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Vergleichstest Sommerreifen 19 Bilder Video Zoom

Wohnmobil-Sommerreifen im Test: Grip, Grip Hurra

Sicheres Fahren fordert von Wohnmobil-Sommerreifen optimalen Grip sowohl auf nassem wie auf trockenem Asphalt. promobil hat die Newcomer-Reifen von Conti, Pirelli und Nokian für Sie getestet.

+++ Alle ausführlichen Testergebnisse, auch die Bewertungen in den Einzelkategorien, finden Sie in dem kostenpflichtigen PDF zum Download. +++

Was haben Sommerreifen mit Kühlschränken zu tun? Beide müssen auch bei hochsommerlichen Temperaturen funktionieren. Außerdem tragen beide ein EU-Label, das beim Kauf über wesentliche Produkteigenschaften informieren soll.

Wer einen Kühlschrank kauft, orientiert sich an der auf dem Label angegebenen Energieeffizienzklasse und wählt meist das Produkt mit dem geringsten Energieverbrauch. Bei Reifen sind neben den für den Spritverbrauch relevanten Rollwiderstandsklassen auch noch Angaben zur Nasshaftung abgedruckt. Analog zur Energieeffizienz steht A für besten Grip und kurze Bremswege, von B bis G hingegen werden die zu erwartenden Bremswege auf Näs­se immer länger.

Neu entwickelte Gummimischungen und Profile erlauben seit kurzem auch bei Wohnmobil- und Transporterreifen im Nassgrip die Bestnote A. Während bei Pkw zugleich auch Bestnoten in Sachen Leichtlauf angestrebt werden, steht gerade bei Reisemobilreifen minimaler Rollwiderstand – auch auf­grund der technischen Kompromisse – erst viel weiter hinten im Lastenheft. Der Grund: Fahrzeuge mit großem Luftwiderstand profitieren nur bei sehr niedrigem Tempo von besonders leicht laufenden Reifen. Bei Autobahntempo sind die Vorteile weitgehend dahin.

Conit, Nokia und Pirelli mit Nassgriff-Label A

Drei Reifen waren zum Testzeitpunkt im September 2014 bereits mit Nassgriff-Label A verfügbar: Der neue Conti Van-Contact 200, der ebenso taufrische Nokian C-Line sowie das Brüderpaar aus dem Hause Pirelli: der Carrier für Transporter und der Carrier Camper speziell für Reisemobile. Nachdem der Standard-Carrier seine Feuertaufe bereits im letztjährigen promobil-Reifentest bestanden hat, muss nun die Camper-Variante zeigen, was sie kann. Gegenüber dem Transportermodell soll sie besser gegen UV-bedingte Alterung sowie gegen Standplatten geschützt sein, Verstärkungen sorgen für Reserven bei versehentlicher Überladung. Auch die Gummimischung ist tendenziell mehr auf kurze Bremswege als auf höchste Laufleistung optimiert.

Der neuen Reifenmodelle von Continental wie auch Nokian versuchen beste Performance auf nasser und trockener Bahn, Sicherheit und guten Komfort unter einen Hut zu bringen. Ob das gelingt, müssen sie im Vergleich zum bewährten Good­year Cargo Marathon und der preisgünstigen Alternative GT Radial Maxmiler Pro unter Beweis stellen.

Beim Nassbremsen schlägt die Stunde der Wahrheit. Laut Label müssten Pirelli, Conti und Nokian nahezu gleichauf vorne liegen. Vorne ja, aber nicht gleichauf: Aus Tempo 80 steht der nässeoptimierte Pirelli Carrier Camper schon nach beeindruckenden 37,4 Metern, das ist Pkw-Niveau. Als bester Transporterreifen folgt mit knappen 1,4 Metern Abstand Conti, noch rund einen Meter später Nokian und der offenbar zu Unrecht gleich zwei Labelklassen schlechter eingestufte Good­year. Angesichts solcher Werte kann der GT Radial nicht mithalten und rutscht mit viel zu langen 46,9 Metern ins Aus. Laut Labeleinstufung B müsste der GT eher besser bremsen als der C-gelabelte Goodyear. Die Unterschiede lassen sich vermutlich damit erklären, dass die Reifenhersteller derzeit selbst für die Einstufung ihrer Produkte verantwortlich sind. Eine unabhängige Überwachung, mehr Transparenz und feinere Differenzierbarkeit wä-­re für die Zukunft auf jeden Fall wünschenswert.

Der Beste im Nasstest ist Pirelli

Zurück zum Test. Neben gutem Nassbremsen spielen genauso Seitenführung, Aquaplaning und ganz besonders die dynamische Fahrsicherheit auf nasser Straße eine wichtige Rolle. Hier ist der nassfeste Pirelli nicht zu schlagen.

Mit kalkulierten Einschränkungen in der Langlebigkeit dominiert er das Feld. Knapp dahinter der Nokian, der sich allerdings einen Ausrutscher im Längsaquaplaning leistet. Kein Überflieger, aber sehr ausgewogen auf Nässe ist der Conti. Dicht dahinter der Goodyear mit seinen bereits bekannten Aquaplaningdefiziten. Eindeutig keine Empfehlung auf Nässe gibt es für den GT Radial Maxmiler Pro, der nicht nur beim Bremsen und der Seitenführung, sondern auch durch seine ausgeprägte Übersteuergefahr beim Lastwechsel in Kurven Punkte lassen muss.

Ist der günstige Maxmiler dafür im Trockenen fit? Auch nicht. Mit langen Bremswegen, schwacher Seitenführung und wenig Lenkpräzision kann er selbst hier nicht zufriedenstellen. Schnelle Spurwechsel meistert er auf niedrigem Niveau dagegen unaufgeregt. Weit dynamischer lassen sich Nokian und Goodyear fahren, die in keiner der sechs Trockendisziplinen signifikante Schwächen zeigen. Auf recht hohem Niveau führen Conti und Pirelli das Feld an, die mit sehr kurzen Bremswegen, einer Pkw-ähnlichen Fahrdynamik und zuletzt auch in Rollwiderstand, Abrollgeräusch und Komfort neue Standards bei Transporterreifen setzen. Etwas poltrig reagieren hingegen die Pirellis auf Fahrbahnunebenheiten, ein Tribut an die erhöhten Tragfähigkeitsreserven.

Das Ergebnis nach hunderten von Testrunden: Ultimativen Grip für Reisemobile auf nassen wie trockenen Straßen und damit bestmögliche Sicherheit bietet nur der Pirelli: Testsieger. Knapp dahinter der besonders rollwiderstandsarme Conti, der sich damit für schlanke Mobile und speziell auch für Transporter mit hohen Laufleistungsansprüchen eine Empfehlung ist. Nokian kann in der Nass- und Trockenperformance gut mithalten, fällt aber im Rollwiderstand etwas ab. Dennoch eine klare Empfehlung, genauso wie der Goodyear, der trotz seiner zurückhaltenden Labeleinstufung gut im Feld der Top-Reifen mithalten kann. Übrig bleibt der GT Radial. Angesichts seines insgesamt niedrigen Leistungsniveaus ist er nur sehr eingeschränkt empfehlenswert.

So testete promobil

Um höchste Genauigkeit und Ergebnissicherheit zu gewährleisten, werden sämtliche Versuche in diesem Test mehrfach durchgeführt.

In allen Kriterien werden die Produkte nach einem zuvor festgelegten Muster bewertet. Grundsätzlich erhält der beste Reifen eines Versuchs die maximal mögliche Punktzahl von zehn Punkten. Das Be­wertungsschema folgt einer progressiven mathematischen Funktion,
wodurch sichergestellt ist, dass auch hochwertige, in ihren Eigenschaften nah beieinanderliegende Produkte ausreichend trennscharf bewertet werden können.

Dieses Schema gilt sowohl für die objektive Bewertung durch Messgeräte als auch die subjektive Benotung durch die spezialisierten Testfahrer, was etwa bei der Beurteilung des Komforts und des Handlings zum Tragen kommt. Beim Handling auf nasser oder trockener Bahn führt ein ausgewogenes, sicheres Fahrverhalten zu einer Optimalbenotung. Der Rollwiderstand der Reifen wird auf Rollenprüfständen ermittelt, basierend auf EU-Regularien, was dem Rollwiderstandsbeiwert bei 80 km/h entspricht.

Fazit

Mit besseren Fahrwerken, kräftigeren Bremsen und starken Motoren sind Reisemobile fast schon bei der Dynamik eines Personenwagens angelangt. Eine Dynamik, die zusammen mit den vielfach angebotenen ESP-Systemen und den nun verfügbaren, auf Nassgriff optimierten Reifen in Notsituationen einen wichtigen Sicherheitspuffer schaffen kann.

Vergleichstest: Sommerreifen

Autor

Foto

Uli Regenscheit

Datum

13. April 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 04/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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