Wer von uns erinnert sich nicht an laue Kindersommernächte? Erste Übernachtungen draußen im Zelt? Grillenzirpen, der Geruch der Nacht, der erste Vorgeschmack von Freiheit: ein Gefühl mit enorm hohem Suchtpotenzial. Wer sich für einen Campingbus mit Aufstelldach entscheidet, kommt wieder ganz nah ran.
Davon abgesehen, dass sich die Nächte meist in rund zwei Meter Höhe abspielen, ist der Kontakt zur Natur ebenso unmittelbar und gefühlsecht. Und dazu braucht es nicht mal viel Ausstattung. Mit VW California Beach, Spacecamper Light und Reimo City Van stehen drei Minimalkonzepte auf VW T5 am Start, bei denen man schon angesichts der moderaten Grundpreise schwach werden könnte.
Mit dem Beach macht der Platzhirsch VW auch Freizeitaktiven ein Angebot, für die ein California Comfortline außerhalb der finanziellen Reichweite liegt. Bei 37.199 Euro Grundpreis gehts los. Reimo feiert als alter Ausbau-Hase gerade sein 30-jähriges Bestehen und will bei den kompakten Bussen wieder Boden gut machen. Mit zahlreichen T5-Modellvarianten, unter anderem dem City Van ab 39.518 Euro. Der Rookie in diesem Vergleich ist Spacecamper. In nur wenigen Jahren hat sich die Marke mit neuen Ideen einen Namen gemacht. Als kleiner Bruder des Classic ist der Light ab 33.585 Euro das günstigste Angebot.
VW California Beach
Der erklärte Minimalist in diesem Vergleich heißt California Beach. Das Mobiliar beschränkt sich auf ein paar Ablagen in der rechten mittleren Seitenverkleidung. Eine Kochmöglichkeit ist nicht vorhanden. Küchenausstattung und anderes kann der Beach-Käufer aber von Zubehöranbietern nachrüsten.
Vom California Comfortline hat der Beach die elegant in die Verkleidungen integrierten, einfach zu handhabenden Fensterrollos geerbt. Da demonstriert VW, was Entwicklungstiefe ist. Um sich bei der Verdunkelung der Frontscheibe allerdings wieder von der komplizierten Seite zu zeigen. Angesichts der sperrigen Vorhang-Gestänge-Konstruktion lobt man sich die Gardinen, die bei Reimo und Spacecamper einfach und schnell mit Druckknöpfen an den A-Säulen festgeclipt werden. Für die effektive Beleuchtung im Erdgeschoss des Beach sorgen sechs LED-Lampen.
Serienmäßig sind hier beide Vordersitze drehbar. Wer trotz der nahezu perfekten Sitzposition eine Höhenverstellung wünscht, muss auf die Drehkonsole verzichten und büßt damit den Vorzug einer größeren Sitzgruppe ein. Der große Tisch steckt in der Verkleidung der Schiebetür. Er wird in einer Schiene auf der rechten Seite stabil eingehängt und lässt sich dank vier Beinen sogar draußen als Campingtisch benutzen. Dazu liefert VW auch zwei in der Heckklappe platzsparend untergebrachte Campingstühle gleich mit. Die breite Sitzbank bietet drei gurtgesicherte Plätze und läuft in Bodenschienen, die Gummilippen vor dem gröbsten Schmutz schützen. In den Schienen lassen sich bei Bedarf zusätzliche Sitze installieren. So macht der Beach zum Beispiel auch als Familienkutsche eine gute Figur.
Der Umbau der Bank zum Bett ist überraschend umständlich. Um die Lehne nach hinten umklappen zu können, muss man sich weit über die Bank beugen und nach den Schlaufen zur Entriegelung angeln. In der ungewöhnlich großen, aber unebenen Liegefläche bleiben um die Gurtschlösser große Löcher, die die Bequemlichkeit stark beeinflussen. Mit einer Matratzenauflage aus dem Fachhandel, die über das Polsterarrangement gebreitet wird, ließe sich der Komfort verbessern; sie kostet aber Stauraum.
Im California Beach ist das Dachbett eindeutig die bessere Wahl. Die Durchstiegsluke ins Oberstübchen ist mit 48 auf 98 Zentimeter deutlich größer als beim City Van; der sportlich-aktive Camper ist jedoch hier wie dort gefordert. Eine Aufstiegshilfe, beispielsweise in Form einer Leiter, scheint in dieser Klasse allgemein als verzichtbar zu gelten. Die Liegefläche misst knapp 1,20 Meter Breite - spürbar mehr als bei der Konkurrenz. Fünf Zentimeter Schaumstoff und ein Lattenrost bürgen für relativ guten, gleichwohl straffen Schlafkomfort. Eine Leselampe fehlt. Dafür gibts ein Fangnetz, das Bettzeug und Schläfer vor dem Abstürzen schützt.
Beim California Beach gehört das Aufstelldach zum Serienumfang. Bei Reimo und Spacecamper sind für das Zeltlager-Feeling einige tausend Euro extra anzulegen. Das VW-Dach besteht aus leichtem Aluminium und ist die einzige gedämmte Außenfläche des vielseitigen Transporter-Ablegers. Im Gegensatz zum California Comfortline wird es nicht elektrisch, sondern manuell geöffnet. Beim Zuziehen faltet sich der Zeltbalg meist zuverlässig nach innen. Ein Kontrollblick schadet jedoch nicht.
Der Stauraum im Heck lässt sich durch Verschieben der Bank flexibel an unterschiedliche Transportaufgaben anpassen. Für größere, vor allem höhere Frachtgüter muss jedoch die Bettverlängerung, die mit ihrem Metallgestell fest am Boden fixiert ist, ausgebaut werden und zu Hause irgendwo Platz finden. Wer die Schubfächer unter der Bank entfernt, erhält eine Durchlademöglichkeit, die für Ski taugt; für Surfbretter ist sie zu schmal. Für kleinere Utensilien eignen sich die drei Schubladen unter der Bank dagegen sehr gut.
SpaceCamper light
Schon die schwarz-weiße Orca-Lackierung macht deutlich: Spacecamper ist anders. Als Basis dient im Fall des Testwagens die Caravelle-Comfortline-Variante des T5. Die allein verschlingt schon mal happige 7199 Euro extra. Ein wesentlicher Unterschied zum einfachen Kombi besteht in einem hübscheren Kombiinstrument und den höherwertigen Innenverkleidungen, die den Wagen wohnlicher machen. Darunter isoliert der Hersteller die Außenhaut rundum mit flexiblen PE-Schaummatten.
Beim Light handelt es sich im Gegensatz zum Classic um die Variante mit abgespecktem Möbelbau. Dieser beschränkt sich auf einen kleinen Schrank hinter dem Fahrersitz. Aber der hat es in sich. Für mehr Tiefe schneidet Spacecamper die Seitenverkleidung aus und baut den Schrank fast bis an die Karosserieaußenhaut. Die vordere Klappe dient gleichzeitig als Tisch, der an einem fixierbaren Gasdruckdämpfer geführt nach oben gleitet. Oben drin steckt ein sehr kleines Waschbecken, aber immerhin: Händewaschen funktioniert. Zum Serienumfang des Light zählt auch ein mit Gas oder Spiritus betriebenes Kochset von Trangia, das sich sowohl auf dem Möbel befestigen als auch draußen benutzen lässt. Direkt hinter dem Schränkchen bringt Spacecamper auch noch eine schmale Kühlbox unter.
Auf ein Schienensystem zum Verschieben der Bank verzichtet Spacecamper - bewusst -, aus langer, sandiger Surfer-Erfahrung. Die drei Gurte werden an den Original-Karosseriepunkten aufgehängt und umgelenkt. Lehne und Sitzfläche lassen sich auch ohne Hilfe einzeln herausnehmen, was erheblich leichter fällt, als die extrem schweren Bänke aus City Van oder California herauszuwuchten. Flugs entsteht aus der Bank ein Bett: Nur die Rückenlehne auf die Sitzfläche klappen, den kleinen Kunststoff-Keil - sofern für die Länge nötig - auf die Kopfstützen legen. Fertig. Die Liegefläche ist fast eben, am Komfort gibt es nichts auszusetzen. Und mit 2,06 mal 1,51 Meter stellt der Light das größte Bett in diesem Vergleich. Am Kopfende im Heck leuchten zwei Leselampen. Das passt.
Das Dachbett ist wie bei Reimo ziemlich kleinflächig. Nur frisch Verliebte dürften die Liegefläche als groß genug empfinden. Die Matratze besteht aus Luft- und Schaumpolstern. Zum Aufblasen liegt ein kleiner Kompressor bei. Er saugt die Luft auch ab, damit das Dach später wieder zugeht. Der Liegekomfort lässt sich so individuell anpassen, je nachdem, wie viel Luft man reinpustet. Der Unterlüftung dient ein Abstandsgewebe, das Feuchtigkeit abführt.Noch eine exklusive Spacecamper-Besonderheit: Der vordere Teil des Zeltbalgs lässt sich komplett aufzippen. Von diesem Hochsitz aus genießt man gelöst die Aussicht oder eine laue Sommernacht unter nahezu freiem Himmel.
Der Heckstauraum hinter der Bank ist recht tief, die beiden Polster der Bettverlängerung lassen sich einfach entnehmen und in der heimischen Garage platzsparend verstauen. Unter der Bank gibt es vier entnehmbare Klappboxen. Dazu eine große Stofftasche, die seitlich im Heck festgeclipt wird.
Auch bordtechnisch hat sich Spacecamper etwas einfallen lassen. Unter dem Wagenheck hängen gegen Aufpreis gleich zwei 40 Liter große Frischwassertanks. Der Inhalt des einen lässt sich via Wärmetauscher über den Kühlkreislauf des Motors aufheizen. Warmduschern steht dann sogar eine Außendusche zur Verfügung. Zwei praktische, in der Heckklappe untergebrachte Vorhänge schützen dabei vor neugierigen Blicken. Ein Abwassertank fehlt allerdings.
Reimo City Van
Den umfangreichsten Ausbau in diesem Vergleich hat der City Van von Reimo. Sein Konzept lehnt sich an den klassischen T5-Ausbau mit seitlicher Möbelzeile auf der linken Seite an. Beim City Van ist der Seitenschrank aber zugunsten einer breiteren Sitzbank besonders schlank gehalten.
Er enthält unter anderem ein kleines Waschbecken. Wasser zum Spülen und Händewaschen kommt aus einem 13-Liter-Kanister und fließt in einen ebenso großen wieder ab. Mit einem Handgriff lässt sich aus dem Sidebord ein Ein-Flammer herausklappen, der aus einer Gaskartusche versorgt wird und kleine warme Mahlzeiten möglich macht. Getränke bringt eine Kühlbox, die immerhin 26 Liter fasst, auf erfrischende Temperatur. Sie macht sich auch beim Kühlkost-Einkauf im Supermarkt nützlich. Zudem findet sich in dem Seitenmöbel relativ viel Schrankraum. Als praktisch beim Verstauen von Gepäck erweist sich auch die Schublade unter der Sitzbank. Ähnlich flexibel wie bei der Konkurrenz ist der Stauraum im Heck nutzbar.
Die Verdunkelungsvorhänge lugen hinter großteils mit Mikrofaser bezogenen, hochwertig wirkenden Verkleidungen hervor. Nur an wenigen Stellen, wie der Schiebetür, findet man nacktes, unverkleidetes Transporter-Blech.
Die Beleuchtung mit drei länglichen Lampen und einer Leselampe im Dachbett ist für Campingbus-Verhältnisse recht üppig. Für ein stimmungsvolles Ambiente sorgen zudem versteckte LED-Lichterketten - das gibt es nur im Reimo City Van.
Zum wohnlichsten Mobil in diesem Vergleich macht den City Van auch das Holzdekor der Bodenplatte. Darin bündig eingelassen sind zwei Schienen zum Verschieben der Sitzbank. Mangels Abdeckung sammelt sich darin jedoch schnell der Schmutz. Dann klappt das Hin- und Hergleiten nicht mehr so reibungslos wie im Neuzustand. Wird die Bank in die hinterste Position zurückgeschoben, muss das Polster der Bettverlängerung hochgeklappt werden, weil sonst die Heckklappe nicht mehr zugeht. Für den Blick nach hinten bleibt dann während der Fahrt nur ein sehr schmaler Sehschlitz.
Das untere Bett ist fix hergerichtet. Die Sitzfläche der Rückbank wird nach vorn umgelegt. Die entstandene Lücke überbrückt anschließend die nach unten geklappte Rückenlehne. Praktisch dabei: Die Kopfstützen müssen nur abgesenkt, nicht ausgebaut werden. Das Bett im Erdgeschoss ist spürbar größer und komfortabler als das Dachbett. Der Schaumstoff ist wesentlich dicker. Die Stöße zwischen den Polsterstücken stören kaum.
Der Tisch wird unpraktischerweise im Heck an der Bettverlängerung verstaut. Wer ihn vorne aufstellen will, muss also zwangsläufig aussteigen - kein Vergnügen bei Regen. Für den Aufwand belohnt aber eine sehr große Tischfläche.
Die beiden Drehsitze kosten Aufpreis. Alle drei Kandidaten setzen auf die Original-Konsolen von VW, bei denen die Längsverstellung nicht mitdreht. Das würde das Wendemanöver allerdings wesentlich erleichtern und wäre vor allem beim Fahrersitz von Nutzen, der sich ansonsten mit dem Lenkrad ins Gehege kommt. Die Türen müssen auf beiden Seiten geöffnet werden.
Der Durchstieg ins Dachbett misst nur 34 mal 103 cm und wird durch die seitlichen Abschrägungen zusätzlich eingeschränkt. Ein knapper Meter Höhenunterschied über den Sitzflächen muss mit einem kleinen Klimmzug überwunden werden. Die Armlehnen sollte man dabei tunlichst nicht als Tritte missbrauchen.
Die Matratze ist nur vier Zentimeter dick. Unterfederung und Unterlüftung fehlen. Der Schlafkomfort im City Van verlangt gewisse Nehmerqualitäten. Vor allem die Breite ist mit 1,06 Meter nichts für Vollformater. Es passt wie beim Spacecamper für eine Person. Oder für zwei, die erst am stürmischen Anfang ihrer Beziehung stehen. Mit dem besten Freund würde man sich vermutlich so arrangieren, dass einer oben, einer unten schläft.
Beim aktuellen GfK-Aufstelldach von Reimo reduziert ein Spoiler über der Frontscheibe Fahrgeräusche deutlich. In diesem Punkt sind sich die Kandidaten ausnahmsweise einmal einig. Und eines noch: Aufgebaut ist das Dachzelt übrigens bei allen dreien deutlich schneller als ein Zelt ohne Auto unten drunter. Dem Gefühl von Freiheit und Abenteuer ist aber sowohl das eine als auch das andere ungemein zuträglich.











