Test:Traktionskontrolle 7 Bilder Zoom

Fiat-Traktionskontrolle im Test: Wer wird denn gleich durchdrehen

Nicht nur im Winter verlieren die Antriebsräder schnell mal an Halt. Lohnt der Aufpreis für die von Fiat offerierte Traktionshilfe?

Das war ein schönes Wochenende im Schnee. Schnell die Ski eingepackt und los gehts. Doch was ist das? Das Wohnmobil bewegt sich keinen Meter voran. Während das eine Rad ungerührt auf dem Asphalt steht, dreht das andere auf Eis haltlos durch. Wie kann das sein?

Schuld ist das Differenzial, ein Bauteil im Antrieb, das bei Kurvenfahrt für Drehzahlausgleich zwischen den Rädern einer Antriebsachse sorgt. Das ist nötig, weil das kurveninnere Rad eine kürzere Kreisbahn beschreitet als das kurvenäußere. Wären beide Räder einer Achse starr verbunden, träten etwa auf Asphalt Verspannungen des Antriebs auf. Die Reifen würden schnell verschleißen, Lenken wäre nur schwer möglich.

Diese Ausgleichsfunktion hat auf rutschigen Untergründen jedoch den oben beschriebenen Nachteil, dass bereits beim Durchdrehen eines Rades kein Vortrieb mehr stattfindet. Klassische Geländewagen setzen darum oft auf sogenannte Sperrdifferenziale.

Hier werden die einzelnen Räder starr oder variabel miteinander verbunden. So wird erreicht, dass auf losem Untergrund alle Antriebsräder zumindest einen Teil der Antriebskraft erhalten.
Dies versprechen heute auch elektronische Hilfen wie das sogenannte Traction Plus für den Fiat Ducato.

Wie funktioniert das Fiat-Traktionssystem und was bringt es?

Traction Plus baut auf dem Antiblockier-System ABS auf und nutzt ebenso die Drehzahlsensoren an den Rädern. Diese helfen nicht nur beim Bremsen ein Blockieren der Räder zu verhindern, sondern überwachen auch die Raddrehzahlen beim Beschleunigen. Diese Funktion wird bei der Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR) genutzt. Durch permanenten Vergleich aller Raddrehzahlen kann ein durchdrehendes Rad schnell entlarvt werden. Als Gegenmaßnahme wird die Motorleistung zurückgenommen, zusätzlich kann das durchrutschende Rad abgebremst werden, um die Antriebskraft aufs andere Rad zu lenken.

Auch der Schleuderschutz ESP im Fiat Ducato bietet die Möglichkeit, einzelne Räder ge-zielt abzubremsen. In der Basis-Funktionalität des Fiat-ESP ist die ASR und eine Berganfahrhilfe bereits ent-halten. Optional gibt es auch Traction Plus. Das System lässt sich über einen Knopf in der Mittelkonsole zuschalten und ist bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h dann automatisch aktiv. Gegenüber der Basis-ASR, dessen fahrdynamische Priorität auf der sicheren Spurhaltung durch frühe Leistungsrücknahme zielt, gibt Traction Plus kompromisslos höhere Motormomente frei, der kraftumleitende Bremseingriff ist merklich aggressiver ausgelegt.

So testet promobil

Zum Test fuhr promobil mit zwei identisch motorisierten (130 PS) und bereiften (Michelin Agilis Camping M+S) Campingbussen einmal im Serienzustand ohne jede Traktionshilfe und einmal mit der Option ESP-Traction-Plus in den Schnee. Erste Disziplin: Der 300-Meter-Sprint auf festgefahrener Schneedecke bergauf. Ob mit Vollgas oder dosiertem Gaseinsatz, klare Vorteile für einen der zwei Probanden ließen sich nicht ausmachen.

Spürbare Unterschiede erbrachte dagegen die zweite Disziplin: Anfahren bergauf mit einem Rad auf Asphalt und einem im Schnee. Der mit Traction Plus ausgestattete Wagen zieht hier besser aus der misslichen Lage. Der Unterschied ist jedoch nicht besonders groß. Sind die Bedingungen nur wenig widriger, der Berg etwas steiler, ists mit dem Vortrieb auch mit Traction Plus vorbei. Große Wunder darf man also nicht erwarten.

Reifen mit gutem Grip und eine passende Lastverteilung können da im Zweifel mehr bewirken. Übrigens, mancher rutschige Anstieg lässt sich mit einem Fronttriebler besser rückwärts bewältigen. Traction Plus ist also eine kleine Traktionshilfe zum kleinen Preis - nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Mechanische Traktionshilfe

Mehr Traktion ist nachrüstbar. Das verspricht der französische Spezialanbieter FAM Automobile. Feuerwehr, Energieversorger oder Forstämter sind die üblichen Kunden, die bei dem Unternehmen aus Étupes in der Franche-Comté ihre Transporter auf harte Einsätze vorbereiten lassen. Neben einem aufwendigen und entsprechend teuren Allradumbau wird auch ein Schlechtwegepaket angeboten, das gerade auch für Wohnmobile interessant ist.

Für 2846 Euro erhält das Fahrzeug eine Höherlegung um 25 Millimeter, Schutzbleche für den Unterboden, traktionsstärkere Bereifung (Winterreifen Michelin Agilis Alpin 8) und ein automatisches Sperrdifferenzial. Letzteres wird anstelle des Originaldifferenzials eingebaut und kann bei auftretendem Schlupf einen Teil der Antriebskraft (ca. 25 Prozent) - ohne Eingriff des Fahrers - auf das Rad mit Grip umleiten. Dazu werden acht Kupplungsscheiben aneinandergepresst (im Schema grau und grün dargestellt), die letztlich für die definierte Verbindung der beiden Räder sorgen.

Die Redakteure des Camping-Car Magazine, der französischen Schwesterzeitschrift von promobil, hatten Gelegenheit, einen so umgerüsteten Adria-Teilintegrierten auf Basis des Fiat Ducato Probe zu fahren und bescheinigen dem System eine deutlich spürbare Traktionsverbesserung auf losen Untergründen. Info: 033/381/955050, www.famauto.fr

Kleiner Preis, kleine Wirkung

Wer das wichtige ESP mitbestellt, bekommt für 60 Euro zusätzlich auch noch eine elektronische Traktionshilfe. Angesichts der Gesamtkosten für ein Wohnmobil ist das zwar nicht viel, doch eine nennenswerte Wirkung sollte trotzdem herausspringen. In der Praxis ist ein Unterschied nur unter bestimmten Bedingungen spürbar. Die Haftungsvorteile eines guten Winter- gegenüber einem Allwetterreifen auf Schnee sind da im Zweifelsfall größer. Zum kleinen Preis lässt sich mit Traction Plus die Traktionsgrenze ein klein wenig ausdehnen, die Wirkung klassischer mechanischer Differenzialsperren erreicht es aber nicht.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Uli Regenscheit, Camping-Car Magazine

Datum

3. April 2013
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