Alles über Knaus BoxStar
Supercheck: Knaus Box-Star Lifetime 2 Be 600 30 Bilder Video Zoom

Supercheck Knaus Box-Star Lifetime 2 Be 600: Just married

Frisch vermählt treten der neue Fiat Ducato und der jungfräuliche Knaus Box-Star Lifetime 2 Be 600 als Ausbau zum Supercheck an. Sein Zwei-Personen-Grundriss ist für die Hochzeitsreise geradezu ideal.

Der neue Ducato und darin ein ebenfalls neuer Ausbau mit trendigem Grundriss – mit einiger Spannung wurde der Knaus-Testwagen in der Redaktion erwartet, insbesondere von den Kollegen, die die Neuauflage des Fiat-Bestsellers bis dato noch nicht in natura bestaunen, geschweige denn fahren konnten. Das ist er also! Knaus hat die erweiterte Klaviatur der Individualisierungsmöglichkeiten beim neuen Ducato gleich virtuos angestimmt und die in Wagenfarbe lackierten Stoßfänger, den schwarzen Kühlergrillrahmen und die ebenfalls schwarz umrahmten Scheinwerfer samt LED-Tagfahrlicht mitgeordert. Zusammen mit den optionalen 17-Zoll-Rädern, den eleganten Alu-Rahmenfenstern und der schwarz lackierten Markise zeigt so schon der Erstling ein attrakives Erscheinungsbild, das Lust macht auf das neue Modelljahr. Supercheck des neuen Box-Star Lifetime 2 Be 600.

Fahren und Sicherheit

Und wie fährt sich die neue Generation? Eigentlich nicht grundsätzlich anders als der Vorgänger, was angesichts identischer Motoren, Lenkung, Radständen und fast gleichem Fahrwerk auch nicht verwunderlich ist. Feinfühlige meinen ein etwas geringeres Geräuschniveau und ein leicht sensibleres Federansprechen an der Vorderachse zu vernehmen. Die obere Aufhängung der McPherson-Federbeine wurde tatsächlich neu konstruiert. Ziel war aber – nach Fiat-Aussage – sie vor allem robuster, nicht unbedingt komfortabler zu machen. Bei der Beurteilung müssen jedoch die großen Räder des Testwagens berücksichtigt werden, die auch zum Federungsverhalten beitragen. Und was die Geräuschdämmung anbelangt – auch hier verneint Fiat gezielte Maßnahmen. Möglicherweise resultiert der Effekt einfach aus der Neukonstruktion des Vorderwagens. So ist die Motorhaube nun – ähnlich wie eine Fahrerhaustür – ein mehr dreidimensional geformter Körper aus zwei Blechteilen. Was dem Ducato-Kenner noch auffällt sind die neuen Sitze – Captain-Chairs genannt. Die sehen mit ihrem Zweifarbdesign und den Doppelziernähten nicht nur schick aus, sondern sind obendrein auch bequemer als die bisherigen Originalsitze, die oft nachträglich durch Hussen mit Zusatzpolstern noch optimiert wurden. Das ist nun überflüssig.

Das ebenfalls neu gestaltete Kombiinstrument hat dagegen nicht nur Befürworter. Tacho und Drehzahlmesser sind nun zusätzlich mit eigenen Blenden versehen – wie bei Sportwagen üblich. Je nach Sitzposition werden dabei aber Skalenteile verdeckt, und die Umstellung von geraden auf ungerade Zehnerzahlen bei der Tachoeinteilung behagt auch nicht jedem. Uneingeschränkt hilfreich ist dagegen die Erweiterung des Tempomaten durch einen Geschwindigkeitsbegrenzer. Über den bekannten Hebel kann nun im Display ein Tempolimit eingestellt werden. Beim Erreichen des Werts wird die Beschleunigung sanft abgebremst. Und soll das Limit etwa zum Überholen kurzzeitig ausgesetzt werden, genügt ein Druck auf den Knopf am Ende des Hebels – ein erneuter Druck setzt es wieder in Kraft.

Den von Fiat neuerdings angebotenen Spurhalteassistenten mit Verkehrszeichen-Erkennung nimmt Knaus nicht in die Extraliste mit auf, da er – zumindest vorerst – nicht mit der Frontscheiben-Faltverdunkelung kombinierbar ist. ESP gehört beim Box-Star dagegen nun zur Serie. Die Traktionsunterstützung, neuerdings mit Bergabfahrhilfe, bleibt aber weiterhin optional, ebenso der Beifahrer-Airbag (Paket). Die – nach Fiat-Angabe – verstärkte Bremsanlage zeigte bei den im Supercheck obligatorischen Bremsversuchen keine erkennbar bessere Wirkung. Für eine abschließende Bewertung der neuen Bremsen muss allerdings der Einfluss der Reifen noch näher bestimmt werden.

Sitzen und Schlafen

Besonderes Merkmal des neuen Box-Star Lifetime 2 Be 600 ist seine Sitzgruppe, die sich strikt auf die beiden gedrehten Fahrerhaussessel beschränkt. Anders als beim Parallel­modell Lifetime 600 mit Rückbank, das 600 Euro mehr kostet, setzt die 2-Be-Version auf ein Sideboard seitlich unter dem Fenster, mit zwei großen Schubladen und verschiedenen Ablagen. Die Tischplatte liegt während der Fahrt platzsparend und sicher längs auf dem Sideboard und lässt sich dann bei Bedarf leicht zu den Sitzen herüberdrehen. Eine zusätzlich herausdrehbare Verlängerungsplatte bindet auch den Beifahrersitz mit ein. Die Tischfläche reicht allerdings gerade so für zweimal Essgeschirr und Besteck. Gut, dass auf dem Sideboard und dem nahen Küchenblock noch Abstellfläche für Salatschüssel und Pfanne bleibt. Für Reisende, die unterwegs gerne ausgiebig die Tour weiter planen oder nachbereiten oder das Fahrzeug vielleicht sogar auch beruflich nutzen möchten, ist die ein wenig büroartige Sitzgruppenausführung aber eine interessante Variante.

Ein Umbau zum Bett ist erst gar nicht vorgesehen, denn auf die beiden Urlauber warten längs im Heck bequeme Einzelbetten. Ein Trittstufenkasten mit Staufach macht den Aufstieg leicht. Ein herausnehmbares Mittelpolster verbindet die  beiden, auf Lattenrosten gelagerten Matratzen auf 1,32 Meter Länge und macht so auch Querschlafen möglich. Die Seitenwände sind angenehm mit schaumkaschiertem Stoff bezogen, die Ecksäulen und Hecktüren mit passgenauen Kunststoff-Formteilen verkleidet. Verschiedene Ablagen nehmen die Brille und reichlich Bettlektüre auf. Wer auf die Fenster im Heck verzichtet, kann die Liegelänge noch um ein paar Zentimeter steigern – schließlich gibt es ja auch noch zwei Seitenfenster und ein Mini-Heki im Dach.

Küche & Bad 

Bemerkenswert breit darf sich die Küche machen. Sie ragt ziemlich weit in den Schiebetürausschnitt hinein. Die verbleibende Einstiegsbreite ist darum knapp – mit aufgestellter Arbeitsplattenverlängerung praktisch nicht mehr passierbar. Gut, dass ihre Dearretierung einfach und zuverlässig funktioniert. Weitere Arbeitsfläche kann die zweigeteilte Glasabdeckung des Kochers und das Schneidebrett für die Spüle bieten. Für Campingbusverhältnisse groß ist der Drei­flammkocher, dem eine Elek­trozündung noch gut zu Gesicht stünde. Ungewöhnlich üppig ist auch das Fassungsvermögen der zylinderförmigen Spüle, die eine Etage höher eingebaut ist – den Abwasch sollte hier tunlichst der größte in der Mannschaft übernehmen. Vier ansehnlich große Schubladen – eine davon mit Besteckkasten – erschließen den Stauraum im Unterschrank rund um den 64-Liter-Kompressorkühlschrank. Weiteren Stauraum und Ablagen stellen die beiden Hängeschränke bereit, die allerdings ziemlich weit in den Kopfbereich hineinragen.

Den Lifetime gibt es wahlweise mit Raum- oder Kompaktbad. Die klassische, geschlossene Variante ist ständig verfügbar und blockiert nichts, bietet aber nur eine sehr eingeschränkte Duschmöglichkeit. Anders das flexible Raumbad. Es wird erst zugänglich, wenn die beiden runden Schiebetüren aus der Ruhestellung bis zum Küchenblock herübergezogen werden – und damit den Durchgang nach hinten und einen Teil der Küche unbenutzbar machen. Dafür lockt das so entstehende Bad mit viel Bewegungsfreiheit, besonders die runde Duschkabine mit flacher, aber mit drei Abläufen ausgestatteter Bodenwanne. Die Stehhöhe ist allerdings nicht so großzügig. Ein Mini-Heki in der abgehängten Decke wäre hier hilfreich und ließe zudem mehr Tageslicht herein als der Pilzlüfter. Nicht länger als nötig bleibt man vor dem Waschtisch stehen: Das Becken hat zwar eine gute Größe, man muss sich aber dabei unter den Hängeschrank bücken und steht gleichzeitig baren Fußes unbequem auf der Überlaufkante der Bodenwanne.

Aufbau & Bordtechnick

In die Original-Blechhülle setzt Knaus sehr elegante Alu-Rahmenfenster ein. Sie erscheinen deshalb so schick und Pkw-artig, weil hier die planke Seite der Doppelscheibe nach außen und die gebogene nach innen zeigt. Nachteil dieser Variante: Die Scheibe liegt mit dem nicht isolierenden Rand auf dem Dichtungsgummi auf und bildet hier eine Wärmebrücke. Bei einem ohnehin weniger für den Wintereinsatz geeigneten Campingbus dürften die optischen Vorteile jedoch überwiegen. An den Hecktüren bleibt dem Käufer die Wahl zwischen den eleganten Rahmen- und etwas größeren vorgehängten Fenstern. Mini-Heki über den Betten und Midi-Heki über der Sitzgruppe sind serienmäßig. Letzteres zeigt sich einmal mehr als Geräuschquelle bei Autobahntempo.

Der relativ große Frischwassertank windet sich um den Radkasten rechts im Heck. Zwei Weithalsöffnungen stehen immerhin für Reinigungszwecke bereit, trotzdem sind nicht alle Ecken erreichbar. Der Abwassersammler hängt unterflur und ist optional auch beheizt erhältlich. Die Truma-Heizung selbst kauert in der Möbelzeile links im Heck – bei Bedarf gut zugänglich. Die Warmluft verteilt sie gleichmäßig, nur ins Fahrerhaus sollte etwas mehr Wärme dringen.

Stauraun & Zuladung

Im Lifetime 2 Be 600 findet sich von vorn bis hinten eine große Auswahl von Stauräumen und Ablagen – insgesamt reicht das Volumen für zwei Personen gut aus. Etwas knapp ist allerdings der im Küchenblock integrierte Kleiderschrank. Die Staufächer in den Schrankzeilen unter den Betten sind zudem nur umständlich zugänglich. Und wenn man im Heck etwas Sperriges transportieren möchte, müssen Matratzen, Lattenroste,  Traver­sen, Schottwand und Stufenkiste raus – geschickt zur Seite räumen ist nicht möglich.
Serienmäßig rollt der Lifetime 2 Be 600 als 3,3-Tonner vor. Die verbleibende Zuladung kann für zwei Personen reichen. Entspannter packt sich der 3,5-Tonner, zumal dann die stark belastete Vorderachse 100 Kilo mehr tragen darf.   

Ausstattung & Preise

Das neue Box-Star-Modell liegt preislich im Mittelfeld der noch raren Konkurrenz der Sechs-Meter-Einzelbetten-Wagen. Seine Serienausstattung ist im Schnitt etwas höher. Eine Besonderheit ist die Wahlmöglichkeit zwischen zwei Sitzgruppen- und zwei Badvarianten. Zu Beachten beim Preisvergleich mit den Konkurrenten: dafür lagen nur die Preise auf altem Ducato vor.

Lichtcheck (angelehnt an DIN EN 12464-1)
  • Die Sitzgruppe ist gleichmäßig ausgeleuchtet. 184 Lux im Mittel ist okay, 239 Lux unter dem Spot etwas wenig.
  • Die Küche bekommt im Mittel nur 145 Lux, maximal aber bis 390 Lux ab. 
  • Im Schnitt erhellen brauchbare 188 Lux das Bad. Finster bleibt die Miene im Spiegel (81 Lux). 
  • Die Lesespots an den Einzelbetten liefern 211 und 239 Lux – für Leseratten eher etwas wenig.

Die Baureihe: Box-Star-Familie

Preise: 40.990–46.990 Euro
Basis: Fiat Ducato
Länge: 5,41–6,36 m
Gesamtgewicht: 3300–3500 kg
Modelle: Die beiden neuen Lifetime-600-Varianten erweitern das Box-Star-Programm auf zehn Modelle. Den Einstieg markiert der kurze City 500 mit Hubbett, gefolgt vom QuerbettModell Road 540 in zwei Versionen. Sechs Meter messen Street, Family, Solution und Solution Relax. Auf Einzelbetten setzt der lange Freeway 630.

Das fiel uns auf

+ Passt was rein, in die beiden Schubladen im Sideboard, das hinter den Fahrerhaussitzen folgt.
 + Die Beleuchtung nutzt weitgehend LED-Technik, wie hier der Lichterkranz im Duschenhimmel.
 + / - Das Spülbecken fasst viel Geschirr, die Einbauposition ist für kleine Personen aber zu hoch.

- Die Duschwannenschwelle mitten im Bad stört beim barfüßigen Stehen am Waschtisch.
 - Kaum mehr als zwei dünne Jacken passen in den schmalen Kleiderschrank am Ende des Küchenblocks.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Ingolf Pompe, Jürgen Bartosch

Datum

6. August 2014
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 07/2014.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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