Alles über Niesmann + Bischoff Arto
Supercheck: Niesmann + Bischoff Arto 66 F 26 Bilder Video Zoom

Niesmann + Bischoff Arto 66 F: Feiner kleiner Liner

Mit exquisiten und sehr variablen Wohnambiente putzt sich der Arto  66 F von Niesmann + Bischoff zum Modelljahr 2013 heraus. Beweisen muss er sich mit einer besonderen Bettanordnung.

Nichts gegen aufwendige Technik und durchdachte praxisgerechte Details. Alles zweifellos sehr wichtig. Doch mal ehrlich: Nur wenn sich Urlauber im Wohnraum wohlfühlen, können sie die schönsten Wochen des Jahres im Wohmobils so richtig genießen. Niesmann + Bischoff setzt beim neuen Arto auf Behaglichkeit, auf einen modernen, edlen und komfortablen Ausbaustil - ohne dabei die traditionell hochwertige Aufbau- und Bordtechnik zu vernachlässigen.

Als besonders bequem gilt ein leicht zugängliches Queensbett im Heck des Wohmobils - einst Merkmal der Luxusklasse. Doch die meisten Modelle mit dieser Anordnung ragen über die Sieben-Meter-Marke hinaus. Kompakt gebaut und dennoch komfortabel will der neue Arto 66 F als feiner kleiner Liner überzeugen.

Sitzen & Schlafen im Niesmann + Bischoff Arto 66 F

Vom neuen Ausbaustil des Arto fallen zunächst die großen Kissen der Rückenpolster ins Auge. Sie wirken gemütlich und einladend wie die Sitzgarnitur zu Hause. Selbst die Sitztruhen sind größtenteils mit Polsterstoff verkleidet. Der Bezug hält Abstand zum Boden, die Innenarchitekten haben an mögliche Verschmutzung durch Schuhe gedacht. Zum Konzept gehört die Wahl zwischen zwei Polsterstoffen und zwei Ledervarianten sowie 14 Stoffdekors für die angekletteten Kissen.

Diese lassen sich deshalb auch leicht austauschen, etwa wenn man sich nach ein paar Jahren einfach einen neuen Ausbaustil wünscht oder einen gebrauchten Arto wieder auffrischen möchte. Die Sitzflächen der Bänke sind angenehm straff mit hochwertigen Schäumen gepolstert. Die weichen Rückenkissen im Arto sorgen für den Wohlfühlfaktor bei der gemütlichen Runde. Während der Fahrt bieten sie Passagieren aber keinerlei Seitenhalt. Sie abzunehmen hilft ebenfalls wenig, weil die verbleibende Lehne unangenehm steil steht.

Ansonsten haben die Konstrukteure gut vorgesorgt, um auch vier Personen eine angenehme und sichere Fahrt zu gewährleisten. Die Gurtsäule fährt bei Bedarf aus der Rückenlehne heraus und lässt sich in passender Höhe arretieren. Und der Fußraum für den wandseitigen Mitfahrer lässt sich komplett freiräumen.

Nicht nur die Polster, sondern die ganze Sitztruhe des Längsschenkels der Eckbank kann man abnehmen und sogar als zusätzlichen Hocker im Gang verwenden. Die komfortablen, mehrfach verstellbaren Isri-Fahrerhaussitze lassen sich gut in die Sitzgruppe integrieren. Bei einer Vollbesetzung bleibt jedoch nicht allzu viel Beinfreiheit rund um den wuchtigen Tischfuß. Um dessen Platte verschieben zu können, muss nur ein Hebel gelöst werden. Die Tischfläche soll in der Serie noch vergrößert werden, die Längsbank zugunsten des Fußraums verschlankt.

Vom Cockpithimmel lässt sich das serienmäßige Hubbett herabschwenken und ist dann über die Seitenbank leicht zu erklettern. Kaltschaummatratze plus optionale punktelastische Unterfederung ergeben ansprechenden Liegekomfort. Mit 1,27 Meter ist die Breite aber ein ganzes Stück entfernt von den Maßen, die sich in jüngeren Konstruktionen dieser Klasse inzwischen finden. Schutznetz gegen Herausfallen, Dachhaube, Ablagen und eine helle LED-Leselampe vervollständigen die Ausstattung.

Etwas Neues probiert Niesmann + Bischoff beim Heckbett aus. Im Arto 66 F wird das klassische und platzsparende französische Längsbett plus Sanitärraum nebenan mit dem in jüngster Zeit zunehmend verbreiteten Queensbett gekreuzt.

Ergebnis ist eine ganz an die Seitenwand gerückte Liegefläche ansehnlicher Größe. Das leicht abgerundete Fußende ist frei zugänglich, einfacher als beim typischen Längsbett. Seitlich ganz herumgehen wie bei einem echten Queensbett können die Reisenden jedoch nicht. Auch hier gewährleisten eine Kaltschaummatratze und die optionale punktelastische Unterfederung hohen Liegekomfort. Ablagebord, Wandtaschen und LED-Leseleuchten betonen die praktische Seite.

Bad & Küche im Niesmann + Bischoff Arto 66 F

Neben dem Bett wartet der offene Waschtisch auf die Morgentoilette. Ein großes Edelstahl-Waschbecken, einige Fächer und Ablagen sowie eine Wandverkleidung aus echtem Schiefer kombinieren Ambiente und Praxistauglichkeit.

Der Dusch- und Toilettenraum findet sich hinten links. Eine solide Tür mit Einsteckschloss und Metallklinke führt hinein. Mittels zweier Wände entfaltet sich hier flugs eine Duschkabine mit angenehmer Bewegungsfreiheit. Kleidung und Handtücher hängen derweil trocken an Haken über der Toilette, die sich in eine Nische ganz im Eck kauert. Kräftig gebauten Personen fällt die Nutzung des stillen Örtchens jedoch etwas schwer – es fehlt an Platz, auch wenn die hervorspringende Duschsäule in der Serienfertigung noch etwas zurückgenommen werden soll.

Hübsch anzuschauen und praktisch gestaltet ist die Küchenarbeitsplatte aus GfK. Ein großes Spül- und ein kleines Ausgussbecken nebst Abtropffläche sind eingeformt. Den Stauraum im Unterschrank erschließen drei stabile Schubladen, geführt an Auszügen mit sanften Endeinzügen. Im tiefen Schenkel der Winkelküche finden sich drei lange Drahtkorbauszüge: Sie werden gemeinsam mit den Schubladen von einer mechanischen Zentralverriegelung gesichert. Wenig elegant, weil verbastelt und ungelenk, gestaltet sich der Zugang zu den Korbauszügen.

Gegen Aufpreis findet sich vis-à-vis der Küche ein 160-Liter-Kühlschrank mit Backofen. Ebenfalls optional und sinnvoll ist die Ventilatordachhaube als Abzug über der Küche.

Aufbau & Bordtechnik im Niesmann + Bischoff Arto 66 F

Die Sandwich-Platten fallen beim Arto etwas dünner aus als beim großen Bruder Flair. Sie setzen aber auf die gleiche Oberklasse-Aufbautechnik mit Aluminium außen und innen sowie einer Styrofoam-Isolierung. Das Dach bedeckt eine hagelresistentere GfK-Außenhaut. Im Kellergeschoss ist der Doppelboden zwar durchgehend, variiert in der Höhe aber zwischen 90 und 355 Millimeter. Für die Rahmenfenster gibt es optional eine Einhandbedienung, für die Frontscheibe einen elektrischen Rollladen und für die Cockpit-Seitenscheiben eine Doppelverglasung. Die elektrische Zuziehhilfe der Aufbautür ist dagegen serienmäßig. Beim Testwagen trat daran jedoch ein Defekt auf, so dass sich die Tür nicht mehr zuverlässig öffnen ließ – ärgerlich vor allem, wenn das Wohnmobil nicht über die aufpreispflichtige Fahrertür verfügt.

Die Wasser- und Stromreserven sind angemessen dimensioniert. Neben der 80-Ah-AGM-Batterie ist im Zwischenboden gleich ein Platz für ein weiteres Exemplar vorgesehen. Frisch- und Abwasser laufen durch solide Rohrsysteme. Alle Kugelhähne und Ventile münden in einem zentralen Verund Entsorgungsfach hinter einer Klappe in der Schürze auf der linken Seite. Ein Heizungskonvektor hält gezielt diesen Bereich frostfrei, und die Bedienelemente sind sogar vorbildlich beschriftet.

Mit einer Warmwasserheizung und weiteren Extras lässt sich der Arto auf noch mehr Winterkomfort trimmen. Die hinterlüfteten Möbel sind serienmäßig
darauf eingestellt.

Stauraum & Zuladung im Niesmann + Bischoff Arto 66 F

Stauraum bietet der Arto 66 F in vielfältiger Weise – Hängeschränke, Sitztruhen, Doppelbodenfächer und viele Ablagen. Der Kleiderschrank und die Wäscheschränke – sie stecken im Fußteil des Heckbetts – werden besonders leicht zugänglich durch Gasdruckfedern, die sie nach oben heben. Allerdings dauert dieses Prozedere eine ganze Weile, und wenn noch ein Reisender in den Federn liegt, ist der Zugriff für Frühaufsteher blockiert.

Mancher würde sich auch einen größeren Kleiderschrank wünschen. Eine Kleiderstange im Heckstauraum kann Abhilfe schaffen, etwa für Ersatzkleidung im Herbst und Winter.
Der Stauraum reicht über die ganze Fahrzeugbreite. Unter dem Sanitärraum jedoch schrumpft die Höhe auf 25 Zentimeter. Gängige Fahrräder sind deshalb nicht unterzubringen. Eine praktische Ergänzung des Stauraums, etwa für typisches Zubehör wie Auffahrkeile oder Kabeltrommel, ist die optionale Gepäckschublade. Sie integriert sich geschickt in die Seitenschürze.

Aus nahezu allen Zuladungssorgen raus, ist wer den Arto 66 F gleich als Maxi mit 4,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht ordert. Als serienmäßiger 3,5-Tonner funktioniert er dagegen nur als Zwei- Personen-Mobil mit gezielter Auswahl der Extras – wie etwa Hängeschränken statt des schwereren Hubbetts vorn.

Fahren & Sicherheit

Die Kombination aus 148-PSMotor und automatisiertem Schaltgetriebe wie im Testwagen harmoniert gut mit dem komfortbetonten Ansatz des Arto. Auf freier Strecke setzt der Pilot den Tempomaten und braucht sich fortan nur noch ums Lenken zu kümmern. Die Geräuschkulisse ist zurückhaltend, weitere Feinarbeit aber erwünscht: So nervte im Testwagen ein ums andere Mal ein grillenartiges Zirpen.

Die Vorderachse federt im Niesmann + Bischoff Arto 66 F ein wenig feinfühliger als vom Basisfahrzeug Ducato üblicherweise gewohnt. Grund ist offenbar eine spezielle Schraubenfeder, die serienmäßig eingesetzt wird, um vor allem den Vorderwagen anzuheben.

Ein weiterer Nebeneffekt ist jedoch, dass die Wankneigung ein wenig stärker ist als üblich. Das macht sich besonders bei zügigerer Fahrt auf kurvigen Landstaßen bemerkbar. Doch dieser Umgang gehört ohnehin nicht zu den Paradedisziplinen des Arto, auch weil sich das automatisierte Schaltgetriebe des Fiat mitunter einige Zeit für den Gangwechsel nimmt. Oder sich gar verschaltet, was durch manuellen Eingriff aber leicht ausgebügelt werden kann.

Rund- und Rücksicht gewährt der Arto in großzügiger Weise durch die üppige Cockpitverglasung und stattliche hängende Spiegel mit großem Weitwinkelteil. Sie verdecken trotzdem nicht allzu viel direkte Sicht. Eher mager fällt dagegen die serienmäßige Sicherheitstechnik des Basisfahrzeugs aus. Nicht nur ESP, auch beide Airbags müssen extra bezahlt werden, sind nicht mal Teil eines vergünstigten Pakets.

Drinnen sieht es anders aus: Von den höhenverstellbaren Gurten der Rückbank und dem Hubbett mit solidem Herausfallschutz war bereits die Rede. Ein FI-Schutzschalter sichert den 230-Volt-Anschluss ab, scharfe Ecken oder Kanten finden sich nicht.

Ausstattung & Preise

Die Auswahl unter den Integrierten, die Oberklasse-Aufbautechnik, in nur leicht abgespeckter Version wie der Arto, deutlich unter 100.000 Euro anbieten, ist gar nicht so groß. Insofern erscheinen die rund 85.000 Euro Grundpreis für den Niesmann + Bischoff Arto 66 F angemessen.

Doch bis man ihn so ausstattet, dass er nicht nur wie ein feiner kleiner Liner auftritt, sondern es in allen Komfortbelangen auch ist, wächst die Summe schnell über die 100.000-Euro-Schwelle hinaus – wie beim keineswegs übertrieben üppig ausgestatteten Testwagen für rund 112 000 Euro.

Immerhin begrenzen ein paar Ausstattungspakete den Wachstumsdrang des Endpreises ein wenig. Trotzdem kann die Rechnung am Ende aufgehen. Dann jedenfalls, wenn man mit dem Arto 66 F nicht nur ein gutes Stück solider Wohnmobiltechnik, sondern auch sein ganz persönliches Wohlfühl-Wohnmobil gefunden hat.

Lichtcheck (angelehnt an DIN EN 12464-1)

  • Die Sitzgruppe ist mit 140 Lux im Mittel angemessen beleuchtet, zum Lesen sind 215 Lux maximal aber nicht ganz ideal.
  • Der Lesespot oben am Hubbett bringt es auf 495 Lux, dem Höchstwert im ganzen Fahrzeug.
  • Auf der Küchenarbeitsplatte ist es mit 151 Lux im Mittel nicht hell genug.
  • Das Gesicht im Spiegel am Waschtisch wird zwar hell beleuchtet (333 Lux), aber nur von oben.4321

Farbabstimmung auf zirka 4000 Kelvin

Die Baureihe: Niesmann + Bischoff Arto

Preise: 79.990-106.990 Euro
Basis: Fiat Ducato/Alko
Länge: 6,47-8,77 m
Gesamtgewicht: 3500-5000 kg
Modelle: Die Arto-Reihe hat sich mächtig gestreckt und reicht aktuell vom kompakten 59 GL mit Einzelbett quer im Heck bis zum stattlich langen Dreiachser 88 L. Am häufigsten unter den 15 Modellen finden sich Einzelbetten-, gefolgt von Doppelquer- und Queensbett-Grundrissen. Zahlreiche Ausstattungsvarianten sind erhältlich.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Frank Eppler

Datum

22. April 2013
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