Alles über Malibu Malibu
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Vergleichstest Knaus/Malibu/Westfalia: Querbett-Busse 2.0

Pössl machte den günstigen Querbett-Ausbau des Sechs-Meter-Ducato einst zum Bestseller. Knaus, Malibu und Westfalia zeigen aktuell, was man aus diesem Modellkonzept noch so alles herausholen kann.

Wenn viele Produkte um dieselbe Kundschaft buhlen, muss sich jedes einzelne um so mehr profilieren und differenzieren. Kein anderes Modellkonzept bietet dem Käufer eine größere Auswahl als die Campingbusse mit Querbett im Heck auf dem sechs Meter langen Ducato und seinen Derivaten. Wer hier nicht zu den Preisbrechern gehört, muss durch andere Qualitäten auf sich aufmerksam machen – so wie diese drei Modelle von Knaus, Westfalia und der neuen Marke Malibu.

"Malibu? Da war doch was" werden sich altgediente Campingbusfans denken. Und tatsächlich führt die Erinnerung an ein Erfolgsmodell auf VW von Carthago in die richtige Richtung. Denn mit den beiden Malibu-Modellen 600 und 640 steigt der oberschwäbische Hersteller nach langer Abstinenz wieder bei den Campingbussen ein – allerdings steht der Name jetzt nicht mehr nur für eine Modellreihe, sondern für eine eigene Tochtermarke.

Noch länger reicht die Tradition bei Westfalia zurück, wo ebenfalls einst die VW-Bus-Ausbauten dominierten. Heute ist aber auch hier der Fiat Ducato die wichtigere Basis. Mit dem neu entwickelten Amundsen stellen die Westfalen inzwischen sogar eine zweite Baureihe auf Ducato neben die bekannten Columbus-Modelle.

Vergleichsweise jung ist das Campingbus-Engagement von Knaus. Dafür startete man 2003 direkt mit Ducato-Ausbauten und erarbeitete sich einen respektablen Marktanteil. Die Palette wurde zuletzt überarbeitet und neu ausgerichtet.

Der Malibu-Ausbau erinnert Carthago-Kenner an die Modelle des Chic-Programms. Warmtoniges Holzdekor gepaart mit cremeweißen Sitzbezügen und Möbelflächen verbreiten edle Gemütlichkeit. Den Qualitätseindruck untermauern aufwendig geschnittene Polster und Schränke mit hochwertigen Beschlägen.

Westfalia betont Pkw-Charakter

Ganz anders präsentiert sich der Westfalia Amundsen. Holzdekor findet sich hier nur als dezenter Bodenbelag. Alle anderen Oberflächen sind nüchtern weiß, grau oder alu-silbern – der funktionale, Pkw-artige Charakter wird betont. Das unterstreicht auch die Rückbank mit straffer Polsterung und ausgeformten Rückenlehnen. Als Alleskönner versucht sich der Knaus Box-Star. Möbeldekors und Polsterfarben wirken eher bunt zusammengewürfelt. Pfiffig ist die Sitzbank, bei der sich die Einzelsitze rund 12 Zentimeter auseinanderrücken lassen. So kann man mit einem Handgriff zwischen breiterem Durchgang und komfortableren Passagierplätzen wählen. Gegen Aufpreis lassen sich zudem Isofix-Kindersitze befestigen.

Für die mögliche Vier-Personen-Besatzung qualifiziert sich der Knaus zudem durch ei­n­­e Tischverlängerungsplatte, die den Beifahrersitz mit in die Runde einbindet – das kann allerdings auch der Malibu.

Die typischen Kojen quer im Heck unterscheiden sich spätestens auf den zweiten Blick. Die Matratze im Knaus ist mit 1,84 Meter am kürzesten – auch wenn die reale Liegelänge durch die Einbuchtungen der Wandverkleidungen noch etwas größer ist. Malibu und Westfalia lösen dies geschickter, indem sie die Matratze bis in diese Einbuchtungen hineinstrecken. Mit 1,41 bis 1,51 Meter Breite und 120 Millimeter Dicke verspricht die Kaltschaummatratze auf Lattenrost im Malibu den bequemsten Schlaf. Große und kleinere Ablagen stehen für Brille und Bettlektüre bereit.

Der Knaus für Leseratten

Ähnlich üppig ist das Angebot im Knaus, der Bücherwürmer zusätzlich durch zwei verstellbare und einzeln schaltbare Lesespots beglückt. Wem ein freier Fluchtweg durch die Hecktüren wichtig ist, liegt im Westfalia ruhiger. Hier ist der Öffner extra nach oben verlegt, beim Malibu immerhin durch eine Matratzenaussparung erreichbar, im Knaus gar nicht.

Für den Betteinstieg von vorn haben sich die Malibu-Macher eine trickreiche Kons­truk­tion ausgedacht. Eine schubladenartige Stufe mit Klappwand, die den Aufstieg erleichtert und den Heckstauraum abschließt – oder wahlweise eine Durchlademöglichkeit eröffnet. Das Ganze ist allerdings etwas hakelig und klapprig geraten und zudem mit scharfen Ecken versehen. Die einschiebbare Schottwand mit klappbarem Trittbrett des Knaus ist die praxistauglichere Lösung. Der Westfalia sieht erst gar keine Gepäckraumabtrennung vor, und als Aufstiegshilfe ist einfach ein Trittbänkchen aus Kunststoff beigelegt – etwas mager. Großzügig ist beim Westfalia dagegen die Öffnung zur Küche hin. Der Verzicht auf einen deckenhohen Schrank schafft hier nicht nur ein luftiges Raumgefühl, sondern auch viel Abstell- und Arbeitsfläche auf der langen Küchenzeile. Ein klappbares Verlängerungsbrett gibt es am vorderen Ende auch noch.

Ebenso bei der Knaus- und Malibu-Konkurrenz, wo es noch notwendiger, aber auch besser ausgeführt ist – besonders die Bedienung bei Letzterem. Der Knaus tut sich mit drei statt zwei Kochflammen und einer geteilten Abdeckung hervor, führt zudem die größte Spüle ins Feld und setzt als einziger seinen 90-Liter-Kühlschrank in griffgünstiger Höhe auf die Arbeitsplatte. Westfalia bietet die­se Anordnung den Amundsen-Käufern als aufpreispflichtige Option. Schubladen erschließen bei allen dreien den Stauraum im Küchenblock – im Westfalia sogar mit gedämpften Endeinzügen. Einen Besteckkasten wie bei den anderen beiden sucht man indessen vergeblich.

Der Schrank ist Geschmackssache

Der Malibu bevorzugt statt des Kühl- den Kleiderschrank in gut erreichbarer Höhe einzubauen, beim Knaus findet sich das relativ große Exemplar unten – letztlich Geschmacksache. Bei Westfalia ist dagegen nur eine schmale offene Nische zwischen Bank und Bad für Jacken vorgesehen.

Das Superhochdach ermöglicht im Knaus-Heck sechs große Hängeschränke. Zwei weitere finden sich – trotz Hubbett – wie auch beim Malibu und beim Westfalia über der Sitzgruppe. Auf einen Dachstaukasten über dem Fahrerhaus müssen Solution-600-Käufer jedoch verzichten. Geschickt in­tegriert hängt hier das elek­trisch absenkbare Hubbett. Es besteht aus drei Gliedern, dem mit Scharnieren verbundenen Quer- und Längsteil über Cockpit und Sitzgruppe sowie dem zweiten, seitlich über den Gang ausziehbaren Längsteil. Diese, etwas zerklüftete Form hat den Vorteil, dass sich das Bett bei Nichtgebrauch kaum bemerkbar macht: Die Stehhöhe im Gang ist enorm, und das Dachfenster wird nur halb verdeckt. Und bei abgesenktem Bett ist eine flexible Nutzung möglich: mit Auszug für zwei, ohne Auszug für einen Erwachsenen oder zwei kleinere Kinder, die über Eck schlafen – dann bleibt der Durchgang frei.

Wer auf das Hubbett verzichten kann, dem bietet das Knaus-Box-Star-Programm mit dem Street 600 aber auch noch ein klassisches Querbettmodell mit normalem Blechhochdach. Für den Transport sperriger Sportgeräte oder den Großeinkauf sind die Heckbetten jeweils zur Seite klappbar. Nur im Knaus lassen sich neben den Matratzen- auch die Lattenrostteile leicht komplett entfernen. Den größten Gepäckraum unter dem aufgebauten Bett bietet aber der Westfalia. Weitere Fächer verschiedener Größe und Zugänglichkeit warten in den seitlichen Möbelzeilen und im Sitzgruppenpodest – beim Knaus ist Letzteres durch Bordelektrik belegt. Besonders praktisch zugänglichen Stauraum bietet der Malibu mit seiner Schublade in der Sitztruhe.

Im Westfalia ist dieser prominente Platz der Heizung vorbehalten – aus Sicht von Wintercampern eine gute Wahl, denn so gelangt die Abwärme dorthin, wo sie am meisten gebraucht wird. Der Malibu kontert mit einer aufwendigen Warmluftführung mit acht Ausströmern. Beide packen den iso­lierten Abwassertank und die stärkere Heizung in ein Paket. Bei der übrigen Bordtechnik tut sich der Knaus durch ei­­nen 120-Liter-Frischwassertank hervor.

Serienausstattung bei allen fast gleich

Fürs Fahren sind die Voraussetzungen bei allen dreien im Serienzustand fast identisch. Nur beim Westfalia muss für den 130-PS-Standardmotor extra bezahlt werden. Dafür ist der ähnlich teure Schleuderschutz ESP mit Traktionshilfe serienmäßig an Bord.

Das höhere Dach des Knaus sorgt für eine geringfügig stärkere Seitenneigung und etwas mehr Luftwiderstand – der aufpreispflichtige 148-PS-Motor passt hier darum besonders gut. Beim Malibu-Testwagen nervte das Klappern des Rollokastens am Schiebetürfenster. Der schwerere Knaus setzt serienmäßig auf die 3,5-t-Variante – für die beiden anderen macht diese Option die Zuladungsreserven üppig.

Größere Unterschiede als beim Fahren sind im Bad auszumachen. Hier profiliert sich der jüngste im Club, der Malibu. Seine Toilette lässt sich auf einem Drehbeschlag in eine Nis­che unter dem Heckbett schwenken. Dabei entsteht viel Platz, der sich mittels dreier Falt- und Schiebetüren in eine erstaunliche Duschkabine verwandelt. Kehrseite ist jedoch ein etwa wackeliges Sitzgefühl auf der Toilette und ein erhöhter Putzaufwand.

Viel Platz in der Knaus-Dusche

Durch seine geschickte Aufteilung kommen aber auch im Knaus-Bad weder Waschtisch, Toilette noch die Dusche zu kurz. Das Superhochdach verschafft viel Stehhöhe. Zum Duschen muss zwar ein klassischer Vorhang reichen, der jedoch mit einem eingenähten Fahrradschlauch einfallsreich vom Körper ferngehalten wird.

Westfalia richtet das Bad mit nüchtern weißen, aber soliden Kunststoffteilen ein. Das große Waschbecken und die Toilette nehmen viel Platz in Anspruch. Die Duschmöglichkeit ist eher pro forma, zumal fast die ganze Einrichtung inklusive Spiegel mitduscht.

Der Knaus mit seinem elektrischen Hubbett ist natürlich etwas teurer. Ein oder mehrere Pakete sind zudem bei allen dreien fast obligatorisch. Besonders wild treibt es hier der Malibu – bleibt aber insgesamt das günstigste Angebot.

Preise

Knaus Solution 600: Grundpreis 46.089 Euro/Testwagenpreis 55.315 Euro
Malibu 600:
Grundpreis 39.950 Euro/Testwagenpreis 45.075 Euro
Westfalia Amundsen 600 D:
Grundpreis 42.390 Euro/ Testwagenpreis 46.756 Euro

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Datum

18. März 2015
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