Alles über Sunlight T
Sunlight T 66 Zoom

Der Sunlight T 66 im Test: Teilintegrierte von Dethleffs Zeitmarke

Für günstige Preise bleibt der neue Sunlight T 66 in einigen Punkten eine Evolutionsstufe zurück.

Günstig sollte es sein, das neue Wohnmobil, und dennoch komfortabel. Dann ist ein Sunlight schon einen zweiten Blick wert. Erste Blicke zieht der unauffällig auftretende 2008er Jahrgang ohnehin nicht auf sich.

Doch dafür bietet der T 66 als eines der ganz wenigen Angebote im unteren Preissegment den Luxus von zwei Einzelbetten im Heck. Trotzdem: ein bezugsfertiges Reisemobil für 36.000 Euro. Kann das gut gehen? Und: Wie geht das überhaupt?

Lean Production und Synergieeffekte heißen die Stichwörter. Um die Serienfertigung möglichst schlank zu halten, ist das Angebot an Extras ab Werk bescheiden; geht’s um Markise oder Fahrradträger: Händler fragen. Außerdem unterhalten Dethleffs und Hymer die Fertigungsstätte gemeinsam.

Im Capron-Werk in Sachsen rollen neben den Einsteigermodellen von Dethleffs auch die günstigen Carado der Muttermarke Hymer vom Band. Die Billigmobile beider Hersteller sind bis auf wenige Details identisch.

Wie viel Mobil braucht der Mensch? Sagen wir es so: Ein Einzelbettenwagen ist immerhin mehr als nötig, und das zu diesem Preis! Als typisches Ein­steiger­mobil ist der Sunlight nicht schön, sondern funktional, nicht High End, sondern Low Budget. Dass die gebotene Qualität mit dem günstigen Preis korreliert, liegt in der Natur der Sache. Ob man hier glücklich wird, ist weniger eine Frage der Güteklasse als eine des Anspruchs. Gefragt ist der Pragmatismus, mit dem Einfachen glücklich zu sein. Ist das nicht wahre Freiheit?

Basisfahrzeug: Ford Transit

Beim T 66 ist eine hohe Zuladung möglich. Anteil daran hat auch das geringe Eigengewicht des Ford Transit, der hier als Triebkopf mit Flachboden­chassis Dienst tut - inklusive tauchlackiertem, rostgeschütz­tem Blechboden, der Sicherheit von zwei Airbags und dem Komfort eines Tempomats.

Auch wenn die 20 PS Mehrleistung gegenüber dem Serienmotor aus dem Transit keine Sportskanone machen, sind die 1669 Euro für den 130-PS-Turbodiesel gut investiertes Geld, verleihen sie dem Sunlight doch jenes Quäntchen Spritzigkeit, das man von einem flachen Teilintegrierten einfach erwartet.

Obwohl die Maschine schon ordentlich zupackt, steht bald eine Kraftkur auf 140 PS ins Haus. Im gleichen Zug erhält der Ford das lang ersehnte Sechsganggetriebe, das sich bei ersten Probefahrten genauso knackig schalten ließ wie die Fünfgangbox des Testwagens.

Obschon komfortabel, überzeugt das etwas schwammige Fahrwerk nicht restlos. Feuchte Straßen, vor allem in Kurven und an Steigungen stecken der Traktion des Fronttrieblers enge Grenzen. Auch die hohe Sitzposition ist gewöhnungsbedürftig: Das starre Lenkrad liegt fast auf den Oberschenkeln, große Menschen touchieren mit dem Kopf schon mal den Rand des Dachausschnitts, ihr Blickfeld endet jäh an der Oberkante der Windschutzscheibe. Die Höhen­verstellung der Sitze erweist sich als überflüssig.

Aufbau: Schlicht, aber solide

Aufbau: Viel her macht er nicht gerade, der Sunlight. Wände und Dach verbinden schmale Alu-Kantenleisten. Die Räder der schmalspurigen Transit-Hinterachse verschwinden fast unter dem Aufbau. Offene Verschraubungen an Radläufen und Metallschürzen, recht simpel angenietete, nicht verfugte Übergangsteile zwischen Fahrerhaus und Aufbau – bei Capron wird schnell gearbeitet und mit nicht mehr Materialeinsatz als nötig.

Dennoch: Substanziell unterscheidet den Sunlight wenig von weit teureren Reisemobilen. Hier wie dort zählen Styropordämmung und Holzverstärkungen zum lange schon praktizierten Standard; ebenso vorgehängte Fenster, die beim Sunlight sogar Verriegelungsknöpfe besitzen.

Die Isolierung der doppelschaligen Haube über dem Fahrerhaus ist zwar dünn, aber immerhin vorhanden. Aus dem nicht allzu weit gesteckten Rahmen fällt auch die schlichte Aufbautür nicht. Die praktische, serienmäßige Moskitotür dagegen schon.

Er macht sich halt nicht viel aus der Mode. Wie wenig, zeigt auch die Serienbeplankung des Aufbaus mit antiquiertem Hammerschlagblech. Glattblech wie beim Testwagen kostet Aufpreis. Und etwas Zuladung, weil die fehlende stabilisierende Struktur durch mehr Blechdicke kompensiert werden muss. Zuladungssorgen haben Sunlight-Fahrer so oder so nicht. Sowohl im Hinblick auf das Gesamtgewicht als auch die Achslasten bleiben reichliche Reserven. Bemerkenswert bei einem fast sieben Meter langen Wohnmobil.

Ausbau: Nur für Pärchen

Das Drehen des Gestühls in die Wohnposition klappt einigermaßen reibungslos. Trotz exzentrischen Drehpunkts steht der Beifahrersitz etwas abseits des Geschehens. Die Polsterfarben muss man mögen. Der Komfort der breiten, aber wenig tiefen Bank gegenüber gefällt. Für Passagiere gibt es zwei Dreipunktgurte. Andererseits fehlen Möglichkeiten, den Tisch während der Fahrt sicher zu verwahren oder aus der Sitzgruppe ein Notbett für die Nacht zu bauen.

Der Sunlight ist eben rein auf zwei Personen ausgelegt. Und wie gut er es prinzipiell mit Paaren meint, demonstrieren die Einzelbetten längs im Heck. Große, tiefe Stufen machen das Schlafabteil hervorragend zugänglich. Beide Liegen sind angenehm groß. Die Federkernmatratzen sind Durchschnittsware, doch nicht unbequem. Richtig gemütlich geht’s allerdings nicht zu, die Gestaltung der Koje ist ziemlich karg.

Unbeugsame Qualitätsfana­tiker sind im Sunlight fehl am Platz. Preisdruck und Akkord fordern Kompromisse – auch beim Möbelbau, dessen Verarbeitung und Materialwahl nicht aus jedem Blickwinkel überzeugen. Dennoch: Wirklich unsolide wirkt das Mobiliar nur bei den labbrigen großen Ablagen entlang der Betten.

Ein großer Kleiderschrank und Garderobenhaken zeugen davon, dass der Pragmatismus nicht auf der Strecke bleibt. Was allerdings nützen die gro­ßen Schränke unter den Bettfußenden, wenn eine Einteilung fehlt, um den Stauraum sinnvoll zu nutzen?

Zwischenböden besitzen nur die zwei Hängeschränke über der Sitzgruppe. Sehr brauchbar ist die Heckgarage, nicht zuletzt dank eines Verzurrsystems. Schade, dass eine Beleuchtung fehlt. Die Kunst des Weglassens – hier hat man sie übertrieben.

Küche: Kompakte Pantry

Pragmatisch, aber nicht spartanisch - die Küche spiegelt das Gesamtkonzept des T 66 wider. Komplett steht die kompakte Pantry da. Unter den Hängeschrankklappen müssen Gro­ße etwas in Deckung gehen. Doch Stauraum für zwei ist zur Genüge vorhanden – auch im serienmäßigen 105-Liter-Kühlschrank.

Schnell schätzen lernt man den Mülleimer, der selbst in teureren Mobilen keine Selbstverständlichkeit ist. Lob auch für die große Spüle; wäre die Fuge zum Kleiderschrank daneben abgedichtet, sogar uneingeschränkt.

Rundherum findet sich sogar das ein oder andere Fleckchen Abstellfläche.
Den Arbeitsbereich leuchten vier Halogenlampen sehr hell aus. Den Luxus von Dunstabzug oder Abtropffläche hätte wohl niemand ernsthaft hier erwartet. Es geht auch ohne.

Sanitärraum: groß genug

Zum Urlaubsglück genügen oft recht banale Dinge. Und die sind auch in einem Sunlight an Bord. Ein Bad nämlich mit fließend Wasser, WC und absolut befriedigender Bewegungsfreiheit, die nur im Fußraum durch den Radkasten eingeschränkt wird.

Die Einrichtung ist denkbar schlicht. Für Eitelkeiten gibt’s wenig Projektionsfläche. Handtuchhaken fehlen, und auch Stauraum ist nicht gerade im Übermaß vorhanden.

Der rundum kunststoffverkleidete, sehr große Duschbereich lässt sich mit einer Faltwand abtrennen. Dass das Waschbecken mitbraust, stört nicht so sehr; eher schon ruft das Fehlen von Silikonfugen Stirnrunzeln hervor.

Die Kunst­stoff­wände sind überlappend eingebaut, aber nicht gegeneinander abgedichtet. Für die Zufuhr von Frischluft sorgt nur eine kleine Dachhaube.

Bordtechnik: Eher was für Sommertouren

Was die technische Aus­stattung betrifft, so haben auch viele teurere Mobile nicht mehr zu bieten. Die Wasservorräte beispielsweise liegen durchaus auf Mittelklasseniveau. Der Hersteller gönnt dem Sunlight sogar eine hochwertige, zyklen­feste Gel-Batterie, die allerdings schwer zugänglich in der Fahrersitzkonsole untergebracht ist.

Will man die in der Winterpause ausbauen, hat man ordentlich was zu schrauben. Der Innenraum lässt sich vor allem dank der praktischen Deckenlampe hell beleuchten.

Die Positionierung des Gaskastens im Heckstauraum spart eine zusätzliche Außenklappe; die Ladekante für die zwei Elf-Kilo-Flaschen liegt indes hoch. Auch die Heizung, eine Truma C 6002, arbeitet im Heck. Die Wärmeverteilung bei frostigen Außentemperaturen ist ziemlich hecklastig; durch das wie üblich nicht isolierte Fahrerhaus verflüchtigt sich viel Wärme nach draußen.

Der dünne Einknöpfvorhang, der das Cockpit zwar blickdicht abschottet, aber nicht wirksam verdunkelt, kann daran wenig ändern. Den Winterurlaub im T 66 verlegt man daher besser nach Südspanien als in die Alpen. Hierzulande ist ein Sunlight, wie der Name ja schon vermuten lässt, eher was für Sommertouren.

Technik-Info: Aufbau und Garantie

Hinsichtlich der Bauweise gibt sich der Sunlight konventionell. Nicht so bei der Garantie. Neben der gesetzlichen Gewährleistung von zwei Jahren bieten die meisten Reisemobilhersteller umfangreiche Dichtigkeitsgarantien. Fünf Jahre gelten als Durchschnitt. Doch rechnet der Hersteller sein po­ten­zielles Risiko in den Kaufpreis ein.

Das passte offenbar nicht in die Sunlight-Kalkulation: Bei den preisgünstigen Mobilen gilt auch für die Aufbaudichtigkeit lediglich die Gewährleistung von zwei Jahren. Sollte die Kabine danach undicht werden, trägt der Kunde die Kosten.

Der Sunlight T 66 im Überblick

Grundpreis: 36 119 Euro
Länge: 6,83 m
Dreipunktgurte: 4
Schlafplätze: 2
Gesamtgewicht: 3500 kg
Charakter: Als Zweitmarke von Dethleffs hat sich Sunlight mittlerweile etabliert. Zum Jahrgang 2008 ergänzt der T 66 die Modellauswahl, ein günstiger Teilintegrierter mit Einzelbetten für zwei Personen.
Typ: Teilintegrierte
Preis: 30.000 bis 40.000 €
Schlafplätze: 2
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Autor

Foto

Foto: Tschovikov, Regenscheit

Datum

21. Februar 2008
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