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Premiere des VW T6 und California: Evolutions-Theorie

Die neue VW-Bus-Generation ist da: sparsamer, stärker, sicherer – doch im Grunde ganz die Alte. Erfolg wird sich trotzdem wieder einstellen. Auch der neue California schreibt die alten Tugenden fort.

Um nur wenige Autos hat sich ein ähnlicher Mythos gebildet wie um die Bus-Modelle von VW. Doch auch ein Mythos braucht hin und wieder Pflege. Vor allem, wenn der Konkurrenz ein echter Knaller gelungen ist – und als solchen darf man die neue V-Klasse von Mercedes durchaus bezeichnen.

Ab Juli steht mit dem T6 also die jüngste Evolutions-Stufe des VW-Bus beim Händler: Trotz deutlicher Retuschen an Bug und Heck eine vertraute Erscheinung. Kein Wunder: Am Rohbau hat sich mit dem Übergang von der Generation T5 zu T6 nichts verändert. Unter der jetzt weiter zum Grill heruntergezogenen Motorhaube arbeiten vier neue Dieselmotoren mit 84, 102, 150 und in der stärksten Ausbaustufe 204 PS.Im Schnitt sollen die nun Euro-6-konformen TDI bis zu einem Liter weniger verbrauchen, unter anderem wegen der Start-Stopp-Funktion.

Der Top-Motor entstammt dem Pkw-Regal und soll dank Ausgleichswelle besonders vibrationsarm schnurren. Bei diesem Bi-Turbo sorgt ein zweiter Lader mit variabler Turbinen-Geometrie für mehr Dampf bei homogenerer Leistungsentfaltung. Feiste 450 Newtonmeter Drehmoment bei 1400 Touren stemmt er – zehn mehr als das Spitzen-Aggregat der V-Klasse.

Wer möchte, stimmt das konstruktiv unveränderte Fahrwerk des Multivan auf DCC-Knopfdruck besonders komfortabel oder sportlich ab. Überhaupt bewegt sich beim T6 auf Wunsch mehr elektrisch: die neuen Vordersitze in alle Richtungen (vermutlich jedoch nicht in Kombination mit Drehkonsole) und die neue Heckklappe mit ihrem breiteren Fenster auf und zu. Außerdem ist erstmals die Frontscheibe elektrisch beheizbar.
Wie gehabt, sind die beiden stärkeren Diesel sowie die Benziner (Zweiliter-Turbos mit 150 und 204 PS) mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG und/oder dem Allradantrieb 4motion kombinierbar. Und der wiederum kann jetzt mit einem Bergabfahrassistenten aufgerüstet werden.

Die Zweifarblackierung – eine Reminiszenz an die Bulli-Generationen 1 und 2 – ist in vier Kombinationen zunächst dem Sondermodell Multivan Generation Six vorbehalten, das sich überdies frech die 18-Zoll-Disc-Felgen des Beetle stibitzt und glänzend damit aussieht. Bei der Ausstattung des auf dem Multivan Comfortline basierenden Generation Six hat VW Sicherheit vor Luxus gestellt, um die neuen Assistenzsysteme unters Volk zu bringen.

Denn vor allem hier hat VW nachgelegt. Auf Autobahnstrecken ist der Abstandregeltempomat ACC ein beliebtes Hilfsmittel, weil es via Radar die Distanz zum Vordermann regelt und notfalls, in Kombination mit dem DSG-Getriebe, bis zum Stillstand abbremst. Unfälle oder zumindest Folgekollisionen sollen Front-Assist, City-Notbremsfunktion (aktiv bis 30 km/h) sowie die Multikollisionsbremse verhindern. Müdigkeitswarner, Totwinkelwarner oder Parkpilot sind weitere Systeme, die sich der T6 aus dem Pkw-Programm von VW borgt. Allerdings wird er nicht ganz deren hohes Niveau erreichen. Und im Gegensatz zur Mercedes V-Klasse gibt es weder Einparkautomatik noch Seitenwindassistent.

Von innen wandelt sich der T6 vor allem im Cockpit. Stärker als bisher unterscheiden sich die schicken Pkw- und die praktischeren Nutzfahrzeug-Armaturenbretter voneinander. Angenehm fiel bei unserer ersten Sitzprobe auf, dass sich das besser stützende Gestühl weiter nach hinten schieben lässt: langbeinige Zeit­genossen dürfen sich freuen. Davon abgesehen gab es bisher schon wenig an der Ergonomie auszusetzen; Bedienelemente wie Lenkrad und Schalthebel befinden sich an vertrauten Plätzen. Wer den T5 kennt, findet sich im T6 intuitiv zurecht. Neu gestaltet und weicher sind die Türinnverkleidungen der edlen Multivan- und Pkw-Versionen.

Beim Infotainment funktioniert der Transfer zwischen VW Pkw und Nutzfahrzeugen reibungslos. Neue Multimediasysteme, mit Ausnahme des Einstiegsradios mit Touchscreens, lösen die alte T5-Technik ab. In seiner höchsten Ausbaustufe "Discover Media" lässt sich das Gerät mit kapazitivem 6,3-Zoll-Bildschirm auch mit verschiedenen Smartphones koppeln und greift dann bei der Routenführung auf genauere Mobilfunkdaten und nicht nur die TMC-Verkehrsmeldungen zurück. Via Mirrorlink sind sogar einzelne Apps über den Bildschirm im Cockpit steuerbar.

Übrigens: Für die Nutztiere unter den T6, zu denen mit Transporter und Kombi auch potenzielle Kandidaten für den Ausbau zum Campingbus zählen, offeriert VW alternativ und vermutlich etwas günstiger die bisherigen Euro-5-Aggregate.mit 84, 102, 140 und 180 PS.

Der neue VW California auf T6

Optimierung im Detail steht auch dem California ins Haus. Da die Innenabmessungen gleich bleiben (was auch andere Campingbus-Ausbauer freuen dürfte), ändert VW an dem bewährten klassischen Konzept nur wenig. Der T6-California mit dem neuen Namen Ocean übernimmt vom Vorgänger Comfortline den Ausbau mit einer Küchen- und Schrankzeile aus Aluminium-Leichtbaumaterial.

Auch an funktionalen Details wird gefeilt. Die eigentliche Sensation ist, dass es ein drittes Modell zwischen dem Beach auf Transporter-Basis und dem Ocean geben wird; den California Coast.

Mehr Informationen zum VW California auf T6 lesen Sie in der aktuellen promobil 07/2015.

Foto

Hersteller, Dominic Vierneisel

Datum

17. Juni 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 06/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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