Alles über Hymer ML-T
Supercheck: Hymer ML-T 560 30 Bilder Video Zoom

Hymer ML-T 560 im Supercheck: Stern, auf den ich schaue

Ein Hymer auf Mercedes-basis ist immer etwas Besonderes – bei den Integrierten und jetzt auch bei den schlanken Teilintegrierten.

Zugegeben – in dem alten Kirchenlied ist zwar ein anderer Stern gemeint, doch der Titel drückt ganz gut aus, worin zumindest ein Teil der Attraktivität des Mercedes Sprinter als Basisfahrzeug besteht. Der Stern weckt Aufmerksamkeit, transportiert Prestige. Zwar ist der Renommee-Unterschied zwischen dem Sprinter und dem Ducato nicht vergleichbar mit dem zwischen einer Mercedes-Limousine und einem Fiat-Kleinwagen. Dennoch ist der Wunsch nachvollziehbar, auf Reisen lieber einen Stern zu steuern, wenn man dies auch im Alltag gerne tut. Was die neue Liaison von Hymer und Mercedes sonst noch alles auszeichnet, klärt der Supercheck des Modells ML-T 560 mit Querbett.

Fahren & Sicherheit

Der vor einigen Monaten neu vorgestellte Mercedes Sprinter will einmal mehr das komfortabelste und sicherste Basisfahrzeug in der 3,5-Tonnen-Klasse sein. Beim Fahrwerk bedeutet dies einen Federungskomfort, der spürbar über dem des Ducato liegt. Die Lenkung vermittelt allerdings etwas weniger Fahrbahnkontakt. Die deutliche Wankneigung früherer Sprinter hat Mercedes zwar inzwischen besser im Griff. Im ML-T soll sie aber durch ein Paket der Fahrwerksexperten von Goldschmitt mit verstärkten Stabilisatoren und speziellen Dämpfern serienmäßig nochmals merklich reduziert werden. Der Vorserien-Testwagen musste noch ohne auskommen.

Dafür sorgte hier die stärkste Variante des Vierzylinder-Motors gepaart mit der Siebengang-Automatik für massiven Vortrieb – eine absolut empfehlenswerte Kombination. Die echte Wandlerautomatik, die es in dieser Fahrzeugklasse nur beim Mercedes Sprinter gibt, schaltet seidenweich und stellt jederzeit die richtige Übersetzung bereit. Das 163-PS-Aggregat liefert das passende Kraftfundament, braucht zum Brillieren aber etwas höhere Drehzahlen.

Toppen lässt sich dieses Tandem nur noch durch Wahl des Sechszylindermotors mit 190 PS, der allerdings nicht nur deutlich teurer, sondern auch 50 Kilogramm schwerer ist. Zudem gibt es das Top-Aggregat nur noch in der neuen Euro-VI-Version, während die Vierzylinder weiterhin auch als Euro-5b+-Variante angeboten werden – für 990 Euro Minderpreis. Damit spart man sich nicht nur den Umgang mit der Ad-Blue-Technik, sondern auch 36 Kilo Gewicht für den Tank samt Inhalt, ohne sich dafür auf absehbare Zeit steuerliche oder andere Nachteile einzuhandeln. Bleibt als einziges Euro-VI-Argument das gute Umweltgewissen.

Vorbildlich fortschrittlich ist der Sprinter auch bei der Sicherheitstechnik. Auf zwei Airbags und ESP legt Hymer ohnehin als Serienausstattung Wert. Drei elektronische Assistenzsysteme gibt es aufpreispflichtig im Paket noch dazu. Der Kollisionsschutz warnt vor zu geringem Abstand und unterstützt bei einer spontanen Notbremsung. Die Spurhalte-Hilfe regt sich, wenn die rechte Fahrbahnmarkierung überfahren wird, und der Fernlicht-Assistent blendet bei Gegenverkehr automatisch ab. Den auch für Fahrgestelle versprochenen Seitenwind-Assistenten kann Mercedes dagegen bislang nur für Kastenwagen liefern.

Auch im Hymer-Ausbau sind keine Nachlässigkeiten in puncto Sicherheit erkennbar.Die Gasabsperrhähne finden sich geschützt, aber dennoch gut erreichbar im Küchenblock, die Netzsicherung ist mit einem FI-Schutzschalter ausgestattet, an der Bettkante gibt es ein Absturzschutznetz. Scharfe Kanten oder gefährliche Ecken sucht man vergeblich – bis man sich wegen der eingeschränkten Stehhöhe an der Leiste über der Badtür die Stirn stößt.

Sitzen & Schlafen

Das Mercedes-Fahrerhaus ist etwas schmaler gebaut als bei der Fiat-Konkurrenz. Dies merkt man insbesondere beim Drehen der Cockpitsitze, was speziell auf der Lenkradseite einiges an Verstellarbeit erfordert. Die bequemen Original-Sitze stattet Hymer mit einheitlichen Stoffbezügen und einer zweiten Armlehne aus. Dank Höhenverstellung lassen sie sich leicht an das Sitzgruppenniveau anpassen. Die flugs hervordrehbare Tischverlängerung bindet auch den Beifahrersitz mit ein. Eine L-Bank mit frei stehendem Tisch gibt es gegen Aufpreis. Das kleine Seitenwandpolster macht aber auch die serienmäßige Querbank fast schon zur Kuschelecke. Die Polsterschäume sind hochwertig. Die Banklehne ist im Schulterbereich aber für zwei Erwachsene sehr schmal. Großzügigkeit gewinnt das Wohnzimmer durch eine gute Stehhöhe von knapp zwei Metern, die praktisch vom Fahrerhaus bis zum Heckbett durchgängig und stufenfrei vorhanden ist. Den luftigen Eindruck unterstützt zudem das serienmäßige Panorama-Dachfenster über dem Gang und das zweite, zum Komfortpaket gehörende Exemplar über dem Fahrerhaus. Optional ist auch die Möglichkeit, aus der Sitzgruppe ein Zusatzbett zu bauen.

Das Hauptbett des in aller Regel von zwei Personen genutzten ML-T 560 stellt aber eindeutig die rund 2 mal 1,50 Meter messende Liegefläche quer im Heck dar. Im Vergleich zu den Einzelbetten des Schwestermodells 580 ist der Aufstieg zu dem Doppelbett naturgemäß etwas mühsamer. Die beiden großen, soliden Treppenstufen und der relativ breite Einstieg (785 mm) unterstützen aber dabei bestmöglich. Zumal eine hochwertige Matratze mit kuscheligem Bezug in die Federn lockt. Darunter findet sich allerdings nicht – wie in dieser Preisklasse üblich – ein Lattenrost, sondern nur ein Gewirke zur Unterlüftung. Im Zusammenspiel mit der 14 Zentimeter dicken Kaltschaummatratze ist der Liegekomfort dennoch bemerkenswert. Wer noch bequemer schlafen möchte, bekommt gegen Aufpreis auch eine punktelastische Unterfederung. Um die Bettlektüre kümmern sich zwei helle Lesespots und ein großes Ablagebord. Seitenfenster und Dachhaube sorgen für Belüftung. Etwas nackt wirkt die Wandverkleidung aus foliertem Sperrholz und Kunststoffteilen.

Bad & Küche

Eine solide Tür mit Klinkenschloss öffnet den Zugang zum Waschraum. Obacht gilt dabei der 14 Zentimeter hohen Stufe, die erklommen werden muss. Vorteil: Radkasten und Installationen nebst Warmluftrohr verschwinden in dem Podestboden – Nachteil: die Stehhöhe schrumpft auf 1,84 Meter. Eine Dachhaube über der Hauptstehfläche gleicht dies wieder ein Stück weit aus. Stehen kann man hier allerdings nur bequem, wenn der optionale Holzrost für die Duschwanne mitgeordert wurde, denn sonst landet der nackte rechte Fuß eher unsanft auf der Wannenkante. Ganz praktisch ist die Raumaufteilung im Bad. Der Duschbereich erweitert die Bewegungsfreiheit an Waschtisch und Toilette – eine Parallelnutzung ist zur Not sogar auch möglich.

Der Waschtisch besteht aus einer Art Mineralwerkstoff. Das Material fühlt sich wertig und solide an, und das Becken ist zudem groß genug, um sich mit der Duschbrause auch schnell mal die Haare zu waschen. Soll der ganze Körper sauber werden, kann man Kleidung und Handtuch an insgesamt fünf Haken aufhängen, in die Duschwanne mit zwei Abläufen treten und die Falttüren hinter sich schließen.

Die Schulter- und Beinfreiheit ist relativ großzügig, die Kopffreiheit eher knapp. Im Dach gibt es einen Pilzlüfter, eine Kleiderstange oder Haken zum Aufhängen und Trocknen nasser Jacken dagegen nicht. Drei Ablagen für Duschgel und Waschlappen sind in die Ecksäule eingeformt. Ein Hänge und ein Unterschrank guter Größe sowie ein offenes Fach bieten einiges an Stauraum. Ein Toilettenpapierhalter, eine Netzsteckdose und zwei große Spiegel vervollständigen die Badausstattung.

Auf der anderen Gangseite steht der kompakte Küchenblock. Die Kocher-Spüle-Kombination nimmt die komplette Arbeitsplatte ein. Zum Gemüseschneiden muss darum eine der beiden Glasabdeckungen geschlossen bleiben, oder man nutzt das, an Campingbusküchen erinnernde Klappbrett an der Stirnseite, das für diesen Zweck aber klein ausfällt. Ansonsten werden Hobbyköche ihre Freude haben. Es gibt reichlich Stauraum für Kochgeräte und Vorräte. Besonders praktisch: die drei großen Schubladen mit Besteckkasten, variablen Einteilungen, Mülleimer und sanften Endeinzügen sowie die beiden Apothekerauszüge mit sechs Etagen. Dazwischen macht sich ein neuer, schlanker 142-Liter- Kühlschrank von Thetford mit Gemüseschublade beliebt.

Aufbau & Bordtechnik

Beim Aufbau vertraut der ML-T auf die bekannte PU-AL-Technik mit Aluminium-Außenhaut und PU-Schaumisolierung in Dach und Wänden sowie elegant umgebogenen Kanten. Eine entscheidende Verbesserung der Hymer-Technik bekommt der ML-T gleich mit auf den Weg: Der Aufbauboden ist nicht mehr aus Holz und Styropor, sondern beidseitig aus GfK mit Styrofoam-Kern gebaut, was ihn komplett unempfindlich gegen Spritzwasser macht. Mehr Schutz vor Hagelschäden durch eine zusätzliche GfK Schicht auf dem Dach muss allerdings durch Mehrkosten und -gewicht erkauft werden.

Frisch- und Abwassertank verstecken sich in einem isolierten und beheizten Kasten unter dem Heck. Diese platzsparende und schwerpunktgünstige Positionierung hat jedoch den Nachteil, dass der Freiraum unter dem ohnehin langen Hecküberhang zusätzlich eingeschränkt ist. Zudem sind Reinigungsarbeiten insbesondere am Frischwassertank erschwert. Geschickt: Der Ablass des Abwassertanks lässt sich elektrisch bedienen. In der Sitztruhe ist die Truma-Combi-Heizung eingebaut – eine ideale Platzierung, denn an der Sitzgruppe ist der höchste Wärmebedarf. Klasse zudem, dass zwei Ausströmer in den Sitzkonsolen auch das unisolierte Cockpit versorgen.

Stauraum & Zuladung

Sieben Hängeschränke und ein TV-Schrank verteilen sich vom Fahrerhaus bis zur Heckwand. Eine freie Sitztruhe gibt es zwar nicht, aber dafür einen großen Kleiderschrank mit variabler unterer Hälfte, die als Regal oder zweites Hängefach nutzbar ist. Gegenüber wartet zudem ein tiefer Regalschrank auf Badetücher oder Pullover – beide Schränke sind mit automatischen Batterie-LED-Lampen ausgestattet. Auch an offenen Ablagen mangelt es nicht. Für sperrige Ladegüter steht die geräumige Heckgarage bereit. Zwei große Seitentüren, zwei Lampen, verschiebbare Zurrösen und fünf Ablagefächer für Kabeltrommel und Keile machen die Arbeit des Lademeisters leicht. Die Bodenwanne ist aus einem soliden, aber unisolierten GfK-Teil, was bei schärferem Frost zum Anfrieren von feuchtem Ladegut führen kann.

Mit 440 Kilogramm Zuladung beim reisefertigen, nicht allzu üppig mit Extras bestückten Testwagen können zwei Personen zurechtkommen. Wer sich gerne aus der verlockenden Aufpreisliste bedient oder Schweres transportieren möchte, sollte über die Auflastungsoptionen (3,88 oder 4,2 Tonnen) nachdenken.

Ausstattung & Preise

Wer bei einem Teilintegrierten auf dem noblen Sprinter eine rundum üppige Serienausstattung erwartet, liegt beim ML-T nicht so ganz richtig. Dafür gehört der neue Hymer mit rund 65.000 Euro Grundpreis aber auch zu den günstigsten der allerdings recht raren Angebote dieser Art. Das Komfort-Paket, die Fahrerhaus-Faltverdunkelung und der Holzrost für die Dusche sollten mindestens noch mit eingerechnet werden. Wer seinen Stern so richtig glänzen lassen möchte, findet aber noch viele weitere attraktive Optionen – bis hin zum verchromten Kühlergrill.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Datum

30. April 2014
5 4 3 2 1 4,1 5 10
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++
+++ Viele Tipps +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
02:15 Offroad-Fahrschule mit promobil vor 5 Tagen
114 Aufrufe
06:27 Bürstner Lyseo 2016 Supercheck vor einem Monat
589 Aufrufe
  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z