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Integrierte Wohnmobile
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Vergleich: Integrierten-Cockpits, Integrierte 52 Bilder Zoom

Zehn integrierte Wohnmobile im Test: Die Fenster zur Welt

Integrierte sind die Königsdisziplin im Reisemobilbau. Wie wohl man sich an Bord fühlt, hängt dabei stark von der Cockpitgestaltung ab. Wie steht’s also um Ergonomie, Design und Verarbeitung?

Die Welt im Panorama-Format genießen. Das klappt auf Reisen so begeisternd nur in einem Integrierten. Die Hersteller bauen dafür Wohnmobile mit besonders üppiger Frontverglasung und geben ihnen dabei auch gleich ein eigenes Gesicht, das wenig gemein hat mit dem des Nutzfahrzeugs, das Fahrwerk, Rahmen und Motor beisteuert. Dem Cockpit kommen gerade bei Integrierten zwei zentrale Funktionen zu. Zum einen soll es beim Fahren ein ergonomischer und praktischer Arbeitsplatz sein. Zum anderen soll es sich harmonisch und optisch ansprechend in den Wohnbereich einfügen. Dieser Doppelnutzen macht das Fahrerhaus zu der neuralgischen Stelle, für die – wie bei der Front – jeder Hersteller seine eigene Lösung entwickelt.

Wer kann’s am besten?

Um das herauszufinden, untersuchen wir die Cockpits von zehn gängigen Integrierten hinsichtlich Anmutung, Funktionalität und Verarbeitung. Die ausgewählten Kandidaten repräsentieren einen Querschnitt von der Einsteiger- bis zur oberen Mittelklasse auf Fiat-Ducato-Basis.

Die Spanne reicht vom günstigsten Dethleffs Advantage ab 61.000 Euro bis zum teuersten Arto von Niesmann und Bischoff für etwa 110.000 Euro. Bei einigen Marken lassen sich die Erkenntnisse auch auf die darüber oder darunter angesiedelten Modellreihen übertragen. Bei Adria beispielsweise haben Sonic Axess, Plus und Supreme das gleiche Cockpit. Bei Eura Mobil greifen Integra Line und Line LS auf dasselbe Armaturenbrett zurück wie bei LMC Sport Line und Comfort Line des Explorer.

Das Armaturenbrett: Getränkehalter und Beleuchtung

Unterschiedlich gut nutzen die Hersteller die Chance, das Armaturenbrett des Fiat Ducato funktional weiter zu verbessern. Viele platzieren zumindest Getränkehalter in der angesetzten Armaturenbrettverlängerung; Erfrischungen sind so stets griffbereit. Noch wichtiger ist die Beleuchtung, die etwa zum Kartenstudium oder an der Mautstelle beim Kramen nach dem Geldbeutel gebraucht wird. Sie sollte zwingend vom Cockpit schaltbar sein. Neben einzelnen Spots für Fahrer- und Beifahrerseite ist eine indirekte Beleuchtung, die heruntergedimmt auch während der Fahrt blendfrei angeschaltet bleiben kann, praktisch und hübsch –wie bei Carthago Chic und bei LMC Explorer Comfort Line.

Verdunkelung: Isolierung und Sichtschutz

Entscheidend für die Nachtruhe ist eine effektive Verdunklung, die im Idealfall auch isolierende Wirkung hat – wie zum Beispiel spezielle Hohlkammerplissees. Obwohl unentbehrlich, ist aber selbst in der gehobenen Preisklasse eine Verdunklung nicht selbstverständlich serienmäßig. Das Nonplusultra ist ein elektrischer Frontrollladen, der auch als Sonnenblende benutzt werden kann und für einige Modelle gegen Aufpreis erhältlich ist. Als zusätzlicher Sichtschutz wahrt ein von unten nach oben geführtes Rollo mit sogenannter Privacy-Funktion die Privatsphäre im Mobil. Achten sollte man außerdem auf die Belüftung und Beheizung der Frontverglasung, an der sich gerade bei kalten Außentemperaturen schnell Kondenswasser bildet.

Lüftungsdüsen

Im Idealfall blasen sowohl von der Basisfahrzeug- als auch der Aufbauheizung beschickte Ausströmer Warmluft direkt zwischen Frontscheibe und Rollo. Weniger gut ist hingegen, den seitlichen Original-Ausströmer am Fiat-Cockpit zu verdecken. Auch wenn es weitere Lüftungsdüsen für die Seitenscheiben gibt, bleibt doch immer etwas auf der Strecke. In Summe lösen Carthago, Adria, Bürstner, Hymer, Knaus, Niesmann +  Bischoff und LMC die Aufgabe gut bis sehr gut. Schwächer schneiden hier Dethleffs, Eura und Laika ab. Bei letztem gibt es zudem Sonnenblenden nur als Option in Form eines senkrechten, schwer greifbaren Frontrollos.

Design und Anmutung sind Geschmacksache

Es gibt jedoch durchaus objektive Kriterien für die optische Bewertung einer Cockpitlandschaft. Ein Armaturenbrett kann ruhig wirken oder zerklüftet sein, was die Reinigung erschwert. Die Materialwahl hat auf die Wirkung großen Einfluss. Am häufigsten sind günstige Tiefziehteile aus Kunststoff, die mit einer Softlack-Oberfläche auch haptisch ansprechen. Hartplastik kann indes ebenfalls einen hochwertigen Eindruck machen, wie Bürstner beim Elegance zeigt. Hier setzt zudem der wohldosierte Einsatz kontrastierender Farben interessante Akzente.

Ein zu großzügiger Einsatz von Farben und Materialien wirkt indes eher unruhig, wie bei der B-Klasse von Hymer. Den gleichen Effekt haben Kunststoffe mit unterschiedlichem Glanz wie bei Eura Mobil. Wohnlicher und wärmer als die verbreiteten einfachen Papierverdunkelungen sind Faltvorhänge aus Stoff. Wertiger als Kunststoffverkleidungen wirken beflockte A-Säulen mit Filz-ähnlicher Oberfläche. Das Design entscheidet maßgeblich, wie gut sich das Fahrerhaus in den Wohnbereich integriert. Seitliche Verlängerungen des Armaturenbretts sorgen für einen harmonischeren Übergang. Hymer beispielsweise gelingt das gut. Förmlich umschlossen sind Fahrer und Co. vom automobilen Cockpit des Arto. Bei Adria führt die Fahrertürverkleidung gelungen-konsequent das Armaturenbrettdesign fort. Bei einigen Herstellern scheint das Design hinter der Türsäule aber einfach aufzuhören. Finish und Verarbeitung haben sowohl optische als auch funktionale Aspekte. Die handwerkliche Sorgfalt entscheidet mitunter auch darüber, ob ein Rollo schwergängig ist oder sich leicht bedienen lässt. Offene Verschraubungen wirken zum einen provisorisch, können zum anderen auch ein Verletzungsrisiko darstellen.

Große Unterschiede bei der Passgenauigkeit

Aus je mehr Teilen ein Armaturenbrett besteht, umso stärker weichen die Spaltmaße voneinander ab. Dethleffs macht es sich da einfacher als Hymer. Die Spitzenreiter beim Finish: Knaus vor Carthago und LMC. Schlusslicht ist Eura Mobil.

Nicht umsonst nennt man die Integrierten die Königsklasse der Wohnmobile. Hoch sind die gestalterischen Anforderungen in dieser Klasse, die aber nicht alle Hersteller gut meistern. Die Unterschiede sind groß, bei manchem auch das Entwicklungspotenzial. Ist die Umsetzung funktional und optisch gelungen, wird das Reisen in einem Integrierten zu einem Erlebnis mit ganz besonderen An- und Aussichten.

Autor

,

Foto

Dieter S. Heinz, Bernd Thissen

Datum

6. November 2014
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 11/2014.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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