Alles über Fiat Ducato
Test: Ducato-Tuning 9 Bilder Zoom

Ducato-Tuning im Test: Zwei Wege, ein Ziel

Multijet 130 und 150 sind technisch nahezu identische Ducato-Motoren. Ob sich der 130er mit tuning auf die Sprünge helfen lässt? Hier die promobil-Testergebnisse:

Die neue Motorengeneration des Fiat Ducato nach Euro 5 lockt mit sauberem Abgas dank Partikelfilter und etwas geringerem Verbrauch. Überdies reizvoll: die neue Variante des 2,3-Liter-Motors mit 148 PS -  von promobil nach ausgiebigen Vergleichsfahrten als „harmonischster Antrieb“ für den Ducato gelobt.

Doch beim Händler folgte im darauffolgenden halben Jahr nicht selten die Ernüchterung: Die Multijet 150 genannte Motorvariante war zunächst nicht verfügbar, ging erst mit Verspätung in Produktion. Mancher Käufer griff deshalb notgedrungen doch zum 130er.

Die zunächst ausgelieferten neuen 130er nach Euro 5 fielen allerdings durch eine eher verhaltene Leistungsentfaltung auf - verglichen mit dem munteren Vorgänger. Ein weiterer Grund, der die Frage heraufbeschwört: Kann man den 130er durch Tuning auf die Leistung des 150ers bringen?

Technische Unterschiede: Multijet 130 und Multijet 150

Die beiden Motoren unterscheiden sich technisch vor allem durch ihre Turbolader. Anders als beim starren Lader des 130ers kommt beim 150er ein  Schaufelrad mit variabler Turbinengeometrie (VTG) zum Einsatz. Dieser Kniff hilft, den Motor sowohl bei kleinen als auch großen Drehzahlen optimal zu beatmen. Ergebnis ist ein frühes Ansprechen aus dem Drehzahlkeller heraus und hohes Drehmomentniveau über ein breites Drehzahlband hinweg. Der Serien-130er tut sich unten herum deutlich schwerer und lässt nach seinem Drehmomentmaximum auch merklich schneller wieder nach.

MTO-Engineering aus Ladbergen im Münsterland (Telefon: 0 485/ 9659024, www.mtoengineering.com) beschäftigt sich vor allem mit der Leistungssteigerung von Sportwagenmotoren, hat aber auch schon einige Erfahrungen mit Reisemobilen gesammelt. Die Zielsetzung ist hier natürlich nicht das Herauskitzeln der letzten Pferdestärke, sondern je nach Kundenwunsch ein harmonischerer Drehmomentverlauf oder die Milderung einer Anfahrschwäche.

Vorgabe der Redaktion war in diesem Fall den Schwächeren der beiden, bis auf den Motor identischen Hymer B 534 auf das Niveau des Stärkeren zu hieven. Zu diesem Zweck bearbeiteten die Tuner per Software-Tuning die Motorkennlinien und testeten die Wirkung fortlaufend auf dem Prüfstand und der Straße.

Tuning-Ergebnisse

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Rund 30 PS zusätzlich und ein Plus von 50 Nm Drehmoment resultieren in einer spürbar besseren Leistungsentfaltung, damit in mehr Fahrspaß und einer komfortabel schaltfaulen Fahrweise. Die Mehrleistung ergibt sich allerdings erst im mittleren und oberen Drehzahlbereich - bis 1800 Umdrehungen benimmt sich der 130er nach dem Tuning nicht anders als zuvor.

Von unten heraus bleibt es dabei, dass der 150er mit seinem VTG-Lader merklich früher Schub liefert. Erst ab rund 1900/min wird er vom getunten 130er überflügelt, der dann bis in höhere Drehzahlbereiche stramm am Gas hängt - mit dem Ergebnis einer etwas höheren Endgeschwindigkeit.

Die promobil-Verbrauchsrunde schlossen beide mit identischem Konsum ab - 0,3 Liter pro 100 km mehr als der nicht getunte 130er. Dabei muss aber der vorgegebene Anteil mit Höchstgeschwindigkeit berücksichtigt werden, ihn absolvierten der frisierte 130er und der 150er entsprechend zügiger. Bei vollständig identischem Tempoprofil dürfte sich der Unterschied egalisieren.

Nach den Erfahrungen der ersten 3000 Kilometer mit dem erstarkten Multijet 130 kann MTO-Engineering solides Tuning ohne größere Nebenwirkungen attestiert werden. Außer einem leicht veränderten Motorengeräusch - es tendiert nun vom Brummen mehr ins Röcheln - war ein kurzzeitig minimal unrunder Leerlauf nach dem Kaltstart die einzige Veränderung, die kundige Fahrer bemerkten. Auch die vorsorgliche Abgasuntersuchung (AU) brachte keinen Befund.

MTO verlangt für die Motoroptimierung inklusive Dokumentation von Leistung und Drehmoment auf dem Prüfstand 849 Euro. Die Rückrüstung auf den Serienzustand ist jederzeit kostenlos möglich. Dazu muss das Fahrzeug oder zumindest das Steuergerät jedoch zu MTO. Gleiches gilt, sollte das Tuning durch ein Software-Update in der Fiat-Werkstatt überschrieben werden. Die Wiederherstellung der Optimierung auf Basis des Updates ist einmalig im Preis inbegriffen, jedes weitere Mal würde 300 Euro kosten.

Leistung und Drehmoment des Multijet 130 und Multijet 150

Die Leistungskurve des serienmäßigen 130ers verläuft relativ flach und wenig harmonisch. Deutlich gleichmäßiger und mit kräftig Dampf im oberen Drehzahlbereich präsentiert sich die getunte Version mit maximal 160 PS. Im niedrigen Drehzahlbereich bleibt der 150er mit seinem früher ansteigenden und harmonischen Verlauf jedoch das Maß der Dinge.

Mit 347 Nm zeigt sich der Serien- 130er kräftiger als der Nennwert (320 Nm), allerdings erst bei 1910/min. Auch der 150er fällt mit 361 Nm etwas stärker aus als versprochen. Besonders eindrucksvoll: Schon bei 1600/min liegt fast der Maximalwert an. Beim getunten 130er tut sich in diesem Bereich noch wenig. Ab 1900/min hat er aber klar die Nase vorn.


 

Multijet-Tuning: Chancen und Risiken

Tuning ist verlockend - man sollte aber auch die Risiken kennen. Eine Folge ist, dass der Basisfahrzeughersteller danach Gewährleistungs- und Garantieansprüche rund um die Antriebseinheit ablehnen kann. Zwar ist auch der Tuner gegen Schäden durch seine Maßnahme versichert, im Zweifelsfall müssen aber erst aufwendige Gutachten klären, wer für einen Schaden verantwortlich ist.

Zumindest während der zweijährigen Gewährleistungszeit sollte man Tuning deshalb reiflich überdenken. Wer zudem Kulanzregelungen nicht verspielen möchte, wartet noch ein oder zwei Jahre länger. 

Im schlimmsten Fall kann zudem Ungemach für die Zulassung drohen. Streng genommen muss jede Änderung der Motorleistung in die Papiere eingetragen und zuvor durch Abgas- und Geräuschgutachten untersucht werden. Diese kosten allerdings schnell ein Mehrfaches des Tuning-Eingriffs.

Übrigens: Wenn beim Weiterverkauf Tuning verschwiegen wird, kann der Käufer nachträglich vom Vertrag zurücktreten.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Ingolf Pompe, Jürgen Bartosch

Datum

3. April 2013
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