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Vergleichstest, Fiat Ducato/Renault Master 20 Bilder Zoom

Großer Vergleichstest: Fiat Ducato vs. Renault Master

Beim ersten grossen Vergleichstest muss der komplett neue Renault Master beweisen, ob er das Zeug hat, am bislang sicheren Thron des Marktführers Fiat Ducato zu rütteln.

Mit der neuen Supreme-Reihe, angesiedelt oberhalb des erfolgreichen Matrix auf Fiat Ducato, setzt Adria ein bemerkenswertes Signal pro Renault Master. Gleichzeitig schafft die Marke damit die Möglichkeit zu einem direkten Vergleich der Basisfahrzeuge in der beliebten Klasse der Teilintegrierten mit Hubbett.
Zum Duell angetreten sind die Einzelbettenmodelle Matrix 680 SL und Matrix Supreme 687 SL. Auch wenn die Grundlinie beider Modelle, mit der flachen Hubbett-Kuppel über Fahrerhaus und Sitzgruppe, fast identisch ist, zeigen sich bei näherem Hinsehen doch Unterschiede.

Mit der bulligen Front und dem merklich höheren Fahrerhaus des Master verschiebt sich das optische Gewicht zwischen Basisfahrzeug und Aufbau zugunsten des Renault Master. Trotz identischer Höhe, erscheint der Supreme flacher und eleganter als sein Matrix-Bruder.

Im Master-Cockpit
fühlen sich Großgewachsene prompt wohler als im Ducato, ist das Fahrerhaus doch in der Höhe großzügiger geschnitten. Über den Sonnenblenden bleibt hier sogar Platz für üppige Ablagen. Das Armaturenbrett des Master baut merklich höher, die Frontscheibe setzt dadurch weiter oben  an, endet aber auch höher. Daher fällt der Blick im Renault Master nach oben merklich besser aus, nach unten vor den Bug jedoch etwas schlechter als im Ducato. Insgesamt ergibt sich beim Master mehr das Gefühl „drinnen“ zu sitzen als „obendrauf“ à la Ducato. Die üppige Seitenverglasung des Renault Master Fahrerhauses bietet zudem mehr Sicht.

Mit einem Patt endet der Vergleich der etwa gleich großen Außenspiegel. Beschneiden dem Ducato-Fahrer je nach Sitzposition die Fensterstege die Sicht, genießt er andererseits das Privileg, die Weitwinkelfelder exakt und sogar elektrisch einstellen zu können.

Adria setzt im Matrix Supreme spezielle Pilotensitze ein - obwohl das Original-Renault-Gestühl analog zum Ducato nicht zu verachten ist. Sie verfügen über eine variable Sitzflächentiefe und eine pneumatische Lordosenstütze, eine echte Höhenverstellung fehlt jedoch. Die stark ausgeprägten Seitenwangen geben zwar guten Seitenhalt, stören breitschultrige Fahrer aber im oberen Lehnenbereich.   
Das Renault Master -Armaturenbrett wartet mit zahlreichen praktischen Ablagen auf. Auch vier Becher- und ein Münzhalter sind geschickt verteilt. Zusätzlich zum Zigarettenanzünder findet sich oben auf dem Armaturenbrett eine zweite Zwölf-Volt-Steckdose. Sie eignet sich ideal zur Versorgung eines mobilen Navigationsgeräts. Beide Basisfahrzeuge haben ein kleines Handschuhfach; der Ducato punktet zusätzlich mit seinem geräumigen abschließbaren Fach unter der Mittelkonsole sowie dem per Klimaanlage gekühlten Flaschenfach auf dem Armaturenbrett.

Im Qualitätseindruck seiner Bedienelemente und Materialien orientiert sich der Renault Master mehr am Nutzfahrzeug-Einsatz als der Fiat. Die drei recht unterschiedlichen Oberflächenstrukturen wirken relativ willkürlich gewählt. Die kräftigen Drehschalter der Klimatisierung sind selbst mit Handschuhen bedienbar. Der Handbremshebel aus nacktem Blech stört wie ehedem den Durchgang nach hinten.

Überdies legt der Ducato nach: Zusammen mit der Umstellung auf Euro-5-Motoren baut er seinen Vorsprung mit verfeinertem Cockpit weiter aus.
Ein Stockwerk tiefer ist das Fahrwerk des Renault Master in klassisch französischer Manier ein wenig mehr auf Federungskomfort ausgelegt. Der Renault Master reagiert auf Bodenwellen und leichte Stöße sanfter als der straffe Ducato. Über deftige Schlaglöcher dagegen poltert die Master-Vorderachse einen Tick härter als der generell wenig zimperliche Italiener.

An der Hinterachse spendiert Adria dem Supreme- Master serienmäßig eine Alko-Zusatzluftfeder. Doch selbst mit maximalem Druck in den Federbälgen wankt er bei Ausweichmanövern oder Spurwechseln etwas mehr als der fast sportlich ausgelegte Ducato mit serienmäßiger Breitspur-Hinterachse.
Die Lenkung des Renault Master vermittelt beinahe ähnlich guten Fahrbahnkontakt wie der italienische Konkurrent. Der Schaltknauf im Armaturenbrett liegt bei beiden gut zur Hand. Das Sortieren der sechs Gänge gelingt aber hier wie da nicht immer ganz ohne Hakelei.

146 PS aus 2,3 Liter Hubraum bringen den Supreme auf Renault Master messbar besser in Fahrt als die 130 italienischen Pferde aus identischer Motorgröße den Matrix-Ducato. Voraussetzung sind hier wie dort 3,5 Tonnen Gewicht. Mit der neuen Motorengeneration des Fiat dürfte sich dieser Vorteil egalisieren. Dann gibt es im Ducato eine Variante mit 148 PS und einem identischen Drehmoment von 350 Nm. Als mildere Ausführung fährt der Renault Master auch mit 125 PS. Dies dürfte für einen Teilintegrierten mit 3,5 Tonnen ebenso ausreichen wie die 130 PS im Ducato. Diese Leistungsstufe wird es mit Euro 5 weiterhin geben.

Bei wuchtigen Alkovenmobilen sieht die Sache anders aus. Tests mit einem Reisemobil Marke X-Go zeigten, dass der 125-PS-Motor im Master von Renault im Stadt- und Überlandbetrieb zwar wenig Mühe hat, die Fuhre in Schwung zu halten. Auf der Autobahn aber geht ihm relativ bald die Puste aus. Neben der schlechteren Aerodynamik des Alkovens ist dafür die lange Getriebeübersetzung verantwortlich. Häufiges Zurückschalten macht theoretisch erzielbare Verbrauchsvorteile zunichte. Rund 14 Liter pro 100 Kilometer ergab eine Testrunde mit dem X-Go - nicht wenig.

Beim kräftigen Master mit  150 PS - zumal in einem schnittigen Teilintegrierten wie dem Matrix Supreme - gelingt das Zusammenspiel besser. Bei Tempo 100 dreht der Motor im 6. Gang nur rund 2000 Touren - wobei das genaue Ablesen auf der kurzen Skala ziemlich schwer fällt.

Die Fiat-Kurbelwelle rotiert bei gleichem Fahrtempo bereits rund 2450-mal pro Minute - das ist dem Geräuschniveau und dem Verbrauch nicht unbedingt zuträglich. Andererseits erreicht der schwächer motorisierte Matrix dank der kürzeren Übersetzung fast dasselbe Spitzentempo und einen identischen Durchzug wie der Supreme mit 146 Renault-PS. Bei Autobahntempo dominieren hier wie dort die Wind- und Abrollgeräusche das Geschehen. Dabei bleibt der Master-Matrix insgesamt etwas zurückhaltender.

Beim Verbrauch begegnen sich die beiden Kontrahenten etwa auf Augenhöhe, wobei der Ducato auf der promobil-Testrunde sogar noch etwas sparsamer abschneidet. Warum? Der Renault hat zwar den moderneren Motor und die längere, tendenziell spritsparendere Übersetzung. Andererseits nagt der Abgasgegendruck des Partikelfilters prinzipiell an der Effizienz eines Aggregats. Wie sich die Euro-5-Umstellung bei den Ducato-Motoren auf den Verbrauch auswirken wird, muss darum erst ein ausführlicher Test zeigen.

Beim Bremsen hat der bullige Franzose dagegen eindeutig die Nase vorn. Während der Ducato-Matrix-Testwagen mit Bremswegen zwischen rund 45 und 48 Metern aus Tempo 100 im erwarteten Bereich zum Stillstand kam, stoppte der Supreme-Renault bei zehn Vollbremsungen stets zwischen 41 und 43 Metern - sehr respektable Werte. Dabei half ihm sicherlich auch das etwas breitere Reifenformat. 

Anders beim Thema Wendigkeit. 30 Zentimeter mehr misst der Radstand des Matrix Supreme, bei rund 40 Zentimeter größerer Länge hat er sie  zur Eingrenzung des Hecküberhangs auch dringend nötig. Zusammen mit einem offenbar geringeren Lenkeinschlag beschert dies dem Reisemobil einen mächtigen Wendekreis. Er misst rund zwei Meter mehr als beim Matrix auf Fiat - das bereitet beim Rangieren merklich Mühe. Zumal sich die Master-Kupplung schwieriger dosieren lässt - zum Öffnen ist viel Kraft notwendig, der Schließvorgang erfolgt auf kurzem Pedalweg. Beim X-Go-Alkovenmobil auf Renault mit 125-PS-Motor stieß der Kupplungsfuß auf etwas weniger Gegenwehr. 

Die Traktion ist bei beiden Fronttrieblern besonders bergauf und bei Nässe nicht ideal. Fiat begegnet dem künftig mit dem elektronischen Sperrdifferenzial namens Traktion plus.  Renault kann dagegen auf die Varianten mit Heckantrieb  verweisen. Bislang nutzt aber nur Pössl mit dem Kastenwagenausbau Roadmaster diese Ausführung als Reisemobilbasis. Wer häufig einen Anhänger zieht, wird da hellhörig.

Doch die relativ stark nach oben hin eingezogenen Seitenwände machen Ausbauern das Leben schwer. So wird es der neue Renault Master auch in diesem Segment nicht gerade leicht mit dem arrivierten Fiat Ducato haben.

Die Adria-Matrix-Familie:

Der Hubbett-Teilintegrierte Matrix kam gut an, darum flankiert Adria ihn, neben dem neuen günstigeren Ableger Matrix Axess, mit der edleren Baureihe Matrix Supreme. Sie unterscheidet sich außer beim Basisfahrzeug auch durch Grund-riss, Ausbaustil und Ausstattung vom Matrix. Die Möbel sind in gedeckteren, zweifarbigen Holztönen ausgeführt und glänzen mit einer integrierten, effektvollen indirekten Beleuchtung. Die Küche verfügt über einen 150-Liter-Kühlschrank und einen Backofen, die Hinterachse über eine Alko-Zusatzluftfeder und das Bad über eine separate Dusche. Vom Adria Polaris übernimmt der Supreme die aufwendige Alde-Warmwasserheizung mit Fußbodenerwärmung.

Fiat Ducato: Neuer Jahrgang:

Auch genaues Hinschauen gibt keinen Aufschluss: Der Ducato 2012 ist allenfalls am wahlweisen Tagfahrlicht in den Scheinwerfern zu erkennen. Um so wichtiger, was sich unter dem Blech tut. Da wäre die neue Einstiegsmotorisierung mit zwei Liter Hubraum und 115 PS und guter Zugkraft. Der bekannte 2,3er leistet unverändert 130 PS und bekommt einen Bruder mit 148 PS. Beide haben viel Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen, deshalb längere Übersetzungen. Das senkt die Drehzahl, also Verbrauch und Geräusch. Der große Dreiliter leistet nun bärige 177 PS. Alle Diesel entsprechen dank Partikelfilter der Abgasstufe Euro 5. Auf Wunsch erhöht das elektronische Sperrdifferenzial „Traktion plus“ den Grip. Drinnen spendiert Fiat ein Cockpit mit neuer Mittelkonsole, anderen Bedienelementen sowie neue Verkleidungen. Wahlweise erhält der Ducato Dekorelemente in Holz- oder Chromoptik.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Konstantin Tschovikov

Datum

29. Juli 2011
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