Alles über Pössl Roadcamp
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Pössl Roadcamp R im Test: Der Campingbus für die Stadt

Flexibel sind sie, dynamisch, wendig - vieles spricht für einen Campingbus als mobiles Urlaubsdomizil, nicht nur für Städtetouren. Ein Bad an Bord macht die Unabhängigkeit perfekt. Der Sechs-Meter-Ducato hat die beliebte Klasse der ausgebauten Kastenwagen mit Sanitärraum fest im Griff. Eigentlich, denn zwei gegenläufige Trends rütteln derzeit an dieser Vormachtstellung.

Einerseits fordern moderne Grundrisse mit Einzel- oder jüngst auch Doppellängsbetten größere Außenabmessungen. Andererseits entdecken Käufer und Hersteller, dass auch die kürzere 5,40-Meter-Variante genügend Platz zum Leben unterwegs bietet - eine clevere Raumaufteilung vorausgesetzt.

Sehr trickreich macht's Marktführer Pössl beim neuen Roadcamp R. Das Ergebnis ist ein spannender Mix aus neuen und bekannten Einrichtungsmodulen. Das aber genügt nicht für ein Reisemobil. Wie steht es um die Qualität und Praxistauglichkeit?

Sitzen & Schlafen im Pössl Roadcamp R

Zu den festen Größen zählt im Roadcamp R das gewohnte Querbett im Heck. Zwei-Meter-Riesen werden mit der Anordnung nicht glücklich, doch Durchschnittseuropäer kommen zurecht - viele sogar mit der auf 1,16 Meter reduzierten Breite am Fußende. Die Matratze ist längs und quer unterteilt, damit sich das Bett in Einzelteilen zur Seite räumen lässt. Eine Schaumstoffmatratze ist Serie, gegen Aufpreis gibt's eine bequemere Kaltschaumunterlage. Lattenroste sichern Unterlüftung und -federung. Nur das Fußteil liegt auf dem blanken, folierten Sperrholz.

Auf der Habenseite verbucht die Schlafkoje zwei Leselampen, zwei Fenster in den Hecktüren und mehrere Ablagen. Sogar ein in die Schottwand integrierter Tritt erleichtert den Aufstieg.

Die Ausgestaltung ist indes mit grauen Kunststoff-Wänden eher nüchtern, doch nacktes Blech gibt es nur partiell. In der kalten Jahreszeit muss man zwar mit Zugluft durch den Türspalt rechnen, doch immerhin legt ein nach hinten gerichteter Heizungsausströmer eine Art Warmluftschleier vor die Heckwand. Isoliermatten für die Hecktüren kosten 189 Euro.
Optional bietet Pössl auch eine Umbaumöglichkeit für die Sitzgruppe an. Eine Notlösung, denn das Hantieren mit dem sperrigem Brett und den Matratzenstücken ist umständlich.

Die Sitzgruppe kann sich angesichts der kompakten Außenabmessungen durchaus sehen lassen. Sie genießt deutlich mehr Platz als im weiterhin parallel angeboten, gleich langen Roadcamp ohne R mit konventionellem Sanitärraum. Die Vordersitze sind flugs gedreht, die schmale Rückbank lässt sich für mehr Bequemlichkeit sogar verbreitern. Der kleine Tisch reicht für zwei Personen. Langbeinige Zeitgenossen kollidieren indes gelegentlich mit dem Tischbein.

Auch hier verkleiden Kunststoff-Teile Wand und Schiebetür. Intimität gewährleistet die serienmäßige Faltverdunkelung der Fenster im Fahrerhaus. Ein einzelner Spot beleuchtet den Tisch, in der Regel wird man daher nachts die neue Deckenlampe dazuschalten.

Bad & Küche im Pössl Roadcamp R

Vom Bad, das sich sich an die linke Seitenwand drückt, bemerkt man zunächst nur die abgedeckte Duschwanne im Gang vor dem Bett. Öffnet man die Rollotür, die gemeinsam mit einer zweiten, schneckenartig zusammengerollten Tür den Raum umschließt, begreift man den Kniff: Das schicke, aber sehr flache Waschbecken wird zur Benutzung der Toilette nach oben geklappt. Die gesamte Konstruktion samt Auszieh-Armatur wirkt solide. Die Rollotüren laufen leicht, allerdings neigen die Schließmagnetleisten dazu, aus ihrer Führung an den Türrändern nach unten herauszurutschen.

Die Raumersparnis führt zu Kompromissen. So kann man sein Spiegelbild beim Rasieren oder Schminken nur in unbequemer Haltung betrachten. Doch derlei kann man in einem Bereich in Kauf nehmen, in dem man die wenigste Zeit des Tages verbringt. Immerhin fassen die zwei kleinen Hängeschränke die nötigsten Utensilien, zusätzlich gibt es zwei tiefe offene Ablagen. Das Fenster als einzige Entlüftung ist jedoch nur als Zwangsoption zu haben - ärgerlich. Ein Aufsteller für die Außenklappe des Toilettenfachs wäre ebenfalls hilfreich.

Die Küche erfordert kaum Umgewöhnung gegenüber größeren Campingbussen. Der Zweiflammkocher – ohne Elektrozündung – genügt für die Basisverköstigung ebenso wie der Stauraum in Form von vier bequem von oben zugänglichen Schubladen und eines Hängeschranks. Ein hochklappbares Brettchen sorgt für ein Mindestmaß an Abstellfläche.
Die große Spüle wartet in bequem erhöhter Einbauposition auf Geschirr. Man sollte sich jedoch davor hüten, beim Küchendienst zu kleckern, da eine Verfugung der angrenzenden Bauteile fehlt. Eine einzelne Lampe leuchtet den Arbeitsbereich nur spärlich aus. Kühlkost lagert tief unten im Küchenblock in einem 64-Liter-Kühlschrank, dessen Kompressor stets hörbar bleibt und nach einem regelmäßigen Stromnachschub verlangt.

Stauraum & Zuladung im Pössl Roadcamp R

Im Campingbus zählt auch beim Stauraum jeder Quadratzentimeter. Pössl nutzt als erfahrene Marke jede Nische. So gibt es im Podest unter der Sitzgruppe sogar ein kleines Schuhfach. Die Sitztruhe ist bequem von der Seite aus durch eine Klappe zugänglich. Der zwischen Bett und Kühlschrank eingezwängte Kleiderschrank ist allerdings winzig; zwei Jacken oder vier Hemden sind hier das Maximum.

Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern baut Pössl auch quer vor den Hecktüren einen Hängeschrank ein. Macht insgesamt vier Dachstaukästen, ergänzt durch das große offene Fach über der Sitzgruppe – nicht schlecht. Noch besser wär’s, wenn zumindest die beiden größeren Schränke für eine übersichtlichere Belegung unterteilt wären. Eine im Einstieg festgeknöpfte Einkaufstasche gibt es als Dreingabe.

Der Möbelbau ist von einfacher, aber solider Machart. Viel beanspruchte Kanten haben stabile Kunststoff-Umleimer, Tisch und Küchenarbeitsplatte sogar in dieser Preisklasse unübliche Echtholzkanten. Die Schrankeingriffe sind zwar nicht mehr sägerauh, könnten aber etwas glatter geschliffen sein.

Wie seine längeren Brüder ermöglicht auch der Roadcamp R den Transport von Campingmöbeln in einem größeren Gepäckabteil unter dem Heckbett. Für höhere Aufgaben lassen sich Lattenrost und Matratze zur Seite räumen; allerdings fehlte im Testwagen ein Spannband zur Befestigung der Einzelteile. Das Gepäck lässt sich mit vier optionalen Zurrösen am Boden ausreichend sichern.

Engpässe bei der Zuladung sind beim kurzen Roadcamp R selbst in der Basisvariante mit 3,3 Tonnen Gesamtgewicht nicht zu befürchten. Schwergewichte sollten lediglich die Vorderachslast im Auge behalten, ansonsten passt’s.

Aufbau & Bordtechnik

Selbst bei Campingbussen, die das baugleiche Trio Fiat Ducato, Citroën Jumper und Peugeot Boxer als Basis nutzen, gibt es Unterschiede in der Aufbautechnik. Standard sind in dieser Klasse einfache vorgehängte Kunststoff-Fenster, Pössl rüstet sie mit wirkungsvollen Rollos aus. Das einzige serienmäßige Dachfenster des Roadcamp R ist groß und per Kurbel zu bedienen. Gut: Der Einbaurahmen passt sich den Versteifungssicken auf dem Dach an, das ermöglicht eine saubere und gleichmäßige Abdichtung.

Mit seiner breiten Trittstufe punktet der Roadcamp ebenso wie mit dem leicht zu bedienenden Moskitoschutz für die Schiebetür, den es so vorerst exklusiv nur bei Pössl gibt. In seiner unteren Führungsschiene sammelt sich allerdings Schmutz. Mit vielen Campingbussen gemein hat der Pössl seine nur mäßig und lautstark schließende Schiebetür.

Die Blechkarosserie ist mit PE-Schaum isoliert, die Bodenplatte mit festem Styrofoam. Freilich kann man von Bussen dieser Klasse nur einen eingeschränkten Komfort im Winterurlaub erwarten. Zumindest in der Übergangszeit bringt jedoch die gut zugängliche Heizung Truma Combi mit integriertem Warmwasserboiler den kleinen Wohnraum auf angenehme Temperaturen.

Eine Isolation des unterflur montierten Abwassertanks gibt es immerhin optional. Winters wie sommers nachteilig ist jedoch dessen mittiger Ablass, da nicht jede Entsorgungsstation mit einem überfahrbaren Bodeneinlass aufwartet. Platzsparend seitlich im Heck trägt der Pössl den 95-Liter-Frischwassertank, der dank zweier Revisionsöffnungen gut zu reinigen und mit Drehablass leicht zu entleeren ist. Gegenüber hat der üppige Gasvorrat Platz. Einfach, aber praxistauglich ist die Elektrik. Allerdings ist der Roadcamp nur spärlich mit Lampen ausgestattet

Fahren & Sicherheit

Der Unterschied zu längeren Campingbussen lässt sich mit dem kompakten Roadcamp im Wortsinn und obendrein auf angenehme Weise erfahren. Viel wendiger als seine Sechs- Meter-Kollegen wieselt der kleine Pössl um die Ecken und spielt damit einen seiner wichtigsten Trümpfe aus. Sogar 130 PS fühlen sich in dem schnittigen und relativ leichten Campingbus überaus agil an; Geschwindigkeiten jenseits von 140 km/h erreicht der Roadcamp damit mühelos.

Dazu punktet der Ducato mit seinem unkomplizierten Wesen, der direkten Lenkung und der straffen, sicheren Straßenlage. Wie gehabt steht eine etwas komfortablere Federung ganz oben auf dem Wunschzettel. Große Menschen dürften eine etwas niedrigere Sitzposition einfordern sowie eine bessere Nutzbarkeit der Sonnenblenden, die wegen der Führungsschiene für die Verdunkelungsrollos der Frontscheibe eingeschränkt ist. Beifahrer-Airbag und ESP kosten wie üblich Aufpreis. Ein FI-Schutzschalter gegen gefährliche Fehlerströme bei Netzanschluss ist jedoch Serie. Der Möbelbau bleibt frei von gefährlichen Ecken und Kanten.

Ausstattung & Preise

Eines vorweg: Wer den Citroën Jumper als Basis wählt, spart 1000 Euro. Das umfangreichere Servicenetz spricht für den Fiat Ducato. Der Grundpreis liegt auch mit dem Fiat moderat. Allerdings ist der längere Pössl 2-Win fürs gleiche Geld zu haben, hier schlägt nicht die aufwendige Badkonstruktion des Roadcamp R zu Buche. Das tragfähigere 3,5-Tonnen-Chassis kann man sich sparen, die Investition in das sogenannte All-In-Paket lohnt allerdings, schon wegen der Klimaanlage, dem Beifahrer-Airbag und einem größeren Dieseltank. Inklusive einiger zusätzlicher Extras wie ESP, dem 130-PSMotor oder dem komfortablen Tempomaten erhält man für rund 40.000 Euro ein vollwertig ausgestattetes Wohnmobil.

Bei identischer Ausstattung liegt der Roadcamp R damit spürbar unter seinen wichtigsten Wettbewerbern, die bis auf den Knaus Box-Star noch mit einem konventionellen Sanitärraum und daher etwas weniger Platz im übrigen Innenraum auskommen müssen.
Ein attraktives Angebot also, das den Kompromiss zwischen Komfort und Mobilität Richtung Fahrdynamik verschiebt. Der perfekte Stadtbus eben – und ein prima Reisebus!

Lichtcheck (angelehnt an din EN 12464-1)

Wenige Halogenlampen beleuchten die Sitzgruppe. Es bleibt nachts recht schummrig. Bei maximal 141 Lux wird das Lesen auf Dauer anstrengend. In der Küche ist es hell an der Spüle und dunkel am Kocher: Mit 82 Lux im Schnitt verfehlt der Pössl die Norm deutlich. Die Grundhelligkeit im Bad passt, auf Gesichtshöhe ist es eher dunkel. Gedämpftes Licht im Bett: Die Spots kommen nur auf mäßig helle 125 Lux.


Die Baureihe: D-Line und H-Line

Preise: 34.356-46.356 Euro
Basis: Fiat Ducato, Citroën Jumper
Länge: 4,99-6,36 m
Gesamtgewicht: 3300-3500 kg
Modelle: Die bei Dethleffs entstehenden Ausbauten des Jumper bzw. Ducato mit Serienhochdach fasst Pössl in der D-Line zusammen. Es gibt sechs Modelle mit Quer-, Längs- oder Einzelbetten. Die H-Line-Busse, darunter der Concorde Compact und der nur knapp fünf Meter lange Vario 499, kennzeichnet ein GfK-Hochdach mit Hubbett.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Ingolf Pompe

Datum

18. März 2013
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