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Vergleichstest: Sommerreifen 8 Bilder Zoom

Vergleichstest Sommerreifen für Wohnmobile: Reifensicherheit bei Sonne und Regen

Ducato-Sommerreifen im Test bei Sonnenschein und Schmuddelwetter. Welcher kann's am besten? Hilft das neue EU-Reifenlabel bei der Kaufentscheidung?

Das neue EU-Reifenlabel macht Angaben zu Nasshaftung, Rollwiderstand und Abrollgeräusch. Es soll Käufern einen schnellen Überblick über spezifische Reifeneigenschaften ermöglichen. Allerdings wird beispielsweise weder das Fahrverhalten auf trockener Bahn noch das Aquaplaningverhalten berücksichtigt. Diese Zahlen liefert nur ein Reifentest.

Mit Blick auf das Label haben dennoch einige Hersteller ihre Transporterreifen aufgerüstet; gute Werte in optimistisch grünen Balken fördern den Verkauf. Doch wie verlässlich sind die Angaben wirklich?

promobil hat's getestet. Der bewährte Michelin Agilis erfuhr eine Rundum-Kur und tritt nun als Agilis plus mit deutlich verbesserter Nasshaftung bei gleichzeitig reduziertem Rollwiderstand an. Und dies, so Michelin, ohne merklich bei der Dauerhaltbarkeit einzubüßen.

Dem zur Seite steht aus gleichem Haus der für Wohnmobile optimierte Agilis Camping, der weniger auf Kraftstoffeinsparung, dafür mehr auf robuste Langlebigkeit und breites Einsatzspektrum optimiert wurde. Darüber hinaus trägt er ein M+S Logo auf der Flanke, was ihm, zumindest pro forma, eine gewisse Wintereignung bescheinigt. Hohe Lastreserven und Fahrstabilität durch verstärkten Aufbau zeichnen diese CP-Reifengattung aus. Eigenschaften, die der nicht minder bewährte Conti Vanco Camper teilt. Weder die CP-Reifen von Conti noch der Campingpneu von Michelin mussten auf plakative Labelwerte geliftet werden. Beiden waren bereits von Haus aus schon gute Nässeeigenschaften in die Wiege gelegt.

Ganz neu am Markt ist hingegen der Hankook Vantra LT. Auch er will mit geringen Rollwiderstandswerten und bester Nass- und Trockenperformance punkten. Wie der ähnlich sommerlich profilierte GT Radial Maxmiler EX trägt auch er, so wollens die Übersee-Märkte, ein M+S-Logo. Mit Fahreigenschaften wie im Pkw wirbt der preisgünstige Marangoni E-Comm aus Italien. Auch er startet mit modernem Profil, robusten Flanken und ordentlichen Werten im EU-Label.

Die Labelwerte allein lassen beim Vergleich keine allzu großen Unterschiede erkennen. Die Testpraxis fördert jedoch ein differenzierteres Bild zutage. Lag beim Trockenbremsen aus 100 km/h der Unterschied zwischen den besten und schlech-testen Reifen bei ver-tret-baren drei Metern - GT Radial und Conti liegen hier mit rund 43,7 Metern vorn, der Michelin Agilis Camping zahlt mit 46,7 Metern die Zeche für seine M+S-Kennung - trennt die nasse Fahrbahn Spreu vom Weizen: Hier krallt sich der neue Hankook Vantra vorbildlich in den Asphalt und bringt den Ducato aus Tempo 80 bereits nach 32,8 Metern zum Stillstand. Mehr als acht Meter mehr Bremsweg braucht der Marangoni-bereifte Transporter. Das ist zu viel. Ein Sicherheitsrisiko, vor dem das neue EU-Reifenlabel warnen sollte. Tut es aber nicht, denn beide Reifen sind in der Nasshaftung herstellerseitig gleichermaßen mit einem „C“ klassifiziert.

An prominenter Stelle findet man auf dem neuen Reifenlabel auch Angaben zum Rollwiderstand. Eine Größe, die sich direkt auf den Kraftstoffverbrauch von Transportern und Wohnmobilen auswirkt. Aufgrund ihrer hohen Tragfähigkeit sind die meisten Transporterreifen in der Kategorie E zu finden. Eine Ausnahme bildet der neue Agilis plus: Er erfüllt laut Michelin die Kategorie C. Zu Recht: Seine Rollwiderstandswerte liegen nach promobil-Messungen tatsächlich deutlich unter denen der Mitbewerber. Ein Vorteil, der sich besonders bei schlanken Campern bemerkbar machen dürfte. Fahrer von Integrierten oder gar Alkovenmobilen werden aufgrund des hohen Luftwiderstands ihrer Fahrzeuge daraus mutmaßlich eher keinen Vorteil ziehen.

Fakt ist, wer sich beim Reifenkauf allein am Label orientiert, wird nur schwer den individuell richtigen Reifen für sein Fahrzeug finden. Im promobil- Test ist das Ranking eindeutig: Top auf Nässe, ohne Einschränkungen im Trockenen, und trotz erhöhtem Rollwiderstand erreicht der neue Hankook, wenn auch knapp, die Note „sehr gut“– ein klarer Testsieger. Etwas dahinter der GT Radial mit ausgewogenen Nass- und Trockeneigenschaften.

Das Michelin-Update Agilis plus verpasst ein „gut“ nur knapp. Bei besten Rollwiderstandswerten und einem insgesamt ausgewogenen Ergebnis verliert er nur beim Bremsen den Anschluss. Ebenso knapp schrammt auch der bewährte Conti Vanco Camper an der Zwei vorbei: In vielen wichtigen Disziplinen vorne, patzt er zuletzt im Aquaplaning. Der versuchte Allwetter-Spagat wirft auch den Michelin Agilis Camping zurück. Die rote Laterne fährt in diesem Test jedoch der Marangoni E-Comm ein. Bei durchaus akzeptablen Leistungen auf trockener Bahn ist auf Nässe nicht allzu viel Grip zu erwarten. Er ist – trotz des günstigen Preises – keine wirkliche Empfehlung.

So testet promobil

Für jederzeit reproduzierbare Ergebnisse bei Reifentests setzt das Team von promobil auf zuverlässige Messtechnik und professionelle Testmethoden. Getestet wird auf einer der modernsten Reifenteststrecken weltweit, dem Contidrom bei Hannover. Die idyllisch in der Lüneburger Heide gelegene Strecke verfügt neben diversen Trockenhandling- oder Komfortstrecken sowie einem Hochgeschwindigkeits-Oval auch über umfangreiche Testmöglichkeiten zur Ermittlung von Reifeneigenschaften auf nasser Fahrbahn. Neu ist eine 300 Meter lange Versuchshalle, in der unbemannte Fahrzeuge vollautomatisch auf bis zu 120 km/h beschleunigt und dann auf unterschiedlichen Straßenoberflächen mit standardisierten Belägen per Bremsroboter verzögert werden können.

Im Detail: Die Ergebnisse der Sommerreifen-Trockenprüfungen

Wer bremst, verliert. Und zwar an Geschwindigkeit. Je schneller, desto besser, desto sicherer. Ein kurzer Bremsweg auf trockener Bahn hat deshalb eine höhere Sicherheitsrelevanz als Komfort und Rollwiderstand, Kraftstoffeinsparung oder der Abrollkomfort.

Ebenso stark wird die Fahrstabilität bei dynamischen Spurwechselmanövern gewertet. Hier wird das Fahrzeug bei Autobahntempo durch beherzten Lenkeingriff um eine Fahrspur versetzt. Bewertet wird hier die Lenkansprache, die Balance des Fahrzeugs und damit die Sicherheit des Reifenkonzepts. Die Beurteilung erfolgt hier ausschließlich subjektiv. Bei den Fahrdynamik-Tests auf trockenem Asphalt und den statischen Prüfungen im Conti-Labor leistete sich keiner der getesteten Reifen gravierende Schwächen.

Im Detail: Die Prüfergebnisse auf nassem Asphalt

Gute und vor allem sichere Performance auf trockener Fahrbahn - das sollte jeder Reifen können. Die Königsdisziplinen eines Sommerreifens liegen jedoch im Nassen. Wer schmiert, verliert. Denn allein der Bremsweg wird bei der Nasswertung mit starken 30 Prozent gewichtet. Wer hier patzt, hat keine Chance auf eine gute Testnote. Zusätzlich geben Aquaplaningtests, jeweils getrennt in Längs- und Querrichtung, Auskunft über die Reaktion der Reifen etwa beim Durchfahren von tiefen Spurrinnen.

Die Höhe der kritischen Aufschwimmgeschwindigkeit zeigt jeweils die Sicherheitsreserven der Reifen auf. Für optimale Wiederholgenauigkeit werden sowohl das Nassbremsen wie auch das Längsaquaplaning mit präzise schienengeführten Sonderfahrzeugen durchgeführt.

Reifenlabel - und jetzt?

Ein Kommentar von promobil-Redakteur Thiemo Fleck

Das Reifenlabel soll Transparenz für die Verbraucher schaffen. Doch nicht immer decken sich die Herstellerangaben mit den Ergebnissen von Praxistests, zumal nur wenige Kriterien angezeigt werden. Wer sich hier ausschließlich an den Verbrauchswerten orientiert, kauft Sicherheit wie die Katze im Sack.

Vergleichstest: Sommerreifen

Autor

Foto

Uli Regenscheit

Datum

12. März 2013
Kommentare
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