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Dethleffs Esprit T 7090 im Test: Das zweite Gesicht

Beim Dethleffs Esprit darf man das Wort Facelift durchaus wörtlich nehmen. An Aufbau und Interieur hat Dethleffs zur neuen Saison ebenfalls kräftig Hand angelegt. Im Test der Esprit T 7090 mit großem Bad quer im Heck.

Der Visagist hat ganze Arbeit geleistet. Der neue Dethleffs Esprit T verdreht Passanten die Köpfe, provoziert neugierige Blicke und interessierte Nachfragen auf dem Stellplatz. Ja, das ist schon ein 2012er Modell. Nein, der neue Euro-5-Fiat sieht eigentlich aus wie der alte. Stimmt, die Querstreben im Kühlergrill erinnern an die integrierten Modelle von Dethleffs.

» Aufbautechnik

Nicht nur optisch augenfällig ist der Esprit-Aufbau modifiziert. Im Zusammenspiel mit den farbigen Wänden hebt genau dieser Grill den Esprit T von fast allen anderen Teilintegrierten optisch wirkungsvoll ab. Was man auf Anhieb nicht sieht: Er macht das Reisemobil zusammen mit dem flacheren LED-Heckleuchtenträger rund zwölf Zentimeter kürzer. Der Original-Stoßfänger von Fiat ist allerdings dreiteilig, was billiger kommt, wenns mal rummst. Wirklich kompakt ist der Esprit T 7090 mit 7,31 Meter Länge trotzdem nicht. Alpenpässe wie das Timmelsjoch meistert er trotzdem. An der Fähre oder bei steilen Abfahrten setzt das lange Heck des Esprit mit der tiefen Absenkung aber schon mal auf.

Die typische Haube spannt sich weit über Fahrerhaus und Aufbau. Das gibt der Seitenlinie zusammen mit der Dachreling etwas Fließendes. Auch der Anschluss an die breiten Kantenleisten ist handwerklich gut gelungen. Hervorquellende Dichtmasse wie bei früheren Dethleffs-Modellen war am Testwagen nicht zu entdecken.

Die Kabine des Esprit T ist mit Styropor-Isolierung, Aluminium-Außenhaut und Holzverstärkungen in den Wänden konventionell aufgebaut. Nach wie vor setzt Dethleffs sie auf einen Holzboden. Stabile Fenster mit Aluminium-Rahmen kosten Aufpreis gegenüber vorgehängten. Robuste Metallschürzen gibt es serienmäßig.

» Wohnen

Sitzen, kochen und duschen lässt sich prima im T 7090.  Auch drinnen macht die Haube über dem Esprit - Cockpit Eindruck. Darin integriert ist ein großes Fenster, das direkt an die Panorama Dachhaube anschließt. Beides umfließt eine mit Kunstleder bespannte Blende. Würden dahinter nicht Sperrholz-Distanzbretter hervorlugen, wirkte sie noch schicker. Am Rand schimmert stimmungsvoll indirektes LED-Licht.

Die Sitzgruppe des Esprit lädt zum entspannten Faulenzen ein. Der Schenkel der L-Bank taugt zwar nicht als ausgewachsener Sitzplatz. Aber mit dreh- und höhenverstellbaren Pilotensesseln und breitem Seitensofa finden im Esprit T 7090 bis zu fünf Personen gut Platz. Der große Tisch lässt sich für den Durchstieg nach hinten weit zur Seite schieben. Mit Hilfe einiger zusätzlicher Polsterteile kann man das Arrangement optional auch zum halbwegs bequemen Zusatzbett umbauen. Zielgruppe des Esprit T 7090 sind Paare, die sich lieb haben und daher auch mit der schmalen Liegefläche des Längsbetts zurechtkommen. Die Länge an der Wandseite geht mit 1,97 Meter für die meisten Mitteleuropäer in Ordnung. An der Bequemlichkeit der Kaltschaummatratzen mit Lattenrost Unterfederung gibt es nichts auszusetzen. Man vermisst jedoch eine zweite Leselampe und eine Ablage am Kopfende. Wer einen langen Arm besitzt, kann für Lektüre und Lesebrille das Schminktischchen auf der linken Wagenseite benutzen.

Durch den offenen Heckbereich wirkt der Innenraum des Esprit T 7090 recht großzügig, obwohl er optisch schon an der Tür zum Bad endet. Dahinter verbirgt sich eine handfeste Überraschung: ein sehr geräumiges und wohnlich eingerichtetes Bad mit großem Waschbecken, praktischen Haken und Ablagen, einem großen Spiegelschrank sowie der üblichen Cassettentoilette.

Die separate Dusche des Esprit erreicht fast Haushaltsformat. Eine hohe Wanne mit zwei Abläufen und mit Kunststoff verkleidete Wände locken zu ausgiebigem Gebrauch. Allerdings muss man die Brause in die Hand nehmen; die Duschstange reicht gerade mal bis zum Kinn. Ein für Feuchträume geeigneter Heizkörper badet ebenfalls mit. Um die Entlüftung kümmern sich die Dachhaube und ein Milchglasfenster - mehr als sonst üblich.
Bestens eingerichtet ist der Esprit T 7090 auch für kulinarisch anspruchsvolle Urlauber. Einige Ideen stammen noch aus dem mit promobil-Leserinnen entwickelten Frauenmobil. So sind die Segmente der Kocherabdeckung einzeln hochklappbar. Das ergibt wahlweise mehr Arbeitsfläche oder mehr freie Kochflammen. Auch machen Auszüge den Stauraum im Unterschrank gut von oben zugänglich. Beim 2012er Modell sind sie sogar beleuchtet. Der hochgesetzte Kühlschrank gegenüber bietet - zumindest optional - ebenfalls reichlich Stauraum.

Als Tech-Tower mit Backofen erweitert er das Nahrungsangebot um Aufläufe, frisch aufgebackene Croissants und Ähnliches.
Die Abdichtung um die Arbeitsplatte weist jedoch einige Lücken auf. Auch der Plastik-Zapfhahn über der Spüle wirkt nicht besonders solide.

» Beladen

Wer die Stauraumkapazität ausnutzen will, muss auflasten. Stauraum bietet der Esprit T 7090 zwei Reisenden reichlich. Kleidung und leichteres Gepäck lassen sich in die sieben Hängeschränke übersichtlich einsortieren. Die Dame des Hauses freut sich über den Schminktisch neben dem Bett samt Wäscheschublade. Die Schließmagnete der Vitrine darüber erfordern jedoch die Hand eines kräftigen Gentleman. Der Kleiderschrank ist breit, aber nicht besonders tief. Er macht Platz für den Durchgang nach hinten. Eine ausziehbare Stange erleichtert das Aufhängen von Hemden.
Im Gegensatz zum beleuchteten Kleiderschrank verfügt der hohe Außenstauraum rechts hinten samt Durchlade unter dem Boden über kein Licht. Ebensowenig der Bettkasten, der auch von innen zugänglich ist. Hakelige Tür- und Klappenschlösser stören.

Campingmöbel, Kabeltrommel und Keile bekommt man prima unter. Dass sich Fahrräder nur auf einem Heckträger transportieren lassen, bringt der Grundriss mit sich: Heckbad und Längsbett lassen keinen Platz für eine geräumige Garage. Abgesenkte Unterflurfächer wie beim integrierten Esprit I gibt es nicht.  
Wer Wert auf eine umfangreiche Ausstattung legt, tut gut daran, gleichzeitig auch in eine Auflastung zu investieren. Als 3,5-Tonner hätte der Testwagen nicht einmal 200 Kilogramm Zuladung geboten. Logische Konsequenz: mindestens den 3,85-Tonner wählen.

» Bordtechnik

Die Ausstattung des Esprit T ist konventionell und unkompliziert. Dies gilt umso mehr, als die Aufpreisliste etliche Verlockungen und Schmankerl bereithält. Unter anderem gibt es für mehr Komfort im Winterurlaub eine Warmwasserheizung. Sie ist fachgerecht installiert und wärmt auch den Fußboden. Eine ganze Anzahl Heizkörper im nicht isolierten Fahrerhaus arbeitet bei Bedarf gegen die hier einfallende Kälte an.

Ebenfalls optional fördert eine Druckpumpe das Frischwasser aus dem 125-Liter-Tank in der Sitztruhe in Küche und Bad - großteils durch stabile Rohrleitungen. Der Abwassertank sitzt in einer isolierten Wanne unter dem Heck.
Die umfangreiche Beleuchtung basiert überwiegend auf sparsamen, langlebigen LEDs. Die bogenförmige Außenlampe über der Aufbautür sieht zwar hübsch aus, lockt aber Insekten unmittelbar vor den Eingang - Moskitotür hin oder her. Die Elektroinstalla-tion sollte übersichtlicher sein. Bordakku, Ladegerät und der 230-Volt-Anschluss sind nicht beieinander, sondern an verschiedenen Stellen im Wohnraum positioniert. Das macht lange Kabelwege nötig. Ganze Stränge verlaufen streckenweise ungeschützt unter dem Wagenboden. Ein Trittstufenschalter im Cockpit wäre hilfreich.


» Fahren

Als sehr genügsam entpuppt sich der Ducato mit Euro 5. Auf der Straße gibt sich der Esprit, abgesehen vom großen Wendekreis, kaum eine Blöße. Sicher untersteuernd zieht der Ducato durch Kurven. Auffallend waren die kurzen Bremswege des Testwagens. Beim Überholen von Lkw ist ein kräftiger Seitenwindschubser spürbar. Und die Sicht könnte besser sein: Die Führung des Front-scheibenrollos beschneidet das Blickfeld am oberen Rand und macht die Sonnenblende nahezu unbrauchbar.

Unauffällig, aber entscheidend hat sich der Fiat Ducato Richtung Euro 5 weiterentwickelt. Der getestete 130-PS-Motor brillierte nicht gerade mit Spritzigkeit. Es handelte sich jedoch um ein frühes Exemplar, Fiat bietet dafür inzwischen ein Software-Update an. In der Ebene kam man im Testwagen befriedigend voran; am Berg brauchte er Drehzahl. Mit dem Esprit T 7090 schultert der Ducato aber auch kein Leichtgewicht. In puncto Verbrauch hat Fiat offenbar nicht zu viel versprochen: Im Schnitt 10,6 Liter auf der promobil-Testrunde liegen merklich unter dem Niveau des alten Euro-4-Motors.  

» Preise

Der Preis steigt auf 55.999 Euro, Extras gehen ins Geld. Bei der Preisgestaltung des Esprit bleibt Dethleffs auf dem Teppich. Gegenüber dem Vorgängermodell ist der Esprit T 7090 3.000 Euro teurer; ein Teil davon geht auf den neuen Fiat zurück, der in der Serienmotorisierung 15 PS zulegt. Sinnvoll sind Chassis- und Family-Paket, für die gut 4800 Euro fällig sind. Tief in die Tasche greifen muss man für Komfort-Extras wie das Winterpaket für insgesamt 3757 Euro inklusive Motorwärmetauscher und Fußbodenheizung. Keinen Cent Aufpreis kostet dagegen das, was den Esprit einmalig macht: das zweite Gesicht.

Die Baureihe

Dethleffs Esprit T

Preise: 55.999 – 56.999 Euro
Basis: Fiat Ducato
Längen: 7,31 – 7,51 m
Gesamtgewicht: 3499 – 4250 kg

Modelle: Der Esprit T wurde zur Saison 2012 komplett neu aufgelegt. Insgesamt sechs Modelle bietet Dethleffs in der gehobenen Teilintegrierten-Baureihe an; davon allein drei unterschiedliche Einzelbett-Varianten.

Konkurrenten

Modell: Bürstner Solano T 615

Mit konventionellem Längsbad bleibt der Solano T 615 noch unter sieben Meter Außenlänge.

  • Grundpreis: 56.480 Euro
  • Basisfahrzeug:  Fiat Ducato, Turbodiesel 85 kW/115 PS, Radstand 3800 mm, Flachrahmen.
  • Auf- und Ausbau:  Alu-Sandwich-Bauweise, Holzverstärkungen. Wandstärke Wand/Dach/Boden 30/30/40 mm. Isolierung Styropor. 4 Gurtplätze. Betten: 1960 x 1310 mm; 2100 x 1190 mm.
  • Bordtechnik: Gas-Gebläseheizung/Boiler 4000 Watt. Frisch-/Abwassertank 120/90 L. Bordbatterie 90 Ah.
  • Masse und Gewichte: Länge/Breite/Höhe 6920/2300/2750 mm, Leer-*/ zul. Gesamtgewicht 2965/3500 kg
  • Info Telefon:  0 78 51/8 50, www.buerstner.com

Modell: Laika X 718 R

Wie alle Teilintegrierte von Laika gibt es auch den X 718 R mit Hubbett über der Sitzgruppe.

  • Grundpreis: 53.490 Euro
  • Basisfahrzeug:  Fiat Ducato, Turbodiesel 96 kW/130 PS, Radstand 4035 mm, Flachrahmen.
  • Auf- und Ausbau:  Alu-GfK-Sandwich-Bauweise, Holzverstärkungen. Wandstärke Wand/Dach/Boden 35/35/55 mm. Isolierung Styrofoam. 4 Gurtplätze. Betten: 1900 x 1330 mm; 2000 x 950 mm.
  • Bordtechnik: Gas-Gebläseheizung/Boiler 6000 Watt. Frisch-/ Abwassertank 100/110 L. Bordbatterie k. A.
  • Masse und Gewichte: Länge/Breite/Höhe 7360/2300/2820 mm, Leer-*/ zul. Gesamtgewicht 3075/3500 kg
  • Info Telefon: 00 39 055/8 05 81, www.laika.it


Modell: Rapido 7099

Außenwände und Dach seiner Mobile baut Rapido traditionell in GfK-Sandwich-Bauweise.

  • Grundpreis: 67.200 Euro
  • Basisfahrzeug:  Fiat Ducato, Turbodiesel 96 kW/130 PS, Radstand 4305 mm, Alko-Tiefrahmen.
  • Auf- und Ausbau:  GFK-Sandwich-Bauweise, Holzverstärkungen. Wandstärke Wand/Dach/Boden 30/30/40 mm. Isolierung Styrofoam. 4 Gurtplätze. Betten: 1980 x 1350 mm; 2100 x 1200 mm.
  • Bordtechnik: Gas-Gebläseheizung/Boiler 6000 Watt. Frisch-/ Abwassertank 100/100 L. Bordbatterie 100 Ah.
  • Masse und Gewichte: Länge/Breite/Höhe 7390/2350/2790 mm, Leer-*/ zul. Gesamtgewicht 3100/3500 kg
  • Info Telefon: 0 73 92/91 11 77, www.rapido-reisemobile.de

* Masse in fahrbereitem Zustand; alle Werte Werksangaben; die Fotos stehen beispielhaft für die jeweilige Baureihe. Grundpreis jeweils mit Vorfracht, TÜV und Zulassungsbescheinigung Teil II

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Beate Jeske

Datum

21. September 2011
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