Alles über Hymer B-Klasse
Supercheck: Hymer B 514 34 Bilder Video Zoom

Supercheck Hymer B 514: Auf dem Weg zu alter Stärke

Die neue B-Klasse blickt auf eine lange Ahnengalerie von Hymermobilen, die als Pioniere und Wegbereiter der integrierten Wohnmobile gelten. Doch die Konkurrenz macht dem Vorreiter das Leben zunehmend schwer. Kann die aktuelle Generation wieder zum Klassenprimus werden?

Der Name Hymer steht bei vielen Menschen synonym für alle Wohnmobile, zumindest aber für die integrierte Aufbauform. Das hat seinen Grund, denn bereits vor rund 40 Jahren brachte Tüftler und Firmengründer Erwin Hymer die ersten Integrierten auf den deutschen Markt. Als relativ kompakte, dennoch geräumige und noch bezahlbare Modelle verkörperten sie ein nahezu konkurrenzloses Konzept, das schnell eine wachsende Fangemeinde fand.

Heute sieht die Sache etwas anders aus. Fast jede größere Marke schmückt sich mit mindestens einer Handvoll Modellen in der als Königsklasse bezeichneten Aufbauform. Der B-Klasse - dem Nachfahren der früheren Hymermobile - fällt es nicht mehr so leicht, die herausragende Position zu halten. Mit der neuesten Modellgeneration hat man sich bei Hymer einiges vorgenommen. Dank dezent überarbeiteter Front, verbesserter Aufbautechnik und erweiterter Serienausstattung soll die B-Klasse attraktiver werden. Wie stark sie ist, zeigt der Supercheck des Querbett-Modells B 514.

Sitzen & Schlafen

Der größte praktische Vorteil integrierter Wohnmobile liegt in der Großzügigkeit der Sitzgruppe, die unter Einbeziehung des breiten Fahrerhauses entsteht. Das gilt auch für den B 514. Gegenüber der L-Bank steht noch ein kleiner Seitensitz bereit - geschickt zum Füßehochlegen oder wenn Gäste kommen. Dann läuft auch der optionale Ausziehtisch zur Hochform auf. Im Normalzustand kreisrund mit edel anmutenden Echtholzkanten, lässt er sich nach einfacher Entriegelung durch eine ausgeklügelte Mechanik zu einem ovalen Tisch erweitern. Hochwertige Schäume machen sich in den Sitzpolstern verdient. Am Abend schafft ein gut abgestuftes Arsenal an LED-Lampen Ambiente- oder Nutzlicht - ganz nach Bedarf.

Der Lesespot unter den Hängeschränken ist hell, ein zweiter etwas weiter vorn wäre noch hilfreich. Die beiden LED-Spots im Cockpit bringen es zudem auf erstaunliche Helligkeitswerte von mehr als 1300 Lux. Nicht unbedingt selbstverständlich ist zudem der vom Fahrerhaus bis kurz vor dem Heckbett durchgängig stufenfrei begehbare Fußboden.

Nach dem Umlegen der Fahrerhaussitzlehnen kann das Hubbett mit mittlerem Kraftaufwand abgesenkt werden. Optional gibt es auch eine elektrische Version. Bereits serienmäßig liegt die Kaltschaum-matratze auf einer punktelastischen Unterfederung.

Trotz nun flacher gestalteter Fahrzeug-Frontpartie, ist die Liegefläche des Hubbetts nur unwesentlich schmaler als beim Vorgängermodell. Eine helle LED-Beleuchtung gibt es auf beiden Seiten. Lediglich etwas knapp sind die Ablagemöglichkeiten an dem rundum gelungenen Bugbett.

Der Aufstieg zum Heckbett führt über zwei relativ bequeme Stufen. Übereinanderklettern muss man bei dieser Bettanordnung aber wie ehedem. Lohn der Mühe ist eine genauso bequem unterfederte Liegefläche wie vorn, die zudem mit 2,12 Meter Länge auch Großgewachsenen Platz bietet.

Vier helle Lesespots, reichlich Ablagen, zwei Seitenfenster (links optional), eine Dachhaube und ein Herausfallschutz lassen keine Wünsche offen - außer vielleicht noch etwas mehr Liegebreite.

Bad & Küche

Als kompakter Winkelblock mit reichlich Tiefe kommt die Küchenzeile daher. Der quadratische Kocher und die kreisrunde Edelstahl-Spüle liegen gut zur Hand und sind - hier mit Elektrozündung, dort mit kleinem Ausgussbecken - praxisnah ausgestattet. Im Winkeleck gibt es zwar einiges an Abstellmöglichkeiten, aber zum Arbeiten selbst bleibt keine Fläche frei.

Der Koch muss flexibel sein und entweder auf der Spülenabdeckung arbeiten, die immerhin auch ein Schneidebrett bietet, oder auf der geschlossenen Glasabdeckung des Kochers. Die ist zwar zweigeteilt ausgeführt, doch ein Warnaufkleber verbietet, die aufgedeckte Kochstelle bereits zu zünden, während man auf dem größeren Plattenstück noch arbeitet. Zur Be- und Entlüftung ist lediglich das Ausstellfenster vorgesehen. Wer gerne im Urlaub mal was Leckeres in der Pfanne brutzelt, sollte gleich die optionale Ventilator-Dachhaube mitbestellen, bevor allzu viel Dunst in die textile Deckenverkleidung dringt. Der 160-Liter-Kühlschrank (Serie: 103 L) findet sich links daneben – wahlweise kommt auch der Tec-Tower mit integriertem Backofen unter.

In den beiden Hängeschränken mit Zwischenböden und dem als Raumteiler ausgeführten Vitrinenschrank findet einiges an Geschirr und Vorräten Platz. Den Rest übernehmen die vier großen Schubladen im Unterschrank. An den soliden Metallgriffen lassen sie sich leicht aufziehen. Beim Schließen helfen gedämpfte Endeinzüge, die jedoch nicht ganz zuverlässig bis zum Einrasten der Hakenschnäpper ziehen – weshalb vor dem nächsten Losfahren jeweils ein kleiner Kontrolldruck angeraten ist.

Eine stabile Tür mit Metallklinke und Einsteckschloss führt gegenüber ins Bad – eine kleine Stufe muss dabei allerdings überwunden werden. Die Dusche trägt ihren Teil zur ansprechenden Bewegungsfreiheit bei. Damit man überall auf einer Ebene steht, kann in die rund drei Zentimeter tieferliegende Duschbodenwanne mit zwei Abläufen ein Holzrost heruntergeklappt werden.

Zum Aufbau der Duschkabine muss er aber wieder weichen, um die beiden Falttüren zueinanderklappen und mit einem Magnethalter mäßig sicher verschließen zu können. Die Ellenbogenfreiheit ist passabel, die Beinfreiheit durch den Radkasten eingeschränkt.

Die geschickte Aufteilung ermöglicht, WC und Waschtisch notfalls parallel zu nutzen, während geduscht wird. Das Waschbecken aus keramikartigem Material fasst sich angenehm an und ist auch groß genug, um sich bei Bedarf die Duschbrause zu angeln und die Haare zu waschen. Hänge und Unterschrank offerieren genügend Platz für die üblichen Badaccessoires.

Aufbau & Bordtechnik

Auch wenn die aktuelle B-Klasse der letzten Modellgeneration optisch ziemlich ähnelt, hat sich beim Aufbau einiges geändert. Nicht nur, dass die Front nun flacher ansteigt und daher die einteilige GfK-Maske neu geformt werden musste. Auch bei der übrigen Aufbaukonstruktion kommen mehrere Verbesserungen zum Tragen, die teils auch schon im letzten Modelljahr eingeflossen sind.

Der Aufbauboden hüllt sich inzwischen serienmäßig auf beiden Seiten in verrottungsresistentes GfK und als Dämmschicht dazwischen kommt Styrofoam statt feuchteempfindlichem Styropor zum Einsatz. Die Fußbodenplatte ist ebenfalls aus Sandwich-Material und ruht auf leichten, aber dennoch stabilen Kunststoff-Säulen. Und auf dem Dach wird das hagelempfindliche Aluminium nun serienmäßig durch eine zusätzliche GfKSchicht geschützt.

Kaum verändert präsentiert sich die schon zuvor klassengemäße Bordtechnik. Frisch- und Abwassertank ruhen in einem abgesenkten isolierten und beheizten Kasten im Bereich der Hinterachse. An den Abwassersammler und seinen Ablasshahn kommt man von der Heckgarage aus gut heran. Für Reinigungszwecke wichtiger ist der Zugang zum Frischwasserreservoir, der sich von innen via Heckbetttreppe aber deutlich schwieriger gestaltet. Gut: Ein Aufkleber gibt Hinweise, wie das Ablassventil zu bedienen ist – auch für die nicht sehr praxisnahe Fahrstellung mit unzureichenden 20 Liter Inhalt. Die AGM-Bordbatterie und das Ladegerät mit den 12-V-Sicherungen sind über eine Außenklappe in der Sitztruhe erreichbar. Auch für letztere gibt es, wenn auch nicht ganz eindeutige, Beschriftungsaufkleber. Die Hauptsicherung mit FI-Schutzschalter für den Landstromanschluss versteckt sich kaum einsehbar tief unten im Kleiderschrank.

In der Querbanktruhe – und damit am idealen Platz – ist bereits serienmäßig die stärkere Truma Combi 6 eingebaut. Relativ aufwendig zeigt sich die Warmluftführung, die bis ans Armaturenbrett vorn und zum Heckbett hinten reicht. Optional kann eine Alde-Warmwasserheizung bestellt werden sowie ein Frontscheibenrollladen und doppeltverglaste Seitenscheiben.

Auch die Hängeschränke sind durch ihre Hinterlüftung nicht nur für den Wintereinsatz gut gerüstet.

Stauraum & Zuladung

Das Volumen von Kleider- und Hängeschränken ist nur durchschnittlich. Beliebt machen sich die offenen Ablagen an Sitzgruppe und Heckbett. Wer sich noch gut bücken kann, nimmt auch gerne die drei Doppelbodenfächer in Beschlag. Die Seitenbanktruhe ist als praktisches Schuhfach ausgelegt, die Querbank hält, trotz der Bordtechnischen Installationen noch eine flache Gepäckwanne parat. Wem das nicht reicht, den sollte die rundum gut ausgestattete Heckgarage versöhnen – serienmäßig mit zwei Türen, Verzurrsystem und vielen Kleinteilfächern.

Reichlich Serienausstattung erhöht das Grundgewicht; das ist eine Binsenweisheit. Da verwundert es eigentlich kaum, dass der B 514 die Beladungsnorm nur so eben erreicht. Angesichts der von Hymer propagierten Leichtbaumaßnahmen, hätte man sich aber schon etwas mehr Zuladung erhofft. Für die Vier-Personen-Nutzung ist eine Auflastung angeraten.

Fahren & Sicherheit

In Sachen Dämmung der Fahrgeräusche kann die B-Klasse erneut Maßstäbe setzen. Und selbst was Quietschen und Knarzen angeht, bewegt sich der aus einer frühen Serie stammende Testwagen auf relativ leisem Niveau. Die Rundumsicht ist gut. Hängende Spiegel sind nun serienmäßig. Die Sicht direkt vor den Bug ist jedoch etwas eingeschränkt.

Hier favorisieren die B-Klasse-Konstrukteure einen Kompromiss, der mehr zugunsten der Motorzugänglichkeit geht. Und tatsächlich ist der Handlungsspielraum rund um das Aggregat relativ üppig.

Den Vorreiter will Hymer auch in Sachen Sicherheit spielen und packt nicht nur die beiden Airbags, sondern auch den Schleuderschutz ESP mit elektronischer Traktionshilfe in die Serienausstattung. Die Fahrertür als Notausgang ist nun ebenfalls aufpreisfrei. Die Einstiegshöhe ist hier jedoch so groß, dass die optionale elektrische Trittstufe wahrlich kein übertriebener Luxus ist.

Ausstattung & Preise

Einen Strategiewechsel markiert die deutlich erweiterte Serienausstattung. Es bleibt eigentlich nur das überschaubare Komfortpaket, das in den meisten Fällen noch dazukommt.

Alles andere sind individuelle Extras. Allerdings steigt auch der Grundpreis für den B 514 gegenüber der Vorsaison um satte 8600 Euro. Doch rechnet man die ganze Mehrausstattung gegen, bleibt praktisch keine Preiserhöhung übrig. Die aktuelle B-Klasse ist zwar dennoch kein billiges, aber ein ehrliches und stimmiges Angebot.

Die Baureihe: B-Klasse und Co.

  • Preise: 73.990-84.490 Euro
  • Basis: Fiat Ducato
  • Länge: 5,99-7,50 m
  • Gesamtgewicht: 3500 kg
  • Modelle: Die B-Klasse bietet acht Grundrisse vom 5,99 m langen 504 bis zu den 7,50 m messenden Top-Modellen 678 mit Einzel- und 698 mit Queensbett. Als schmalere Varianten gibt es die Exsis-i-Modelle, mit üppigerem Doppelboden die B-SL-Linie und mit Mercedes Sprinter als Basis die B-Star-Line- und B-Star-Light-Modelle.

Das fiel uns auf

+ Die Aufbauunterseite besteht aus verrottungsresistentem GfK, der Alko-Rahmen ist verzinkt.
+ Der Kleiderschrank ist zwar nicht besonders breit, aber raumhoch und kann variabel eingeteilt werden.
+ - Gut: Hinweisaufkleber zur Ventilbedienung. Schlecht: der Zugang für die Tankreinigung.
+ - Etwas wilder Materialmix rund ums Armaturenbrett, aber gute Motorgeräuschdämmung.
- Die für die B-Klasse typischen drei Scheibenwischerarme sind etwas kurz für die Scheibenhöhe.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Frank Eppler

Datum

11. Dezember 2013
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