Dethleffs Evan, Vorstellung 11 Bilder Zoom

Vorstellung Dethleffs Evan: Event-Reise

Eine Studie mischt die Frühjahrsmessen auf: Obwohl kürzer als die meisten Wohnmobile, kann der Dethleffs Evan mehr. Die erste Proberunde mit dem Evan wird zum Event.

Was bitte kommt heraus, wenn ein Wohnmobil-Designer auf einem weißen Blatt Papier beginnt? Bei Dethleffs hat man es ausprobiert. Man ließ Formgeber Michael Studer bei der Gestaltung einer Studie weitgehend freie Hand. Sein Ziel: Der Integrierte namens Evan soll in kompakter Form Vorzüge verschiedener Konzepte verbinden.

An Vertrauen mangelte es bei der Aufgabe nicht. Designer Michael Studer geht gerne im Wohnmobil auf Tour und hat in den zurückliegenden zehn Jahren alle wichtigen Neuerscheinungen von Dethleffs gezeichnet.  So ist es kein Zufall, dass die Züge des Evan gut in die Modell-Familie passen. Gegenüber einem Esprit I wirkt der Evan wie ein jüngerer und frecherer Bruder mit einer Extraportion Selbstbewusstsein. Dem kompakten Globebus I würde das neue Gesicht sicher prächtig stehen.

Während andere Integrierte ihr Fahrgestell unter dem Aufbau verstecken, stellt der Evan die 18-Zoll-Walzen stolz zur Schau. Eine Zwei-Farben-Lackierung macht ihn optisch flacher. Es fällt nicht einmal auf, dass die Markise oberhalb der Dachkante angebracht ist. Auf diese Weise stört kein aufgeschraubter Kasten die Linienführung. Kurze Überhänge und eine durchgehende Fensterlinie schlagen eine Brücke zum Automobildesign.

Nach dem Willen von Michael Studer soll der Evan nicht nur die Freunde kompakter Integrierter ansprechen, sondern ebenso Interessenten für einen VW California oder Pössl.
Deshalb gibt sich der Evan offener, als man es von Integrierten kennt. Großes Gepäck gelangt durch die Hintertür an Bord. Den Wohnraum erreicht man über eine besonders breite Pforte.

Das funktioniert so selbstverständlich, dass man sich fragt, warum Aufbautüren sonst so schmal sein müssen. Fahrer und Beifahrer haben wie im Campingbus einen eigenen Zugang. Spätestens nach dem Einsteigen löst sich das Rätsel, auf welchem Fahrgestell der Evan basiert. Zwar überdeckt ein Dethleffs-Logo auf dem Lenkrad das Fiat-Zeichen, doch erfahrene Reisemobilisten erkennen das Ducato-Cockpit.

Der Name Evan (gesprochen: Iwähn) deutet also nicht auf einen Elektromotor hin. Michael Studer leitet ihn ab von der Idee eines „Efficient Versatile Automobile Next Generation“, was frei übersetzt ein besonders sparsames und vielseitiges Reisemobil verheißt.
Vor den Ducato-Armaturen sitzt man so luftig, wie man es in Integrierten gewohnt ist. Umso überraschender der Blick zurück: Selbst ausgebaute Kastenwagen gewähren selten eine so gute Rundumsicht. Sehr angenehm beim Rangieren, zumal sich der Evan in puncto Außenbreite (2,14 Meter) und Radstand (3,45 Meter) zurückhält. Von der Handlichkeit eines VW California bleibt der Mini-Integrierte dennoch ein gutes Stück entfernt.

Andererseits wirkt der Innenraum des Evan im Vergleich zur Einrichtung von Kompaktbussen wie ein Ballsaal. Man bewegt sich ohne ständige Gefahr blauer Flecken leichtfüßig vom Armaturenbrett bis zur Hecktür. Spontane Luftsprünge sind ebenfalls erlaubt, sobald man das Aufstelldach geöffnet und die Liegefläche nach oben geklappt hat. Wenn das Wetter es zulässt, können Reisende außerdem den vorderen Teil des Zeltstoffs öffnen. Dann wird der Evan zum Event und zelebriert seine Offenheit.

Eigentliche Funktion des Aufstelldachs ist die Bereitstellung eines gut zwei Meter langen und 1,42 Meter breiten Doppelbetts. Zwei weitere Liegeplätze senken sich in Form eines Hubbetts quer ins Fahrerhaus hinab. Derart verbindet der Evan tatsächlich Vorteile von Campingbussen der California-Klasse und einem Integrierten. Die Sitzgruppe bleibt dagegen beim Schlafen unberührt und wird umso besser ihrer zugedachten Aufgabe gerecht. Als Van für alle Eventualitäten ersetzt der Evan auch die Großraumlimousine.

Bis zu sechs Personen sitzen - gesichert von Dreipunktgurten - auf Einzelsesseln. Verstellmöglichkeiten und Seitenhalt orientieren sich am Pkw. Im geparkten Evan finden mit Hilfe eines beweglichen Hockers immerhin fünf Reisende einen Platz am Tisch.
Bei so vielen Einsatzmöglichkeiten auf kompakter Fläche fragt man sich, welche Wohnmobilfunktionen im Evan zu kurz kommen. Ein Kuschelsofa sucht man dort ebenso vergeblich wie eine weitläufige Küche. Klappbare Arbeitsplatten vergrößern jedoch die Arbeitsfläche. Der Platz muss  für ein bis zwei Gaskartuschenkocher reichen. Denn eine feste Kochstelle gibt es schon mangels Gasanlage nicht.

Somit funktioniert auch der Kühlschrank der Studie ausschließlich während der Fahrt oder mit Netzstrom. Warmes Wasser kommt von der unterflur montierten Dieselheizung. Es strömt ebenso ins Bad, wo eine ganze Reihe erfrischender Ideen untergebracht sind.
Einerseits muss man wie in kurzen Campingbussen mit einer tragbaren Toilette statt eines Cassetten-WCs vorliebnehmen. Andererseits erinnern die Platzverhältnisse beinahe an ein Raumbad, wie man es von großen Integrierten kennt. Die geöffnete Waschraumtür des Evan schottet gemeinsam mit einer Schrankklappe das ganze Heckabteil gegenüber dem Wohnraum ab. Auch an eine Duschmöglichkeit wurde gedacht, allerdings erlaubt der 40 Liter fassende Unterflurtank keine großen Wasserspiele.

Die Freifläche im Heck steht bei geschlossener Badtür für Transporte bereit. Ein Kanu oder ein Motorrad passt durch die Hecköffnung. Packt man Kisten oder Kleinteile ein, macht sich der Tisch als Trennschott nützlich. Und die Klappstühle für den Urlaub? Sie lassen sich in einem Außenfach unterbringen. Erkundigt man sich nach dem Fahrradtransport für vier Aktivurlauber, verweist Studer auf die Anhängekupplung, die für passende Mini-Anhänger vorbereitet ist.

Nur auf die Frage nach einer Serienfertigung des Evan gibt es noch keine Antwort. Der Designer ist jedoch überzeugt, dass sich praktisch alle Ideen der Studie problemlos in die Serie übertragen lassen.

Auf einen Blick: Dethleffs Evan

Preis: (steht noch nicht fest)
Basis: Fiat Ducato, Flachrahmen, Frontantrieb, ab 85 kW/115 PS bis 130 kW/177 PS
Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge/Breite/Höhe: 5650/2150/2750 mm
Empfohlene Personenzahl: 2–4
Baureihe: Der Evan existiert bislang nur als Studie und ist damit ein Einzelstück. Es gibt jedoch Parallelen zur Globebus-I-Reihe.
Info: Telefon 0 75 62/98 78 81, www.dethleffs.de

Designer mit Bodenhaftung

Seit genau zehn Jahren gestaltet Michael Studer Wohnmobile und Caravans für Dethleffs. In dieser Zeit hat die Marke einen eigenen Stil entwickelt. Studer brachte an den Aufbauwänden und im Wohnraum Farbe ins Spiel und entwarf Integrierte mit Wiedererkennungseffekt. Der Evan soll mehr als ein spektakulärer Meilenstein in der Zusammenarbeit sein: Studer will den Prototyp nach den Messeauftritten selbst für Alltag und Urlaub nutzen.
Freizeitfahrzeuge kennt der Designer schon aus Kindertagen. Damals ging es mit Eltern, vier Geschwistern und Caravan in die Ferien. Seine berufliche Laufbahn begann er nach dem Studium aber zunächst in der Möbelbranche. Heute ist Michael Studer selbständiger Designer. Mit Frau und zwei Kindern lebt und arbeitet er in Oberschwaben. Wenn es in den Urlaub geht, nimmt Studer gerne sein Motorrad mit. Nicht ganz zufällig ist der Evan mit Zurrschienen auf dem Fußboden bestens dafür vorbereitet.

Report: Günstige Reisemobile

Foto

Ingolf Pompe, Uli Regenscheit

Datum

16. März 2012
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