Test: Carthago C 16 Bilder Zoom

Carthago C-Compactline I 138 im Test: Einer kommt durch

Es gibt nicht viele schlanke Integrierte. Der C-Compactline ist einer davon. Aber nicht irgendeiner. Gediegenheit trifft hier auf hochklassige Technik. Wie reist man im kleinsten Carthago?

Ein Gebirgstal im Tessin, eine Nebenstrecke auf Korsika oder durchs englische Dartmoor. Es gibt Situationen, da freut man sich, wenn das Wohnmobil ein Quäntchen schmaler ist. Für Menschen, die auf die schlanke Linie achten, bietet Carthago – wie Hymer, Dethleffs, Bürstner oder Knaus – einen Integrierten an, der weniger breit ist als üblich.

Wobei Breite beim C-Compactline Interpretationssache ist, wie der Blick in den Prospekt lehrt. Der Hersteller gibt 2,12 Meter an, womit aber das Maß von Wand zu Wand gemeint ist. Noch mal rund 10 Zentimeter kommen für Schürzen und Radläufe dazu.

Das Fahrgefühl im kompakten Integrierten

Etikettenschwindel oder nicht – entscheidend ist, dass man den Unterschied in der Paxis spürt. Auf schmalen Straßen findet der Compactline leichter seinen Weg. Man sieht dem Gegenverkehr gelassener entgegen, und Engstellen wirken weniger respekteinflößend. Da beim kurzen Carthago Compactline I 138 auch Radstand und Außenlänge überschaubar bleiben, darf man damit auch manchen Alpenpass unter die Räder nehmen, den man mit einem längeren Mobil besser meidet. Mögen serienmäßige 130 PS ausreichen, um passabel vorwärtszukommen – definitiv mehr Spaß bereitet der 148-PS-Diesel. Er ist laufruhig, drehmomentstark und bei Bedarf richtig schnell. Perfekt, um schaltfaul Strecke zu machen

Über das steil abfallende Cockpit fällt der Blick direkt auf die Straße vor das Mobil. Die niedrige Frontscheibe und das weit herunterhängende Verdunklungsrollo beschränken allerdings die Sicht nach oben, was besonders an Ampeln hinderlich ist. Durch die großen Busspiegel behält man den rückwärtigen Verkehr gut im Auge. Kurven sind hingegen nicht sehr gut einzusehen. Auch der schlechte Empfang und -klang des Radios trübt die Freude am Fahren.

Aufbautechnik und Grundriss des Carthago Compactline I 143

Es gibt zwar Hersteller, die vergleichbar zugeschnittene Integrierte anbieten. Doch einen ähnlich ambitionierten Kabinenbau zeigt keiner der Wettbewerber. Mit den auch innen mit Aluminium beplankten Sandwich-Wänden ist der C-Compactline in seiner Klasse konkurrenzlos. Ebenso mit seinem Doppelboden. GfK schützt Dach und Boden vor Wind und Wetter. Die Verarbeitung ist solide. Nur die Spaltmaße sind nicht ganz so premiumlike, wie Carthago das gern darstellt. Die Bugmaske aus vielen Einzelteilen ist zwar reparaturfreundlich, doch die Spaltbreiten schwanken erheblich.

Doch nicht zuletzt zählen bei einem Wohnmobil innere Werte. Ein klassischer Querbett-Grundriss hilft dem I 138, Länge zu sparen. Die adäquate Besatzung definiert sich weniger über den Zuschnitt als vielmehr durch das Raumangebot. Es gibt zwar mit dem serienmäßigen Hubbett insgesamt vier Schlafplätze, aber zu dritt oder gar zu viert wird es eng.

Zwei Menschen hingegen finden genügend Platz, ohne sich gravierend bescheiden zu müssen. Das Heckbett ist groß genug, und der Liegekomfort hervorragend. Es liegt sehr hoch – zwei kleine Trittstufen machen den Aufstieg leidlich akzeptabel – doch die Kopffreiheit in der Koje ist ausreichend, da der Compactline insgesamt nicht an Höhe spart.

Wohnliches Wohnmobil

Die zurückhaltende Möblierung, der es dennoch weder an Ablagen noch an Hängeschränken mangelt, lässt keine Enge aufkommen. Allerdings sind die Leselampen nicht separat schaltbar, was verwundert, denn ansonsten zeichnet sich der Compactline durch eine sehr intelligente Lichtsteuerung aus. Wer getrennt schlafen will, findet im Hubbett ein breites, aber ziemlich kurzes und kaum weniger bequemes Ausweichquartier.

Mit dicken Polstern verbreitet die Sitzgruppe die für Carthago typische Gemütlichkeit. Um den stabilen, verstellbaren Einsäulentisch gruppieren sich Eckbank und Drehsitze. Dass die Tischplatte sich während der Fahrt nicht abbauen lässt, muss nur mehrköpfige Besatzungen kümmern. Den kleinen, wackeligen Ausziehhocker kann man als Sitzgelegenheit nicht wirklich ernst nehmen. Zudem behindert er das Drehen des Beifahrersitzes. Eine nützliche Funktion indes erfüllt er: als Tritt beim Aufstieg ins Hubbett. 2015 soll eine verbesserte Version zum Einsatz kommen. Wirksam verdunkeln lässt sich das Fahrerhaus mit Faltrollos.

Küche und Bad

Die Küche ist ansprechend gestaltet. Die Schubladen bergen jede Menge Stauraum, und ihr Inhalt ist sogar beleuchtet. Große Menschen sollten sich vor der geöffneten Hängeschrankklappe in Acht nehmen. Damit die Spüle das Wasser hält, muss der Stöpsel zielsicher festgedrückt werden. Wer sie mit zwei Brettern bündig abdeckt, erhält zumindest ein bisschen Arbeitsfläche. Zur effektiven Entlüftung setzt Carthago eine Dachhaube mit Ventilator ein. Sie ist wie der große AESKühlschrank optional.

Als Blaupause für Raumökonomie darf das Bad gelten. Die Ellenbogenfreiheit ist nicht üppig, doch funktional passt fast alles. Es gibt geschlossene Schränke sowie praktische offene Ablagen. Zwei Rundtüren trennen die Dusche ab. Die Bodenwanne ist robust und ordentlich verfugt. Abgesehen vom falsch positionierten Klorollenhalter, dem Spiegel, der zwar groß, aber nach jedem Händewaschen völlig verspritzt ist, und den fehlenden Haken, gibt es wenig zu kritisieren.

Stauraum und Bordtechnik

Das Stauraumangebot überzeugt, nicht zuletzt dank mehrerer Doppelbodenfächer und der großen Garage. Einzige Schwachstelle ist der niedrige und tief unter dem Bett eingebaute Kleiderschrank. Zwei Reisenden bietet der I 138 genug Zuladung. Eine üblicherweise
hecklastige Beladung dürfte die knappen Reserven an der Vorderachse ausgleichen.

Keine Blöße gibt sich die Bordtechnik. Die gute Beleuchtung bewährt sich ebenso wie der breite Gaskasten. Die Installationen sind sauber ausgeführt. Dank Doppelboden und frostsicherer Tanks steht auch Winterurlaub nichts im Weg. Klasse wäre, wenn von der Warmluft auch an der Frontscheibe etwas ankäme, um deren Beschlagen zu verhindern.

Der C-Compactline ist wohl der ambitionierteste schlanke Integrierte. Aber auch der teuerste. Die undurchsichtige Paketpolitik treibt die Kosten schnell weiter nach oben. Kaufreude dürfte hingegen kaum aufkommen, denn in der Praxis funktioniert der kleine Carthago sehr gut. Übrigens nicht nur auf schmalen Straßen.

Die Baureihe Carthago C-Compactline

Preise: 68.990–75.750 Euro
Basis: Fiat Ducato
Längen: 6,40–7,18 m
Gesamtgewicht: 3.500 kg
Modelle: Die kleine Baureihe besteht aus drei Modellen, die sich hauptsächlich durch die
Anordnung der Betten im Heck unterscheiden. Quer-, Mittelbett und Einzelbetten bedienen die gängigen Ansprüche.

Modellüberarbietung zur Saison 2015

Kleine Änderungen erfährt der C-Compactline 2015. Im Doppelboden ersetzen Stehwände aus Metall diejenigen aus Holz. Der obere Boden ist nun ebenfalls gedämmt. Für stimmungsvolle Beleuchtung sorgt ein LED-Lichtband unter dem Hubbett. Die Außenklappen erhalten wieder sichtbare, außenliegende Scharniere.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Uli Regenscheit, Dominic Vierneisel

Datum

27. August 2014
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