Alles über La Strada Regent
Supercheck, La Strada Regent S 19 Bilder Zoom

La Strada Regent S im Test: Der kleine Prinz

Der Regent S ist der kleine Bruder des traditionellen La-Strada-Top-Modells Regent L. Wie kann sich der flachere und günstigere Mercedes-Sprinter-Ausbau beim Campingbusvolk profilieren?

Kaum größer als ein Haus“, so beschreibt der kleine Prinz im Märchen von Antoine de Saint-Exupéry seinen Heimatplaneten. Kaum größer als ein Kastenwagen, so könnten Besitzer eines Regent S ihr Reisemobil beschreiben, denn die Serienmaße eines Merce-des Sprinter mit mittlerem Radstand und Original-Hochdach überragt es nur unmerklich in der Breite. Das S-Modell kommt ohne das krönende GfK-Hochdach des Regent L aus, dem König der La-Strada-Campingbusse.
Also muss der Regent S, der kleine Prinz, mit inneren Werten überzeugen. Getreu dem Motto: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!“

» FAHREN

Der Sprinter überzeugt mit Automatik und 163-PS-Motor. 

„Freilich, auf dem Ding da kannst nicht allzu weit herkommen...“ Die abschätzige Bemerkung des kleinen Prinzen passt - nach irdischen Maßstäben - weder auf das Flugzeug des Erzählers, noch auf die Mercedes-Basis des Regent S.
Der Sprinter entpuppt sich, besonders mit dem optionalen Motor mit 163 PS und Automatikgetriebe, als bequemer und langstreckentauglicher Reisewagen. Die Federung gehört zum Besten, was es unter den 3,5-Tonnen-Kastenwagen gibt.
Weder das Ohr noch das Gesäß werden im Sprinter ungebührlich in Mitleidenschaft gezogen. Beim langsamen Dahinrollen, etwa über Kopfsteinpflaster, macht sich allenfalls ein lästiges Schaukeln um die Längsachse störend bemerkbar. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau.
Aber wenns schon um Kritik geht: Beim Testwagen, er war bereits 10 000 Kilometer gelaufen, machte sich bei Fahrbahnstößen eine klappernde Fahrerhaus-Faltverdunkelung unliebsam. Sonst blieb der Ausbau ohne akustischen Befund.

Etwas hakelig geriert sich der Wählhebel beim Wechsel der Fahrstufen. Doch ist die Fuhre in Fahrt, spielt das keine Rolle mehr. Motor, Automatik und Tempomat bügeln alles glatt, was die Topografie in den Weg stellt. Die Lenkung arbeitet gefühlvoll. Das optionale Lederlenk-rad nimmt man stets gerne zur Hand Mit 10,7 Liter Diesel pro 100 Kilometer auf der verhalten gefahrenen promobil - Verbrauchsrunde ist man jedoch nicht ganz so sparsam unterwegs wie erhofft.  

» WOHNEN

Der bewährte Avanti-L-Grundriss im Mercedes-Gewand.  

„Man soll nicht traurig sein um solche alten Hüllen“, sagt der kleine Prinz über seinen Körper, den er auf der Erde zurücklassen musste, um zu seinem Stern zurückzukehren.

Eine kleine Träne haben die La-Strada-Konstrukteure aber vielleicht schon verdrückt, als sie den Querbett-Grundriss des Avanti L aus dem längeren und breiteren Ducato in die Hülle des Transporters mit dem Stern quetschen mussten. Die Haut sitzt enger, spürbar zum Beispiel an der gedrungeneren Sitzgruppe, dem fehlenden Schrank zwischen Sitzbank und Bad, dem schmaleren Durchgang nach hinten und dem im Vergleich etwas knapperen Heckbett.

Mit pfiffigen Ideen schufen die Entwickler aber überall einen gewissen Ausgleich. Die Sitzgruppe etwa gewinnt an Luftigkeit, weil das Staufach über dem Cockpit nicht fest eingebaut, sondern mit klappbarem Boden ausgeführt ist. Wird es nicht verwendet,  wächst die Durchgangshöhe.
Und selbst in dieser Stellung lassen sich in der Ablage noch die Tischplatte und der Säulenfuß sicher verstauen. Das schafft auch genug Platz für die Mitnahme von Passagieren auf der Querbank. Zumindest für Kurzstrecken, denn die steile Rückenlehne und die geringe Sitztiefe fordern Sitzfleisch. Realistischerweise ist der Regent S als Zwei-Personen-Mobil ausgelegt. Der Tisch ist nicht absenkbar, somit kein Notbett verfügbar. Die kleinflächige, ovale Tischplatte genügt für ein Candle-Light-Dinner und lässt währenddessen genug Bewegungsraum rundum.
Die passende Mahlzeit lässt sich auf der Küchenzeile zubereiten. Ihre klappbare Verlängerungsplatte kann sowohl als Arbeits- und Abstellfläche wie auch als praktische Anrichte dienen. In der Edelstahl-Kombination von Kocher und Spüle drängen sich indes drei Flammen so eng, dass man sie kaum gleichzeitig nutzen kann. In der Praxis wichtiger: La Strada hat nicht an einer Elektrozündung gespart. Der 55-Liter-Absorberkühlschrank ist gleich nebenan in griffgünstiger Höhe eingebaut. Zwei kleine Hängeschränke und fünf unterschiedlich große Schubladen mit Endeinzug nehmen die Kochutensilien auf.

Das Bad gegenüber muss ebenso mit Platz haushalten. Anders als beim Avanti L setzen die La-Strada-Mannen hier statt einer Schiebetür zwei ins Bad aufschwingende, etwas labil wirkende Flügeltüren ein. Mit dem Vorteil, dass sich die ganze Badfront öffnet und damit auch die Bewegungsfreiheit im Gang erweitert. Befreit man zudem den Vorhang außen am Bad aus seinem kleinen Kabuff und zieht ihn quer hinüber zur Küche, entsteht gar eine Art Mini-Raumbad oder Ankleide. Waschtisch und Toilette lassen sich ohne Einschränkungen nutzen. Die einfache Auszugsbrause und der umlaufende Duschvorhang wecken aber nur wenig Brausevergnügen. Auch wenn die Bodenwanne mit zwei Abläufen sinnvoll und solide ausgeführt ist.

Im Heck wartet zuletzt das Schlafzimmer, es ist wie eine Schmuckschatulle mit schaumkaschiertem Stoff ausgeschlagene. Kuschelig wird es nicht nur wegen der sorgfältigen Verkleidung, sondern auch durch die nicht allzu üppigen Abmessungen. Da sind sie wieder, die Zwänge der knappen Hülle - aber auch die Auswege. Eine rund elf Zentimeter vorstehende Karosserieverbreiterung auf der linken Seite ermöglicht immerhin eine maximale Liegelänge von 1,96 Meter, auch wenn die eigentliche Matratze mit 1,75 Meter kurz ausfällt. Ebenso ist die Breite nicht gerade üppig. Eine gewisse Entschädigung bietet die bequeme Unterlage aus weicher Kaltschaummatratze und hochwertiger Unterfederung.  

Zwei LED-Spots und ein Schalter für die Deckenbeleuchtung helfen bei nächtlicher Orientierung - ein zusätzlicher Wechselschalter im Gang wäre ideal. Auch offene Ablagen oder Stofftaschen stehen auf der Wunschliste. Noch weiter oben jedoch eine Kletterhilfe für den Ein- und Ausstieg - besonders wenn man über den Partner krabbeln muss.  

» BELADEN

Das Stauvolumen ist passabel, gut zugänglich und flexibel.  

„Das ist die Kiste. Das Schaf, das du willst, steckt da drin.“ Damit war der kleine Prinz zufrieden, denn in die einfache Strichzeichnung konnte er sich genau das Schaf hineindenken, das er sich vorstellte. Auch dem La-Strada-Fahrer fällt die Vorstellung nicht schwer, was er alles in die zahlreichen Fächer des Regent S packen könnte.

Neben acht Hängeschränken und dem Kleiderschrank, der dank variabler Böden auch als Wäscheregal dienen kann, begeistern vor allem die zwei respektablen Schubladen unter dem Bett. Der Heckstauraum ist zwar nicht üppig, enthält  aber zusätzlich zwei geschickte Schrankfächer für Kleinteile.

Der Clou für besondere Transportaufgaben aber ist das Variobett. Der Mittelteil der Liegefläche lässt sich senkrecht stellen und der Schubladenblock sogar ganz entfernen. So entsteht eine Durchlademöglichkeit bis ins Fahrerhaus - interessant auch für Surfer. Geschickt fürs korrekte Verstauen wäre dazu allerdings auch noch eine Handvoll Zurrösen.  

» TECHNIK

Mit hochwertigen Komponenten bestückt - innen und außen.  

„Wenn sie gut gefegt werden, brennen die Vulkane sanft und regelmäßig.“ Die Erkenntnis des kleinen Prinzen ist durchaus übertragbar, und gilt nicht nur für die Truma-Combi-Heizung des Regent. Auch wenn sie im Kasten unter dem Bett nur mühsam zugänglich ist.


Hier verbirgt sich auch die Bordbatterie, La Strada stockt sie im Rahmen des Komfort-Pakets von 100 auf 150 Ah auf. Vorbildlich installiert sind Ladegerät, Sicherungen und ein Fehlerstrom-Schutzschalter. Im Strom sparenden Sortiment der LED-Leuchten fehlt noch eine Stauraumlampe. Das Display-Kontrollbord ist auskunftsfreudig, außer in Sachen Abwasserfüllstand. Hohes Niveau erreicht die Wasser-Installationstechnik, die Armaturenqualität bleibt dahinter zurück. Fenster und Dachhauben sind hochwertig. Die Karosserie-Isolierung ist für einen Kastenwagen aufwendig ausgeführt.  

» PREISE

Maßvoller Grundpreis - bei dem es aber kaum bleibt.  

Der Mercedes legt die finanzielle Hürde ziemlich hoch. Und zu einem Regent passt es auch nicht so recht,  sich mit der Serienversion zu begnügen. Wer statt des Avanti L partout das über 10.000 Euro teurere Sprinter-Modell möchte, sollte es mit dem kleinen Prinzen halten: „Wir freilich, die wir wissen, was das Leben eigentlich ist, wir machen uns nur lustig über die albernen Zahlen.“

+++ DIE BAUREIHE +++

La Strada Regent

Preise: 57 045 - 63 588 Euro
Basis: Mercedes Sprinter
Länge: 5,91 m
Gesamtgewicht: 3500 kg
Modelle: Im Programm der Campingbusse von La Strada regiert eine Doppelspitze. Neben dem Regent S gibt es das gleich lange L-Modell mit GfK-Hochdach und Hubbett längs sowie Sanitärraum quer auf dem Podest im Heck.

KONKURRENTEN

MODELL: CS Rondo

Der Rondo trägt beidseitig keilförmige Verbreiterungen, um das Heckbett zu verlängern.



  • GRUNDPREIS 56 490 Euro
  • BASISFAHRZEUG Mercedes Sprinter, Turbodiesel 70 kW/95 PS, Radstand 3665 mm, Kastenwagen.
  • AUF- UND AUSBAU Stahlblech-Karosserie mit Original-Stahlblech-Hochdach, Wandstärke Wand/Dach/Boden 70/50/35 mm. Isolierung PE-Schaum. 3–4 Gurtplätze. Bett: 1950 x 1420 mm.
  • BORDTECHNIK Gas-Gebläseheizung/Boiler 4000 Watt. Frisch-/ Abwassertank 100/60 L. Bordbatterie 235 Ah.
  • MASSE UND GEWICHTE Länge/Breite/Höhe 5910/2020/2700 mm, Leer-*/zul. Gesamtgewicht 2820/3300 kg
  • INFO - Telefon 0 41 93/7 62 30, www.cs-reisemobile.de

MODELL: Pössl Roadmaster

Erster Ausbau des neuen Renault Master, markentypisch mit Dusche im Gang.

  • GRUNDPREIS 45 999 Euro
  • BASISFAHRZEUG Renault Master, Turbodiesel 92 kW/125 PS, Radstand 3700 mm, Kastenwagen.
  • AUF- UND AUSBAU Stahlblech-Karosserie mit Original-GfK-Hochdach, Wandstärke Wand/Dach/Boden 20/35/20 mm. Isolierung PE-Schaum (Boden Styrofoam). 4 Gurtpl. Bett: 1950 x 1200/1400 mm.
  • BORDTECHNIK Gas-Gebläseheizung/Boiler 4000 Watt. Frisch-/Abwassertank 100/80 L. Bordbatterie 75 Ah.
  • MASSE UND GEWICHTE Länge/Breite/Höhe 6198/2020/2800 mm, Leer-*/zul. Gesamtgewicht 2950/3500 kg
  • INFO - Telefon 0 86 54/4 69 40, www.poessl-mobile.de


MODELL: Reimo Star MR

Den Star gibt es auch in einer Version mit langem Radstand oder extra hohem Dach.

  • GRUNDPREIS 64 990 Euro
  • BASISFAHRZEUG Mercedes Sprinter, Turbodiesel 70 kW/95 PS, Radstand 3665 mm, Kastenwagen.
  • AUF- UND AUSBAU Stahlblech-Karosserie mit Original-Stahlblech-Hochdach, Wandstärke Wand/Dach/Boden k. A. Isolierung PE-Schaum. 4 Gurtplätze. Bett: 1880 x 1300/1400 mm.
  • BORDTECHNIK Gas-Gebläseheizung/Boiler 4000 Watt. Frisch-/ Abwassertank 120/63 L. Bordbatterie 100 Ah.
  • MASSE UND GEWICHTE Länge/Breite/Höhe 5910/k. A./2700 mm, Leer-*/zul. Gesamtgewicht k. A./3500 kg
  • INFO - Telefon 0 61 06/40 05 81, www.reimo.com

* Masse in fahrbereitem Zustand; alle Werte Werksangaben; die Fotos stehen beispielhaft für die jeweilige Baureihe. Grundpreis jeweils mit Vorfracht, TÜV und Zulassungsbescheinigung Teil II

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Konstantin Tschovikov

Datum

9. Juni 2011
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil promobil Mai/2011.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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