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Vergleichstest: Campingbusse mit Längsbett 34 Bilder Zoom

Vergleichstest Campingbusse mit Längsbett: Drei für Zwei

Französische Betten gelten als sehr gemütlich und typisch für Teilintegrierte. Doch auch in Campingbussen halten sie mehr und mehr Einzug, wie Karmann, Pössl und Rapido zeigen. Welches Grundrisskonzept am besten aufgeht, klärt der Test.

Wenn erst mal einer den Anfang macht, dann ziehen andere meist nach. In Sachen Grundriss mit französischem Längsbett hat von den hier vertretenen Marken Rapido die Pionierarbeit geleistet - wohlwissend, dass die Umsetzung in Kastenwagen aufgrund ihres begrenzten Raumangebots eher schwierig ist. Das ist umso bemerkenswerter, da der Van 56 im Herbst 2010 zugleich der erste Aufschlag der Franzosen im Campingbus-Segment war.

Die Idee hat zügig Nachahmer gefunden, wenngleich mit ganz unterschiedlichen Interpretationen. Während Rapido im Sechs-Meter-Ducato den Sanitärraum, wie sonst bei Teilintegrierten üblich, im Heck in Fahrtrichtung rechts neben dem Längsbett anordnet, platziert der Karmann Davis 610 die Nasszelle hinter der Sitzgruppe und nutzt den 6,36 Meter langen Ducato als Basisfahrzeug. Der Pössl 636 FR (ab 2014: Road-cruiser FR) basiert auf dem baugleichen und gleich langen Citroën Jumper und realisiert in ihm ein flexibel abteilbares Bad.

Sitzen & Schlafen

Die räumliche Opulenz, in der ein französisches Bett erst so richtig zur Geltung kommt, schafft am besten der Karmann. Bis auf eine schmale Sitzbank, die zugleich den Radkasten kaschiert, und ringsherum montierte Hängeschränke überlässt der Davis 610 dem Bett mehr oder weniger das komplette Heck. Dadurch entsteht jene räumliche Großzügigkeit, die das Bett so einladend macht. Zumal der Einstieg dank eines seitlichen Podests denkbar einfach fällt und die Matratze mit Räkelfreiheit lockt. In der Breite erreicht sie mit 1450 Millimeter den zweitbesten Wert, ist am Fußende wenig beschnitten und in der Länge nur unwesentlich kürzer als die der beiden Konkurrenten.

Das Bett richtig in Szene zu setzen, hat auch Pössl verstanden. Im 636 FR gelangt man über eine zweistufige Treppe ins geräumige Schlafgemach. Mit 1,93 Meter ist die Matratze die längste. Dafür ist sie am Fußende stark modelliert.

Wie in einer Schlafhöhle kommt man sich dagegen im Rapido vor. Der Van 56 zwängt Längsbett und Nasszelle nebeneinander in das Heck des Ducato. Neben einem engen Raumgefühl fehlt es dem Bett dadurch deutlich an Breite. Zwei Erwachsene schlafen nur begrenzt komfortabel. Dafür ist das Schlaflager im Van 56 am niedrigsten eingebaut und daher auch ohne Einstiegshilfe halbwegs bequem erreichbar.

Weit weniger groß sind die Unterschiede bei den Sitzgruppen. Alle drei verfügen über die klassische Zweierbank mit vergleichbarer Ellenbogenfreiheit. Einzig der Abstand zwischen Kopf und Hängeschrank ist im Karmann und im Rapido knapper bemessen als im Pössl.
Zusätzlich zur Halbdinette bietet der Rapido an der Stirnseite des Tisches einen Hocker, der geschickt den Gaskasten integriert. Möglich macht das die weit im Heck stehende Küche, die nicht in den Schiebetürausschnitt ragt. Dafür muss man die Tür beim Einsteigen jedes Mal ganz öffnen.

Bad & Küche

Unter der Raumaufteilung im Rapido Van 56 leidet auch die Bewegungsfreiheit im Bad. Mit etwas üppigerer Körperfülle ist duschen fast unmöglich. Zumal der Radkasten das Platzangebot zusätzlich beschneidet.

Deutlich mehr Raum bietet die Nasszelle im Karmann, die sich allerdings hinter einer recht klapprigen Schiebetür verbirgt. Ebenfalls nicht den besten qualitativen Eindruck hinterlässt das Kunststoff-Waschbecken. Vorteil: Es ist seitlich verschiebbar, für mehr Platz beim Duschen.

Unübertroffen ist in diesem Punkt der Pössl. Mit Hilfe von Lamellenwänden lässt sich in der Mitte des 636 FR ein Sanitärbereich abteilen. Das so entstehende Bad und die Dusche sind, zumindest was das Raumangebot betrifft, in diesem Vergleichstest unerreicht.
Allerdings hat das Badkonzept auch einen großen Nachteil. Denn sobald einer der Mitreisenden duscht oder die Toilette benutzt, ist der Durchgang von vorne nach hinten oder der Zugriff auf den Kühlschrank blockiert. Auch die weitere Küchennutzung wird eingeschränkt.

Für Hobbyköche bietet der Pössl ansonsten die besten Voraussetzungen. Zwar entsteht dort, wo der Kühlschrank eingebaut ist, eine Stufe in der Arbeitsplatte. Dennoch ist die Fläche am größten. Karmann und Rapido offerieren immerhin eine Arbeitsplattenverlängerung.

Aufbau & Bordtechnik

Unterschiedliche Wege gehen die drei auch bei der Isolierung. Flexible Polyester-Fasermatten, die in einer Aluminium-Kaschierung eingebettet sind, nutzt Karmann. Deren Biegsamkeit erlaubt, Holme und Karosseriestreben zu dämmen. Im Gegensatz dazu nutzen Pössl und Rapido Schaummatten zur Isolierung. Wobei im Van 56 zwei Schaumschichten in einer Stärke von je vier Millimetern zum Einsatz kommen. Dazwischen befindet sich eine Luftschicht von zehn Millimetern.

Interessant bei der Bordtechnik ist, dass Karmann auf eine Kraftstoff-Gebläseheizung setzt, was einen zusätzlichen Gas-Boiler erforderlich macht. Einen leichten Abzug in der Benotung kassiert der Davis aber vor allem wegen seiner Batterie. Mit 80 Amperestunden ist sie im Vergleich am kleinsten.

Stauraum & Zuladung

Über fehlenden Stauraum kann man sich insbesondere im Pössl nicht beklagen. Neben seinem gut nutzbaren Kleiderschrank bietet der 636 FR – wie der Karmann auch – ringsherum im Heck angebrachte Hängeschränke. Zusätzlich dazu sind im Sitzgruppenpodest des Pössl zwei große Bodenstaufächer.

Noch deutlicher distanziert er sich von den anderen in puncto Variabilität. Wer Matratze und Lattenrost zur Seite räumt und sichert, erhält eine Durchlademöglichkeit bis ins Cockpit.

Ganz so vielseitig sind Karmann und Rapido nicht. Über die Hecktüren ist jeweils ein größerer Bettstaukasten erreichbar. Und die Lattenroste können hochgeklappt werden.
Bei der Zuladung bietet Karmann mit 610 am meisten, Rapido mit 500 Kilo am wenigsten Luft. Der Pössl steht serienmäßig auf dem Maxi-Chassis und erlaubt, 580 Kilo zuzuladen.

Fahren & Sicherheit

Fiat gegen Citroën. Das ist in diesem Fall die spannende Frage. Insbesondere weil der Fiat betriebene Karmann und der Pössl auf Citroën gleich lang, annähernd gleich schwer und beide Motoren mit 149 respektive 150 PS gleich stark sind. Der Citroën 150 HDi FAP läuft rauer, packt aber auch entschlossener zu. Der 150 Multijet von Fiat brummelt gemütlich vor sich hin, doch schon unter 4000 Touren wird es zäher. Dafür ist er im Verbrauch ein wenig genügsamer. Noch ein Wort zum kürzeren Rapido: Er ist mit dem 130 Mulitjet von Fiat genau richtig motorisiert.

Notenabzug erhalten Pössl und Rapido für den aufpreispflichtigen Beifahrerairbag.

Ausstattung & Preise

Der Pössl fährt mit dem niedrigsten Grundpreis vor, wobei er aber auch ausstattungsbereinigt gut mithält. Die serienmäßige Fliegenschutztür für den Schiebetürausschnitt gibt es in dieser Form nur bei Pössl, und die 2014er Modelle werden zudem ab Werk mit einer Schiebetür-Zuziehhilfe ausgeliefert.

Serienmäßig kaum Wünsche offen lässt der Karmann. Dennoch kostet der Rapido unterm Strich am meisten, wenngleich auch er von Haus aus gut ausgestattet ist. Sein größter Nachteil ist schlicht und einfach, dass es ihn nicht auf Basis des 6,36 langen Ducato gibt. Aber vielleicht ziehen die Franzosen da irgendwann einmal nach.

Die promobil Testwertung im Vergleichstest

Karmann Davis 610

Sitzen: 2 von 5
Schlafen: 4 von 5
Bad: 3 von 5
Küche: 3,5 von 5
Aufbau: 3 von 5
Bordtechnik: 2,5 von 5
Stauraum: 3 von 5
Zuladung: 3,5 von5
Fahren: 3 von 5
Sicherheit: 3 von 5
Ausstattung: 3,5 von 5
Preise: 3 von 5

Pössl 636 FR

Sitzen: 2,5 von 5
Schlafen: 3,5 von 5
Bad: 3,5 von 5
Küche: 4 von 5
Aufbau: 2,5 von 5
Bordtechnik: 3 von 5
Stauraum: 4 von 5
Zuladung: 3,5 von5
Fahren: 3 von 5
Sicherheit: 2,5 von 5
Ausstattung: 2,5 von 5
Preise: 3,5 von 5

Rapido Van 56

Sitzen: 3 von 5
Schlafen: 2 von 5
Bad: 2 von 5
Küche: 3 von 5
Aufbau: 2,5 von 5
Bordtechnik: 3 von 5
Stauraum: 2,5 von 5
Zuladung: 2,5 von5
Fahren: 3 von 5
Sicherheit: 2,5 von 5
Ausstattung: 3 von 5
Preise: 2,5 von 5

 

Ratgeber: Experten-Tipps

Autor

Foto

Ingolf Pompe

Datum

11. September 2013
Kommentare
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