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Test: Transportable Backöfen

Kaum zu glauben, aber der kunterbunte Zubehörmarkt bietet sogar transportable Backöfen für die Reise an.

Wer auf Pizza oder aufgebackene Brötchen unterwegs nicht verzichten möchte, der kann sich im Zubehörhandel umschauen. Er findet dort Konstruktionen, die zwar backen, mit dem Urbild einer Backröhre aber meist nicht viel zu tun haben.
Allen gemeinsam: Im Stauraum machen sich diese Geräte kaum bemerkbar. Sie sind kompakt, klapp- oder faltbar und begnügen sich mit der Energie, die im Reisemobil verfügbar ist. Einige dieser Röhren sehen so abenteuerlich aus, dass es naheliegend war nachzuprüfen, ob sie überhaupt funktionieren. Um praxisnah zu bleiben, sollten als Prüfsteine Zubereitungen herhalten, für die auch zu Hause der Backofen verwendet wird.
Den Einstieg machte ein Hawaii-Toast, stellvertretend für alle Gerichte, bei denen lediglich der Käse schmelzen, also etwas überbacken werden soll. Die nächste Hürde war ein vorgebackenes Brötchen aus dem Frischhaltebeutel. Es sollte nach dem Besuch in der Röhre außen knusprig und innen weich sein. Aktion Nummer drei galt dem Hefeteig. Eine Pizza musste Auskunft geben, wie Quiche und Kuchen im Reisebackofen gelingen, wie der Teig aufgeht und wie Oberfläche und Boden aussehen. Kein einfaches Unternehmen, das nur noch von der Zubereitung einer klassischen Backofen- Kartoffel übertroffen werden konnte. Ein kleiner, in Alufolie gewickelter Erdapfel sollte in annehmbarer Zeit (maximal eine Stunde) durchgebacken und richtig weich werden.
An der Spitze der Backofen- Parade und außer Konkurrenz marschiert die SMEV-Röhre als einziger Backofen auf, der für den Festeinbau im Reisemobil vorgesehen ist. Das chromblitzende Gerät wird mit Gas betrieben und unterscheidet sich fast nur in der Größe von einem Haushaltsgerät.
Zur Ausstattung gehören Ober- und Unterhitze sowie auf Wunsch eine Grilleinrichtung inklusive Drehspieß. Mit seinen Gasbrennern bereitete es dem Kandidaten aus Italien keine Schwierigkeiten, innerhalb kurzer Zeit 250 Grad Hitze zu erzeugen.

Das eingebaute Thermometer gibt darüber bereitwillig Auskunft. Der SMEV diente fortan als Referenz, denn in puncto Hitzeverteilung und -erzeugung war er nicht zu schlagen, so dass alle Testgerichte voll zufriedenstellen konnten. Selbst die Kartoffel war nach einer halben Stunde weich. Von den anderen vier Kandidaten kommt der Waeco Mobitherm Car Oven dem Bild eines häuslichen Backofens am nächsten. Das mit zwölf Volt betriebene Gerät bietet gute Ausstattung und das beste Handling im Test. Der Backraum wird von einer gläsernen Klapptüre verschlossen und ist gut zugänglich – auch während des Backvorgangs. Über einen Wahlschalter stellt der Koch Ober-, Unterhitze oder beides ein. Eine Zeitschaltuhr begrenzt den Backvorgang. Die Leistung ist limitiert, was von einer Zwölf-Volt- Bäckerei nicht anders zu erwarten war. Der Waeco erreicht nach über 15 Minuten seine maximale Temperatur von rund 150 Grad bei Ober- und Unterhitze. Das Metallgehäuse wird dann rund 80 Grad heiß. Die Stromaufnahme ist dabei recht deftig: Mit kombinierter Oberund Unterhitze fließen 13,6 Ampere (einzeln geschaltet rund die Hälfte) durchs Kabel. Das Gerät erweist sich als gut geeignet zum Auf- und Überbacken. Zwar bewältigte es die Aufgaben in diesem Bereich nicht ganz so schnell wie die Konkurrenz, aber souverän. Die Pizza war allerdings erst nach einer halben Stunde nicht mehr weich, der Teig eher getrocknet als gebacken. Und auch der Versuch mit der Kartoffel musste ergebnislos nach einer Stunde abgebrochen werden. Die restlichen drei der vier Reisebacköfen zapfen ihre Hitze direkt vom Brenner eines Gaskochers ab, wobei es jeder auf seine eigene Art tut. Bei allen besteht Verbrennungsgefahr, da sich die Außenfläche der Geräte stark erhitzt. Viele Jahre auf dem Markt und inzwischen ein Klassiker ist der Coleman Campstove, der einem Tresor ähnlicher sieht als einem Backofen. Er besteht aus Aluminiumblech und wird aus vier Seitenwänden, Boden und Deckel zu einem hochkant stehenden Quader gefaltet. An der Vorderseite ist eine Tür, die den Zugang zum Backraum einfach macht. Nützliche Information bietet das dort angebrachte Thermometer. Hitze entsteht durch eine Kocherflamme, die über die Bodenplatte Wärme nach innen weiterleitet. Aufgrund des vergleichsweise großen Volumens kämpft der Coleman beim Aufheizen schwer, um auf Temperatur zu kommen. Schließlich erreicht er doch 200 Grad (nach 15 Minuten), was für die meisten Gerichte ausreicht.

Nach rund acht Minuten waren die Testbrötchen knusprig, noch schneller klappte es mit dem Hawaii-Toast. Etwas mehr als eine Viertelstunde dauerte die Pizza. Bauartbedingt regiert hier die Unterhitze, und so sind alle Zubereitungen an der Unterseite stärker gebräunt oder gegart als oben. Wie eine große Pfanne mit Deckel mutet der Barbecue Pop von Novita an. Das Unterteil ist ringförmig ausgebildet und wird mit Wasser gefüllt, das wiederum durch Verdampfen für feuchte Hitze im Garraum sorgt. Durch das Loch in der Mitte kann dann die Kocherflamme züngeln. Darüber trifft die Hitze entweder auf eine Grillplatte oder den Backeinsatz. Letzterer wird durch einen Deckel vollends zur Backröhre. Im relativ kleinen Backraum kann die Temperatur schnell über 200 Grad ansteigen. Im Test war die Hitze so stark, dass die Halterung des Kunststoffknaufs am Deckel weich wurde und sich der Griff lockerte. Hier muss mit Fingerspitzengefühl temperiert werden. Backhitze ist also kein Problem für den italienischen Barbecue Pop, der selbst die Kartoffel nach einer guten halben Stunde durchgegart hatte. Allein die Backergebnisse fielen etwas einseitig aus. Fast ausschließliche Unterhitze machte sich vor allem bei der Pizza durch sehr krossen Boden und weiche Oberseite bemerkbar. Auch Brötchen und Toasts könnten etwas mehr Oberhitze vertragen. Besser macht es der amerikanische Outback Oven von Traveling Light, der geradewegs aus dem Trekking-Rucksack stammt. Auch dieses Konstrukt verwendet eine Teflonpfanne mit Deckel als Backröhre, doch steht diese nicht direkt über der Flamme. Zwischengeschaltet ist ein so genannter Diffusor, der die Hitze der Flamme in heiße Luft umformen soll. Ein Reflektor unterhalb des Brenners verstärkt den Effekt. Damit die Hitze nicht gleich wieder abzieht, wird der Outback Oven von einer abenteuerlich aussehenden, silbernen Kapuze überdeckt, die aus einem hitzeresistenten Gewebe besteht. Dieser so genannte Convection Dome staut die aufsteigende Wärme zu einer Art Oberhitze, bevor er sie durch seinen engen Kamin entlässt. Damit lieferte der Outback Oven nicht nur die kürzesten Backzeiten, sondern auch die schmackhaftesten Ergebnisse. Vor allem die Pizza war ein Gedicht: rundherum knusprig, aber keineswegs ausgetrocknet. Durch den komplizierten Aufbau ist der Backfortschritt allerdings nur sehr schwer zu kontrollieren. Dadurch bedarf es beim Schätzen der Backzeit etwas Gefühl. Die Nase vorn hatte am Schluss der Outback Oven, der kleine Packmaße mit guten Backergebnissen kombinieren konnte. Einzig die Backmaße der pfannenförmigen Röhre könnten etwas größer sein. Gegensätze zeigen Coleman und Novita: Während der Campstove viel Heizenergie verbraucht, wird es dem italienischen Kollegen schnell zu heiß. So sind die Backergebnisse nicht durchgängig ideal, aber durchaus brauchbar auf einfachem Einsatzgebiet. Der Waeco erweist sich als wertvoll, wenn zum Beispiel ohne große Umstände ein Snack vom Bäcker aufgewärmt werden soll. Für die meisten anderen Backgeschäfte ist er jedoch etwas zu schwach.

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28. Februar 2001
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