Alles über La Strada Avanti
Supercheck: La Strada Avanti XL 31 Bilder Video Zoom

Supercheck La Strada Avanti XL: Maxi-Camper

Beinahe in jedem Campingbus-Programm findet sich ein Querbett-Grundriss im Sechs-Meter-Ducato-Kastenwagen. Was La Strada beim Avanti Xl anders macht und was es bringt, erklärt und bewertet der Supercheck.

Besonders günstig ausgebaute Kastenwagen im Ducato-Format, meist mit Querbett im Heck, beflügelten einst den Aufstieg der Marke Pössl im Campingbus-Segment. Eine konstante, wenn auch kleinere Größe im Markt ist auch La Strada. Bereits seit mehr als 25 Jahren findet die Marke in der Mittelklasse ihre Fans, legt vor allem auf hohe Ausbauqualität und besondere Detaillösungen Wert. Ein Querbett-Modell auf Ducato darf aber auch im La-Strada-Programm nicht fehlen, Avanti L genannt.

Dem stellt der hessische Hersteller seit Kurzem ein zweites Modell zur Seite, den Avanti XL - mit identischer Länge und nahezu gleichem Grundriss. Was kann die neue Variante mit Doppelboden besser als der Campingbus-Klassiker?

Sitzen und Schlafen

Hier und da ein wenig mehr zu bieten als andere - dieses La-Strada-Motto materialisiert sich im getesteten Avanti XL gleich in Form einer brandneuen Sitzbank, die aber auch fast allen anderen Modellen der Marke zugutekommen wird. Die ergonomisch geformten Polster sind fest mit einem Metallgestell verbunden, das sich obendrein verstellen lässt. Dabei gleitet die Sitzfläche bis zu zwölf Zentimeter nach vorn und stellt dabei die Lehne zunehmend schräg, um sichs beim gemütlichen Abend bequem machen zu können. Mit fix montierten Gurtschlössern und höhenverstellbaren Kopfstützen befördert die Bank aber auch Passagiere sicher und komfortabel ans Ziel. In der Sitztruhe findet sich wie gewohnt der Frischwassertank, der auch im Avanti XL durch Aufstellen der Sitzfläche zugänglich wird.

Zusammen mit den gedrehten Fahrerhaussesseln entsteht eine Viererrunde an dem relativ großen und stabil stehenden Tisch. Rund ums Fenster ist die Wand angenehm mit schaumkaschiertem Stoff bezogen. Offene Ablagen unter den Hängeschränken nehmen alles auf, was man nur kurz mal weglegen möchte. Dennoch bleibt die Kopffreiheit auch am Fensterplatz unkritisch.

Das hat mit dem besonderen Konzept des Avanti XL zu tun. Mit dem Superhochdach, statt des meist verwendeten normalen Hochdachs, bleibt nach oben mehr Platz. Die Hängeschränke setzen höher an und wachsen zudem im Volumen. Aber dazu später mehr im Stauraum-Kapitel.

Auch für die neue Sitzbank gibt es optional einen Polstersatz (198 Euro), um ein Kinder- oder Notbett zu bauen. Das Hauptbett im Heck ist leicht zu erklimmen, dank einer kleinen Stufe mit integriertem Fach. Zwei dicke, hochwertige Kaltschaummatratzen auf einer punktelastischen Unterfederung locken in die Horizontale.

Die fein säuberlich mit schaumkaschiertem Stoff verkleideten Wände und Hecktüren tun ein Übriges. Die reine Matratzenlänge wirkt mit 1,84 Meter eher knapp. Abgepolsterte Leisten verlängern die effektive Liegefläche aber so, dass man sich auf 1,94 Meter ausstrecken kann. Drei Fenster und eine Dachhaube erhellen das Schlafzimmer. Die Hecktüren aufzustoßen, um die Sonne zu begrüßen, geht aber nicht. Die Innenentriegelung fehlt.

Bad und Küche

Zwei Türflügel öffnen einen relativ breiten Badzugang. Ungewöhnlich, dass sie nach innen öffnen und mit Magnetverschlüssen zugehalten werden. Beim Aufdrücken verbiegen sie sich und schnalzen dann nach innen - das will nicht so recht zu den geschliffenen Vorgängen im übrigen Ausbau passen.

An Bewegungsfreiheit mangelt es im Sanitärraum nicht, und auch das Waschbecken aus weißem Kunststoff hat eine passable Größe. Mit dem ausziehbaren Brausekopf der Armatur kann man sich auch mal schnell die Haare waschen. Über dem kleinen, optionalen Fenster findet sich ein gut nutzbarer Hängeschrank in Holzdekor und trägt damit zur nüchternen weißen Sachlichkeit immerhin noch einen Schuss Wohnlichkeit bei.

Vom Duschen im Campingbus scheint La Strada nicht allzu viel zu halten, denn dafür muss - ganz klassisch - ein umlaufender Vorhang zugezogen werden. Da gibt es heute komfortablere Lösungen - bei La Strada immerhin auch noch die Langversion Avanti C mit separater Dusche. Die Bodenwanne mit zwei Abläufen wäre dafür schon recht, weckt mit ihrer nachgiebigen Art allerdings leise Zweifel an ihrer Dauerhaltbarkeit.

Die Arbeitsplatte auf dem Küchenblock wird annähernd vollständig von der Kocher-Spüle-Kombination eingenommen. Die Glasabdeckung ist aber geteilt, so dass man eventuell auf der einen oder anderen Hälfte noch hantieren kann. Außerdem gibt es zum Einstieg hin noch ein klappbares Verlängerungsbrett, das zudem wertvolle Arbeits- und Abstellfläche beisteuert.

Der Dreiflammkocher ist überdies mit einer Elektrozündung ausgestattet. Der 80-Liter-Kühlschrank findet sich ausgelagert rechts neben dem Küchenblock. So bleibt im Unterschrank reichlich Platz für Vorräte, Besteck und Kochutensilien, die alle bequem in sechs Schubladen mit sanften Endeinzügen einsortiert werden können. Außerdem gibt es zwei Oberschränke, unterteilt in je vier Fächer. Ihre Rollotüren kann man während des Kochens ohne Gefahr für die Stirn offen stehen lassen.

Aufbau und Bordtechnik

Den Blechkastenwagen dämmt La Strada mit flexiblen PE-Schaummatten. Unter dem Fußboden ist es eine druckstabile PU-Schaumschicht. Die PU-Rahmenfenster sind sauber in die Wände eingepasst. Ein Midi-Heki über der Sitzgruppe ist Serie, über dem Heckbett ein Mini-Heki, das gegen Aufpreis zum Midi wird. Dach und Wände sind innen penibel mit schaumkaschiertem Stoff bezogen, teils auch mit foliertem Sperrholz verkleidet.

Die Möbel sind aus Pappelsperrholz mit kratzfester CPL-Oberfläche gefertigt und nicht nur verschraubt, sondern auch verzapft. Fast überall finden sich solide Maschinenkanten, die neuerdings sogar mit PU-Kleber angebracht werden. Die Schränke haben Rückwände, was sie stabiler macht, auch wenn dabei nicht jede kleine Nische der Karosserie als Stauraum genutzt wird. Auch der Doppelboden des Avanti XL entsteht aus Sperrholzplatten.

Ein Doppelboden im Campingbus? Eigentlich eine naheliegende Idee, denn viele Campingbusse haben an der Sitzgruppe bereits ein Podest, um das Bodenniveau an das Fahrerhaus anzugleichen. Andere stellen das Bad im Heck auf ein Podest, um Gepäckraum zu schaffen. La Strada zieht den aufgedoppelten Boden einfach komplett durch und nutzt ihn vor allem für Stauräume und zur frostfreien Installation der Bordtechnik.

Der Abwassertank hängt aber dennoch unterflur und wird nur gegen Aufpreis isoliert und beheizbar. Die Frisch- und Abwasserleitungen nutzen moderne Rohrsysteme. Ein Großteil der elektrischen Anlage versteckt sich in den Kästen links unter dem Bett. Unter einem Klappbrett findet sich relativ gut zugänglich die Bordbatterie, die gegen Aufpreis 92 Ah in AGM-Technik speichert.

Um an Ladegerät, 12- und 230-Volt-Sicherungen nebst FI-Stromschutzschalter heranzukommen – man sollte letzteren einmal monatlich probehalber auszulösen –, muss man dagegen in den Heckstauraum kriechen, seitlich eine Klappe öffnen und im Halbdunkel des Heizungskastens nach den Gesuchten fahnden. Eine Unterbringung ähnlich der Batterie wäre geschickter.

Ganz links hinten ist der Gaskasten eingebaut, der nach Öffnen der Hecktüren erreichbar ist. Er nimmt zwei 11-Kilo-Flaschen auf, die allerdings hintereinander stehen, was den Flaschentausch etwas mühsamer macht. Ein Crashschutzregler, um auch während der Fahrt die Gasanlage nutzen zu können, ist serienmäßig.

Stauraum und Zuladung

An Stauraum herrscht im XL wahrhaftig kein Mangel. Acht Hängeschränke verteilen sich über Sitzgruppe und Heckbett. Der Kleiderschrank ist indessen schmal und quetscht sich zwischen Kühlschrank und Bett,kann aber mit einer automatischen Beleuchtung und zwei Einlegebrettern aufwarten, die eine alternative Nutzung ermöglichen. Durch das steil aufragende Superhochdach fällt auch der Staukasten über dem Fahrerhaus besonders groß aus. Ein bis zu sechs Zentimeter breiter Spalt quer vor der eingesetzten Gepäckwanne kann Kleinteile allerdings unversehens verschlucken.

Einiges an Platz findet sich zudem in den Staufächern im 14 Zentimeter hohen Doppelboden – drei an der Sitzgruppe, Nummer vier unter dem hinteren Gang. Wer wollte sich darin nicht einen kleinen Weinkeller einrichten? Unter der Küche ist eine weitere Stauraum-Spezialität eingebaut: eine lange Schublade, die bei geöffneter Schiebetür nach draußen ausgezogen werden kann und dank Deckel gleichzeitig als Außentisch dient. Was seitlich geht, kann man vielleicht auch hinten gut gebrauchen, haben sich die La-Strada-Entwickler wohl gedacht und im Heck unter einem offenen Stauraum noch eine riesige Schublade eingebaut, die immerhin bis zu 50 Kilo tragen darf.

Wer dagegen mal ein sperriges Paket (bis 1020 x 1260 x 670 mm) transportieren muss, kann dafür zudem einen Teil des Betts senkrecht stellen. Mit Ausnahme einer Fahrradgarage kann der Avant XL damit nahezu allen Stauraumbedürfnissen gerecht werden.

Als serienmäßiger 3,5-Tonner bleiben dafür auch die nötigen Zuladungsreserven. Lediglich die Vorderachslast sollte man im Auge behalten, besonders wenn man mit dem schwereren Top-Motor liebäugelt.

Fahren und Sicherheit

Den Testwagen befeuert das 148-PS-Aggregat in Kombination mit dem automatisierten Schaltgetriebe. Eine komfortable Antriebseinheit, auch wenn die Comfortmatic beim Beschleunigen ein wenig vom Temperament des agilen Motors schluckt. Besonders beim Anfahren an Steilstrecken empfiehlt sich die manuelle Eingriffsmöglichkeit, die verhindert, dass der Schaltautomat hilflos zwischen erstem und zweitem Gang hin- und herwechselt. Motor, Automatik und Tempomat lassen große Distanzen bequem überbrücken. Bemerkenswerte Ruhe strahlt unterwegs der Möbelbau aus – bis auf das Klappern der Kocherabdeckung.

Die Bremsen packen ordentlich zu. Der Fahrer-Airbag gehört wie meist üblich zur Serienausstattung. Das Beifahrer-Pendant, aber auch das ESP mit Traktionshilfe legt La Strada dem beinahe obligatorischen Technikpaket bei. Von der neuen, für den Passagiertransport gut geeigneten Sitzbank war bereits die Rede. Scharfe Möbelkanten glänzen im Ausbau mit Abwesenheit. Lediglich am Durchstieg in das Fahrerhaus könnte eine Abpolsterung manche Stirn schonen.

Ausstattung und Preise

Ohne das Technikpaket, das unter anderem auch Tempomat, Klimaanlage und einen 120-Liter-Dieseltank enthält, wird praktisch kein Avanti verkauft. Ähnlich sieht es mit dem Komfortpaket aus, das etwa die Fahrerhausfaltverdunkelung, die elektrische Trittstufe nebst einer stärkeren Bordbatterie beisteuert. Dazu sollte mindestens der 130-PS-Motor gebucht werden, und auch die Nebenkosten sind mit über 1000 Euro nicht unerheblich. Zusammen etwa 7500 Euro, die den Listenpreis auf rund 54.500 Euro ansteigen lassen. Nicht wenig, für einen Querbett-Campingbus auf Fiat Ducato.

Doch damit ist der Avanti XL dann auch schon recht gut ausgestattet und bietet neben einer sehr soliden Ausbauqualität vor allem ein Stauraumangebot, das in der Sechsmeterklasse nahezu einmalig ist. Die Konkurrenten im Kasten unten sind darum auch eher Alternativen, die in einzelnen Aspekten Ähnliches bieten.

Lichtcheck

  • Die Sitzgruppe ist mit durchschnittlich 76 Lux mäßig hell. Immerhin bringen es die Lesespots auf bis zu 230 Lux.
  • 56 Lux im Schnitt und 108 Lux maximal sind für Küchenarbeiten zu wenig.
  • Eine zusätzliche Lampe über dem Spiegel beleuchtet - im sonst mäßig hellen Bad - das Gesicht immerhin mit 170 Lux.
  • Lesen im Bett gelingt unter den Spots mit respektablen max. 273 Lux.

Die Baureihe Avanti im Überblick:

Preise: 42.415-49.235 Euro
Basis: Fiat Ducato
Länge: 5,41-6,36 m
Gesamtgewicht: 3300-3500 kg
Modelle: Im breiten Avanti-Angebot findet fast jeder seine passende Ducato-Ausbauvariante. Den Querbett-Grundrissklassiker gibt es gleich in drei Längen und zwei Dachhöhen. Variable Einzelbetten stecken im EB-Heck. Der Avanti E setzt auf eine große Rundsitzgruppe hinten, das H-Modell bietet darüber zusätzlich noch ein Hubbett.

Das fiel uns auf:

+ Die Rollotüren der Küchenoberschränke können beim Kochen gefahrlos offen stehen.
+ Die PU-Rahmenfenster sind eine solide Sache - anderswo gibt es oft nur vorgehängte Exemplare.
+ Dicke Kaltschaummatratzen auf Tellerfedern sorgen für ungewohnt hohen Schlafkomfort.
- Der Durchstieg ins Fahrerhaus ist niedrig, die Kante wäre darum besser abgepolstert.
- Umständlich zugänglich sind die Sicherungen und der FI-Stromschutzschalter im Heizungskasten.

Konkurrenten, Maßstab: Komfort-Campingbusse für 2-3 Personen
Modell Karmann Dexter 595* Pössl Vario 545* Westfalia Columbus 600 D*
Grundpreis 51.790 Euro 44.999 Euro 50.400 Euro
Vergleichspreis 52.630 Euro 50.810 Euro 56.065 Euro
Testwagen 55.295 Euro Vergleichspreis inklusive 130-PS-Motor, 3,5 t zul. Gesamtgewicht, el. Trittstufe, Tempomat, el. Außenspiegel, Beifahrer-Airbag, Fahrerhausklimaanlage, höhenverstellbare Sitze, CD-Radio, Radiovorbereitung mit vier Lautsprechern, 120-L-Dieseltank, ESP-Plus, größere oder zweite Aufbaubatterie, 80-L-Kühlschrank (nicht Westfalia), Fahrerhausverdunkelung, Rahmenfenster, Fenster im Bad, Abwassertank beheizt, teils auch isoliert.
Basisfahrzeug Fiat Ducato, 96 kW/130 PS Citroën Jumper, 96 kW/130 PS Fiat Ducato, 85 kW/115 PS
Maße Länge/Breite/Höhe 5998/2050/2880 mm Länge/Breite/Höhe 5413/2050/3110 mm Länge/Breite/Höhe 5998/2050/2600 mm
Gewichte Leer-**/ zul. Gesamtgewicht 2905/3500 kg Leer-**/ zul. Gesamtgewicht 2830/3300 kg Leer-**/ zul. Gesamtgewicht 2996/3500 kg
Besonderheiten positiv Sehr großer Sanitärraum mit separater Dusche im Heck, relativ umfangreiche Serienausstattung, große Winkelküche mit 156-Liter-Kühlschrank, zwei Batterien serienmäßig. Großer Heckraum, der wahlweise für ein oder zwei Etagenbetten oder als Gepäckraum genutzt werden kann, großes Dachbett, kompakte Gesamtlänge, relativ günstig. Komfortables Heckbett, variable Stauraumnutzung, moderner Möbelbau, Warmwasserheizung, optional mit Fußbodenerwärmung.
Besonderheiten negativ Kein größerer Stauraum, Dachbett erfordert etwas Kletterei, hoher Grundpreis. Besonders hohes Fahrzeug mit „Schlaf-nase“, Dachbett erfordert etwas Kletterei. Eher weniger Stauraum, relativ hoher Grundpreis mit magerer Serienausstattung, schwacher Basismotor, relativ kleine Kühlbox.
* Direkte Konkurrenten gibt es nicht. Der Karmann nutzt die gleiche Karosserievariante für ein alternatives Konzept. Der Pössl lockt bei Zwei-Personen-Nutzung mit einem großen Heckstauraum und ist dabei sogar kürzer. Der Westfalia hat keinen Doppelboden, aber optional eine Fußbodenheizung. ** Masse in fahrbereitem Zustand; alle Werte Werksangaben; Grundpreis mit Nebenkosten.
Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Uli Regenscheit, Jürgen Bartosch,Grundriss:H. Böttcher, cad-vision

Datum

2. September 2013
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++
+++ Viele Tipps +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
02:15 Offroad-Fahrschule mit promobil vor 5 Tagen
114 Aufrufe
06:27 Bürstner Lyseo 2016 Supercheck vor einem Monat
557 Aufrufe
  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z