haben sind, steht noch nicht endgültig fest.

Fazit zum neuen VW Crafter

Ausgebaute Kastenwagen auf dem Crafter werden wir schon bald sehen. Auch als Fahrgestell ist der VW eine attraktive Alternative zu den etablierten Basisfahrzeugen – vor allem für die Marken, die den Mercedes Sprinter nicht im Angebot haben. Immerhin erleichtert VW den Aufbauherstellern die Entscheidung: In der Basisvariante ist der neue Crafter 2400 Euro günstiger als der Vorgänger.

+++ Erste Vorstellung des VW Crafter von der IAA 2016 +++

Das Design des neuen VW Crafter? Keine echte Überraschung. Und trotzdem stand der Crafter auf der Nutzfahrzeug-IAA im September ganz vorn im Rampenlicht. Bei den Kunden sind die Erwartungen hoch. 

Der Druck auf Volkswagen ebenso. Der Hersteller hat den großen Transporter auf einem weißen Blatt Papier entwickelt und eigens für seine Produktion im polnischen Wrzenia ein ganz neues Werk mit mehreren Tausend Mitarbeitern hochgezogen. Der Neue muss also ein Erfolg werden.

Das Cockpit des VW Crafter erinnert an T6 und Golf

Erste Begegnung: Rein äußerlich wirkt der neue Crafter wesentlich moderner als sein Vorgänger. Gestalterisch fügt er sich nahtlos in die aktuelle Designsprache von VW ein. Die Front mit dem breiten Kühlergrill und den weit in die Flanken verlaufenden Scheinwerfern erinnert fast schon an den Passat.

So sitzt man: Im Fahrerhaus wartet ein Cockpit im Stile des VW T6. Trotz der modernen Gestaltung, steht der Nutzwert aber weiterhin im Vordergrund. Der Besatzung steht eine ganze Reihe von Ablagen zur Verfügung – auf und um das Cockpit herum, in den Türverkleidungen und zwischen Sonnenblende und Fahrerhausdach. Das Lenkrad kennt man schon aus dem VW Golf. Es steht wie in einem Pkw steil, so dass man sich gut integriert fühlt. Mehrere Sitzoptionen bis zum Fahrer-Schwingsitz mit dem "Aktion gesunder Rücken"-Siegel stehen zur Auswahl.

Die Übersicht durch die großen Scheiben des Fahrerhauses ist gut. Große Spiegel mit Weitwinkel-Feldern erlauben eine gute Sicht nach hinten. Für leichteres Rangieren steht eine Rückfahrkamera optional zur Verfügung, deren Aufnahmen über den sehr großen Navi-Bildschirm dargestellt werden.

Die neuen VW Crafter-Versionen

Den Kastenwagen gibt es in drei Karosserielängen (5,98, 6,83 und 7,39 Meter) und drei Höhen. Mit knapp 1,80 Metern Innenbreite zwischen den Verkleidungen* ist der VW Crafter schmal: Für ein Querbett wird es also leider etwas knapp. Für Campingbusse wäre außerdem eine Zwischenlänge um 6,50 Meter sinnvoll. 

Vielversprechend ist die große Auswahl an Antriebsvarianten. Anders als bisher hat der neue Crafter in der Grundversion Vorderradantrieb. Das senkt sowohl Kosten als auch Gewicht und ist für Reisemobilaufbauten wegen der niedrigeren Chassishöhe von Vorteil. Daneben ist Hinterrad- und Allradantrieb verfügbar. Die Kraftübertragung im VW Crafter erfolgt über ein Sechsgang-Schaltgetriebe. Später folgt auch eine komfortable Achtgang-Wandlerautomatik. Das zulässige Gesamtgewicht darf bis zu 5,5 Tonnen betragen. 

Vier Motorvarianten stehen für den VW Crafter zur Wahl

Der für den VW Crafter weiterentwickelte Vierzylinder-Diesel mobilisiert aus zwei Liter Hubraum 102 PS, 122 PS, 140 PS oder mit Biturbolader 177 PS. Mit Rücksicht auf die stärkere Beanspruchung im Nutzfahrzeug verzichtet VW auf die aus dem T6 bekannte 204-PS-Version. Ein größeres Ölvolumen verlängert die Serviceintervalle. Vom niedrigsten Verbrauch in der Fahrzeugklasse spricht VW, noch ohne konkrete Werte zu nennen.Als Euro-6-Diesel mit SCR-System ist auch ein 18-Liter-Adblue-Tank an Bord. 

Den Arbeitsplatz im Cockpit hinter dem Pkw-haften Lenkrad gestaltet VW nutzwertig und angenehm. Eine Fülle von offenen Fächern bietet Ablagemöglichkeiten en masse. Auch an USB- und 12-V-Steckdosen ist gedacht.

VW Crafter – Motoren im Überblick

Motor/Hubraum: Vierzylinder-Turbodiesel/1968 cm³

Leistung: 75 kW/102 PS
Drehmoment bei Drehzahl: 300 Nm bei 1400–2250/min
Verbrauch: k. A.
Grundpreis*: 38.515 Euro

Leistung: 103 kW/140 PS
Drehmoment bei Drehzahl: 340 Nm bei 1600–2250/min
Verbrauch: 7,4 l/100 km
Grundpreis*: 41.014 Euro

Leistung: 130 kW/177 PS
Drehmoment bei Drehzahl: 410 Nm bei 1500–2000/min
Verbrauch: 7,5 l/100 km
Grundpreis*: 42.692 Euro

* Crafter, Kastenwagen mit Hochdach, 3,5 t zGG, Radstand 3640 mm

Autor

,

Foto

VW

Datum

26. Januar 2017
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